Die Lettrétage im Februar

(c) siehe unten

Nicht nur multilingual, multimedial und musikalisch, sondern obendrein kriminell – das ist der Februar in der Lettrétage. Mehrsprachig wird es gleich am 1. Februar mit einem Abend zur schwedischen Gegenwartsliteratur: BÜCHER VON HIPSTERN, HIPPIES UND HEDONISTEN? Unabhängig davon, wie die Antwort auf diese Frage ausfällt: Hedonistisch Gesinnte kommen auf jeden Fall auf ihre Kosten. Neben einem Foodtruck mit Köttbullar gibt es für Genussmenschen drei literarische Kostproben. Agnes Lidbeck, Ulf Karl Olov Nilsson und Tone Schunnesson stellen erstmals auf Deutsch zugängliche Texte vor, die Teil einer Sonderausgabe der Zeitschrift „die horen“ sind. Was diese Ausgabe will und was die Gegenwartsliteratur aus Schweden zu bieten hat, erläutert der Übersetzer Paul Berf, einer der Herausgeber, vorab im Interview.

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Zitat der Woche

Wenn die Frau Mutter wird, wechselt die Maßeinheit für ihren Wert von der Anziehungskraft zu körperlichem Durchhaltevermögen. Mutterschaft kann mit dem Tragen gewisser religiös kodierter Kleidungsstücke verglichen werden. Das Fleisch wird anonym, geschaffen für anderes als Begierde. Die Mutter soll kein Individuum sein, das – dank ihrer einzigartigen Proportionen; Taillenumfang im Verhältnis zur Länge der Nägel – von anderen unterschieden werden kann. Deshalb soll sie nicht mehr bei ihrem Namen genannt werden, oder bei einem ono­ma­to­po­e­tischen Gleichnis. Sie soll stattdessen, wie alle Werkzeuge, ihrer Funktion nach bezeichnet werden.

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Interview mit Raquel Erdtmann und Klaus Ungerer über Gerichtsreportagen in den 20er Jahren und heute

Raquel Erdtmann (c) Jens Ihnken; Klaus Ungerer (c) Anusch Thielbeer

Einer „der besten Gerichtsreporter der Weimarer Republik“ (FAZ) und eine Autorin, die durch „Klugheit, Beobachtungsgabe, Witz“ (SZ) beeindruckt, sind am 10. Februar in der Lettrétage (wieder) zu entdecken: DIE SCHÖNSTEN VERBRECHEN, von denen Paul Schlesinger, genannt Sling, und Gabriele Tergit in den 20er Jahren aus Berliner Gerichtsverhandlungen berichtet haben, werden an diesem Abend eine Stimme bekommen – genauer gesagt: zwei Stimmen, dank Raquel Erdtmann und Klaus Ungerer, die ihrerseits für ihre Gerichtsreportagen bekannt sind. Sie werden über ausgewählte Texte von Tergit und Sling sprechen und aus ihnen vorlesen. Was sie an ihren beiden literarischen Vorläufern schätzen und was die Gerichtsreportage als Genre besonders macht, haben sie in einem Interview verraten.

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„Als literarischer Übersetzer muss man eigentlich lebenslang versuchen, die Veränderungen in der schwedischen Sprache aufzusaugen“ – Interview mit Paul Berf

(c) Susanne Fern

Schwedenkrimis sind hierzulande die Köttbullar der Literatur. Die einen wie anderen dominieren die Vorstellung davon, was in dem skandinavischen Königreich gelesen und gegessen wird. So weit das Klischee. Dank der Unterstützung der Schwedischen Botschaft in Berlin und des Swedish Literature Exchange/Swedish Art Council in Stockholm bietet sich am 1. Februar in der Lettrétage die Möglichkeit, das eigene Schwedenbild zu erweitern. Unter dem Titel BÜCHER VON HIPSTERN, HIPPIES UND HEDONISTEN? werden an diesem Abend Agnes Lidbeck, Ulf Karl Olov Nilsson und Tone Schunnesson den Facettenreichtum der schwedischen Gegenwartsliteratur vor Augen führen. Dass das deutsche Publikum die drei kennen lernen kann, geht zu einem maßgeblichen Teil auf das Konto des Übersetzers Paul Berf, der ebenfalls mit von der Partie sein wird. Er hat uns freundlicherweise schon vorab Rede und Antwort gestanden.

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Zitat der Woche


Rückwärts ging er in die Wohnung zurück. Die Frauen am Himmel ließ er nicht aus den Augen. Früher als erwartet entwichen selbst Nachzüglerinnen. Die Balkontür stand offen. Das Geländer war leicht zu überwinden. Er bräuchte nur etwas Anlauf zu nehmen. Dieses Land, sagte Anton, ist ein sehr schönes Land.

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Zitat der Woche


Hellgrüne Spitzen ragen
über die Dächer meiner Straße.
Das Haus gegenüber verdeckt den Stamm des Baums,
in den äußersten Fortsätzen der Peripherie
vollzieht sich die Verwandlung.
Im Haus wohnt der junge Schauspieler
aus „Als wir träumten“,
steht mit nackter Brust auf dem Balkon,
die Familie aus Irak: die Frau raucht,
putzt die Wand, das Mädchen hängt Wäsche auf.
Im Parterre vier Bauarbeiter aus Bulgarien auf Plastikstühlen,

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Die Lettrétage im Januar

(c) Mirko Lux

Im neuen Jahr nimmt das Lettrétage-Programm eine Woche Anlauf, um am 11. Januar zunächst in einer Nische zu landen – oder vielleicht sogar „in den Nischen der Nischen“. Dort fühlt sich laut Selbstbeschreibung die Berliner etcetera press heimisch. Zusammen mit dem Black Ink Verlag wird sie neue Lyrik vorstellen, namentlich von Titus Meyer, Karla Reimert Montasser, Erec Schumacher und Nikolai Vogel. SURVIVAL IN NISCHEN schließt dabei auch die Frage danach ein, was es bedeutet, einen Verlag zu gründen und am Leben zu halten, und wie es ist, Schreiben und Familie unter einen Hut zu bekommen. Und es geht poetisch weiter: Am 15. Januar, treffen sich, angestiftet von der parasitenpresse, die Kölner und Berliner Literaturszene zu einem PARASITÄREN VERLAGSABEND, an dem Veronique Homann, Jelena Jeremejewa, Adrian Kasnitz, Daniel Ketteler, Jonas Linnebank und Matthias Nawrat aus ihren jüngst erschienenen Texten lesen werden.

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Zitat der Woche


raureif – dann raube ich ergeben noch etwas licht

einbußen verflimmern in gehäusen gedrehter worte

o lass uns lauffeuer entzünden, verwundete sein

oft überlebt das helle im dunklen, verwandelt bruch-

stücke in selbstbilder, deckt sich ein mit vorzeichen

die richtlinienblätter sind; das zu erwartende korn

gezeichnet wie insignien im schlickigen tintenpilzlicht

essbar, da mundraub als mammutaufgabe jetzt währt

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