Die Lettrétage im Juli

36 Grad hin oder her, in der Lettrétage gibt es auch im Sommer kein Hitzefrei. Stattdessen springen wir mit einem schwungvollen Köpper ins Juli-Programm. Diesen Monat tauchen wir ein in Erstlingswerke und unveröffentlichte Texte junger Autor*innen und lassen uns durch zahlreiche Veranstaltungen zum Thema Übersetzung treiben. Mit bunten Performances von Soul and the City und Poetic Hafla kommt dabei auch das sommerliche Party-Feeling nicht zu kurz. Und wer bei diesen Temperaturen dann doch mal ins Schwitzen gerät, kriegt einen eiskalten Drink an unserer Bar serviert.

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Zitat der Woche

„Woher stammst du, Wohltäter?“

„Aus Massandra bei Odessa“, krächzte Chaim.

„So ein Zufall – mein Vater besaß Weinberge dort.“

Darja kramte im Schrank und holte eine staubige Weinflasche ans Licht.

„Die letzte Flasche! Der Lieblingswein des Zaren. Massandra, Jahrgang 1891. Mein Geburtsjahr. Fuchsschwanztraube. Seine Majestät zog sie jedem Château Lafite vor.“

Sie goss den Wein in dieselben Tassen, aus denen sie Tee getrunken hatten. Der Name auf dem Flaschenetikett war Lydia Liliu.

„So hieß die letzte Königin Hawaiis, sie hat im selben Jahr den Thron bestiegen“, erklärte Darja freundlich. „Vater liebte Geschichte mehr als mich.“

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„[Jetzt] scheinen meine Bücher weniger exotisch und skurril, jetzt glaubt man ihnen.“ – Interview mit Svetlana Lavochkina

Am Freitag, den 01. Juli, findet die Veranstaltung ZWISCHEN DNIPRO UND KRYM | Між _Дніпром _і _Кримом _ in der Lettrétage statt. Die ukrainische Autorin Svetlana Lavochkina und ihr Landsmann und Schriftstellerkollege Oleg Senzow werden gemeinsam mit den Übersetzerinnen Diana Feuerbach und Claudia Dathe über ihre Bücher sprechen. Sowohl Lavochkinas Roman DIE ROTE HERZOGIN als auch Senzows autobiographisches Buch HAFT sind kürzlich auf Deutsch bei Voland&Quist erschienen.

Zu diesem Anlass haben wir mit Svetlana Lavochkina gesprochen.

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Zitat der Woche

Ich höre Gebrüll. Laut und durchdringend bohrt es sich in meine Ohren. Eine Autotür geht auf. Und wieder zu. Worte einer Frau. Sie klingen beschwichtigend. Ich verstehe sie nicht. Mein Fenster ist geschlossen. Der Ausblick verhangen. Ein wenig Blau schiebt sich hell durch das Wolkengrau. Vögel zwitschern. Es überwiegt Tristesse. Stumpfer Nachwinter. Nur das frische Grün auf einem dreieckigen Zipfel Wiese leuchtet im Kontrast zu roten Tupfern drum herum: ein Auto, zwei Verkehrsschilder. „Achtung Bauarbeiten!“ Das ist wegen Yassin. Er ist der Vater des brüllenden Mädchens. Ich habe ihn vor ein paar Tagen erst – zur Zeit haben wir dafür mehr Zeit – näher kennen gelernt und mit ihm geplaudert; „geschwätzt“, sagt man hier. Er baut. Seit Wochen. Das monotone Grummeln des Baggers begleitet mich durch die ansonsten stillen Coronatage. Es ist nicht viel Leben hier.

Ein Fensterblick – von Dorothee Raiser

Weitere Fensterblicke gibt es am 25. Juni von Studierenden des Masterstudiengangs Biografisches und Kreatives Schreiben. Gemeinsam mit Guido Rademacher (Moderation) haben die Studierenden während dem Lockdown Texte geschrieben, die sie nun lesen, performen und musikalisch vortragen werden.

Zitat der Woche

Frauen auf Friedhöfen I

In letzter Zeit dehne ich meine Spaziergänge gern noch etwas weiter aus und bin dabei auch auf die umliegenden Friedhöfe ausgewichen. (…) Manchmal begleitet mich meine Tochter und mittlerweile kennen wir die Wege, die Plätze mit den Ehrengräbern und wissen inzwischen, wer da liegt und was sie zu Ehren kommen ließ. Meistens sind es bekannte Männer, wie die Brüder Grimm oder der Mediziner Rudolf Virchow, Verleger wie Bock oder der Bildhauer Drake und der Archäologe Curtius, deren Namen wir schon mal gehört haben. Selten finden wir auch ein weibliches Ehrengrab. Es sind insgesamt drei auf dem Alten St.-Matthäus-KirchFriedhof, nämlich die von Minna Cauer, Hilde Radusch und Hedwig Dohm. Alle drei Feministinnen und Frauenrechtlerinnen, wie wir herausfinden, denn ihre Namen sagen uns leider nichts. Auf einer Bank in der Nähe lesen wir im Handy, dass Hedwig Dohm 1831 als eines von achtzehn Kindern geboren wurde und es schaffte, Lehrerin zu werden, obwohl sie im Gegensatz zu den Brüdern nicht auf das Gymnasium gehen durfte. Sie selbst bekam fünf Kinder, schrieb zahlreiche feministische Bücher, in denen sie die völlige rechtliche, soziale und ökonomische Gleichberechtigung von Frauen und Männern sowie das Stimmrecht als einer der Ersten in Deutschland forderte – was der bürgerlichen Frauenbewegung insgesamt viel zu radikal erschien.

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Uraufführung von The Poets‘ Sounds im Livestream

Wer es am 11. Juni um 19 Uhr nicht ins Collegium Hungaricum Berlin schaffen sollte, kann die Premiere unseres Projektes The Poets‘ Sounds bequem von zu Hause oder unterwegs im Livestream verfolgen. Zu sehen sein wird ein literarisches Sprechkonzert des SprachKunstTrios sprechbohrer, das dreistimmige Stücke von sechs internationalen Autorinnen und Autoren zur Aufführung bringt. Und wenn es am 11. Juni nicht passt, gibt es am 12. Juni in Köln eine zweite Chance:

Die Lettrétage im Juni

Nach mehreren Monaten Vorarbeit ist es am 11. Juni so weit: Dann steigt im Berliner Collegium Hungaricum die Premiere von The Poets‘ Sounds, unserem internationalen Projekt, das sich aus dem Grenzbereich zwischen Literatur und Musik entfaltet. Für die Erschließung dieses Niemandslands hat die Lettrétage in Zusammenarbeit mit dem Kölner SprachKunstTrio sprechbohrer sechs europäische Autorinnen und Autoren gewinnen können. Sie haben je ein sprachmusikalisches Werk für drei Sprechstimmen geschrieben, die durch die sprechbohrer musikalisch interpretiert werden. Wie diese Stücke unterschiedliche Phänomene fassen und zur Darstellung bringen, macht eine ihrer Qualitäten aus. Denn sie sind lebendige Literatur, die durch die Live-Interpretation auf der Bühne mehrere Sinne zugleich anspricht. Und das nicht nur in einer Sprache: Neben Deutsch und Englisch kommen z. B. auch Finnisch, Katalanisch und Ungarisch zum Einsatz. Der Eintritt ist frei! Wir bitten jedoch um die Buchung eines Tickets. Etwaige Berührungsängste nimmt vielleicht dieser Podcast mit dem Ensemble sprechbohrer. Wer nicht hören will, kann in diesem Fall aber auch sehen:

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