Zitat der Woche

Aber nur, weil das aufrichtig knapp bemessene Dankeschön sich dem aufrichtig knapp bemessenen Trinkgeld vergütet. Das hat die Konsequenz zur Folge, dass das Gespräch sich deshalb eben großzügig wegbewegt. Daher kann sich das zuckende Augenlid auch nicht auflockern. Denn die Musik taktet die Spiegelungen in der Auslagenscheibe. Die Stimmung wird dadurch dennoch im Barrückenspiegel verzerrt. Trotzdem schwimmt der Tresen weiterhin im Tratschen. Zwei Bierflaschen teilen daher einen intimen Moment. Weshalb die Serviette rasch verknüllt wird. Obwohl doch die Zahnlücke so zart dem Witz entgegenblitzt. Die Nase rümpft sich deshalb wegen dem vernommenen Gerücht. Wodurch die Aussage das andre Gemüt umwirft. Doch nur, weil das Bier sich grob verspätet. Wodurch eine politische Meinung unvorsichtig hervorkullert.

Auszug aus “Weil ja das Prinzip BAR EXCELLENCE sich in und alles zu verwickeln scheint” von Maximilian Scheffold.

Aus: Perspektive Heft 98 + 99 (2019)

Zitat der Woche

Where there once had been a low-end stationery store minded by an elderly beauty queen, there was now a store for high-end espresso machines minded by nobody. Where once there had been an illegal beer garden in a weedy lot, there was now a complex of luxury lofts with Parisian-style ivory façades. Where once there had been a bookstore and a bike shop and a bakery, there was now a wax museum for tourists. Where once there had been an empty lot there was now a building.

Auszug aus “The Ruins of Nostalgia 20” von Donna Stonecipher. Die Dichterin liest nächste Woche Donnerstag bei uns im Rahmen der Lesung des Berlin Writers’ Workshop.

Von Lyrikline.

Zitat der Woche

Um der Situation Würde zu verleihen, ließ das Bestattungsinstitut GLORIA eine CD mit Trauenklassikern laufen. Leider waren sie nicht von einem Orchester, sondern mit einer Elektroorgel nachgespielt. “Ave Maria”, ” Candles in the Wind” und ” Clair de Lune” fiepten durch die virtuellen Orgelpfeifen, als gäbe es keine Unterschiede zischen den Tönen und Rhythmen. Im ersten Moment hatte ich den Orgelklang für randominisierten Midi-Sound aus den 90ern gehalten, bis Paula “Ist das Beethoven?” fragte und ich genauer hinhörte.

Auszug aus “Eine Einäscherung” von Leszek Stalewski.
Aus: Sprache im technischen Zeitalter, Heft 225 (März 2018)

Leszek Stalewski liest diesen Sonntag in der Lettrétage.
Hier geht es zur Veranstaltung.

Die Lettrétage beim Exzellenzcluster “Temporal Communities”

Im Januar 2019 hat an der Freien Universität Berlin der Exzellenzcluster “Temporal Communities: Doing Literature in a Global Perspective” seine Arbeit begonnen. Ziel des Clusters ist eine Neukonzeption der Literatur in globaler Perspektive. Wir freuen uns sehr, dass das Projekt den Kontakt mit der freien Literaturszene in Berlin gesucht hat und sein Programm in Kooperation mit verschiedenen Initiativen vor Ort umsetzt, darunter auch die Lettrétage.

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Zitat der Woche

an die Wand gedrückt, wieder

(Ich-Taste) wie damals, mit sechs
oder sieben, die Eltern (im Traum

sind im Krieg)
kalt weiß massiv

(im Scheidungskrieg) geblieben
der Eindruck, den die Wand

ihm – wem? –
wieder gut macht

Auszug aus “Als ich neulich nachts” von Christian Filips. Der Schriftsteller, Musikdramaturg und Regisseur nahm an diesem Wochenende an der deutsch-tschechischen Literaturbegegnung “Reality Czech” teil. Hier können Sie das Gedicht auf Lyrikline nachhören.