Die Lächerlichkeit und das Glück, sie zu erleben – Ulrike Damm liest aus ihrem Werk

„Der Mann zieht den Trenchcoat aus. Soll er bestellen oder noch
warten? Er wechselt die Sitzhaltung, rutscht nach unten, als wolle
er von niemandem gesehen werden, hängt leger im Stuhl, streckt
die Beine aus, mimt Bequemlichkeit, und richtet die Augen in
höchster Aufmerksamkeit ganz ungestört auf nichts.
Der Ärger kommt trotzdem, denn der Wartende ist immer der
Dumme. Und dieser Wartefall ist noch dazu ein vollkommen
überflüssiger, einer, dem er sich nicht notwendigerweise hätte
aussetzen müssen. Auf wen bitte wartet er denn und warum?
Er kennt diese Frau doch gar nicht, weiß noch nicht einmal ihren
Namen!“ (aus: Ulrike Damm, Hadermacher und Vogel, 2024)
Wie sehr sich dieser Mann bemüht, sich korrigiert, sich selbst entwirft.
Der eigenen Inszenierung ausgeliefert, will er in bestimmter Weise erscheinen.
Der vielversprechende Fehler: Er beobachtet sich selbst.
Das Zuvielwollen ist etwas Herrliches, besonders, wenn man das Scheitern der anderen beobachtet.
Doch auch der, dem Übersicht und Lässigkeit entgleiten, erlebt einen kurzen Moment des Glücks:
Er verliert die Kontrolle über sich selbst – und ist frei.
In der Lächerlichkeit gibt es also nur Gewinner.
Viele davon sind die Figuren in Ulrike Damms Werk. Von ihnen hören wir an diesem Abend.





