The Poets‘ Sounds – Literarisches Sprechkonzert. Uraufführung am 11. Juni 2022 in Berlin

20 May 2022
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Das Projekt: Sprechmusik & Literatur

The Poets‘ Sounds ist ein Experiment im Grenzbereich zwischen Neuer Musik und Literatur. Für dessen Erkundung hat das Berliner Literaturhaus Lettrétage in Zusammenarbeit mit dem Kölner SprachKunstTrio sprechbohrer sechs internationale Dichter*innen gewinnen können. Sie haben sechs Werke für drei Sprechstimmen komponiert, die nun durch das Sprachmusik-Ensemble sprechbohrer erstmals aufgeführt werden: am 11. Juni um 19.00 Uhr im Collegium Hungaricum in Berlin. Eine Europa-Tournee mit Stationen in Deutschland, Österreich, Serbien, Finnland und Zypern schließt sich an. Das innovative transdisziplinäre Projekt wird u.a. gefördert von der Kulturstiftung des Bundes, dem Land Berlin, der Kunststiftung NRW, der Danish Arts Foundation, der Norwegischen Botschaft und der Acción Cultural Española. Mit diesem Projekt gibt die Lettrétage gezielt einer Kunst Raum, die sich Etiketten verweigert und Marktkonventionen sprengt.

„Als Musiker und Phonetiker“, so Georg Sachse vom Ensemble sprechbohrer, „fasziniert mich an diesem Projekt dieser erstaunliche Moment, wenn aus dem gesprochenen Wort ein Klangereignis wird, wenn Sprechmelodien und -rhythmen plötzlich als musikalische Ereignisse empfunden werden. Haben Fremdsprachen unterschiedlichen musikalischen Gehalt? Möchten die Texte (trotzdem) verstanden werden? Lassen sich Wellenrauschen, ermattetes Wandern oder ausschwärmende Bienen noch wahrnehmen, auch wenn diese (Schall-)Ereignisse in einer unbekannten Sprache stattfinden?“

Literarisches Sprechkonzert – das Programm

Das Programm des Abends ist zweigeteilt: Während die sprechmusikalische Aufführung den Höhepunkt bildet, kommen im ersten Teil die anwesenden Autor*innen mit Lesungen aus ihrem literarischen Werk selbst zu Wort. Wie die im Projekt entstandenen Stücke unterschiedliche (sprachliche wie nichtsprachliche) Phänomene fassen und zur Darstellung bringen, macht eine ihrer Qualitäten aus. Denn sie sind lebendige Literatur, die durch die Live-Interpretation auf der Bühne mehrere Sinne zugleich anspricht. Für die Autor*innen war es zum überwiegenden Teil etwas gänzlich Neues, einen Text für drei Stimmen zu schreiben und dafür eine Notation zu finden. Gerade diese Herausforderung machte künstlerische Innovation möglich für Tone Avenstroup (Norwegen), Eduard Escoffet (Spanien/Katalonien), Katalin Ladik (Ungarn), Morten Søndergaard (Dänemark), Miia Toivio (Finnland) und Elisabeth Wandeler-Deck (Schweiz).

Ihnen gemeinsam sind Transdisziplinarität und Mehrsprachigkeit, die sich auch in den Stücken niederschlägt: Mare Monstrum (Deutsch, Englisch, Norwegisch), Ode to the Walking Class (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Katalanisch), Drei Eier (Deutsch, Serbisch, Ungarisch), They (Dänisch, Deutsch, Englisch, Finnisch, Italienisch), Rakas Hupsu (Deutsch, Finnisch), ricochet rikoschett (Deutsch, Englisch, Italienisch).

Die Stücke

Die unterschiedlichen Sozialisationen und Schwerpunkte der Autor*innen (Literatur, Performance, Theater, Bildende Kunst) haben – bei gleichen formalen Vorgaben – zu sowohl abwechslungsreichen als auch eigensinnigen Ergebnissen geführt. Das Spektrum ist breit gefächert. Es umfasst Hochpolitisches wie die Situation der Bootsflüchtlinge auf dem Mittelmeer (Mare Monstrum) und globale Migrationsbewegungen (Ode to the Walking Class), beinhaltet aber auch eine Annäherung an das Phänomen des Echos (ricochet rikoschett) oder ein auf lautlich-gestische Qualitäten setzendes Sprechstück (Rakas Hupsu) und schließt mit einer Reflektion über Pronomen als gesellschaftlich aufgeladenes Thema (They) sowie einem absurd-amüsanten Performancestück (Drei Eier).

Transdisziplinäre Zusammenarbeit von Musiker*innen und Autor*innen

Creating and Presenting New Works of Speech-Music Literature – der Untertitel des Projekts ist Programm: Der Präsentation geht eine lange gemeinsame Produktionsphase voraus. Drei mehrtägige Workshops haben Musiker*- und Autor*innen bei ihrer künstlerischen Zusammenarbeit seit Oktober 2021 begleitet und eine hohe Qualität der Werke ermöglicht. Eine der Kernfragen lautete: Welche ästhetischen Möglichkeiten eröffnen sich für die Schöpfung zeitgenössischer Literatur,
wenn die Grenze zwischen poetischer Sprache und Neuer Musik gezielt überschritten wird? Und wie kann es gelingen, eine sprachlich-literarische Idee in eine verbindliche musikalische Notation zu überführen?

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