Senatshaushalt sieht Stärkung der Ankerinstitution Lettrétage vor

10 Sep 2019
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Zahlen der Künstler-Sozialkasse zeigen: Infrastruktur für die freie Berliner Literaturszene muss erhalten bleiben

Berlin, 10.9.2019 – Das Kreuzberger Literaturhaus Lettrétage ist im aktuellen Kulturhaushalt des Berliner Senats mit 200.000 Euro jährlich eingeplant. Damit wird die seit 2018 bestehende Basisförderung fortgesetzt und erhöht. Die Mittel sollen auch in Zukunft dafür eingesetzt werden, eine Infrastruktur für die freie Literaturszene zu schaffen und zu erweitern: Für literarische Projekte bietet die Lettrétage einen kostenfrei nutzbaren Raum und begleitet diese durch Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation und Organisation. Daneben können freie Veranstalter*innen der Literaturszene, unabhängige Verlage und Literaturzeitschriften die Lettrétage auch für Redaktionssitzungen oder Workshops kostenfrei nutzen. Außerdem ist sie für Projektkooperationen mit anderen Künstler*innen und Projektträgern offen. Hinzu kommen ein ebenso kostenloses, separat gefördertes Beratungsprogramm im Rahmen des Projekts „Schreiben & leben“ und regelmäßige Angebote zur Vernetzung. Dass die freie Szene eine solche Infrastruktur auch braucht, zeigen gerade bereitgestellte Zahlen der Künstler-Sozialkasse (KSK). Demnach waren im Jahr 2018 in Berlin insgesamt 10.050 Personen im Bereich „Wort“ versichert. Dazu zählen neben literarischen Autor*innen, Lektor*innen, Übersetzer*innen und freien Veranstalter*innen auch Journalist*innen, Sachbuch- und wissenschaftliche Autor*innen.

LITERATUR BRAUCHT RÄUME


„Wir gehen davon aus, dass die ‚Dunkelziffer‘ noch wesentlich höher ausfällt“, sagt Tom Bresemann, Co-Hausleiter der Lettrétage. „Denn in der KSK ist nur versichert, wer hauptberuflich als freier Autor tätig ist und keine wesentlichen anderen Einkünfte hat. Viele Literaturschaffende müssen aber ihren Lebensunterhalt wesentlich aus
anderen Quellen bestreiten. Die Zahlen bestätigen für uns, dass Strukturen, wie sie die Lettrétage bereitstellt, gebraucht werden. Die freie Literaturszene braucht Räume, in denen sie Veranstaltungen kostenfrei abhalten und sich vernetzen kann. Die bestehende Infrastruktur für die Szene muss erhalten bleiben.“
Bei den von der Künstler-Sozialkasse bereitgestellten Zahlen handelt es sich auch um die ersten, die einen Einblick in die ökonomische Situation der Berliner Literaturszene ermöglichen. Denn zusätzlich zur Zahl der Versicherten ist nun auch das durchschnittliche Jahreseinkommen der Versicherten bekannt – und das deutet auf eine prekäre Situation der freien Literaturschaffenden in Berlin hin. Das Jahreseinkommen von Berliner Autor*innen im Bereich Belletristik betrug 2018 durchschnittlich etwas mehr als 16.000 Euro brutto. Bei freien Lektor*innen liegen die Zahlen nur unwesentlich höher. Urheber*innen von Bearbeitungen (dazu zählen z.B. Übersetzungen) verdienten durchschnittlich etwa 17.500 Euro brutto.

LETTRÉTAGE ALS ANLAUFPUNKT


Hier will die Lettrétage auch weiterhin ihre Strukturen zur Stärkung der Literaturschaffenden einsetzen. Seit 2006 ist sie Anlaufpunkt für freie Literatur-Aktivist*innen in Berlin, seit 2018 erhält sie eine Basisförderung. Als Ankerinstitution für die freie Literaturszene stellt sie ihre Infrastruktur Autor*innengruppen, Lesereihen, Literaturzeitschriften und vielen anderen Literaturschaffenden zur Verfügung. 2018 wurden die Räume der Lettrétage am Mehringdamm 61 von über 6.000 Personen genutzt.
„Die freie Szene in Berlin ist bunt und vielfältig und wir wollen unseren Anteil zu ihrer Stärkung leisten“, sagt Co-Hausleiterin Katharina Deloglu, die die Lettrétage 2006 gemeinsam mit Moritz Malsch und Tom Bresemann gründete. „Unser Angebot wird das ganze Jahr über genutzt – und es werden kontinuierlich mehr Nutzer*innen. Deshalb freut es uns, dass der Senat das Projekt ‚Ankerinstitution‘ auch weiterhin unterstützt.“ Verschiedene literarische Veranstaltungsformate haben in der Lettrétage bereits ihre Heimat gefunden: zum Beispiel die englischsprachige Lesereihe „Literally speaking“, Info-Abende des Verbands der freien Lektorinnen und Lektoren, Schreib-Workshops mit verschiedenen Schwerpunkten, Leseabende griechischer Autor*innen in Berlin, aber auch klassische Buchvorstellungen und experimentelle Literatur-Performances. Im Oktober richtet die Lettrétage eine dreitägige deutsch-tschechische Literaturbegegnung unter dem Titel „Reality Czech“ aus.

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