Abgeschlossen

The Poets‘ Sounds – Creating and Presenting New Works of Speech-Music Literature entfaltet sich aus dem Grenzbereich zwischen Literatur und Musik. Für dessen Erschließung hat das Literaturhaus Lettrétage in Zusammenarbeit mit dem Kölner SprachKunstTrio sprechbohrer sechs internationale Autorinnen und Autoren gewinnen können. Sie komponierten je ein sprachmusikalisches Werk für drei Sprechstimmen, das durch das Ensemble sprechbohrer musikalisch interpretiert wurde. Drei Produktionsworkshops begleiteten die künstlerische Arbeit: Hier erkundeten die Beteiligten gemeinsam ihre jeweiligen Zugänge und Ansätze, das Potenzial des Instruments Stimme, das klangliche Spektrum von Sprache sowie Fragen der Notation. Im Rahmen eines Konzertes wurden die neu entstandenen Stücke vom Ensemble sprechbohrer in Berlin uraufgeführt, bevor das Publikum sie auch auf Festivals im In- und Ausland erleben konnte.
Künstlerische Leitung: Florian Neuner und das Ensemble sprechbohrer (Sigrid Sachse, Harald Muenz, Georg Sachse)
Georg Sachse, Ensemble-Mitglied der sprechbohrer: „Als Musiker und Phonetiker fasziniert mich an diesem Projekt dieser erstaunliche Moment, wenn aus dem gesprochenen Wort ein Klangereignis wird, wenn Sprechmelodien und -rhythmen plötzlich als musikalische Ereignisse empfunden werden. Haben Fremdsprachen unterschiedlichen musikalischen Gehalt? Möchten die Texte (trotzdem) verstanden werden? Lassen sich Wellenrauschen, ermattetes Wandern oder ausschwärmende Bienen noch wahrnehmen, auch wenn diese (Schall-)Ereignisse in einer unbekannten Sprache stattfinden?“
Tone Avenstroup (Norwegen)
Tone Avenstroup (* 1963 in Oslo) ist eine norwegische Lyrikerin und Übersetzerin. Sie arbeitet auch als Regisseurin und Performerin. Mitgründerin der Theater- und Performancekollektiv BAK-TRUPPEN in Bergen, Norwegen. Eigene Produktionen in Zusammenarbeit mit Musikern und bildenden Künstlern seit 1998. Ihre norwegische-deutsche Lyrik und Texte zur intermedialen Produktionen sind u.a. beim Verlag Peter Engstler erschienen. Sie wohnt in Berlin seit 1990. Webseite: www.syssel.de
Tove Avenstroups Text "Mare Monstrum" mit Interpretation durch das SprachKunstTrio sprechbohrer
Eduard Escoffet (Katalonien)
Eduard Escoffet wurde 1979 in Poblet, Barcelona, geboren und ist ein katalanischer Lyriker mit Schwerpunkt im Bereich der Lautpoesie und Performance. Als Vertreter einer jungen katalanischen Dichtung entwickelt und verbindet er Formen textueller, visueller, auditiver und performativer Poesie. Dabei arbeitet er mit Stimme, Computer, Audioaufnahmen und Projektionen. Escoffet war Gast auf Poesiefestivals in aller Welt, neben zahlreichen europäischen Ländern u. a. in Chile, China, der Dominikanischen Republik, den USA, Nicaragua, Brasilien, Ecuador, Argentinien und Mexiko. Als Veranstalter hat er u.a. das angesehene Festival für experimentelle Literatur PROPOSTA initiiert und ist seinerseits Gast auf zahlreichen internationalen Treffen. Zuletzt erschien 2017 seine Gedichtsammlung Menys i tot.
Katalin Ladik (Ungarn)
Katalin Ladik wurde 1942 in Novi Sad, Jugoslawien, geboren. Aufgewachsen in einem multiethnischen, mehrsprachigen und multikulturellen Umfeld, wurde ihre schöpferische Phantasie in der Literatur (Lyrik und Belletristik), in der bildenden Kunst (visuelle Werke, visuelle Partituren), in der Lautpoesie, in Hörspielen und in Performances durch die vielfältige Kulturlandschaft und die facettenreiche Volkstradition beflügelt. Sie hat siebzehn Gedichtbände in ungarischer Sprache veröffentlicht und zwölf Gedichtbände von ihr wurden in verschiedene Sprachen übersetzt. Ihre visuellen Poesie-Collagen befinden sich im Museum of Modern Art New York; in der Tate Gallery, London; in der Sammlung Kontakt der Ersten Gruppe, Wien; im MACBA, Barcelona; im Museum Sztuki, Lodz; im Ludwig Museum, Budapest; in der Sammlung Verbund, Wien; in der Zeitgenössischen Sammlung der Ungarischen Nationalgalerie; in der acb Galerie in Budapest. International entdeckt und gewürdigt wurde sie beim International Festival of Sound Poetry in Amsterdam, 1977; Centre Pompidou, Paris, 1980; International Sound Poetry Festival, New York City und Baltimore, 1980; documenta 14 Kassel, Athen (2017).
Katalin Ladiks Text "drei eier" mit Interpretation durch das SprachKunstTrio sprechbohrer
Morten Søndergaard (Dänemark)
Morten Søndergaard wurde 1964 in Kopenhagen geboren. 1992 veröffentlichte er sein Lyrik-Debüt Sahara i mine hænder („Sahara in meinen Händen“). Sein Gedichtband Bier dør sovende (Dt. Bienen sterben im Schlaf. Gedichte, München 2007) wurde 1998 mit dem Michael Strunge Prisen ausgezeichnet. Søndergaard selbst hat mehrere Werke des argentinischen Schriftstellers Jorge Luis Borges ins Dänische übersetzt. Zusammen mit Tomas Thøfner war er von 2002 bis 2007 Herausgeber der Zeitschrift „hvedekorn“ („Weizenkorn“). Neben Gedichten entstanden zahlreiche Klanginstallationen, CDs und Kunstobjekte. Sein Hörstück Monte Altissimo – Falling off the White Mountain, in dem er mit Aufnahmen aus einem Marmorsteinbruch nahe der Stadt Carrara arbeitet, wurde 2004 im Deutschlandradio aufgeführt. Zuletzt erschien 2016 auf Dänisch der Gedichtband Døden er en del af mit navn.
Morten Søndergaards Text "They" mit Interpretation durch das SprachKunstTrio sprechbohrer
Miia Toivio (Finnland)
Miia Toivio, geboren 1974 in Ilmajoki/Finnland, Mitbegründerin des Verlags Poesia, arbeitete als Literaturkritikerin, Kolumnistin, Herausgeberin des Lyrikmagazins Tuli&Savu sowie als CreativeWriting-Lehrerin. Ihr vierter Gedichtband Sukupuutot erschien 2019 und wurde mit dem Nihil InteritPreis für den besten Gedichtband ausgezeichnet. Gedichte von ihr wurden ins Litauische, Estnische, Russische, Italienische und Norwegische übersetzt.
Miia Toivios Text "Rakas Hupsu" mit Interpretation durch das SprachKunstTrio sprechbohrer
Elisabeth Wandeler-Deck (Schweiz)
Elisabeth Wandeler-Deck (Schweiz) geboren 1939, arbeitete als Architektin im In- und Ausland und gründete 1999 das Büro für Geschlechterfragen Zürich. Sie ist seit 1976 als Schriftstellerin tätig. Als improvisierende Musikerin (Vorlesestimme, Klavier, Gitarre) ist sie Mitglied der Gruppen Interco (Performance) und bunte hörschlaufen (Musikkonzepte, freie Improvisation, Performance). Seit 1998 aktive Mitarbeit im DamenDramenLabor (DDL). Viele Buchveröffentlichungen u.a. bei etk Bern, dort zuletzt 2018 /Visby infra-ordinaire/, und Edition Howeg Zürich, zuletzt 2019 /TAGUMTAGKAIRO/. 2013 erhielt sie den Basler Lyrikpreis, 2017 das Werkjahr der Stadt Zürich. Ihre neueste Veröffentlichung ist der Lyrikband /attacca holdrio/ (edition sacré, Zürich 2020).
sprechbohrer

Das Kölner SprachKunstTrio sprechbohrer (Sigrid Sachse, Harald Muenz, Georg Sachse) gründete sich 2004, um aus musikalischer Perspektive Texte aufzuführen, die zwischen Musik, Phonetik und Literatur angesiedelt sind. Alle drei Ensemblemitglieder sind ausgewiesene Musiker*innen. Ihre vielgestaltigen Erfahrungen in den Bereichen Komposition und Interpretation, Literatur und Phonetik fließen in der Ensemblearbeit der sprechbohrer zusammen und ergänzen sich zu einem singulären, grenzüberschreitenden und multilingualen Ansatz. Seit vielen Jahren arbeitet das Ensemble kontinuierlich und wo immer möglich in Abstimmung mit Autor*innen an Werken im Grenzbereich zwischen Sprache und Musik. Durch solch direkte Zusammenarbeit wird interpretatorische Authentizität erreicht. Als Beispiel sei die integrale Gesamtrealisierung und CD-Produktion von Hans G Helms‘ Fa:m‘ Ahniesgwow genannt, die von Kunststiftung NRW und Hessischem Rundfunk ermöglicht, und deren Veröffentlichung unter anderem mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet wurde. Die sprechbohrer haben mit zahlreichen Komponist*innen verschiedener Generationen gearbeitet, unter anderem mit Stefan Streich, hans w. koch, Hans Peter Reutter, Peter Behrendsen oder häufig mit Gerhard Rühm.
Florian Neuner

Innerhalb der künstlerischen Leitung des Projekts nimmt Florian Neuner die literarische Perspektive ein. Geboren 1972 in Wels/Oberösterreich, lebt er als Schriftsteller und Publizist in Berlin und ist derzeit Grazer Stadtschreiber. Gemeinsam mit Ralph Klever gibt er die Zeitschrift Idiome. Hefte für Neue Prosa heraus. Als Rundfunkautor ist er vor allem für Deutschlandfunk Kultur tätig. Kooperationen mit Komponisten wie Christoph Herndler und Harald Muenz. Literarische Stadtforschung im Ruhrgebiet und anderswo. Kurator der Reihe maerz_sprachkunst in der Künstlervereinigung MAERZ, Linz. Outstanding Artist Award für Literatur 2022. Letzte Bücher: Rost. Eine psychogeographische Expedition (Klagenfurt: Ritter Verlag 2021), Ramsch (Berlin: Distillery Press 2019), Drei Tote (Ostheim/Rhön: Verlag Peter Engstler 2017). Im Herbst erscheint im Klever Verlag der Band Für eine andere Literatur. Reaktionen, Rezensionen, Interventionen.










