Fluide Glossare

Ela Beysun, Anna Julian Mendlik, Biba Oskar Nass und Jon Savkin erschaffen ein Kettengedicht in deutscher Laut- und Gebärdensprache.

Abgeschlossen

Der Text "Fluide Glossare – ein Kettengedicht" vor blauem Hintergrund

Fluide Glossare ist ein gemeinsames Projekt des Literaturhauses Lettrétage und der Literaturinitiative handverlesen. Es vereint die Perspektiven und kreativen Ausdrucksweisen der Autor*innen Ela Beysun, Anna Julian Mendlik, Biba Oskar Nass und Jon Savkin. Sie haben sich mit Fragen beschäftigt, die auch Dich zum Nachdenken anregen könnten: Wie könnte eine queere Sprache aussehen? Wie verändern sich die Begriffe queerer Lebensrealitäten im Dialog zwischen Tauben und hörenden Individuen? Und wie entstehen neue Begriffe – laut und gebärdet –, um bisher ungesagte Realitäten zu benennen? Im Zentrum des Projekts steht ein poetischer Austausch, der von diesen Überlegungen ausgeht und und von folgendem Sappho-Fragment inspiriert ist:

„May you sleep on the breast of your delicate friend.”

Daraus ist ein Kettengedicht in deutscher Laut- und Gebärdensprache entstanden – ein fluides, interdisziplinäres Kunstwerk, das die sprachlichen und übersetzerischen Prozesse aller Beteiligten spiegelt. Lautsprachliche Lyrik und Gebärdensprachpoesie treten in einen Dialog, und queere Lebenswelten von Tauben und hörenden Menschen verbinden sich in einer zweisprachigen Performance zu einer neuen Form der Poesie. Das Kettengedicht ist in einem fortlaufenden Prozess entstanden: Jede*r der Beteiligten hat ihre*seine Poesie – sei es in Laut- oder Gebärdensprache – an die nächste Person weitergegeben. Aus dem Vorgedicht ist so ein neues Gedicht entstanden, das wiederum weiterentwickelt wurde. In diesem kollektiven Schaffen verdichten sich die Vielschichtigkeit und Wandelbarkeit queerer Sprache zu einem poetischen Fluss, der die Grenzen zwischen Sprachen und Lebensrealitäten durchlässig macht.

Das Projekt wurde von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt gefördert.

Infos zum herunterladen

Ela Beysun

Ela Beysun ist ein*e in Berlin ansässige*r Gebärdensprachpoet*in, Performer*in und Schauspieler*in. Im Jahr 2022 wurde Ela Beysun als Mitglied der Performancegruppe T.A.S. mit dem Publikumspreis des DEGETH ausgezeichnet. Ela Beysun trat unter anderem beim Vi-Fest 2022 mit den Gebärdensprachpoesien "Feminismus" und "Bodyshaming" auf und ist seit 2023 Teil des Ensembles des Deutschen Gehörlosen Theaters, wo Ela Beysun in der aktuellen Inszenierung von Hamlet (2023) mitwirkte.

Anna Julian Mendlik

Anna Julian Mendlik, Autor*in, hörend. Zuletzt erschienen die Bände "Pandoras Playbox" (Verlagshaus Berlin 2022) und "Schaum" (Sukultur 2022). Ihre Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet, so mit dem Basler Lyrikpreis. Sie war u.a. Stipendiat*in der Akademie der Künste, Berlin, in Olevano, Italien, und Stadtschreiber*in in Tübingen. 2024 kuratierte sie das Festival "Coming Out, Inviting In" im Literarischen Colloquium Berlin. Aktuell leitet sie eine Lyrik-Werkstatt im Haus für Poesie. Im Projekt Handverlesen beteiligt sie sich seit 2017.

Biba Oskar Nass

transboy & wortmetzger, hörend, schreibt als freier Künstler Prosa und Lyrik. In seinen Texten setzt er sich mit queerem Leben und den Auswirkungen von Gewalt auseinander. Zudem ist Biba Oskar Nass Herausgeber und publiziert neben anderen Texten das queere Literaturmagazin Transcodiert. Biba Oskar Nass hat 2022 die Veranstaltungsreihe „Let´s talk about class“ im "ACUD macht neu" kuratiert.

Jon Savkin

1996 in München geboren, lebt in Berlin. Jon Savkin ist Gebärdensprachpoet*in, Tänzer*in und Schauspieler*in. Die künstlerische Entwicklung begann mit der Zusammenarbeit mit Kassandra Wedel. 2023 wirkte Jon Savkin in Hamlet des Deutschen Gehörlosen Theaters mit. Als Gebärdensprachpoet*in war Savkin u.a. bei Shut up and Sign Speak (2022) und TextKörper-KörperText (2021) beteiligt.

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