Programmarchiv

Seit 2006 finden in der Lettrétage ca. 120 öffentliche Literaturveranstaltungen jährlich statt – Lesungen, Workshops, Diskussionsrunden, literarische Performances und Formate dazwischen. Bekannte und unbekannte Autor*innen und Künstler*innen verschiedener Sprachen und Nationalitäten sind hier schon aufgetreten.

Seit 2013 liegt der Programmfokus u.a. auf neuen Wegen der literarischen Präsentation und Live-Produktion: Dazu zählen u.a. die internationalen bzw. transnationalen Literaturfestivals „Soundout!“, „¿Comment!“, „Berlinisi“ und „Syn_Energy“, aber auch das viel beachtete Netzwerkprojekt „CROWD“ und multimediale Projekte wie die Reihe „CON_TEXT“ oder das „Poetry Audio Lab“. Eine vollständige Liste der Lettrétage-Projekte finden Sie hier.

Als Ankerinstitution für die freie Literaturszene Berlins stellt die Lettrétage außerdem ihre Räume für Literaturveranstaltungen aller Art zur Verfügung. Zahlreiche freie Veranstalter*innen nutzen unsere Infrastruktur regelmäßig – für Literatur-Workshops, Lesereihen in verschiedenen Sprachen und Buchpräsentationen. Mehr zu den Möglichkeiten der kostenlosen Raumnutzung erfahren Sie hier.

Auf dieser Seite präsentieren wir einen nicht vollständigen Einblick in unser vergangenes Programm.


Veranstaltungen

Termin Informationen:

  • Mi.
    23
    Apr.
    2025

    Berliner Buchpremiere: „Der Preis“

    20:00Lettrétage in der Veteranenstraße 21, Eintritt frei

    Buchpremiere, Lesung & Diskussion

    (c) Mati Shemoelof

    Die Verleihung eines deutschen Preises für hebräische Literatur bringt die Beziehung zwischen einem Israeli, der in Berlin lebt, und seiner deutschen Freundin ins Chaos. Der Roman ist von einem tragisch komischen und doch realistischen Erzähler geschrieben, der die drei verschiedenen Perspektiven von dem israelischen Protagonisten Chesi, seiner deutschen Freundin Helena und seiner Mutter Amira erzählt.

    Autor Mati Shemoelof moderiert die Buchpremiere seines Romans "Der Preis" (aus dem Hebräischen von Helene Seidler) selbst, außerdem werden Dr. Omri „Hana“ Ben Yehouda, Michal Zamir (Gründerin der Hebräischen Bibliothek Berlin), Dichter Abdulkadir Musa und Schriftsteller Ralph Tharayil zu Gast sein. Für die musikalische Begleitung sorgt der großartige Volkan Aydin an der Saz.

    Die Veranstaltung findet auf Englisch, Hebräisch, Kurdisch und Deutsch statt.

    "… eine verrückte Parodie auf die Literaturwelt. (…) „Der Preis“, mit der
    Gesamtheit der darin eingebundenen Ironie, ist ein preiswürdiges Buch. Ein
    Preis für die Kühnheit, Originalität und das vielschichtige, flüssige, witzige, absurde, kritische und ans Herz rührende Schreiben." (Sigalit Banai, Autorin, Regisseurin und Dozentin für Film)

    "Der Roman „Der Preis“ von Mati Shemoelof stellt unter den vielen zeitgenössischen Werken, die sich mit den deutsch-israelischen Beziehungen befassen, eine einzigartige und provokante Stimme dar. Der Roman präsentiert eine Satire (eine bewusste) auf den Literaturbetrieb und auf die erforderlichen Kontakte zwischen kulturellem Engagement und politischem Aktivismus. „Der Preis“ ist nicht allein eine Stimme, die von Tiefgründigkeit zeugt und sich aus globalem Blickwinkel mit der Politisierung kultureller Werke befasst, sondern auch eine lyrische Leistung. Der Roman wartet auf mit zarten Schilderungen sensibler Zustände und im Besonderen mit dem Ringen der Kreativen um die Akzeptanz ihrer Werke. Der Roman vermittelt den Lesern auf einzigartige Weise das zeithistorische Phänomen des Auf-Hebräisch-Schreibens in der Diaspora und diskutiert die politischen Auswirkungen auf überraschende und kühne Weise." (Prof. Yael Almog, Durham University, Großbritannien)

    "Die in gewisser Weise gespaltene Seele (nicht im negativen Sinn des Wortes) von Shemoelof wird in all seinen Schriften erkennbar. Sie ist gespalten zwischen der westlichen Kultur und der Misrachi-Kultur, zwischen der Kultur der Aschkenasim und der Misrachim, zwischen der israelischen und der deutschen Kultur, zwischen der Hechalutz-Straße in Haifa und dem Viertel in Neukölln. Diese Zerrissenheit, oder diese Lektüre, wird stets eine ungelöste Auseinandersetzung darstellen zwischen der nationalen israelischen Unabhängigkeit, die beunruhigt ist über die Nazideutschen und deren Erben im Osten (auch wenn sie als AFD-Anhänger zurückkehren), und zwischen furchtlosen Juden, die heute in Berlin, in vielerlei Hinsicht in der Diaspora, leben, (überwiegend anti-israelisch eingestellt sind) und am Fachbereich für Judaistik oder Jüdische Studien der Universität verkehren, Juden-Christen werden und den Versuch unternehmen, „innerhalb der heiligen Wohnstätte der uns heiligen Sprache“ eine jüdische Diaspora zu erfinden." (Prof. Arie Kizel, Fachbereich für Erziehung, Universität Haifa)

    (c) Ronja Falkenbach

    Mati Shemoelof, Jahrgang 1972 und in Haifa geboren, hat in Berlin seine neue
    künstlerische Heimat gefunden. Mit zwölf veröffentlichten Büchern, darunter sieben Gedichtbänden, zählt er zu den vielseitigsten Autoren seiner Generation. Seine zweisprachigen Werke wie „Bagdad | Haifa | Berlin“ zeugen von seinem interkulturellen Ansatz, der jüdische und arabische Perspektiven miteinander verbindet. Als Mitbegründer von „Poetic Hafla“ und „Anu نحــــن אנו ”trägt er maßgeblich zur literarischen Szene Berlins bei. Seine neuesten Projekte, darunter ein deutschsprachiger Gedichtband und ein Roman, unterstreichen seine wachsende Präsenz in der deutschen Literaturlandschaft.

    (c) Omri Hana Ben Yehouda

    Omri "Hana" Ben Yehuda ist Literaturwissenschaftlerin an der Tel Aviv Universität. Ihr Fokus liegt in Jüdische Literaturen, Mizrahi und Palästinensische Identitäten und Geschichte, sowie Queer Studies, Shoah und Nakba. Ihr letztes Buch ist Juli 2023 auf Hebräisch erschienen unter dem Titel "Israel’s Hetrotopy: Gaza in Israeli Politics and Culture".

    (c) Heike Steinweg

    Michal Zamir ist Lehrerin für Hebräisch und Dichterin. Geboren in Israel, studierte sie jüdische Philosophie, Arabisch und Kunst. Zamir organisiert kulturelle Veranstaltungen und hat den Verein Hebräische Bibliothek Berlin gegründet, der eine Bibliothek und ein Online-Magazin für Literatur und Poesie ist. Ihre Gedichte wurden in der Anthologie "Hebräische Dichtung in Deutschland" (parasitenpresse 2019) und auf der Website der Hebräischen Bibliothek veröffentlicht. Sie war Mitherausgeberin von: Zwischen den Zeilen, Passagen Verlag, 2019, Yael Almog und Michal Zamir (Hg.) und lebt in Berlin.

    (c) Abdulkadir Musa

    Abdulkadir Musa ist Autor, Literaturübersetzer, Migrationsexperte und einer
    der Pioniere der literarisch-anarchistischen Kreativmethode. Er studierte Französisch und Literatur an der Universität in Aleppo sowie Soziale Arbeit an der ASH Berlin. Musa hat an zahlreichen Festivals, Konferenzen und Workshops für Poesie und Poesieübersetzung teilgenommen. Er hat ausgewählte Texte von Dichter*innen wie Erich Fried, Friederike Mayröcker, Mahmoud Darwish, Tal Nitzán und Macel Beyer aus dem Deutschen und Arabischen ins Kurdische übersetzt. Seine Schriften und Übersetzungen wurden in internationalen Anthologien und Literaturzeitschriften auf Kurdisch, Deutsch, Arabisch, Französisch, Englisch und Hebräisch veröffentlicht. Abdulkadir Musa erhielt für seine Arbeit u.a. das Arbeitsstipendium für Autor*innen nicht-deutscher Literatur der Senatsverwaltung für Kultur und Europa in Berlin, das Recherchestipendium für Berliner Übersetzer*innen der
    Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt in
    Berlin, sowie das Radial-Arbeitsstipendium für Übersetzer*innen des
    Deutschen Übersetzerfonds Berlin.

    (c) Mirko Lux_1564_web

    Ralph Tharayil, in der Schweiz als Sohn südindischer Eltern geboren, studierte Geschichte, Medien- und Literaturwissenschaft in Basel. Er arbeitet an den Schnittstellen von Literatur, Theater und Musik. Sein literarisches Debüt "Nimm die Alpen weg" wurde mehrfach ausgezeichnet und wird aktuell uraufgeführt an den Bühnen Bern, wo Ralph in der Spielzeit 24/25 Hausautor ist. Ralph ist Teil des postdeutschen Künstler*innenkollektivs parallelgesellschaft. Er lebt in Berlin.

    (c) Volkan Aydin

    Volkan Aydin ist ein Berliner Musiker mit türkischen Wurzeln, der zwischen Jazz, Flamenco, Klassik und anatolischer Volksmusik aufwuchs. Seine Kompositionen sind hauptsächlich von Elementen aus der Epoche, der Romantik und dem zentral anatolischen Stil der Baglama geprägt. Derzeit ist er in der studienvorbereitenden Ausbildung für Musik und Komposition. Virtuosität, Melancholie und Gegensätze, in einem Fluss, machen seinen Auftritt zu einem unvergesslichen Erlebnis für die Zuhörer.


Workshops & Infoabende

Termin Informationen:

  • Do.
    21
    Okt.
    2021
    Fr.
    22
    Okt.
    2021

    Enter Literature. Formen der Literaturpräsentation in Theorie und Praxis

    11:00 UhrLiterarisches Colloquium Berlin, Am Sandwerder 5, 14109 Berlin-Wannsee, Teilnahme nach Voranmeldung

    Workshop des Exzellenzclusters "Temporal Communities. Doing Literature in a Global Perspective" in Kooperation mit der Lettrétage

    Obwohl sich die Autor·innenlesung spätestens mit Etablieren der Literaturhäuser in den 1980er Jahren in Deutschland immer größerer Beliebtheit erfreut, wird sie im Gegensatz zu anderen, ebenfalls textbasierten Künsten aus wissenschaftlicher Sicht mit Zurückhaltung bedacht. Dabei geht die Lesung oft über die vermeintliche Abgeschlossenheit des Textes in Buchform hinaus, vor allem wenn es sich um performative und transdisziplinäre Spielarten von Literaturpräsentationen handelt. Verbunden mit dem Wahrnehmungswechsel vom Lesen zu einer das Lesen erweiternden Form durch Hören und Sehen sind Fragen nach der Medialität der Lesung und ihren Kontexten. In welchem Verhältnis stehen die Stimme und der Körper des/r Autors·in sowie andere mediale Dimensionen (Sound, Bilder, Video) zum Text und welche Auswirkungen hat das auf die Konzeption von Autor·innenschaft? Schreibt sich die Darbietung selbst in einen Text ein? Welche Rolle spielt das Publikum, also die reale Anwesenheit von Leser·innen für die Aufführung von Texten? Wenn sich die mediale Präsenz der Schrift auf Ton, Bild, Bewegung oder Aktion hin erweitert, wird das Interesse besonders auf die ästhetische Autonomie der Darbietung gelenkt. Kann die Lesung dann als genuine Erscheinungsform von Literatur, als eigenes Werkmedium gewertet werden?

    Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich der zweitägige Workshop, dessen Ausgangspunkt die am Eröffnungsabend  gezeigten künstlerischen Praktiken  bilden. Die offene Diskussion zu einzelnen Themengebieten der Autor·innenlesung wird jeweils von wissenschaftlichen Impulsvorträgen und daran anschließenden Repliken der beteiligten Künstler·innen eingeleitet.

    Eine Veranstaltung des Exzellenzclusters »Temporal Communities. Doing Literature in a Global Perspective« in Kooperation mit der Lettrétage und dem Collegium Hungaricum Berlin

     

    Programm

    Donnerstag, 21. Oktober 2021
    10:15 – 10:45 Uhr
    Ankunft und Check-in

    10:45 – 11:05 Uhr
    Vorstellung Format und Ablauf und Einführung ins Gesamtthema
    Lena Hintze, FU Berlin/EXC »Temporal Communities«

    11:05 – 12:05 Uhr
    Dialogisches Panel (20 Min. Impuls + 5 Min. Replik + Diskussion):Ist jedes performte Gedicht eine Lyrik-Performance?
    Anna Bers, Georg-August-Universität Göttingen
    Martina Hefter

    12:05 – 13:00 Uhr
    Pause

    13:00 – 14:00 Uhr
    Dialogisches Panel (20 Min. Impuls + 5 Min. Replik + Diskussion): »Ausdruck macht Eindruck«. Über die Grenzen des Hörens hinaus - ein Versuch
    Rebecka Dürr, Universität Hamburg, Forschungsprojekt „Poetry in the Digital Age“
    Kinga Tóth

    14:00 – 15:00 Uhr
    Dialogisches Panel (20 Min. Impuls + 5 Min. Replik + Diskussion): Fixiertes Sprechen als Aufführung: Akustische Literatur und elektroakustische Dichtung auf Speichermedien
    Marc Matter, Universität Hamburg, Forschungsprojekt „Poetry in the Digital Age“
    Carsten Schneider

     

    Freitag, 22. Oktober 2021
    10:00 – 10:30 Uhr
    Ankunft & Check-in

    10:30 – 11:30 Uhr
    Dialogisches Panel (20 Min. Impuls + 5 Min. Replik + Diskussion):  Noch einmal: Wer spricht die Gedichtperformance? 10 Bemerkungen in lyrikologischer Tradition
    Peer Trilcke, Universität Potsdam/EXC »Temporal Communities«
    Mathias Traxler

    11:30 – 12:30 Uhr
    Dialogisches Panel (20 Min. Impuls + 5 Min. Replik + Diskussion):
    Eingehaust und stillgelegt. Der Körper der Leserin
    Cornelia Ortlieb, FU Berlin/EXC »Temporal Communities«
    Yevgenia Belorusets

     12:30 – 13:30 Uhr
    Pause

    13:30 – 14:30 Uhr
    Dialogisches Panel (20 Min. Impuls + 5 Min. Replik + Diskussion): Die Lesung als performative Praxis – Überlegungen zur Inszenierung von Autor·innenschaft und Gemeinschaft
    Kai Padberg, FU Berlin/EXC »Temporal Communities«
    Mara Genschel

     14:30 – 15:30 Uhr
    Abschlussdiskussion

    Teilnahme nach Voranmeldung unter lena.hintze@fu-berlin.de