Programmarchiv

Seit 2006 finden in der Lettrétage ca. 120 öffentliche Literaturveranstaltungen jährlich statt – Lesungen, Workshops, Diskussionsrunden, literarische Performances und Formate dazwischen. Bekannte und unbekannte Autor*innen und Künstler*innen verschiedener Sprachen und Nationalitäten sind hier schon aufgetreten.

Seit 2013 liegt der Programmfokus u.a. auf neuen Wegen der literarischen Präsentation und Live-Produktion: Dazu zählen u.a. die internationalen bzw. transnationalen Literaturfestivals „Soundout!“, „¿Comment!“, „Berlinisi“ und „Syn_Energy“, aber auch das viel beachtete Netzwerkprojekt „CROWD“ und multimediale Projekte wie die Reihe „CON_TEXT“ oder das „Poetry Audio Lab“. Eine vollständige Liste der Lettrétage-Projekte finden Sie hier.

Als Ankerinstitution für die freie Literaturszene Berlins stellt die Lettrétage außerdem ihre Räume für Literaturveranstaltungen aller Art zur Verfügung. Zahlreiche freie Veranstalter*innen nutzen unsere Infrastruktur regelmäßig – für Literatur-Workshops, Lesereihen in verschiedenen Sprachen und Buchpräsentationen. Mehr zu den Möglichkeiten der kostenlosen Raumnutzung erfahren Sie hier.

Auf dieser Seite präsentieren wir einen nicht vollständigen Einblick in unser vergangenes Programm.


Veranstaltungen

Termin Informationen:

  • So.
    12
    Okt.
    2025

    Sprachkunst in der Tauben Gemeinschaft

    Lettrétage in der Veteranenstraße 21, Eintritt frei

    12:00 - 15:00 Uhr Konferenz
    17:00 - 19:00 Uhr Abendveranstaltung mit abschließender Podiumsdikussion
    In Deutscher Gebärdensprache (DGS) mit Verdolmetschung in Deutsche Lautsprache

    Veranstaltungsplakat mit rotem Text auf blauem Hintergrund und einer Illustration in grün und rot. Die Illustration zeigt ein Feld aus unterschiedlich großen länglichen Ovalen, von denen manche vereinfachte Gesichtszüge eingezeichnet haben: ein lachendes Gesicht, ein lächelndes, ein wütendes, ein überraschtes und ein weinendes. Der Plakattext wiederholt die wichtigsten Eckdaten der Veranstaltungsankündigung.

    Drei Taube Künstler*innen treffen sich auf dem Podium in der Lettrétage, um gemeinsam den aktuellen Stand der Literatur in Deutscher Gebärdensprache zu diskutieren. Die folgende Fragen bilden den Ausgangspunkt: Welche künstlerischen Möglichkeiten bietet die visuelle und körperliche Natur der Gebärdensprache für Poesie? Welche ästhetischen Formen haben sich herausgebildet und welche Bedeutung haben sie? Welchen Stellenwert hat Poesie in Deutscher Gebärdensprache in der Tauben Community im Vergleich zu anderen künstlerischen Ausdrucksformen?

    Thematisiert werden auch die unterschiedlichen künstlerischen Herangehensweisen verschiedener Dichter*innen-Generationen sowie gesellschaftliche, diskriminierungskritische Aspekte: Wie trägt gebärdensprachliche Poesie zur kulturellen Identität der Tauben Gemeinschaft bei? Wie kann die Wertschätzung für die Kunstform zur Förderung eines besseren Verständnisses der Taubenkultur unter Hörenden beitragen?

    Die Konferenz strukturiert sich durch Keynotes und Podiumsdiskussionen der eingeladenen Tauben Künstler*innen, außerdem durch Publikumsdiskussionen in direktem Austausch mit der Tauben Community. Die Zielgruppe ist primär Taubes Publikum; durch die komplette Verdolmetschung können aber auch hörende Besucher*innen teilnehmen. Wegen der begrenzten Anzahl an Sitzplätzen ist die Teilnahme nur nach vorheriger Anmeldung möglich. Aus organisatorischen Gründen bitten wir um eine Anmeldung als hörende*r oder Taube*r Besucher*in:

    Zur Anmeldung für Taube Besucher*innen

    Zur Anmeldung für hörende Besucher*innen


    Porträtfoto von Laa Wa
    (c) privat

    Laa Wa (keine Pronomen) ist ein*e agender Künstler*in aus Hamburg, mittlerweile in Berlin ansässig. Geboren in eine mehrgenerationale Taube Familie, ist Deutsche Gebärdensprache (DGS) Laa Was Erstsprache, Kunst wurde zur zweiten Sprache. Die künstlerische Reise begann mit einem Stift in der Hand und entwickelte sich zu einer Leidenschaft für Maleri*n, Mixed Media, Gra kdesign und Performance. Inspiriert von den bewegten Händen der DGS entstehen Werke, die Hände in den Mittelpunkt stellen, um die Bedeutung der Taubekultur sichtbar zu machen und zu zeigen, dass Gebärdensprache auch in Zukunft unverzichtbar bleibt. Darüber hinaus setzt sich Laa Wa in der Kunst mit queeren Erfahrungen und dem alltäglichen Erleben von Audismus auseinander. In Ausstellungen, Performances und interdisziplinären Projekten entsteht ein vielseitiges Werk, das keine Grenzen zwischen den Ausdrucksformen zieht. Neben der künstlerischen Praxis engagierte sich Laa Wa ehrenamtlich als Vorsitzende*r und Beisitzer*in bei Nordlicht e.V. in Hamburg (2021-2023) und ist seit 2025 als
    Beisitzer*in bei jubel3 in Berlin aktiv.

    Porträtfoto von Eyk Kauly
    (c) Steve Stymest

    Eyk Kauly ist Deaf Performer, Schauspieler und Gebärdensprachkünstler (*1987, Dippoldiswalde). Er wurde Taub geboren und beherrscht die deutsche Gebärdensprache (DGS), die deutsche Lautsprachbegleitung (LBG) sowie die internationale Gebärdensprache (IS). Nach dem Abitur arbeitete Eyk in verschiedenen Projekten als Schauspieler, Performer , Lyrik-Übersetzer und Gebärdensprachkünstler und beteiligte sich als Musik-Performer an diversen Musikvideos in Gebärdensprache. 2012-2017 coachte er gemeinsam mit Susanne Tod am Ernst-Deutsch-Theater Hamburg den inklusiven Jugendclub. Eyk wirkte bei diversen Theaterstücken mit, wie „Sippschaft“ von Nina Raine, „Die taube Zeitmaschine“ und „Ein Sommernachtstraum“ unter der Regie von Michaela Caspar, „Die Hauptsache“ und „Orpheus“ in der Inszenierung von Jeffrey Döring, „Die Wut, die uns vereint“ unter der Regie von Wera Mahne, „Der Diener zweier Herren“ und „Bacchae“, inszeniert von Zoe Xanthopoulou, und „screening invisibilities“ unter der Regie von Zino Wey sowie „Altbau in zentraler Lage“ am Schauspiel Leipzig (2024-2025) von Raphaela Bardutzky unter künstlerischer Mitarbeit von Athena Lange. Seit 2023 ist Eyk Kauly künstlerischer Leiter des Deutschen Gehörlosentheaters. Als Musikperformer trat er mit den Bands Breitenbach („Waiting“) und Otto Normal („Mit Dir, ohne dich“) im Rahmen der Preisverleihung der „Goldenen Henne“ auf und wirkte in verschiedenen Musikkonzerten in Deutschland und in verschiedenen Sendungen mit.

    Porträtfoto von Sedat Ebubekir Günes
    (c) privat

    Sedat Ebubekir Günes ist ein tauber Cis-Mann und Deaf Performer. Schon früh brachte er anderen Gebärdensprache näher, die bis heute sein Leben und seine Kunst prägt. Seine Arbeit umfasst Gebärdenpoesie, Videobearbeitung und verschiedene Projekte. Zudem setzt er sich in der Community für respektvolle und gleichberechtigte Räume ein und spricht offen über Themen wie Männlichkeitsbilder und toxisches Verhalten.

    Paulina Güllü (Moderatorin) ist Taub und Deaf Performerin. Sie ist tief in der Tauben Community verwurzelt, Deutsche Gebärdensprache (DGS) ist ihre Erstsprache. Neben ihrer Ausbildung zur Gebärdensprachdolmetscherin wirkte Paulina in zahlreichen kulturellen, künstlerischen und barrierefreien Projekten mit. Als Taube Kulturschaffende setzt sie sich aktiv für mehr Sichtbarkeit und Teilhabe der Tauben Community im Kulturbereich ein.

    Dana Cermane (Künstlerische Leitung) ist eine interdisziplinäre Künstlerin, Aktivistin, Bloggerin und Moderatorin. In ihren Arbeiten verbindet sie Film, Performance, Gebärdenpoesie und Community-Arbeit. Ihr Ziel ist es, Barrieren abzubauen und Taube sowie Queer Perspektiven sichtbar zu machen. Sie war in zahlreichen künstlerischen Projekten und Performances aktiv, u. a. in den Bereichen Gebärdenpoesie, Theater, Film und Videoproduktion. Zudem wirkt sie als Referentin und Moderatorin auf internationalen Tagungen, Festivals und in Jugendpolitik. Neben ihrer künstlerischen Praxis engagiert sich Dana in der Queeren und Tauben Community.

    Das Projekt wird gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.


Workshops & Infoabende

Termin Informationen:

  • Di.
    19
    Sep.
    2023

    AI Talks: Cybersetzen und Maschinenliteratur

    19:30Lettrétage in der Veteranenstraße 21, Eintritt: frei

    Gespräch mit Josefine Haubold, Andreas G. Förster, Heide Franck und Martina Wildner

    (c) Kollektive Intelligenz

    Bestseller-Analyse, automatisierte Logistik und maschinelles Übersetzen – in der Buchbranche soll es viele Optionen für KI geben. Mit dem KI-Hype des Jahres 2023 ist die Zeit endgültig reif für eine tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Maschinenübersetzung.

    Im Projekt Kollektive Intelligenz – Übersetzungsmaschinen und Literatur haben 14 professionelle Literaturübersetzer*innen getestet, wie sie mit DeepL arbeiten könnten und zu welchem Ergebnis sie das führt.

    Eins ist klar: Es geht nicht ohne "machine translation literacy", also Kompetenz im Umgang mit maschineller Übersetzung. Dazu gehören nicht nur das Wissen um die technische Funktionsweise von neuronalen Übersetzungsmaschinen und die typischen Herausforderungen des sogenannten Post-Editing-Prozesses, sondern auch ein Überblick über die rechtliche Situation, die sich aus der Verwendung von generativen Sprach-KI ergibt.

    Im Gespräch mit Josefine Haubold (Literaturübersetzerin) stellen Andreas G. Förster und Heide Franck (Leitungsteam »Kollektive Intelligenz«) die Projektergebnisse vor. Martina Wildner (Kinder- und Jugendbuchautorin sowie Vorstandsmitglied des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller Berlin) gibt eine Einschätzung des aktuellen Buchmarkts in Hinblick auf generative KI aus Perspektive der Autor:innen.