Materialien für Notfälle: Gespräch über zeitgenössische Erzählkunst

Krisen, Kriege, Katastrophen – unser heutige Welt befindet sich ständig im Notfallmodus. Welche Blicke werfen drei der herausragendsten Erzählerinnen unserer Zeit auf das Leben in unseren global vernetzten, aber immer stärker fragmentierten Metropolen? Können wir ihre Werke als Seismographen gesellschaftlicher Mutationen lesen, als Räume zur Heilung brüchiger Identitäten? Die ecuadorianische Schriftstellerin und Journalistin María Fernanda Ampuero widmen sich in ihren Essays (zuletzt Visceral (Eingeweide), 2024), Erzählungen (zuletzt Sacrificios humanos (Menschenopfer), 2021) und Reportagen auf eine direkte, ungefilterte Weise Menschen, die Gewalt bis hin zu Missbrauch und Vergewaltigung erfahren haben, Bodyshaming und dem sexuellen Erwachen von Jugendlichen. Die argentinische Schriftstellerin und Übersetzerin Mariana Dimópulos erzählt in ihrem vierten und bislang letzten Roman Quemar el cielo (2019) die Geschichte einer Frau und ihre Verbindung zur Guerrilla und der letzten argentinischen Militärdiktatur. Mit bittersüßer Ironie porträtiert die chilenische Schriftstellerin Paulina Flores in ihrem Roman La próxima vez que te veo, te mato (Wenn ich dich das nächste mal sehe, bring ich dich um, 2025) eine Gruppe junger Menschen und ihre polyamorösen Verflechtungen im heutigen, von der Migration geprägten Barcelona.
Moderation: Daniel Sarmiento
Paulina Flores

Paulina Flores (Santiago de Chile, 1988) hat einen Abschluss in hispanischer Literatur und veröffentlichte den Erzählband „Qué Vergüenza“ sowie die Romane „Isla Decepción“ und „La próxima vez que te vea, te mato“, die alle in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Sie wurde unter anderem mit dem Roberto-Bolaño-Preis, dem Preis des Kritikerkreises und dem Bauer-Giovanni-Preis ausgezeichnet. Im Jahr 2021 wurde sie von der Zeitschrift „Granta“ als eine der 25 besten spanischsprachigen Erzählerinnen unter 35 Jahren ausgewählt. Sie lebt in Barcelona.
María Fernanda Ampuero

María Fernanda Ampuero (Ecuador, 1976) ist Schriftstellerin und Journalistin. 2012 wurde sie aufgrund ihrer Arbeit als Chronistin der Migrantengemeinschaft zu einer der bedeutendsten Lateinamerikanerinnen in Madrid gewählt, wo sie seit 2005 lebt. Ihr erster Erzählband, "Pelea de Gallos" (2018), ist mittlerweile in der 25. Auflage erschienen und wurde in mehr als zehn Sprachen übersetzt. Sie erhielt den Joaquín-Gallegos-Lara-Preis für das beste Buch des Jahres und wurde von der spanischsprachigen Ausgabe der New York Times zu einem der zehn Bücher des Jahres gekürt. "Sacrificios Humanos" (2021) belegte den zweiten Platz beim Premio Tigre Juan und wurde von der New York Times zu einem der zehn besten Horrorbücher des Jahres gewählt. Ihre jüngsten Bücher sind "Visceral" (2024) und "Dantescas, antología de autoras que bajaron a los infiernos" (2024). Im Sommer 2024 erhielt er das renommierte Civitella-Rainieri-Stipendium, das von einer Jury an weltweit herausragende Künstler vergeben wird.
Mariana Dimópulos
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Mariana Dimópulos ist eine argentinische Schriftstellerin und Übersetzerin. Die promovierte Philosophin ist Autorin der Romane "Anís" (2008), "Cada despedida" (2010), "Pendiente" (2013) und "Quemar el cielo" (2019) sowie der Essaybände "Carrusel Benjamin" (2017), "Decir el mundo" (2025), "El siglo de Hannah Arendt" (2025) und "Don de lenguas" (2025), wobei sie letzteren gemeinsam mit dem Literaturnobelpreisträger J. M. Coetzee verfasst hat.
Daniel Sarmiento

Daniel Sarmiento ist Dichter, Forscher und Kulturvermittler. Er lebt derzeit in Berlin, wo er an der Freien Universität über kolumbianische und lateinamerikanische Poesie forscht. Seine literarischen Texte wurden in verschiedenen Literaturzeitschriften und Anthologien veröffentlicht und er bereitet derzeit seinen ersten Gedichtband vor. Darüber hinaus hat er Erfahrung in der Organisation von Kulturveranstaltungen, in der Textbearbeitung und im Kulturjournalismus.

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