Der dritte Branchentreff Literatur steht an!

© Andrew Grauman

Es ist wieder soweit: Der dritte Branchentreff Literatur steht vor der Tür! Vom 30. November bis 2. Dezember 2018 kommt die Berliner Literaturszene im Haus der Kulturen der Welt zusammen. Drei Tage mit vollem Programm von und für literarische Urheber*innen.

Dieses Jahr geht es um das Thema “Literatur sichtbar machen”. Es geht um Literaturarbeit, die meist im Verborgenen stattfindet, um Wege zu mehr Öffentlichkeit, um neue Möglichkeiten der Verbreitung von Literatur. Konkret: Was tun, damit die Literatur sichtbarer wird, damit sich die Literatur-Arbeiter*innen der Öffentlichkeit mehr in den Weg stellen? „Der dritte Branchentreff Literatur steht an!“ weiterlesen

Die Lettrétage unterstützt die Berliner Erklärung der Vielen

Heute wurde auf einer Pressekonferenz im Max-Liebermann-Haus die Berliner Erklärung der Vielen vorgestellt – eine gemeinsame Erklärung von 140 Berliner Kulturinstitutionen, die sich für die Freiheit der Kunst und gegen die Angriffe rechtspopulistischer Parteien und Gruppierungen auf Kultureinrichtungen aussprechen.

Die Lettrétage gehört zu den Unterzeichner*innen der Erklärung und unterstützt die Kampagne für eine offene, solidarische Gesellschaft und gegen die Instrumentalisierung von Kulturveranstaltungen durch rechtsnationale Kräfte.

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Florian Neuner im Gespräch über das Projekt “Autorenmusik II”

Das Projekt “Autorenmusik” geht in die zweite Runde: am 10. November mit der Uraufführung in der Lettrétage. Das Sprachkunst-Trio sprechbohrer (Sigrid Sachse, Harald Muenz und Georg Sachse) wird neue Stücke performen, die eigens für das Projekt geschrieben wurden – zwischen Lautpoesie und Sprachmusik, Performance und kompositorischer Erforschung der Sprechwerkzeuge. Florian Neuner, Schriftsteller und Kurator dieses Projekts, hat uns im Vorfeld ein paar Fragen beantwortet.

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Zitat der Woche

“Versinken, erklärte sie uns am nächsten Tag, dürft ihr nur in bestimmten Dingen. Sie schrieb uns eine Liste: Sternenhimmel. Hypothetische Kreiselbilder. Youtube. Allgemeine Filme. Bestimmte Bücher. […] Sehr weiche Dinge, oder warme Dinge, oder Dinge, die vom Meer glatt gespült wurden. In mir, sagte Mathilda, dürft ihr nicht versinken. Generell darf man nicht in Menschen versinken. Das ist überhaupt das wichtigste.”

Johannes Koch: “Lila ist die Farbe unserer sorglosen Tage”
in JENNY. Denken. Glänzen. Text. Ausgabe 06

 

Dr. Lothar Quinkenstein im Interview über “Die Zimtläden” von Bruno Schulz

Am 4. November besucht uns der Lesezyklus Lektury – mit einem musikalisch-literarischen Abend über Bruno Schulz. Im Anschluss an die Lesung ist eine Diskussionsrunde zu Schulz’ Erzählband Die Zimtläden geplant, an der neben der Literaturwissenschaftlerin Prof.  Brygida Helbig auch der Autor, Übersetzer und Literaturwissenschaftler Dr. Lothar Quinkenstein teilnehmen wird. Wir haben ihm im Vorhinein ein paar Fragen gestellt:

Die Erzählungen Die Zimtläden von Bruno Schulz erschienen 1934 in den politischen Wirren des frühen 20. Jahrhunderts in Polen. 1961 erschien die erste deutsche Übersetzung von Joseph Hahn. 2008 folgte eine Neuübersetzung von Doreen Daume. Warum ist das Werk von Schulz heute noch modern und aktuell?

LQ: Das Werk von Schulz ist zeitlos, in jeder Hinsicht universal. Ich weiß nicht, ob man einen zweiten europäischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts fände, der in so einzigartiger und vor allem in so konsequenter Form dem Rätsel der Existenz nachgespürt hat wie er. Wobei die Singularität nicht in diesem oder jenem philosophischen Ansatz besteht – das Philosophische gibt es sozusagen gratis dazu, und oft genug unter der Hand –, sondern in der unerhörten Melodie. Diese Erzählungen haben ja kaum Handlung im herkömmlichen Sinne. Was Schulz der Leserin und dem Leser bietet, sind Meditationen. Momente einer mystisch-luziden Versenkung in die Wirklichkeit. „Man könnte sagen, dass die Welt durch deine Hände gegangen ist, um sich zu erneuern“, sagt Szloma zur Erzählerfigur Józef in der „Genialen Epoche“, im Sanatorium-Zyklus, der die Gedankenfäden der Zimtläden aufgreift und weiterspinnt. Eben dieses Gefühl begleitet die Schulz-Lektüre – dass sich die Welt in diesen Erzählungen erneuert, etwas wiedergewinnt von dem verlorenen Glanz der „messianischen Zeiten“, wie Schulz das Potential seiner Imagination bezeichnet hat. Insofern finden wir in den Geschichten auch so gut wie nichts, was uns unmittelbar auf die „politischen Wirren des frühen 20. Jahrhunderts“ verweisen würde. Das heißt aber nicht, dass seine Prosa sich einem Eskapismus verschrieben hätte. Der polnische Priester, Philosoph und Literaturwissenschaftler Alfred Marek Wierzbicki spricht vom „antitotalitären“ Charakter dieses Werks. Diese Prosa hat kein Zentrum, keine Hierarchie – jeder Versuch, sie ideologisch in Dienst zu nehmen, wäre von vornherein zum Scheitern verurteilt. Schulz führt uns auf jeder Seite vor, dass das Rätsel der Existenz mit Herrschaftsansprüchen nicht zu lösen ist.

Ein Wort noch zu den Übersetzungen: Als die Neuübersetzung von Doreen Daume erschien, hieß es in den Rezensionen mehrfach, nun hätten wir – endlich – den „definitiven“ Schulz. Ich würde gerne an dieser Stelle eine Lanze brechen für die erste Übersetzung von Joseph Hahn. Sie bot immerhin für über vierzig Jahre den einzigen deutschsprachigen Zugang zu Schulz. Beide Übersetzungen haben ihre Berechtigung, ihre Stärken und Schwächen, ich glaube nicht, dass es ergiebig ist, die eine gegen die andere auszuspielen.

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SYN_ENERGY Berlin_Athens in Bildern

Das war SYN_ENERGY Berlin_Athens: fünf Tage Lesungen, Diskussionen, Performance, Vernetzung. Nelly Tragousti hat das Symposium mit ihrer Kamera begleitet. Hier sind ihre Eindrücke von der Langen Lesenacht und den Diskussionspanels in der Lettrétage.

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei den teilnehmenden Autor*innen, Übersetzer*innen, Moderator*innen, allen Unterstützer*innen, dem großartigen Projektteam und unseren großzügigen Förderern: der Stavros Niarchos Foundation, dem Hauptstadtkulturfonds und der Griechischen Botschaft.

Alle Fotos (c) Nelly Tragousti

Get ready for SYN_ENERGY!

Der Countdown läuft. Nicht mal eine Woche, dann startet SYN_ENERGY mit der langen Lesenacht im Heimathafen Neukölln. Wer es noch nicht mitbekommen hat: Auf dem SYN_ENERGY-Blog passiert gerade so einiges. Dort schreiben die teilnehmenden Autor*innen über ihre Literaturszenen, Schreiborte, Arbeiten und Biografien. Die Form ist frei: Es gibt Interviews, Selfie-Videos, Collagen und Fragmente. Wenn Sie wissen wollen, was die Teilnehmer*innen des fünftägigen Literaturdialogs umtreibt und welche Themen sie beschäftigen – dort erfahren Sie es.

Dramatikerin Nina Rapi z.B. schreibt über die Trias ihres Panel-Themas  „Race-Gender-Class“ – theoretisch, biografisch und persönlich:

“Racism, negating/distorting reality to surreal levels, is so deeply rooted in the fear of the Other that we either don’t see them or we project on to them any darkness we might contain within and consequently reject them for that reason, fear of the unknown self basically.” – Nina Rapi

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Anja Golob: Meergedicht

Am 10. Oktober liest Anja Golob in der Lettrétage aus ihrem neuen Gedichtband. Hier ist bereits ein Auszug aus “Anleitungen zum Atmen”, das bei der Edition Korrespondenzen erscheinen wird.

MEERGEDICHT

na tvoje usne boje mesa
spustiću kap svoje vode
EKV: Oči boje meda

Wir stehen auf ohne Uhren. Ohne Kleider. Ohne Plan.

  • Gekämmte Jungfischschwärme teilen sich, fast freundlich, unmerklich,/und tauchen ab unter meinem nackten Körper, der kaum Sonne kennt, kaum Salz./Die Fische stört es nicht, sie sind schmiegsam, schwimmen gelenkig, atmen sanft.

Der gleiche Frosch platscht abends geschäftig zum Mauervorsprung, fällt um.

  • Ein einsamer Wasserläufer durchfurcht die stille Oberfläche. Nach ihm bleibt/ Geruch von Erdöl, ein Surren wie Zahnbohrer, kaum ein/ Grübchen im Meer./ Flach fegt er ins Wasser, hinter ihm zieht der Abend die Gardinen des Tages zu.

Ich finde einen schläfrigen Skorpion im Buch, perplex geplättet.

  • Leise zischt nachts das Meer, gewohnt geschmiegt in die Gruben des Ufers./ Unaufdringlich, so wie Ebbe Flut gebiert, ersteigt der Mond die Lüfte./ Langsam sprießt in den Zitronenbäumen der Wind, versilbert den Spiegel.

Es ist Sommer. Wir haben keine andere Arbeit außer zu sein. Das genügt.

Aus dem Slowenischen von Urška P. Černe & Uljana Wolf.

Die Klassiker-Lesereihe findet wieder statt

© Verlag Klaus Wagenbach

In der gut beheizten Lettrétage begegnen wir dem stürmischen Herbst mit guten Lesungen. Denton Welchs 1943 erschienener Roman Freuden der Jugend wurde 2016 beim Verlag Klaus Wagenbach neu aufgelegt und bildet am 9. Oktober den Auftakt zur diesjährigen Klassiker-Lesereihe. Wir stellen einen Autor vor, der hierzulande noch weitestgehend unbekannt ist. Ein Klassiker des Alters wegen? Nein: „Weil Welch […] ein Meister der Bildsprache [ist]“, sagt Daniel Grabner im Österreichischen Rundfunk. „Mal aus naheliegenden und sich doch nicht abnützenden, dann wiederum aus weit entfernten Bildbereichen setzt er seine Metaphern zusammen.“ „Die Klassiker-Lesereihe findet wieder statt“ weiterlesen