Zitat der Woche

Zwischen weißen Bäumen stand das goldene Schwein. Es drückte den dicken Hals in den Boden und schaufelte gefrorene Eicheln ins Maul. Der starke Körper war von einem goldenen Fell bedeckt, das von Erde und nassem Schnee verdreckt war. Aus den Nasenlöchern dampfte es, und der Kiefer spannte und entspannte sich beim Zerdrücken der harten Früchte. Im Augenblick, als das sagenhafte Wesen den Kopf hob und mir in die Augen schaute, wussten wir beide, dass wir keine Feinde sind.

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Zitat der Woche

Das Nichtschreiben-Können bedeutet für mich: keine
Chance auf Wirbel. Die Wirklichkeit, wie sie ist: leider
todernst.
Und alles Leiden der Welt ist dann da, gebündelt, macht
sich breit auf all den leeren, unbeschriebenen Seiten.
Lässt kein Licht mehr durch.
Alles ist sehr finster, wenn ich nicht schreiben kann.

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Zitat der Woche

lyrikline.org ist der Quell, aus dem dein Leben geflossen ist,

oder der Same, aus dem es gesprossen ist,

das ist der eine Prozess, der ihm sozusagen vorhergeht,

bei dem sich eine Kugel bildet mit ungesehener Höhlenmalerei,

das ist der Prozess, bei dem sich der Mars-Rover

bootet, bevor er angeschaltet wird und sich wahrnimmt,

der eine Prozess, den er dann überhaupt nur beobachten kann, der

auf seiner Retina eintätowiert ist – so würde man das vielleicht sagen –.

Es geht um die Sprache, aber es geht um das Leben,

und insofern um, irgendwie so, den intimsten Punkt

des Anthropischen Prinzips, sozusagen, und wenn irgendwie,

sozusagen, die Etymologie von einem Wort – wie „geboren“

zum Beispiel –, ‘ne andere wäre, dann wäre man nicht

geboren worden.

Auszug aus “Svalbard Paem” (2018) von Daniel Falb
Von Lyrikline

Wir trauern um Denis Abrahams

Foto: Privat

In tiefer Trauer geben wir bekannt, dass unser langjähriger Freund und Mitbegründer der Lettrétage Denis Abrahams im Januar 2020 verstorben ist. Denis hat in unzähligen Lesungen auf unnachahmliche Art Texte zum Leuchten gebracht und sie mit seiner Stimme zum Leben erweckt. Wir sind dankbar, ihn in den vergangenen 14 Jahren als vertrauten Freund, engagierten Mitstreiter und außergewöhnlichen Künstler erlebt haben zu dürfen.

Das Team der Lettrétage

Zitat der Woche

Es gibt einen Punkt in jeder Geschichte, an dem man sich entscheiden muss, wo der Anfang liegt. Welche Geschichte man erzählen will. Vielleicht liegt der Anfang vor der Geburt, irgendwo in dem, was Vergangenheit ist, ein vererbter Strang, der zieht, der den Weg weist an den Ort, wo die Linse der Erzählung fokussiert. Vielleicht liegt er mittendrin, eine zufällige Implosion von Einheiten aus Zeit, voller Leerstellen, aus denen die Geschichten fliessen. Vielleicht: Die Katze, das Gas. Die Großtante, der Bauernhof, ein Eisenbahnunglück in Italien. Eine Leerstelle voller Leerstellen, Begehren, das pocht unter den Dielen, und pocht, und pocht. Die Knoten, die wuchern.

Auszug aus “Die Knoten, die wuchern.” von Eva Maria Leuenberger

Aus: Edit, N°78/79, Herbst 2019

Unser Mentoring-Programm geht an den Start!

Wir haben aufregende Neuigkeiten für Sie: Das Mentoring-Programm unseres Projekts Schreiben & leben geht an den Start! Konkret bedeutet das: Freie Literaturveranstalter*innen, die gerade dabei sind, ihre ersten Projekte zu planen, können sich dabei kostenfrei (!) von erfahrenen Literaturveranstalter*innen begleiten lassen. In allen Phasen: vom Ideenstadium über die Finanzierungsphase bis hin zu Umsetzung und Abrechnung. Zugleich ist eine Teilnahme an den weiteren Angeboten der Lettrétage möglich, z.B. dem Branchentreff Literatur, dem Beratungsangebot und der kostenlosen Raumnutzung.

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Zitat der Woche

Unsere freude verbergen wir und unsren haß und
schauen mit erstarrten grimassen gleichgültig drein,
unbeeindruckt, als wären wir völlig gelassen, als wären
wir götzen aus stein.

Von Alexander Estis
Aus “Sprüche des Russen” (hochroth Bielefeld 2019)