Die Lettrétage im Oktober

In Berlin leben Menschen aus über 180 Ländern, was sich auch in der Sprachenvielfalt der Stadt widerspiegelt. Dieser Vielsprachigkeit wollen wir auch in der Lettrétage gerecht werden. Im Oktober sollen Sprachen mit all ihren Facetten und Unterschieden gewürdigt und zelebriert werden. Neben englisch-, spanisch-, deutschsprachigen und multilingualen Veranstaltungen haben auch die Deutsche Gebärdensprache und die Sprache des Körpers ein gewichtiges Wort mitzureden. Zudem setzen wir auf laute und engagierte Stimmen aus dem nahen Osten, die ihre eigenen Perspektiven darlegen, miteinander ins Gespräch kommen und die Poesie feiern.

Am Donnerstag, dem 02. Oktober um 19:30 Uhr nimmt uns Liam Cagney in seiner Buchpremiere zu „BERGHAIN NIGHTS“, gesponsert vom Berliner Magazine, mit auf eine Tour durch die legendären Clubs Berlins. Der irische Schriftsteller, der die identitätsstiftende Bedeutung der Clubkultur untersucht, wurde von der Irish Times als „Chronist der Nachtclubs“ des Landes bezeichnet. Das Buch ist eine Vermischung von Essays, Memoiren und Interviews mit Szenegrößen. Moderiert wird der Abend von Jonny Tiernan, seines Zeichens DJ und Chefredakteur von „The Berliner“, Berlins führendem Kulturmagazin und Deutschlands größtem englischsprachigen Magazin.

Im Rahmen der Veranstaltung „EUROPA IN SEPIA“, am Mittwoch, dem 08. Oktober um 19:30 wird die titelgebende Essaysammlung von Dubravka Ugrešić besprochen. Die jugoslawisch-kroatische Schriftstellerin hat mit Witz und Scharfsinn gegen nationalistische und sexistische Strömungen angeschrieben, die sie am eigenen Leib erlebt hat, und sich mit der Frage nach europäischen Utopien auseinandergesetzt. Sie verstarb 2023 in Amsterdam. Es diskutieren die Übersetzerin Marie Alpermann, die Slawistin Angela Richter und die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin und Übersetzerin Henrike Schmidt. Der Eintritt ist frei.

Am Freitag, den 10. Oktober um 20 Uhr lädt Sie die Performance „The Erotic Album: Sound Poems from the Body“ ein, sich durch Gedichte, begleitet von Live-Klavier und E-Gitarre, einer Klanglandschaft aus Körpergeräuschen, visueller Kunst und Gerüchen, mit der Lust, Zärtlichkeit und kreativen Kraft der Erotik zu verbinden. Berlin Nocturnes ist ein Künstlerduo, bestehend aus der multidisziplinären Autorin Madhvi Ramani und dem Klangkünstler, Komponisten und Musiker Lutz Gallmeister. Seit 2022 präsentieren sie ihre einzigartige Mischung aus Klangkunst, Text und Live-Musik. Monika Kozub, auch bekannt als Berlin Boudoir, ist eine multidisziplinäre Künstlerin und visuelle Geschichtenerzählerin mit Sitz in Berlin. Klio Maniati ist eine Duftwissenschaftlerin, die Düfte nutzt, um ihre inneren Emotionen einzufangen.

Am Sonntag, 12. Oktober um 12 Uhr findet eine Konferenz und Abendveranstaltung in Deutscher Gebärdensprache (DGS) mit Verdolmetschung in Deutsche Lautsprache unter dem Titel „Sprachkunst in der Tauben Gemeinschaft“ statt. Fünf taube Künstler*innen treffen sich auf dem Podium in der Lettrétage, um gemeinsam den aktuellen Stand der Literatur in Deutscher Gebärdensprache zu diskutieren. Die Zielgruppe ist primär Taubes Publikum, durch die komplette Verdolmetschung können aber auch hörende Besucher*innen teilnehmen.

Am Montag, den 13. Oktober um 19 Uhr wird bei „Ich war Eva Diamant“ die bewegende  Überlebensgeschichte der Holocaust-Überlebenden Eva Szepesi, geborene Diamant, erzählt. Das Buch wurde in Zusammenarbeit mit der Autorin und Illustratorin Stephanie Lunkewitz konzipiert  und realisiert. Es ist die Geschichte einer behüteten Kindheit, von ersten Ausgrenzungen in  der Schulzeit, ihrer Flucht aus Ungarn, dem Verlust von Vater, Mutter und Bruder und schließlich der Deportation ins Konzentrationslager Auschwitz. Es ist aber auch eine Geschichte der Liebe, der Freundschaft und des Beistands. Stephanie Lunkewitz stellt im Dialog mit Benno Herz (Direktor des Thomas Mann Hauses, Los Angeles) das Buch vor. Die Veranstaltung wird von der Villa Aurora & Thomas Mann House e.V. Los Angeles & Berlin unterstützt.

Am Dienstag, den 14. Oktober um 19:30 Uhr laden wir Sie herzlich zu einer neuen Ausgabe der Kilmé Talks ein. Dabei handelt es sich um eine von Tyme Khleifi und Michael Barenboim kuratierte Vortragsreihe, die palästinensischen Künstler*innen, Intellektuellen und Akademiker*innen gewidmet ist und diesen eine Plattform bietet, um ihre Arbeit vorzustellen und frei und offen über Themen zu sprechen, die ihnen wichtig sind.

Die 29. Ausgabe des unabhängigen Projekts „Probador de poesías“ am Donnerstag, den 16. Oktober um 19:30 bietet einmal mehr Autor*innen, Sprach- und Klangkünstler*innen einen experimentellen Raum, um verschiedene Möglichkeiten der Aufführung ihrer Werke zu erkunden. Bei der Veranstaltung, die im Rahmen des Barrio/Bairro-Festivals stattfindet, werden die sechs Künstler*innen Stephanie Fernandes, Julián Galay, Lorena Izquierdo, Ginés Olivares, Mayara Stelmaschuk Melo und Mauricio Takara ihre Gedichte auf ihre ganz eigene Weise vortragen. Moderaiert wird der Abend von Regina Riveros.

Am Freitag, den 17. Oktober um 20:30 Uhr wird bei der Herbstausgabe von „Poetic Hafla“ gelesen, getanzt und gefeiert. Es wird eine Nacht voller Auftritte von aufstrebenden Musiker*innen, Spoken-Word-Künstler*innen, Tänzer*innen und Schauspieler*innen. Das Konzept der Poetic Hafla (arabisch für „Party“) wurde 2015 von den beiden mizrachisch-israelischen Künstlern Mati Shemoelof und Barack Moyal ins Leben gerufen. Seitdem sind ihre regelmäßigen Veranstaltungen zu einer Plattform für kreative Köpfe aus dem Nahen Osten geworden, die in Berlin leben. Das Format liegt irgendwo zwischen Performance und Party, wobei jede Veranstaltung ihren eigenen Charakter hat, je nachdem, wer sich und seine*ihre Arbeit präsentiert.

Spätestens am Samstag, den 18. Oktober um 19:30 müssen es auch die letzten Sommeranbeter*innen einsehen: Der Herbst ist da! Woran wir das erkennen? Die Veranstaltung „Herbstlese“ des Autorenforums Berlin liefert mit ihrer Mischung aus Lyrik, Prosa und unterschiedlichen Erzählformen einen untrüglichen Beweis. Es lesen die Autor*innen Christoph Baer, Ursula Breidbach, Rudi die Mello, Luise Pann, Daphne Plath, Felix Rode, Jessica Schmidt-Kurschat, Thimo von Stuckrad, Stephan Truninger und Hubert Arno Walthers. Moderiert wird der Abend von Maja Kersting und Adam Reichert und im Anschluss lässt Funk DJ Riko Roos bei der Afterdinnerparty die Plattenteller kreisen.

Die Veranstaltung „Mentira y dignidad: ¿Una novela alemana?“ am Sonntag, den 19. Oktober um 16:45 steht im Zeichen eines deutschsprachigen Autors, der zum ersten Mal ins Spanische übersetzt wurde. Joachim Zelter erzählt in seinem Roman „Die Würde des Lügens“ mit Ironie und Absurdität die Geschichte eines Enkels und seiner Großmutter, in der die Lüge zur Tugend wird und Wahrheit nur ein Konstrukt ist. Übersetzt wurde der Roman durch Claudia Isa Baricco, der Herausgeberin des Verlags guacamayo san. In einer performativen Lesung werden beide das Buch auf Spanisch und Deutsch präsentieren.

Am 14. Oktober 2025 beendet Microsoft die Unterstützung für Windows 10, so dass viele Nutzende sich gezwungen sehen, ihre Geräte zu ersetzen. Das kommt uns – und die Umwelt – teuer zu stehen, denn so wandern Millionen von funktionsfähigen Geräten in den Elektromüll. Deshalb leistet die Kampagne „End of 10“ Unterstützung dabei, alte Geräte mit Open Source Software aufzurüsten, um diese weiter nutzen zu können. Erfahrt am Donnerstag, den 23. Oktober ab 18:30 Uhr in unserem kostenlosen Workshop mit Joseph De Veaugh-Geiss (KDE.org), wie ihr mit Freier, Open Source Software euren alten Laptop (PC oder Mac!) zu neuem Leben erwecken, Geld sparen und giftigen Elektroschrott reduzieren könnt. Bringt eure Neugier und eure Fragen mit – oder gleich einen Laptop, den ihr mit GNU/Linux upcyclen möchtet. Der Workshop ist ausdrücklich für Anfänger*innen gedacht, technische Kenntnisse sind nicht erforderlich!

Am Samstag, den 25. Oktober um 20:00 Uhr wird es bei der vierten FLINTA* Literature Night der Reihe „GIRL, SHOW ME THAT BODY (OF WORK)“ poetisch und politisch. Die Veranstaltung wird von der rumänischen Autorin und Journalistin Ioana Cristina Casapu kuratiert und möchte etablierten Autor*innen und bisher unentdeckten literarischen Talenten mit Migrationserfahrung aus den FLINTA*-Communities Berlins eine öffentliche Bühne bieten. Diese Ausgabe dreht sich um das Verhältnis von feministischer Literatur und Demokratie. Es lesen Tamar Raphael, Lili Khoury und Ioana Cristina Casapu. Die Moderation übernimmt Ambika Thompson von „The Reader Berlin“.

Am Freitag, den 31. Oktober um 19:30 Uhr stellt Volker Kaminski seinen neuen Roman „SCHÖNES leben“ in der Lettrétage vor. In diesem findet der 16-jährige Viktor in seiner Leidenschaft für die Malerei einen Ausweg aus seinem zerrissenen Elternhaus. Volker Kaminski veröffentlicht Kurzgeschichten, Kolumnen, Rezensionen und Romane und ist außerdem seit 2014 Lehrbeauftragter an der Alice Salomon Hochschule in Berlin und unterrichtet dort in einem Masterstudiengang Creative Writing. Moderiert wird die Veranstaltung von der Schriftstellerin Heidi von Plato.