Die Lettrétage im März

Wir starten in den literarischen Frühling in der Lettrétage: Buch-Release-Abende, Wintersalons im März, Lesereisen-Zwischenstopps, Autor*innengruppen, die zur Landung ansetzen, Cowgirls am Lagerfeuer und rotierendes Vinyl als Medium lyrischer Experimente. Alles dabei im schönsten Hinterhof des Mehringdamms.

Wir beginnen den 3. März am Mehringdamm mit Joshua Groß, der seinen Roman FLEXEN IN MIAMI vorstellt. Eine Geschichte, die von Unsicherheiten erzählt, die wir unsere Realität nennen. Es geht um Liebe und Technik, Identität und Games, Drohnen und Avatare – und die großen Fragen: Woher können wir wissen, dass wir da sind und wie können wir einander begegnen oder auch – uns verfehlen? Das Buch ist bei Matthes & Seitz erschienen.

Mit einem Auszug aus dem Roman hat der Autor übrigens bereits bei den 43. Tagen der deutschsprachigen Literatur für Aufsehen gesorgt. Die Lesung inklusive Diskussion finden Sie hier.

Am Freitag dürfen wir zum zweiten Mal einen richtigen Salon bei uns beheimaten: Nach den Fuchsgesichtern geht es diesmal um die Algorithmen. Jeder benutzt sie, aber kaum einer weiß, wie sie funktionieren. Sie bestimmen mehr und mehr unser Leben. Aber bestimmen sie auch unsere Gefühle? Können Herz-Algorithmen Romane schreiben, erwünschte Gefühle erzeugen, mit Logik das Unlogische des Herzens steuern? Auf literarische und musikalische Weise werden sich Isobel Markus, Christian Lange-Hausstein, Moritz Gause und Max Müller im Rahmen des WINTERSALONS dem Thema annähern. Wir jedenfalls freuen uns sehr, dass ein neues Lesungsformat (vielleicht sogar eine richtige neue Lesreihe?) Einzug in die Lettrétage gefunden hat.

Die erste Märzwoche beenden wir mit der Mosaik Lesereise: Die österreichische Literaturzeitschrift schätzen wir ohnehin (letztes Jahr initiierten sie u.a. das Klein&Laut-Zeitschriftentreffen bei uns) und deshalb passt es gut, dass die Crew einen Halt in Berlin einlegen wird: Katherina Braschel präsentiert ihren brandneuen Band ES FEHLT ZU VIEL zum ersten Mal. Niklas L. Niskate stellt uns soundpoetisch seinen Band ENTWICKLUNG DER KNOTEN vor. Soundpoesie – das bedeutet Wort und Klang, Beat und Text, Rhythmus und Lyrik, an einem Abend vereint. Die Berliner Autorin Babet Mader gibt einen Einblick in ihr neuestes Romanprojekt DER ACHTZIGSTE. Christiane Quandt, die sonst zumeist aus dem Spanischen und Portugiesischen übersetzt, liest an diesem Abend ihre eigenen Texte. Auch Katharina Körting dürfen wir begrüßen: Ihr Text REGAIN gewann den 1. Platz bei der Dezember-Ausgabe der Veranstaltungsreihe Konzept*Feuerpudel.

In der zweiten März-Woche freuen wir uns auf ein volles Programm – fast jeden Tag haben wir eine Veranstaltung im Kalender. Wir beginnen mit einer Gruppe engagierter Lyriker*innen, die bei IHRE PAPIERE BITTE gesellschaftskritische und politische Gedichte lesen werden.

Am 20. März freuen wir uns dann ganz besonders auf die zweite Auflage nach dem Wiederbeginn: POETIC HAFLA garantiert einen Abend voller außergewöhnlicher Performances mit aufstrebenden Musiker*innen, Schauspieler*innen, Tänzer*innen und Autor*innen. Alles “straight out of middle east Kreuzberg”. Wer mehr über das spannende Veranstaltungskonzept erfahren will – hier gibt es ein Interview mit einem der Initiatoren Barack Moyal.

Direkt danach präsentieren am Samstagabend die beiden Autorinnen Sarah Berger und Sofie Lichtenstein eine Auswahl ihrer im Internet entstandenen autofiktionalen und autobiografischen Texte. Von 2009 bis 2019 interpretierte die Fotografin und Autorin Sarah Berger unter dem Namen “Sarah Süßmilch” Facebook als Plattform ihres literarischen Schaffens und entwickelte auf Twitter die Persona @milch_honig. An diesem Abend wird sie eine Auswahl ihrer Texte vorlesen, die gerade bei SUKULTUR erschienen sind. Sofie Lichtenstein liest Einträge aus ihrem Blog Bilder einer Krise, in dem sie über mental health, Sex, Feminismus, Linguistik, Videospiele und schriftstellerische Selbstzweifel schreibt.

Und am Sonntag geht es bei #VINYLORVANISH um die Platte als Medium lyrischer Experimente. Vinyls spielen nicht nur in der Musikwelt eine immer größer werdende Rolle, sondern auch in der Literatur, vor allem im Kontext von Soundpoetry, konzeptionellen Texten und DIY-Initiativen. Das zeigte auch das Jahr 2019: Erstmalig haben seit den frühen 90ern wieder die Plattenverkäufe die CD-Verkäufe überholt. Die Autoren Cristian Forte, Tom Bresemann, Marc Matter und Martin Bakero präsentieren aktuelle literarische Schallplattenarbeiten und widmen sich dem Medium für Soundpoetry im Rahmen von Workshop, Performance und Listening Session. Im Anschluss steht allen Zuschauer*innen der Open Record Player zur Verfügung.

Den Monatsabschluss unserer Veranstaltungen bildet HALTLOSE ZUSTÄNDE – der Titel des neuen Gedichtbands von Lutz Steinbrück und gleichzeitig das Motto, mit dem der KLAK Verlag sein neues Programm vorstellt. Autor Lutz Steinbrück und Verleger Jörg Beckmann reden über die Lyrik des Gedichtbands und besprechen weitere druckfrische Texte von Anna Terek (Ungarn), Martin Solotruk (Slowakei), Dimitris Lyacos (Griechenland) und Sandra Rosas (Mexico/Berlin).

Das ist der März in der Lettrétage! Parallel dazu läuft natürlich unser Beratungsprogramm bei Schreiben & leben weiter. In den kostenfreien Beratungstagen geht es um Anträge, Stipendien, Verlagsansprachen, Steuern und noch viel mehr. Wenn Sie selbst als Freiberufler*in im Literaturbetrieb unterwegs sind: Schauen Sie mal rein! Es lohnt sich.

Zuletzt hier noch einmal der Aufruf: Wir sind als Ankerinstitution für die freie Literaturszene ein Raum für Viele! Ihre Veranstaltung, Ihre Idee, Ihre Konzepte sollen hier genau so Raum finden und wir stellen unseren Raum gern für Aktive aus der Literaturszene zur Verfügung. Schreiben Sie uns!