Die Lettrétage im Januar

Ein neuer Monat bricht bald an und mit ihm gleich ein neues Jahr, das Potenzial für frische Anfänge und Vorsätze birgt. Sie haben sich z.B. vorgenommen, in Zukunft häufiger Literaturveranstaltungen zu besuchen? Unser Januarprogramm eignet sich hervorragend, um sich diesbezüglich treu zu bleiben. Es erwartet Sie ein vielfältiges Programm, das sich insbesondere an Themen rund um Kollektivität abhandelt. Ebenso im Fokus steht das junge, studentische Schreiben, dem sich gleich zwei Abende im Januar widmen. In der Lettrétage wird theatralisch geträumt, chorisch gelesen und zusammen übersetzt – besser kann der Auftakt des Literaturjahres 2026 kaum sein!

Am 10. Januar um 19:30 Uhr läutet die Schriftstellerin Hila Amit gemeinsam mit Tamar Raphael, Kevin Junk und Tomar Dotan-Dreyfuß das neue Jahr in der Lettrétage ein. Präsentiert wird die deutschsprachige Übersetzung des hochgelobten Romans „Mounir, Dana und das Mädchen“, der im hebräischen Original bereits 2016 erschien. Amit begibt sich darin auf die Spuren derer, die in der israelischen Gesellschaft an die Ränder gedrängt werden. Queere Personen, Palästinenserinnen und Mizrachi-Jüdinnen finden in Amits Erzählung zueinander, während die Autorin mit Praktiken des „Othering“ bricht.

Zuversicht sähen mutige, junge Autor*innen am 11. Januar um 19:30 Uhr im Rahmen der Open-Mic-Lesereihe „Kurze kippen“. Der Filmemacher Patrick Jütte hat die Veranstaltung ins Leben gerufen, um dem Format der Kurzgeschichte und den dazugehörigen Schreibenden die Bühne zu geben, die ihnen gebührt. Alle, die gerade an einer Geschichte schreiben, die sich um „Zuversicht“ dreht, oder eine in der Schublade vor sich hin stauben lassen, sind herzlich eingeladen, sich hier anzumelden und unsere Lesebühne zu stürmen.

Dostojewskis „Idiota“ findet am 16. Januar um 21:00 Uhr zu einer spannenden Neuinterpretation. Im ständigen Dialog mit den Zuschauenden erforscht der Schauspieler Costantino Buttitta die menschlichen (Un)tiefen und versetzt das Stück so in einen zeitgenössischen Kontext. In Zusammenarbeit mit dem Regisseur Emilio Ajovalasit ist ein packendes Werk entstanden, das die Grenzen zwischen Ironie, Dramatik und Leichtigkeit auflöst. Die Veranstaltungssprache ist Italienisch.

Am 17. Januar um 19:00 Uhr feiert der vauvau-Verlag, dessen Autor*innen schon häufig in unseren Räumlichkeiten gelesen haben, sein zehnjähriges Bestehen. Spezialisiert auf interaktive Lyrik laden die Verleger Christian Vater und Thomas Vömel zahlreiche Beitragende aus dem Jubiläumsband “ICH SEHE WAS DU SAGST WAS ICH SEHE WAS DU SAGST“ ein, zu lesen und gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen. Hochmotiviert freuen sich die beiden auf mindestens 10 weitere Jahre!

Ein abwechslungsreicher Abend erwartet Besuchende am 20. Januar um 20:00 Uhr, wenn einige, beteiligte Autor*innen aus der studentischen Anthologie „und das raverpaar tanzt zum s-bahnorchester“ lesen. In der Publikation versammelt sind Texte aus den Jahren 2023 – 2025 von 35 Schreibenden, die in Schreibgruppen und Workshops entstanden sind. Entstanden ist ein wunderbarer Einblick in die Themen, die Berliner Studierende zum Kochen bringen, Laut auflachen lassen und Tränen in junge Augen treiben. Moderiert wird der Abend von Lucie Frahm und Theresa Brehm.

Das Lyrikkollektiv „Milk Tooth“ feiert am 21. Januar um 19:00 Uhr das Erscheinen der ersten gemeinsamen Publikation. In ihrem Zine schreiben Mieke Strand, Chinyere Enyinna, Alison Rhoades, Chad Young, Collin Brennan und Haley Stewart über Generation und Regeneration, vergangene Ruinen und bestehende Ausgrabungen. Tracy Fuad, die Direktorin des Berlin Writers Workshop, moderiert und kontextualisiert einen Abend, der sich ganz der lyrischen Gemeinschaft verschreibt.

Am 22. Januar um 19:00 Uhr werfen wir gemeinsam mit dem Autor Richard Schuberth einen Blick nach Wien, wo sein neuer Roman „Der Paketzusteller“ verortet ist. Mit dem der Stadt innewohnenden, liebevollen Zynismus gewährt der Autor uns einen Einblick in das Leben von Gerhild, einer 48-jährigen Facebook-Queen, die deutlich mehr Runden im Internet als durch asphaltierte Straßen dreht. Als sie sich in ihren Paketzusteller Haydar verliebt, nimmt ihr Leben eine unverhoffte Wendung und die Onlinespöttlerin wird zusehends tiefer in einen Skandal verwickelt, der es in sich hat…

Eine erodierende Lesung erwartet Besuchende am 23. Januar um 20:00 Uhr. Die Lyriker Olav Almende, Mathias Traxler und Patrick Wilden stellen gemeinsam Texte vor, die für mehr als nur für sich stehen und sich im Dialog zu einem Gesamtkunstwerk verweben. Gelesen wird chorisch und an der Klarinette, wodurch Brücken entstehen, die Lust machen, diese zu überqueren.

Am 28. Januar um 20:00 Uhr wird eine neue Person gekürt, die auf dem „Berlin Stories“-Blog des Berliner Studierendenwerks die Rolle desder Stadtschreiberin übernimmt. Die aktuelle Stadtschreiberin Alexandra Zysset wird aus ihrem Abschlussprojekt lesen und gemeinsam mit der neuen Person das Format reflektieren und über das Beobachten als großstädtische Praxis sprechen. Abermals moderiert wird die Veranstaltung von Lucie Frahm und Theresa Brehm vom Kulturwerk des Studierendenwerks.

Zum Monatsabschluss wird geträumt. Die Literaturschaffenden Isobel Markus, Rick Palm, Hanno Herzbecker und Maik Gerecke lesen im Rahmen der Lesereihe „Das Traumschiff“ am 29. Januar um 19:00 Uhr aus ihren persönlichen Traumtagebüchern und gehen der Frage nach, wovon Literat*innen eigentlich träumen. Dabei werden Botschaften des individuellen Unterbewusstseins in den Raum gestellt und jene, die das Kollektive betreffen, gemeinsam entschlüsselt. Besuchende werden sich im Angesicht intimer Einblicke wohl selbst fragen: wovon träume ich eigentlich?