Die Lettrétage im Dezember

Während sich das Kalenderjahr langsam dem Ende zuneigt, greift die Lettrétage schon ein wenig vor und widmet sich neuen Anfängen, bevor die Weihnachtspause ruft. Frischer Wind strömt (auch) dank der zahlreichen Buchpräsentationen, die sich durch das Dezemberprogramm ziehen, in unsere Räumlichkeiten. Kollektive und Autor*innen reisen von weit (und weniger weit) an, um ihre Arbeit vorzustellen, trotzen Ageism, finden Worte für Unsagbares, tanzen und flechten.

Natürlich kommen auch altbekannte Gesichter nicht zu kurz und Gewohnheitstiere auf ihre Kosten. Ein letztes Mal dürfen wir die wunderbare Veranstaltungsreihe textOUR des Lyrikkollektivs das ad hoc begrüßen, die uns die letzten eineinhalb Jahre regelmäßig mit spannenden Kooperationsprojekten die Ehre erwiesen hat. Ebenso freuen wir uns auf eine weitere Ausgabe der DEAD LADIES SHOW und feiern Frauen, deren Geschichten zu häufig in Vergessenheit geraten sind. Füreinander ein treten auch die Mitglieder der Komplizinnen in Leipzig, deren freund*innenschaftliche Schreibpraxis jährlich in einem Leseabend kulminiert.

Den Anfang macht die Schweizer Autorin Denise Buser, die am 03. Dezember um 19:00 Uhr ihren kürzlich erschienenen Essay „Die Altenboomer – was das Leben jetzt verspricht“ vorstellt. Humorvoll widmet sich der Text dem Älterwerden und bricht mit Aversionen und Stereotypen, ohne Sorgen und Ängste links liegen zu lassen. Im Anschluss an die Lesung lädt die Autorin gemeinsam mit Volker Kaminski zu Austausch und Diskussion ein.

Am 05. Dezember um 20:00 Uhr füllen Ulrike Feibig, Ricardas Kiel, Martina Lisa, Andra Schwarz, Sibylla Vričić Hausmann und Janin Wölke unsere Räumlichkeiten mit Liebe, Text und Zusammenhalt. In regelmäßigen Abständen treffen sich die Schreibenden in Leipzig, um gemeinsame Formen der Solidarität und Koexistenz auszuhandeln. Zum Jahresabschluss feiert das Komplott ein „Fest der neuen Liebe“ und freut sich über eingefleischte Fans, Freund*innen und Neulinge, die lauschen und miteinander ins Gespräch kommen.

Es wird mystisch, wenn die Autorin Lioba Happel am 07. Dezember um 18:00 Uhr ihren neuen Roman „Die Frau, die nachts zum Kiosk ging“ präsentiert. Eine Frau folgt einem Unbekannten in die Nacht und verbringt fünf ganze Tage und Nächte mit ihm, eine Gesellschaft, die sie in noch nie erfahrene seelische Zustände katapultiert. Wer dieser Mann ist und welchen Herausforderungen sich die Protagonistin stellen muss, erzählt Lioba Happel im Gespräch mit der Autorin und Schauspielerin Signe Ibbeken.

Zu einem krönenden Abschluss kommt die Lesereihe textOUR am 09. Dezember um 19:00 Uhr. Diesmal haben Anja Engst und Luise John von dem veranstaltenden Lyrikkollektiv das ad hoc gemeinsam mit Schüler*innen des kreativen Schreibkurses am Neuköllner Albert-Einstein-Gymnasium auf das textOUR-Gedichtgewebe reagiert. Ebenso sind im Rahmen der Kollaboration Einwegkamera-Fotografien sowie Begleitbilder der Fotografin Sina Niemayaer entstanden, die zusätzlich zur Lesung ausgestellt werden. Die Jugend-Literaturvermittlerin Sara Hauser wird den Abend gemeinsam mit der zuständigen Lehrkraft Christian Gröschel moderieren.

Am Donnerstag, dem 11. Dezember um 19 Uhr wechseln wir vom Deutschen ins Ukrainische und begrüßen das Kollektiv Pravda Kryvda in der Lettrétage. Das Kollektiv verschreibt sich der Vernetzung und Kultivierung der ukrainischen Literatur- und Kulturcommunity in Berlin und veranstaltet regelmäßig Open-Mic-Abende. Jene, die gerne mit ihren Texten ans Mikrophon treten wollen, werden gebeten, sich im Vorhinein hier anzumelden. Die Veranstaltung findet auf Ukrainisch statt und kostet Vorangemeldete 5€, spontane Gäste werden gebeten, 10€ Eintritt zu zahlen. Tickets gibt es ausschließlich an der Abendkasse.

F. Tennyson Jesse, Alice Guy und Victoria Woodhull werden wohl den meisten kein Begriff sein. Allerdings waren alle drei Frauen prägende Journalistinnen, Filmemacherinnen, Aktivistinnen und Künstlerinnen, deren Errungenschaften in unserer patriarchal geprägten Geschichtsschreibung ausgespart wurden. Dem Aufbrechen dieses Missstandes widmet sich die Veranstaltungsreihe „DEAD LADIES SHOW“, die am 12. Dezember um 20:00 Uhr zum 41. Mal stattfindet. Die Gründer*innen Katy Derbyshire und Florian Duijsens sprechen in der Dezember-Ausgabe mit der Podcasterin und Journalistin Susan Stone und mit der Schriftstellerin Alina Hoyne.

Ein musikalischer Abend erwartet Besuchende am 15. Dezember um 20:00 Uhr. Kuratiert von dem Schriftsteller Mathias Traxler treffen sechs verschiedene Musiker*innen und Autor*innen an einem interdisziplinären Leseabend aufeinander und musizieren zu Text, lesen zur Dampfpfeife und poetisieren an der Klarinette.

Am 17. Dezember um 19:30 Uhr findet eine weitere Edition der wiederkehrenden Vortragsreihe „Kilmé talks“ in der Lettrétage statt. Das kuratorische Duo aus Tyme Khleifi und Michael Barenboim hat es sich zur Aufgabe gemacht, palästinensische Stimmen sichtbar zu machen und lädt monatlich verschiedene palästinensische Künstler*innen, Wissenschaftler*innen oder Intellektuelle zu ihrem beliebten Veranstaltungsformat ein. Dieses Mal ist Refqa Abu Remaileh zu Gast.

Unsere diesjährige Jahresabschlussveranstaltung gestaltet der Tänzer und Autor Hendrik Arns, der am 18. Dezember um 19:30 Uhr sein druckfrisches Buch „ATMEN / LAUSCHEN“ in Konversation mit Emily Adler vorstellt. Die beiden szenischen Texte „körper als praxis“ sowie das titelgebende „ATMEN / LAUSCHEN“ beschäftigen sich mit Identität in einer Kultur konstanter Selbsterkennung anhand zweier Held*innennarrativen. Hendrik Arns interpretiert die Geschichten von Jeanne D’Arc sowie Tristan und Isolde performativ neu, wodurch ein Geflecht aus historischer Erzählung, Selbstbeobachtung und Popkultur entsteht.