Zitat der Woche

“Wir tragen die bunten Trainingsjacken der verlorenen Sowjetstaaten und fahren die verschrotteten Fahrräder gleichgültiger Bürgerkinder, aus sämtlichen Hinterhöfen der Stadt sorgsam zusammen geklaut. Wir haben unsere Routine gefunden und wir weichen nicht mehr davon ab. Wir wissen, was zu tun ist.”

Philipp Böhm: Sterben mit den Philistern ( Schöner Lesen 185, Sukultur 2020)

Zitat der Woche

life hacks 1 fürs reisen ins nichts

ein päckchen mana solls heben

(blauer saft) mit klebeband an einen hau

fen werbeflubber festgemacht

haken durch öse, schnipp

die mikrowelle auf 600 watt, dann enter

und das subsidiäre wes — n

wissen durchdringt dich! z’nd nen heuschober an

und bang! wasser hebt.

schalt deinen adblocker aus, friendo.

ein päckchen mama bebt noch.

Armin Steigenberger: das ist der abgesägte lauf der welt (edition offenes feld, 2020, via)

Zitat der Woche

suche nicht nach murmeln im flussbett

ich wäre gern an der erschaffung der kiesel
steine beteiligt gewesen –
        die rundgeschliffenen ∙ münder +
                nasen ∙ ziehen vorbei
                        & ihr verwässerter blick ∙ fällt

in die grund-
schwingung gleichfarbener urmeere

        zurück ∙ bleibt insgeheim mein sehnen nach
deiner stimme an ihr hätte ich mich gerne beteiligt oder

        vergangen ∙ die wände
hinter den türen in den räumen unserer

        liebesnächte ∙ alle akren glatt
geschliffen im fluss

Christian Schloyer, “suche nicht nach murmeln im flussbett”, via lyrikline.

Zitat der Woche

“Weißt du, was ich auf keinen Fall darf?”, fragte er, als wir allein waren. Er ging zur Zimmertür und drehte den Schlüssel herum. “Bei uns haben Mama und Papa schon alle Schlüssel abgezogen.”

“Und jetzt schließen wir wieder auf?”

“Warum denn?”

Es dauerte eine Viertelstunde, bis die anderen unser Fehlen bemerkten. In dieser Viertelstunde hörten wir immer wieder Schritte im Flur, und jedes Mal legte mein Neffe den Zeigefinger über die Lippen. Als die Klinke schließlich heruntergedrückt wurde, strahlten seine Augen vor Glück. Aus Nepomuks Regal suchte er das Drachenbuch heraus.

“Liest du mir vor?”, flüsterte er.

Jemand rief nach meinem Neffen, jemand rüttelte an der Tür. Die Rufe und das Rütteln wurden lauter, und mein Neffe sah mich unsicher an. Ich begann leise zu lesen.

Katharina Bendixen: Die leeren Wochen des Sommers (aus “Mein weißer Fuchs”, poetenladen, 2019, via)