Zitat der Woche

„Woher stammst du, Wohltäter?“

„Aus Massandra bei Odessa“, krächzte Chaim.

„So ein Zufall – mein Vater besaß Weinberge dort.“

Darja kramte im Schrank und holte eine staubige Weinflasche ans Licht.

„Die letzte Flasche! Der Lieblingswein des Zaren. Massandra, Jahrgang 1891. Mein Geburtsjahr. Fuchsschwanztraube. Seine Majestät zog sie jedem Château Lafite vor.“

Sie goss den Wein in dieselben Tassen, aus denen sie Tee getrunken hatten. Der Name auf dem Flaschenetikett war Lydia Liliu.

„So hieß die letzte Königin Hawaiis, sie hat im selben Jahr den Thron bestiegen“, erklärte Darja freundlich. „Vater liebte Geschichte mehr als mich.“

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„[Jetzt] scheinen meine Bücher weniger exotisch und skurril, jetzt glaubt man ihnen.“ – Interview mit Svetlana Lavochkina

Am Freitag, den 01. Juli, findet die Veranstaltung ZWISCHEN DNIPRO UND KRYM | Між _Дніпром _і _Кримом _ in der Lettrétage statt. Die ukrainische Autorin Svetlana Lavochkina und ihr Landsmann und Schriftstellerkollege Oleg Senzow werden gemeinsam mit den Übersetzerinnen Diana Feuerbach und Claudia Dathe über ihre Bücher sprechen. Sowohl Lavochkinas Roman DIE ROTE HERZOGIN als auch Senzows autobiographisches Buch HAFT sind kürzlich auf Deutsch bei Voland&Quist erschienen.

Zu diesem Anlass haben wir mit Svetlana Lavochkina gesprochen.

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Zitat der Woche

Ich höre Gebrüll. Laut und durchdringend bohrt es sich in meine Ohren. Eine Autotür geht auf. Und wieder zu. Worte einer Frau. Sie klingen beschwichtigend. Ich verstehe sie nicht. Mein Fenster ist geschlossen. Der Ausblick verhangen. Ein wenig Blau schiebt sich hell durch das Wolkengrau. Vögel zwitschern. Es überwiegt Tristesse. Stumpfer Nachwinter. Nur das frische Grün auf einem dreieckigen Zipfel Wiese leuchtet im Kontrast zu roten Tupfern drum herum: ein Auto, zwei Verkehrsschilder. „Achtung Bauarbeiten!“ Das ist wegen Yassin. Er ist der Vater des brüllenden Mädchens. Ich habe ihn vor ein paar Tagen erst – zur Zeit haben wir dafür mehr Zeit – näher kennen gelernt und mit ihm geplaudert; „geschwätzt“, sagt man hier. Er baut. Seit Wochen. Das monotone Grummeln des Baggers begleitet mich durch die ansonsten stillen Coronatage. Es ist nicht viel Leben hier.

Ein Fensterblick – von Dorothee Raiser

Weitere Fensterblicke gibt es am 25. Juni von Studierenden des Masterstudiengangs Biografisches und Kreatives Schreiben. Gemeinsam mit Guido Rademacher (Moderation) haben die Studierenden während dem Lockdown Texte geschrieben, die sie nun lesen, performen und musikalisch vortragen werden.