5 Fragen an Viktoria Hahn & Patricia Spies

In der Reihe „5 Fragen an…“ stellen wir Berliner LiteraturaktivistInnen vor. Ob AutorInnen, VerlegerInnen, VeranstalterInnen – mit uns sprechen sie darüber, was sie antreibt, was sie umtreibt und was sie überhaupt dazu bringt, sich literarisch zu engagieren.

Was war der ausschlaggebende Punkt, der euch beschließen ließ Hauser & Tiger zu starten?

Es gab gleich mehrere Punkte auf einmal: Wir haben generell ein junges literarisches Angebot bei uns in der Nachbarschaft vermisst; hatten keine Lust mehr ständig nach Kreuzberg oder Neukölln zu fahren, um spannende Formate zu besuchen. Wir wollten nach Möglichkeit eine Veranstaltung ins Leben rufen, die wir genau so auch selbst gern besuchen würden. Austausch und Gemütlichkeit sollte mit Literatur zusammen gebracht werden und so ein ansonsten eher literaturfernes Publikum mit unserer Begeisterung für Texte angesteckt werden. Heraus kam dann Hauser & Tiger.

Was ist an eurer Lesereihe besonders? Wer sind eure lesenden Gäste?

Wir laden Menschen ein, die mit Text und Sprache arbeiten. Das können AutorInnen von Prosa und Lyrik sein – zu Gast waren aber auch schon eine Verlegerin, ein Hörspielmacher und Dramatiker und mehrere Songwriter. Wichtig ist, dass wir die Arbeit dieser Leute spannend finden. Die Gattung, in welcher sie arbeiten, ist dann eigentlich zweitrangig. Und wir finden es besonders interessant, wenn VertreterInnen unterschiedlicher Gattungen an einem Abend zu Gast sind. Wir haben immer zwei Gäste und oft ergibt sich ein besonders interessanter Austausch, wenn nicht beide das Gleiche machen.

Wie ihr auf eurer Website erklärt, versteht ihr die Veranstaltungsbar Kallasch& als „Erweiterung eures Wohnzimmers“. Wieso ist euch diese vertraute Atmosphäre wichtig?

Wenn man sich an einem Ort besonders wohl fühlt, ist man automatisch entspannter, es fällt leicht gute Gespräche zu führen und neue Leute kennen zu lernen – drei der Dinge, die für uns einen gelungenen Abend bei Hauser & Tiger ausmachen. Und da die Moabiter Projektbar mit der Zeit zu unserem Wohnzimmer geworden ist, erschien es uns nur konsequent unsere Gäste beziehungsweise das Publikum hierher einzuladen.

Was hat Kurt Tucholsky mit eurer Lesereihe zu tun?

Der Dichter, Pazifist und Gesellschaftskritiker Tucholsky ist Namensgeber und geistiger Pate von Hauser & Tiger. Kurt Tucholsky kam in Moabit in der Lübecker Straße 13 zur Welt. Gerade einmal 900 Meter entfernt befindet sich heute die Bar Kallasch&, unser Veranstaltungsort. Was liegt da näher, als mit einer Moabiter Literaturreihe an den großen Schriftsteller und Menschenfreund Tucholsky zu erinnern? Hauser & Tiger setzt sich aus zwei Pseudonymen Kurt Tucholskys zusammen: Kaspar Hauser & Theobald Tiger. Doch wir berufen uns nicht nur dem Namen nach auf Tucholsky: Auch an seinen kritischen und humorvollen Geist erinnern wir gern bei Hauser & Tiger. Jeder Veranstaltungsabend wird mit einem mal kritischen, mal humorvollen und immer überraschend aktuellen Beitrag von Tucholsky eingeleitet. Auch ein Büchertisch in Anlehnung an die Bücherbar, eine kleine von Tucholsky betriebene Buchhandlung am Kurfürstendamm, in der zu jedem verkauften Buch auch ein Schnaps gereicht wurde, erinnert an den trinkfesten Feuilletonisten. Außerdem gibt es einen eigens kreierten Kurt-Tucholsky-Cocktail zu Literaturreihe.

Ihr beide seid sogenannte Wahlmoabiterinnen. Was fasziniert euch an eurem Kiez besonders? Was hat Moabit anderen Vierteln der Stadt voraus?

Wir sagen gerne, dass Moabit in Berlin noch einer unentdeckten Insel gleicht. Das ist gar nicht so weit hergeholt: Zum einen werden fast alle Stadtteilgrenzen von Wasser gebildet: der Spree und mehreren Kanälen. Und zum anderen wissen viele Leute aus anderen Stadtteilen fast nichts über Moabit. Diese möchten wir auf unsere Insel locken und ihnen zeigen, wie interessant es hier ist. Man lebt in Moabit auch noch nicht so homogen: Es gibt türkische Großfamilien, Studierende, alteingesessene Berliner, Auswanderer und eine Menge interessanter Gestalten. Außerdem den tollsten Waschsalon Berlins (Freddy Leck sein Waschsalon), das schönste Kino (Filmrauschpalast), die beste, weil weniger durchgestylte Markthalle, eine Menge beeindruckender Architektur und tolle Projekte… Wir könnten jetzt eine Menge mehr aufzählen!


Hauser & Tiger ist eine Lesereihe in Moabit, die von den zwei Berliner Studentinnen Viktoria Hahn und Patricia Spies organisiert wird. Die beiden wollen ihre Begeisterung für Literatur und Text mit anderen teilen, waren es aber leid lange Wege in andere Stadteile auf sich zu nehmen und beschlossen daher kurzerhand eine Lesereihe im eigenen Kiez zu starten. Die Veranstaltungsbar Kallasch& verstehen sie dabei als „Erweiterung ihres Wohnzimmers“.

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