5 Fragen an Sofie Lichtenstein

In der Reihe „5 Fragen an…“ stellen wir Berliner LiteraturaktivistInnen vor. Ob AutorInnen, VerlegerInnen, VeranstalterInnen – mit uns sprechen sie darüber, was sie antreibt, was sie umtreibt und was sie überhaupt dazu bringt, sich literarisch zu engagieren.

Gab es für dich ein Erlebnis, nach dem du beschlossen hast, dich literarisch zu engagieren – wann und wie ist der Funke übergesprungen?

Das ist alles mehr oder weniger einem Zufall geschuldet. Ein paar Wochen oder Monate – ich weiß es nicht mehr genau –, nachdem meine Erzählung „Spontaner Trip nach Sachsenhausen“ bei SuKuLTuR erschienen ist, fragte mich Marc Degens, ob ich und Moritz nicht Lust hätten, die Herausgeber_innenschaft im Verlag zu übernehmen. Es hat sich also einfach so ergeben.

Wo in Berlin lebst und arbeitest du – und warum? Welche Rolle spielt die Stadt? Welchen Einfluss hat sie auf deine Arbeit?

Ich wohne im herrlichen spießigen Friedrichshain, das die total hippen Künstler_innen Neuköllns lediglich mit einem dünkelhaften Lächeln bedenken. In Friedrichshain lebe ich, weil es ruhig ist. Eigentlich aber finde ich Großstädte zum Scheißen.  Insbesondere Berlin. Die Stadt sowie ihre Glorifizierung, die fast schon in eine Art urbanen Patriotismus kulminiert, löst in mir vieles aus, bloß nichts Erbauliches. Wofür ich mich hingegen weitaus mehr begeistern kann, sind die Alpen. Sie sind meine wahre Liebe.

Leben und arbeiten tue ich hier, also in Berlin, bloß, weil die Dinge, die ich verrichte (und verrichten muss) stark ortsgebunden sind. Außerdem gibt es hier wenigstens ein, zwei Menschen, die ähnlich ticken wie ich – und weiß Gott, so etwas finde ich nun beileibe nicht an jeder Straßenecke. Ich sehne indes den Tag herbei, an dem ich meine Zelte in Berlin ein für allemal abbrechen kann. Beeinflusst die Stadt meine Arbeit? Als Autorin nicht, als Herausgeberin und Veranstalterin allerdings schon.

Worin siehst du deine Rolle als Literaturvermittlerin in der Independent-Landschaft?

Mir ist es ein großes Anliegen, denjenigen Präsenz zu verschaffen, die aufgrund bestimmter Eigenschaften, Merkmale, nenn’s, wie du willst, Benachteiligung erfahren. Ich agiere und reflektiere auf Grundlage eines queer-feministischen Impetus. Und es ist mir todernst damit.

Die kleinen gelben und blauen Bücher erinnern an die guten alten Reclam-Hefte. Werdet ihr oft verwechselt?

Nein. Dafür sind wir nicht bekannt genug.

Eure Bücher kann man seit 2003 auch an Süßwarenautomaten kaufen. Wie kam es zu dieser Idee?

Bestellt und kauft unser Heft „The SuKuLTuR Years“. Da steht alles drin.

 

Sofie Lichtenstein, geb. 1989 in Neuruppin, Autorin, intersektionale Feministin, Herausgeberin bei SuKuLTuR und Veranstalterin der verlagseigenen Lesereihe Automatendichtung.                                                            Bild © Sofie Lichtenstein