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September 2012


Donnerstag, 30. August 2012 bis Donnerstag, 6. September 2012
SCHRIFTPROBEN
Konferenz und Lesereise nordischer und deutschsprachiger Autoren


7 Länder, 15 Autoren und jede Menge zu bereden: Anfang September 2012 treffen sich junge Autor/inn/en aus Deutschland, Österreich, Schweden, Finnland, Norwegen, Dänemark und Island in Berlin, um miteinander übers Schreiben zu sprechen und dem Publikum Proben ihrer literarischen Handschriften zu geben.

Bei Lesungen in Berlin (Nordische Botschaften; Lettrétage), Dresden (Villa Augustin) und Stuttgart (Literaturhaus) heißen wir Sie willkommen im Jetzt der nordischen und deutschsprachigen Literatur. Die deutschen Übersetzungen werden jeweils von Schauspielern gelesen.

Mit Jörg Albrecht (D), Dan Aleksander Andersen (NO), Luise Boege (D), Haukur Már Helgason (IS), Lisa Kränzler (D), Benedicte Kroneberg (NO), Kaspar Colling Nielsen (DK), Eiríkur Örn Norddahl (IS), Leena Parkkinen (FI), Martin Snoer Raaschou (DK), Antje Rávic Strubel (D), Anna Ringberg (SE), Moa Eriksson Sandberg (SE), Gerhild Steinbuch (A), Satu Taskinen (FI).

Lesungstermine
Donnerstag 30.8. 19.00 Uhr
Auftaktlesung: Lange Lesenacht mit allen Autor/inn/en im Felleshus der nordischen Botschaften, Rauchstr. 1, 10787 Berlin
Moderation: Kristof Magnusson -Eintritt frei-
Gerhild Steinbuch (AT), Anna Ringberg (SE), Moa Eriksson Sandberg (SE)
Dan Aleksander Andersen (NO), Luise Boege (D), Benedicte Meyer Kroneberg (NO)
Eiríkur Örn Norddahl (IS), Haukur Már Helgason (IS), Jörg Albrecht (D)
PAUSE
Satu Taskinen (FI), Antje Rávic Strubel (D), Leena Parkkinen (FI)
Martin Snoer Raaschou (DK), Kaspar Colling Nielsen (DK), Lisa Kränzler (D)

Freitag, 31.8. 19.00 Uhr
Lesung Literaturhaus Villa Augustin, Antonstr. 1, 01097 Dresden
Moderation: Björn Kozempel -Eintritt frei-
Kaspar Colling Nielsen (DK), Martin Snoer Raaschou (DK)
Moa Eriksson Sandberg (SE), Anna Ringberg (SE)
Eiríkur Örn Norðdahl (IS), Haukur Már Helgason (IS)
Satu Taskinen (FI), Leena Parkkinen (FI)
Benedicte Meyer Kroneberg (NO), Dan Aleksander Andersen (NO)

Samstag, 1.9. 19.30 Uhr
Lesung in der Lettrétage, Methfesselstr. 23-25, 10965 Berlin
Moderation: Tom Bresemann und Björn Kozempel -Eintritt frei-
Teil 1: "Fremdheit"
Kasper Colling Nielsen (DK), Lisa Kränzler (D), Haukur Már Helgason (IS)
Martin Snoer Raaschou (DK), Benedicte Meyer Kroneberg (NO), Satu Taskinen (FI)

Sonntag, 2.9. 19.30 Uhr
Lesung in der Lettrétage, Methfesselstr. 23-25, 10965 Berlin
Moderation: Tom Bresemann -Eintritt frei-
Teil 2: "Körperlichkeit"
Dan Aleksander Andersen (NO), Moa Eriksson Sandberg (SE), Luise Boege (D)
Leena Parkkinen (FI), Antje Rávic Strubel (D), Anna Ringberg (SE)

Montag, 3.9. 19.30 Uhr
Übersetzerabend in der Lettrétage, Methfesselstr. 23-25, 10965 Berlin
Moderation: Björn Kozempel -Eintritt frei-
Jörg Albrecht (D), Eiríkur Örn Norðdahl (IS), Gerhild Steinbuch (AT)
und die Übersetzerinnen:
Anne Boden, Catherine Hales, Karen Nölle

Mittwoch, 5.9. 20.00 Uhr
Lesung im Literaturhaus Stuttgart, Breitscheidstraße 4, 70174 Stuttgart
Moderation: Joachim Kalka -Eintritt frei-
Kasper Colling Niesen (DK), Leena Parkkinen (FI), Eiríkur Örn Norðdahl (IS), Anna Ringberg (SE), Benedicte Meyer Kronenberg (NO)

Donnerstag, 6.9. 20.00 Uhr
Lesung im Literaturhaus Stuttgart, Breitscheidstraße 4, 70174 Stuttgart
Moderation: Joachim Kalka -Eintritt frei
Martin Snoer Raaschou (DK), Satu Taskinen (FI), Haukur Már Helgason (IS), Dan Aleksander Andersen (NO), Moa Eriksson Sandberg (SE)

Die Lesungen finden in Originalsprache durch die Autoren und in deutscher Übersetzung durch Schauspieler statt.

Gefördert durch:
Die Kulturstiftung des Bundes und den Berliner Senat.

Partner und Unterstützer:
NORLA, FILI, die Nordischen Botschaften in Berlin, Finnland-Institut, Kulturstyrelsen, die Norwegisch-Deutsche Willy-Brandt-Stiftung, Gudrun Sjöden, BuchMarkt, www.faust-kultur.de, NORR, rbb kulturradio, zitty, das Literaturhaus Villa Augustin, das Literaturhaus Stuttgart, Verbrecherverlag, Ultra Luxx und die Druckerei Lippert.



Dienstag, 11. September 2012, 19:30 Uhr, Eintritt 5 Euro/ Erm. 4 Euro
Angriff der schwierigen Gedichte

Lesung mit Charles Bernstein, Norbert Lange, Tobias Amslinger, Dennis Büscher-Ulbrich und Mathias Traxler


Nach einem ersten Einblick in die Übersetzerwerkstatt im Februar setzt das Team Bernstein (bestehend aus Tobias Amslinger, Norbert Lange, Léonce W. Lupette und Mathias Traxler) seine Erkundung der Gedichte des amerikanischen Lyrikers und Poetologen Charles Bernstein im September fort. Verstärkung erhält das Team diesmal von Dennis Büscher-Ulbrich, der einige poetologische Texte von Bernstein übersetzt hat. Zusammen mit den Gedichten werden wir sie am lebenden Subjekt testen können, denn Charles Bernstein ist diesmal mit Fragen und Antworten persönlich mit von der Partie.

Charles Bernstein, geboren 1950 in New York, wird der literarischen Avantgardebewegung, der sogenannten Language Poetry, zugeordnet. Bernsteins Arbeiten werden häufig durch ihre innovative Sprache als postmodern bezeichnet. Er selbst beschreibt seine Dichtung als Spiel zwischen den Genres und Formgattungen. Bis dato veröffentlichte er mehr als 16 eigenständige Gedichtbände und drei Bücher mit Aufsätzen und Reden. Bernstein lehrte an verschiedenen Universitäten, wie der Columbia, der Brown University und in Princeton. Heute lehrt er an der University of Pennsylvania.

Autonomy is Jeopardy
I hate artifice. All these
contraptions so many barriers
against what otherwise can’t
be contested, so much seeming
sameness in a jello of
squirms. Poetry scares me. I
mean its virtual (or ventriloquized)
anonymity – no protection, no
bulwark to accompany its pervasive
purposivelessness, its accretive
acceleration into what may or
may not swell. Eyes demand
counting, the nowhere seen everywhere
behaved voicelessness everyone is clawing
to get a piece of. Shudder
all you want it won’t
make it come any faster
last any longer: the pump
that cannot be dumped.

Eigensinn ist Leichtsinn
Ich hasse gekonnte Kunst. All diese
technischen Kniffe, vielen Barrieren
gegen das was andernfalls nicht
in Frage gestellt werden kann, so viel schein-
bare Sinngleichheit im sich windenden
Wackelpudding. Dichtung erschreckt mich. Ich
meine ihre behauptete (oder bauchredende)
Anonymität – kein Schutz, kein
Bollwerk, das ihre tiefgreifende
Ziellosigkeit begleitete, ihre anziehende
Akzeleration in etwas das anschwellen könnte
oder nicht. Augen erheben
Anspruch auf Zählung, das überall gesehene Nirgendwo verhielt
Sprachlosigkeit jeder greift
einen Teil davon zu ergattern. Zittern
was immer du willst wird nichts
bringen schneller machen
längern dauern lassen: der Spender,
der nicht verendet.

Übersetzung: Tobias Amslinger



Mittwoch, 12. September 2012, 19:30 Uhr, Eintritt 5 Euro/ Erm. 4 Euro
Geldwerte Worte

Neue Texte aus dem Ritter Verlag. Es lesen: Ronald Pohl (Wien): pound in pisa; Günter Eichberger (Graz): Die Nahrung der Liebe; Stefan Schweiger (Berlin): ruptus. markt­geschehen Moderation: Paul Pechmann (Ritter Verlag)


Entlang der Bruchlinien, die sich zwischen den in binären Zahlenkolonnen existierenden Finanzmärkten und einer auf Produktivität gründenden Ökonomie auftun, erkunden die Autoren Möglichkeiten des zeitgemäßen literarischen Zugriffs auf das Zeichensystem des Geldes: In Szene gesetzt als bildreicher Abschiedsgesang eines für wahnsinnig gehaltenen Dichters der Moderne (Pohl), als ausladende Verteidigungsrede eines an George Soros erinnernden Börsenhais (Eichberger) oder als polyloger Strom unbestimmter Stimmen (Schweiger) graben sich die Texte mittels kalkuliertem Wuchern in die Sprachwelten heutigen Marktgeschehens.

Gefördert von: bm:ukk, land stmk kultur, stadt graz kultur.

www.ritterbooks.com

Stefan Schweiger, geb. 1967, lebt und publiziert nach dem Studium der Philosophie und Literaturwissenschaft seit 1991 als freier Autor in Berlin. Regelmäßige Veröffentlichungen insbesondere in Literaturzeitschriften (z.B. perspektive, Wandler, idiome, Die Sklaven), Anthologien und Gemeinschaftsprojekten (sound systems caterpillar, mit shelter performance group).Im Ritter Verlag erschienene Bücher:Kiefer, Fäden, Shoah (2009); ruptus. marktgeschehen (2012)



Ronald Pohl, geb.1965, lebt in Wien als Autor und Feuilleton-Redakteur der Tageszeitung DER STANDARD.
pound in pisa – Die Badeküsser ist Ronald Pohls erstes Buch im Ritter Verlag.




Bild: Claudia Klucaric

Günter Eichberger, geb. 1959 in Oberzeiring (Steiermark), lebt als freier Schriftsteller in Graz. Neben Theaterstücken und Hörspielen veröffentlichte er eine Reihe von Prosabänden.Bisher im Ritter Verlag erschienen: Gesicht aus Sand (1999); Überall im All derselbe Alltag (2001); Nein (2006); Alias (2008); Halber Flügel (2010); Die Nahrung der Liebe (2012).



Samstag, 15. September 2012, 19:30 Uhr, Eintritt 5 Euro/ Erm. 4 Euro
Der Russe ist einer, der Birken liebt

Olga Grjasnowa liest aus ihrem Debütroman


Mascha, die Ich-Erzählerin in Olga Grjasnowas Debütroman, kann einen nicht kalt lassen. Man mag sie oder kann sie nicht ausstehen wegen ihrer Eigenwilligkeit. Sie ist Aserbeidschanerin, Jüdin, wenn nötig auch Türkin und Französin – vor allem aber Immigrantin. In Deutschland hat sie früh erfahren, was es bedeutet, sprachlos zu sein. Nun spricht sie fünf Sprachen fließend und will Karriere bei der UNO machen. Doch diesen gradlinigen Plan durchkreuzt die schwere Krankheit ihres Freundes Elias. Große Verzweiflung führt sie nach Israel. Dort holt ihre Vergangenheit sie ein.

In Der Russe ist einer, der Birken liebt seziert Olga Grjasnowa Stereotypen von Zugehörigkeit und Identität. Sie beschreibt mit einer kongenialen Mischung aus Tragik und Komik eine Generation, die überall beheimatet und eben deshalb nirgendwo wirklich zu Hause ist.

Olga Grjasnowa, geboren 1984 in Baku, Aserbaidschan, wuchs im Kaukasus auf. Längere Aufenthalte in Warschau, am Maxim-Gorki-Literaturinstitut in Moskau und in Israel. Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig. Veröffentlicht in Zeitschriften und Anthologien. Interdisziplinäre Arbeiten im Bereich der Medienkunst. Stipendiantin des 11. Klagenfurter Literaturkurses (2007) und des Grenzgänger-Programm der Robert Bosch Stiftung (2011). Zur Zeit Studium der Tanzwissenschaften an der FU Berlin.

Leseprobe aus
Der Russe ist einer, der Birken liebt

Die Veranstaltung wird aus den Mitteln des Förderprogramms Grenzgänger der Robert Bosch Stiftung gefördert.



Freitag, 21. September 2012, 19:30 Uhr, Eintritt frei
Virginia Woolf: Orlando

Buchpräsentation anlässlich der Neuübersetzung von Melanie Walz
Es liest die Schauspielerin Karen Sünder

In Kooperation mit dem Suhrkamp Verlag


Orlando ist jung und gutaussehend – seine Schönheit soll niemals vergehen. Ein Wunsch, der ihm zum Schicksal wird. Er durchlebt beinahe vier Jahrhunderte und vier verschiedene Lebensentwürfe, ohne merklich zu altern: Aus dem jungen Höfling wird ein Diplomat in Konstantinopel, aus dem kaum Dreißigjährigen eine Frau, die mit einer Zigeunertruppe nach England zurückkehrt, wo sie den Mann ihrer Träume heiratet und einen Sohn zur Welt bringt. Orlandos bewegter Lebensweg findet im London des frühen 20. Jahrhunderts seine Vollendung – und Krönung, denn Orlando ist nun als Dichterin berühmt.

Orlando ist das vielleicht persönlichste Buch Virginia Woolfs. Es ist eine Liebeserklärung an ihre Freundin Vita Sackville-West, und es ist vor allem ein Buch, das die große englische Autorin von einer spielerischen Seite zeigt. In diesem furiosen Roman, als Biographie getarnt, geben sich die literarischen Genres ein lustvolles Stelldichein. Sprachlicher Übermut und Stilsicherheit halten sich unübertroffen die Waage.

Nach zwanzig Jahren liegt hier eine glanzvolle moderne Neuübersetzung vor, die erstmals den Ton des Originals trifft. Melanie Walz gelingt es, dieses Paradestück der Kunst Virginia Woolfs zu neuem Leben zu erwecken und ein unvergessliches Leseerlebnis zu schaffen, das den Zauber und die Faszination des Originals unmittelbar spüren lässt.

Leseprobe aus
Orlando

Karen Sünder studierte nach einer klassischen Ballettausbildung bei der Royal Academy of Dance Schauspiel in Paris und Berlin und absolvierte darüberhinaus ein Studium der Theaterwissenschaft und Komparatistik. Neben diversen freien Theaterprojekten führten sie Gastengagements unter anderem an die Städtischen Bühnen Münster, das Théâtre de l´Europe in Paris, die Bayreuther Festspiele und das Berliner Hebbel am Ufer. Seit 1999 lebt sie als freie Schauspielerin und Sprecherin in Berlin. Karen Sünder ist ausgebildete Studiosprecherin und nicht nur bei regelmäßigen Livelesungen zu hören, sondern auch in diversen Hörbuchproduktionen, sowie im Voiceover- und Synchronbereich.