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September 2009


Mittwoch, 9. September 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Víctor Rodríguez Núñez liest Gedichte aus Ceniza de Infinito
Eine Lesung in deutscher und spanischer Sprache mit Víctor Rodríguez Núñez, Timo Berger und Jan Wagner


Víctor Rodríguez Núñez, geboren in Kuba, lebt seit über zwei Jahrzehnten im Ausland, nach Stationen in Nicaragua und Kolumbien nun, seit 1995, in den USA. Er ist Associate Professor of Spanish am Kenyon College in Ohio. Núñez hat bislang elf Gedichtbände veröffentlicht, die mit zahlreichen Preisen bedacht wurden, u.a. mit dem David-Preis (Kuba, 1980), dem Plural-Preis (Mexiko, 1983) und dem Fray Luis de León Preis (Spanien, 2005). Übersetzungen seiner Gedichte erschienen in zahlreichen amerikanischen Zeitschriften, u.a. in The Kenyon Review, Denver Quarterly, Circumference und Salt Hill. Die deutschen Übersetzungen seiner Gedichte stammen von Udo Kawasser und werden von Timo Berger und Jan Wagner gelesen.

Jan Wagner, geboren 1971 in Hamburg, Gedichtbände Probebohrung im Himmel (2001), Guerickes Sperling (2004), Achtzehn Pasteten (2007), Übersetzungen (u.a. Matthew Sweeney, James Tate), viele Preise, Stipendien und Auszeichnungen, u.a. Arbeitsstipendien des Berliner Senats und der Stiftung Preußische Seehandlung, zuletzt Max Kade Writer-in-Residence am Department of German Language and Literatures in Oberlin, Ohio (USA).

Timo Berger, geboren 1974 in Stuttgart, lebt in Berlin. Veröffentlichte Prosa, Lyrik und Essays sowie Übersetzungen aus dem Spanischen und Portugiesischen. Einzelveröffentlichung: Ferne Quartiere. Gedichte, 2008. Mitorganisator der Lesebühne Visch & Ferse sowie des Literaturfestivals Latinale.



Mittwoch, 16. September 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
from fairest creatures we desire
Eine Lesung in deutscher und englischer Sprache mit Matthias Müller-Lentrodt und Tom Bresemann


Shakespeares Sonette vermehren sich seit nunmehr 400 Jahren ungehemmt, sei es in poetischer Weiterschreibe, in literaturwissenschaftlicher oder biographistischer Rezeption, und, vor allem, in nicht abreißenden Übersetzungsversuchen, weltweit. Tatsächlich sind Shakespeares Sonette, nach den biblischen Psalmen, die meistübersetzten literarischen Texte überhaupt.

Tom Bresemann und Matthias Müller-Lentrodt lesen anläßlich des 400. Jahrestags der Sonnets-Erstausgabe einige der Übersetzungen, von Celan, George, Gildemeister und Regis. Aber auch moderne(re) Adaptionen werden zu Gehör genommen. Dass es dabei nicht immer bierernst (und vor allem nicht Biermannsch) zugehen wird, darf gerne angenommen sein.

Tom Bresemann, 1978 in Berlin geboren, wo er lebt. Studium der Neueren deutschen Philologie und Alten Geschichte, Veröffentlichung von Lyrik und Prosa in Zeitschriften und Anthologien, zuletzt Jahrbuch der Lyrik 09, NEUBUCH, Lyrik von Jetzt zwei, Alles ausser Tiernahrung, Covering Onetti (Prosa). Einzelpublikation: Makellos.Gedichte (2007). Übersetzung von Gedichte aus dem Schwedischen (Farg) und dem amerikanischen Englisch (Ashbury). Mitbegründer der S³ LiteraturWerke in Berlin, Mitherausgeber der Anthologie Wat los, Parzen? (2006).
www.myspace.com/makellos_gedichte

Matthias Müller-Lentrodt, 1964 in Remscheid geboren, studierte an den Universitäten Heidelberg, München, Wien und Berlin Theologie, Philosophie, Germanistik, Theater- und Filmwissenschaft und Kunstgeschichte und promovierte 1996 an der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit über die Poetik des elsässischen Dichters Yvan Goll (Poetik für eine brennende Welt. Zonen der Poetik Yvan Golls im Kontext der europäischen Avantgarde, Bern u.a. 1997). Er lehrte an der Berliner Freien Universität und von 1996 bis 1998 an der Pariser Sorbonne deutsche Literaturgeschichte und Sprache. Matthias Müller-Lentrodt publizierte Gedichte und Aufsätze in verschiedenen Literatur- und Kunstzeitschriften. Seit mehr als sieben Jahren führt er Studien- und Kunstreisen in Frankreich und Italien im Auftrag von Dumont/Klingenstein und Studiosus.



Samstag, 19. September 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Thomas Klupp: Paradiso
Autorenlesung


Es ist heiß. Glühend heiß. In der flirrenden Tankstellenluft wartet Alex Böhm auf einen gelben Kombi, der gleich an den Zapfsäulen halten und ihn nach München bringen soll. Von dort wird er am nächsten Morgen mit seiner Freundin Johanna nach Portugal fliegen. Das ist der Plan. Aber dann taucht Konrad auf, der »Loserkonrad« aus Schulzeiten, und diese Begegnung katapultiert Böhm auf das Minenfeld seiner Vergangenheit.
Während er in atemlosen Monologen einen Zünder nach dem anderen schärft, findet er sich plötzlich am Rand der Autobahn wieder, auf sonnenverbrannten Rastplätzen und in den Kellergewölben bayerischer Provinz-Erotheken. Er begegnet bekehrten Lastwagenfahrern mit langen Messern, schwärmenden Hippiemädchen, Dostojewski-Jüngern und Jana-Hensel-traumatisierten Taxifahrern. Anarchisch und mit tiefschwarzem Humor erzählt, lässt dieser Roman den Leser mit weit aufgerissenen Augen zurück.

Ungelogen: Unser Debütroman des Jahres. ARD Morgenmagazin

Thomas Klupp, geboren 1977 in Erlangen, arbeitete nach seinem Zivildienst als Kameraassistent beim Regionalsender Oberpfalz TV in Amberg. Von 1999-2001 war er an der FU Berlin eingeschrieben (Theaterwissenschaften und Publizistik), im Anschluss daran studierte er Kreatives Schreiben und Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim. Heute ist er am dortigen Institut für deutsche Sprache und Literatur als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig.
Thomas Klupp lebt in Berlin und Hildesheim, liebt außer der Literatur vor allem die Schweiz, Filme und Fußball. In der deutschen Autorennationalmannschaft trägt er das Trikot mit der Nummer 14 und ist immer wieder im Mittelfeld zu entdecken. Er veröffentlichte Erzählungen in Zeitschriften und Anthologien, gab die Literaturzeitschrift BELLA triste heraus und arbeitet an einer Dissertation zu Poetiken zeitgenössischer Romane.



Mittwoch, 23. September 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Hanne F. Juritz liest aus Händel und Rote Grütze und pipistrellus
Musikalische Begleitung: Tom Bresemann, Gitarre
Eine Gastveranstaltung des APHAIA VERLAGS


Mit der Erzählung Händel und Rote Grütze hat die in Dreieich bei Frankfurt/Main lebende und mehrfach ausgezeichnete Autorin Hanne F. Juritz eine amüsante Erzählung vorgelegt, die die Atmosphäre eines Caféhauses in einer Stadt mit Exzellenz abbildet.

Eigentlich wollten der pensionierte Oberstudienrat Herr Braun und seine jugendliche Kollegin Frau Roth sich nur im Café Blau auf einen Kaffee treffen und den Lärm der Großstadt einmal hinter sich lassen, als sich die Ereignisse beginnen zu überschlagen ... Als Rosa, die junge Studentin und Kellnerin im Café Blau, abgelenkt durch einen zu langen Blick auf den von ihr heiß geliebten Posaunisten Herrn Berggrün, die Kontrolle über ihr Tablett mit Himbeerschnitte verliert und inmitten der Bistrotische zu Boden fällt, bringt sie plötzlich alle Protagonisten der Erzählung am Unfallort zusammen, und das turbulente Durcheinander der Caféhausbesucher und ihrer Angestellten nimmt im crescendo seinen Lauf ... Begleitet wird diese überaus unterhaltsame und mit Tempo vorgetragene Caféhausgeschichte von aquarellierten Tuschezeichnungen des in Karlsbad geborenen Malers Walter Diewock, der mit stilsicherem Blick auf die Charaktere und die Atmosphäre im Café Blau meisterliche Zeichnungen angefertigt und beigefügt hat.

Hanne F. Juritz, geb. in Straßburg, lebt als Schriftstellerin in Dreieich bei Frankfurt/Main. Für ihre Lyrik und Prosa wurde sie mehrfach ausgezeichnet: Leonce-und-Lena-Preis für Lyrik, Darmstadt,1972. Georg-Mackensen-Preis für die beste deutsche Kurzgeschichte, 1978. Stadtschreiberin von Offenbach am Main, 1981-83. Kulturpreis des Kreises Offenbach, 1993. Mitglied der Darmstädter Sezession. Zahlreiche Buchveröffentlichungen, eine Auswahl: Gesammelte Erzählungen, 1982; verwehung im park, Gedichte, 1988. spiegelung, bilder aus meinen erzählungen, Graphiken der Autorin, 1989. sieben wunder!, Gedichte/Graphiken der Autorin, 1991. blicke eines freundes, Gedichte, 1993. carolines feuer, Erzählung, 1994. e.a. - epreuve d’artiste, Gedichte, 1995. Mitlesebuch 14 - Hanne F. Juritz, Gedichte, 1996. zeit sprung, Gedichte, 1997. kein programm ohne schusswechsel, Gedichte, 1999. von den ismen, Traktat, 2001. sperren, Kurzprosa, 2002. chapeau claque, Gedichte, 2005. pipistrellus, Gedichte 2007. knabenschuh, Gedichte 2008. Händel und Rote Grütze, Erzählung, 2009.



Samstag, 26. September 2009, 20 Uhr, Eintritt FREI
Ursula Fricker: Das letzte Bild
In Zusammenarbeit mit Dem Rotpunktverlag


Floyd, Fotograf, hat sich kurz nach der Wende von England nach Deutschland aus dem Staub gemacht und lebt in einem Haus im Wald im tiefen Brandenburg, weit weg von allem. Da erreicht ihn eines Tages ein Brief aus London: Seine 15-jährige Tochter Josephine will ihn nach Jahren des Schweigens über die Weihnachtstage besuchen. Die mit Spannung erwartete Wiederbegegnung gestaltet sich nicht eben einfach. Was soll er nur anfangen mit diesem Mädchen, das da den lieben langen Tag bei ihm vor dem Fernseher herumhängt und für gar nichts zu begeistern ist? Dass auch sie sich Weihnachten mit ihrem Vater anders vorgestellt hat, als in einem gottverlassenen Wald, am Ufer des gefrierenden Sees ein Picknick zu veranstalten, wird spätestens dann klar, als Josephine plötzlich abhaut. ­ Eine verzweifelte Suche nimmt ihren Lauf, und als Emma, die Ex-Frau, in ihrem Hippiegewand unvermittelt vor ihm steht, wird Floyd mit dem misslungenen Versuch eines Familienlebens konfrontiert. Ursula Fricker entfaltet in diesem klug konstruierten und atmosphärisch dichten Roman Stück für Stück die Geschichte eines künstlerisch erfolgreichen, aber dennoch gescheiterten Lebens. Mit der ihr eigenen eindringlichen Lakonie erzählt sie von einer verloren gegangenen Liebe, von der unaufhörlichen Suche nach dem richtigen Licht und von dem letzten Bild des Fotografen, das vielleicht für immer sein Geheimnis bleiben wird.

Ursula Fricker, geboren 1965 in Schaffhausen, publizierte 2004 ihren vielbeachteten Debütroman Fliehende Wasser, der mit dem Einzelwerkspreis der Schweizerischen Schillerstiftung und mit dem Werkjahr der Stadt Zürich ausgezeichnet wurde. Daneben verschiedene Anthologiebeiträge und Reportagen, u.a. für die SZ am Wochenende und die Aargauer Zeitung. Das letzte Bild ist ihr zweiter Roman; er wurde mit einem Werkbeitrag von Pro Helvetia gefördert. Ursula Fricker lebt heute als freie Autorin in der Nähe von Berlin.



Mittwoch, 30. September 2009, 20 Uhr, Eintritt 5,- Euro
Sergio Pitol: Die Kunst der Flucht
Im Rahmen der Reihe Lateinamerikanische Literatur und ihre deutschen Vermittler
Lesung mit Denis Abrahams (Schauspieler) und anschließendes Gespräch mit Ulrich Kunzmann (Übersetzer), moderiert von Katharina Deloglu


Die Lettrétage lädt zu einer Humboldtschen Entdeckungsreise in die lebendigen Literaturen Lateinamerikas ein. Dabei gilt es, die Entdeckungen ebenso wie ihre deutschsprachigen Entdecker kennenzulernen und auf ihren Spuren literarisches Neuland zu betreten. Dieses Mal stellt Übersetzer Ulrich Kunzmann den mexikanischen Autor Sergio Pitol vor.

Sergio Pitol, 1933 in Puebla, Mexiko, geboren, studierte in Mexiko-Stadt Jura und Literaturwissenschaft und war als Literaturprofessor und Diplomat in zahlreichen Ländern tätig. Er hat Romane, Erzählungen und Essays geschrieben und gilt als einer der angesehensten Autoren Lateinamerikas. Für seine Bücher erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Premio Cervantes (2005), den bedeutendsten Literaturpreis der spanischsprachigen Welt. – Sergio Pitol sieht in Die Kunst der Flucht sein wichtigstes Buch. Seine autobiographischen Aufzeichnungen sind die freudige und reflektierende Summe von Reisen und Lektüren – ein Lebens-Buch, vergleichbar den Erinnerungsbüchern Elias Canettis.

Mit hinreißendem Schwung verwischt Sergio Pitol in Die Kunst der Flucht die Grenzen zwischen Erzählung und Essay. (…) Unterhaltsam und spannend wie in seinen Romanen, schildert er seine Begegnungen mit berühmten Autoren und öffnet ein großes Panorama europäischen und lateinamerikanischen Geistes der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Erzählung und Essay in einem, vermittelt dieses Buch auf fröhliche Weise Bildung und die Kunst, sich auf andere Kulturen einzulassen.
ArtPresse, Paris

Rezension des Romans in der Süddeutschen Zeitung

Zu Pitols Leben und Werk

Ulrich Kunzmann (geboren 1943) hat nach dem Studium der Romanistik (1961-1966) und seiner Dissertation über den guatemaltekischen Nobelpreisträger Miguel Angel Asturias (1971) zwanzig Jahre als Dramaturg im Rundfunk gearbeitet. Seit 1969 übersetzt er Romane, Erzählungen, Essays, Theaterstücke und Sachbücher aus dem Spanischen, Französischen und Portugiesischen; seit 1991 ist er als hauptberuflicher Literatur-Übersetzer tätig und hat bisher mehr als 70 Titel vorgelegt, darunter auch Alejo Carpentier und Carlos Fuentes.

Unterstützt aus Mitteln der Kulturförderung Friedrichshain-Kreuzberg.
Mit freundlicher Unterstützung der mexikanischen Botschaft.







Medienpartner: taz berlin



Der 30. September ist Internationaler Übersetzertag.

Lettrétage - Das junge Literaturhaus