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Juli 2012


Freitag, 6. Juli 2012, 19:30 Uhr, Eintritt 5 Euro / Erm. 4 Euro
Lyrikabend mit John Mateer und Jan Wagner

Schwerpunkt Australien


Los geht es im Zeichen Australiens, jedoch ohne festen repräsentativen Schwerpunkt. Der große, ferne Kontinent kann selbstverständlich nicht in einen Abend eingepackt werden, also wollen wir versuchen, ihn in seiner Nichtpräsenz zu erahnen. Ist er nun dunkle Fremde, Sehnsuchtsort oder konkurrierende Heimat? Der Hamburger Autor Jan Wagner und der australisch-südafrikanische Lyriker John Mateer verfremden in ihren Gedichten unsere eingerostete Wahrnehmung und Vorstellung von einer Welt, die durch Ausschließung und Eingrenzung definiert wird und reißen uns zurück zu den Dingen, die schon immer die wesentlicheren waren – zu den bildreichen Details.

Nachdem die Autoren ihre Gedichte – teils noch unveröffentlichte – vorgestellt haben, gibt es wie immer Gelegenheit, zu diskutieren und zu plaudern.


John Mateer, geboren 1971 in Johannesburg, wohnt in Perth, Australien. Er verbrachte seine Kindheit in Südafrika und Kanada, und siedelte kurz bevor er eingezogen werden sollte mit seinen Eltern und seiner Schwester nach Australien über. Er bereist nachwievor regelmäßig Asien und Europa. Mateers Gedichte sind in Büchern in Australien, in Großbritannien und in Österreich erschienen wie auch in kurzlebigen Heften an den Orten, über die er geschrieben hat: Südafrika, Australien, Japan, Sumatra, Macau und Portugal. Seine jüngste Veröffentlichungen sind die Sammlung The West: Australian Poems 1989-2009 (Fremantle Press), The Azanians (T41), Ex-White/Einmal Weiss: South African Poems (Sisyphus Verlag), und der bald erscheinende Band Namban/Southern Barbarians, Gedichte über die portugiesische Welt (T41 and Giramondo).

Über Mateer und sein Schreiben:
Wann immer er gefragt wird, ob er sich als Australier oder Südafrikaner fühlt, fällt John Mateer in ein Schweigen, denn letztlich ist er in beiden Ländern verwurzelt. Der berühmte Romanautor JM Coetzee entdeckt in Mateers südafrikanischen Gedichten ein Schreiben gegen den Strom des Vergessens, das immer auch flüchtige Blicke auf eine geliebte Heimat freigibt. Für den australischen Kritiker Martin Harrison ist Mateer wiederum ein Dichter, der geradewegs ins Zentrum der australischen Kultur vorstößt.

(c) Villa Massimo-Alberto Novelli
Jan Wagner, geboren 1971 in Hamburg, lebt seit 1995 in Berlin. Lyriker, Übersetzer englischsprachiger Lyrik, freier Rezensent sowie bis 2003 Mitherausgeber der internationalen Literaturschachtel »Die Aussenseite des Elementes«. Neben zahlreichen Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften auch Gedichtbände: »Probebohrung im Himmel« und »Guerickes Sperling« sowie ein Band mit Übersetzungen ausgewählter Gedichte von James Tate, »Der falsche Weg nach Hause«. Zusammen mit Björn Kuhligk publizierte er die Anthologie »Lyrik von Jetzt. 74 Stimmen« sowie das Buch »Der Wald im Zimmer. Eine Harzreise«. Für seine Lyrik erhielt er neben Stipendien den Hamburger Förderpreis für Literatur, den Förderpreis zum Hermann-Hesse-Preis, den Christine-Lavant-Publikumspreis, den Alfred Gruber Preis, den Mondseer Lyrikpreis, den Anna-Seghers-Preis, den Ernst-Meister-Preis und den ersten Arno-Reinfrank-Literaturpreis.

Über "Australien" in den Feuilletons:
NZZ: „Auch wenn die poetische Kompassnadel über alle Himmelsrichtungen streift, kommt «Australien», das titelgebende und letzte Gedicht, als ein realer Ort im Lyrikband Jan Wagners nicht vor.“
FAZ: “Mit einer ruhigen, durch alle Zeit- und Bewusstseinsschichten dringenden Aufmerksamkeit nimmt Wagner seine Umgebung wahr und lässt sie verschmelzen zu Gedichten, die immer in der Balance bleiben zwischen dem Nichtselbstverständlichen und dem Selbstverständlichen, zwischen Beobachtung und dem ins Imaginäre Ver- und Weitergesponnenen.“



Samstag, 7. Juli 2012, 19:30 Uhr, Eintritt 5 Euro / Erm. 4 Euro
Anne Seidel und Michael Fiedler

Lyrikabend und Autorenlesung


Anne Seidel, geboren 1988, ist eine in Dresden lebende und arbeitende Künstlerin und Dichterin. Ihre einzigartige perzeptive Arbeit in Gedichten und Installationen ist verhaftet im Surrealen, Minimalen und Immanenten. Die Künstlerin ist Mitglied des Literaturforums Dresden und verwirklichte unter anderem zahlreiche Projekte mit ds-x.org. Derzeit arbeitet sie an einer audiovisuellen skulpturalen Sound Art Installation, welche auf der diesjährigen OSTRALE zu sehen sein wird.

Michael Fiedler wurde 1981 in Leipzig geboren, wo er lebt und arbeitet. Neben Cut-ups schreibt er auch Teaser-Texte für Theaterstücke, Flyer und Webseiten. Studierte am Deutschen Literaturinstitut. Anfang 2012 erschien sein Lyrikdebüt Geometrie und Fertigteile (poeten­laden Verlag) Eine Auswahl seiner Texte erschien in zwischen den zeilen (Heft 31, April 2010).



Dienstag, 17. Juli 2012, 19:30 Uhr, Eintritt 5 Euro / Erm. 4 Euro
Lesung mit Autor/innen des Nachdichtungsprojekts NORD-SÜD-PASSAGE

Einschließlich Präsentation der Ergebnisse der Übersetzerfortbildung
Es lesen: Claire Warren, Christine Pfammatter, Ludovic Bablon und Tom Bresemann


Das Projekt Nord-Süd-Passage wird von der Berliner Literaturkritikerin Sabine Günther im Auftrag des in Marseille ansässigen Vereins Passage & Co.-deutsch-französischer Kulturaustausch in Europaorganisiert. Vom 13. - 17. Juli 2012 findet in Berlin in Zusammenarbeit mit dem Sprachenzentrum der TU und dem Centre Français de Berlin eine deutsch-französische Autoren-Übersetzungswerkstatt und eine Fortbildung für junge LiteraturübersetzerInnen statt.

Wir laden Sie schon um 17:00 Uhr ganz herzlich zum Runden Tisch über Berufsfelder und -chancen für Literaturübersetzer ein.

Im Anschluss daran, um 19.30 Uhr, findet die Lesung mit den vier Nord-Süd-Passage-AutorInnen statt, auf der auch die Ergebnisse der Übersetzerfortbildung unter Leitung des französischen Literaturübersetzers François Mathieu vorgestellt werden.

Die eingeladenen DichterInnen sind:

Christine Pfammatter, 1969 in Leuk-Stadt geboren. Studium der Philosophie, Literatur und Kunstgeschichte in Bern und Fribourg. Nach Veröffentlichungen in manuskripte, entwürfe, ndl, Nord-Süd-Passage sowie in der Anthologie Natürlich die Schweizer! (Hrsg. Reto Sorg), erschien 2008 ihr Erzählband Zuviel Sonne (Leipziger Literaturverlag) und 2012 das Kurzprosawerk Andere Namen (Leipziger Literaturverlag). Sie hat das Buch Dylan schrieb Geschichte von James Laughlin übersetzt (Leipziger Literaturverlag, 2012). Christine Pfammatter lebt und arbeitet in Berlin.

Claire Warren, 1963 in Abidjan geboren. Unter dem Namen Valentine Garennes, Autorin von 4 Livrets Thé vert (avec Bakary Bine Camara, Diop Abdou, Dia Idrissa, Monsieur E, café verre, 2004), des montagnes, des souris et des machines (les éditionsprécipitées, 2005), jours (Editions pour parler, 2008), Les Insensés Sensibles / squatter et publier (Chimères Nr. 68, Figures de Don Quichotte, 2008). Seit 1997 Initiierung von Dokumentar- und Poesiezeitschriften (café verre, 1997-2006, Les insensés sensibles, 2008-09). Claire Warren/Valentine Garennes lebt und arbeitet in Marseille.

Ludovic Bablon, geboren 1977 in Chaumont. Er ist Autor von Perfection (L'amourier, 2000), Tandis qu'Il sera sans parfum (L'amourier, 2002), Histoire du jeune homme bouleversé en marche vers la totalité du réel (Hache, 2003), Scènes de la vie occidentale (Le Quartanier Hogarth Press II, 2005), Bomb Bunker Buster (mit Anne-Valérie Gasc, Images en manoeuvre, 2007) und New York. Trois machines d'amour à mort (Les petits matins, 2010). Ludovic Bablon lebt und arbeitet in Berlin.

Tom Bresemann wurde 1978 in Berlin geboren. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit ist er auch Veranstalter (Lettrétage) und Herausgeber (zuletzt: Der ideale Schmerz, Lyriklangspielplatte). Seine aktuellen Publikationen sind Berliner Fenster (Gedichte, Berlin Verlag 2011) und Kein Gesicht (Erzählung, SuKulTur 2012).

Über Berliner Fenster:
Die direkte Bezugnahme auf den Infoscreen der Berliner U-Bahn, der diesen Namen trägt, erschließt sich schnell: eine Abfolge von kurzen Informationen zu Sport und Lokalereignissen sowie Eventhinweise und Werbespots – alles Referenzen, die auch Material der Gedichte sind, von den Kellern Neuköllns bis zur Straße des 17. Juni im Ausnahmezustand. „Bresemann gelingt es in seinen Gedichten, den Leser mitzunehmen auf diesen rastlosen Run durch die Bundeshauptstadt, die auch ein modernes Rom sein könnte. In jeder Pfütze nämlich spiegelt sich Geschichte, unmittelbare Vergangenheit wie auch weiter zurückliegende Epochen.“ (fixpoetry.com) „Hier betrachtet ein junger Dichter seine Generation und das absurde Weltgefüge von Vergnügungssucht und hemmungsloser Verschwendung mit sezierendem Blick.“ (Sächsische Zeitung)