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Juli 2010


Donnerstag, 1. Juli 2010, 19:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Datenschreiber: DIE ZETTEL, DIE DIE WELT BEDEUTEN oder MONEY IS A KIND OF POETRY

Es lesen Denis Abrahams und Tom Bresemann
Die Reihe "Datenschreiber" wurde konzipiert von Philip Maroldt und Moritz Malsch
Verwirklicht mithilfe von Projektmitteln des Berliner Senats


Acht Daten, elf Autoren, rund sechzig Jahre Geschichte. Um den Nukleus eines mehr oder minder zufällig „Gegebenen“ (lat. datum) herum – sei es tragisch oder trivial, esoterisch oder paranoid – sammelt sich der Sternenstaub der Historie zu einem „schmutzigen Schneeball“.

Aber schreiben wir uns nicht alle von solchen Daten her? Und welchen Daten schreiben wir uns zu? (Paul Celan)

Geld ist eine Art Poesie, hat Wallace Stevens kurz und knapp konstatiert. Doch was soll das eigentlich heißen? Was macht die Faszination an jenen Zetteln, die die Welt bedeuten, aus? Warum glauben wir wie selbstverständlich, was auf ihnen steht? Welches Bedürfnis (nach Aristoteles) wird abgebildet, wenn sich Gedichte mit Geld befassen? Ausgehend vom eigenen Schreiben hat sich Tom Bresemann auf die Suche begeben, hat Texte von Kollegen aus verschiedenen Jahrhunderten unter die Lupe genommen, und ihnen philosophische Überlegungen seit der Antike anheim gestellt. Gefunden wurde ein dichter als gedacht geknüpftes Motiv-Netz, welches seit über 2000 Jahren die literarische und philosophische Auseinandersetzung mit dem Geld bestimmt bzw. modifiziert. In der Lettrétage wird am 1. Juli 2010 nicht zuletzt anlässlich des 20. Jahrestages der Währungsunion von DDR und BRD vom 1. Juli 1990 gezeigt werden, was über den bloßen Gebrauchs- und Kommunikationswert hinaus das Geld ausmacht. Dazu werden Texte gelesen, unterbrochen von Videoclips mit Zeitzeugenaussagen und -bildern zur Währungsunion.

Die Lettrétage lädt Sie herzlich ein, sich im oben skizzierten Motiv-Netz verfangen zu lassen, frei nach Nicolas Born:
Einmal steht jeder vor der Frage ob
er selbst fährt oder sich fahren läßt.

Texte von Aristoteles, Catull, Walter von der Vogelweide, Heinrich von Kleist, Charles Baudelaire, Georg Simmel, Nicolas Born, Daniel Falb und Tom Bresemann.

www.datenschreiber.net

Tom Bresemann, geboren 1978 in Berlin, wo er seither von unter 1000 € monatlich lebt.

Denis Abrahams geboren 1974 in Wiesbaden, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Bereits während des Studiums spielte er am Staatstheater Mainz. Weitere Stationen waren u.a. das Staatstheater Wiesbaden, die Oper Frankfurt, Stuttgart und das Theater der Stadt Koblenz. Seit Mitte der Neunziger Jahre tritt Denis Abrahams als Rezitator und Vorleser auf und hat sich seither ein breites Repertoire erarbeitet. Seit 2004 lebt und arbeitet Denis Abrahams als freier Sprecher und DJ in Berlin und hat bereits in zahlreichen Hörspielen mitgewirkt.



Wir bedanken uns beim Berliner Senat für die finanzielle Unterstützung sowie bei den Medienpartnern Zitty und Radio Eins.







Sonntag, 4. Juli 2010, 19:30 Uhr, Eintritt frei
Moritz Wiedemann: Selbstportrait

Künstlerbuchpräsentation, Installation und Lesung


In seinem Künstlerbuch Selbstportrait kombiniert Moritz Wiedemann (*1971) collageartig die Ergebnisse seines tagebuchartigen Schreibens mit denen seiner Arbeit als bildender Künstler und porträtiert so auf kurzweilige und doch sehr eindringliche Weise sein bisheriges Werk. Im Zentrum des Buches stehen dabei die Fragen nach Sinn und Unsinn der eigenen Lebensform, dem Verhältnis von Kunst und Leben, von Tun und Nichtstun. Wenn Moritz Wiedemann während langer Tage im Atelier nichts tut (oder meint, nichts zu tun), dann schläft er auf dem Sofa, geht auf und ab, hört Radio, trinkt Kaffee, liest, beobachtet Fliegen und beschreibt diesen Zustand gekonnt mit der Freiheit des literarischen Dilettanten. In Selbstportrait gelingt es dem Künstler, seine über ein Jahrzehnt hinweg entstandenen Texte in Extrakten zum ersten Mal in größerem Umfang für sich nutzbar zu machen und sensibel mit seinen Arbeiten aus dem Bereich der bildenden Kunst in Zusammenhang zu setzen.

Moritz Wiedemann, 1971 in Kiel geboren. Kunststudium an der Kunsthochschule Kassel und der Slade School of Fine Art, London. Selbstständig als Künstlerassistent. Arbeit für diverse Künstler, Galerien, Museen, Firmen, etc. (Olafur Eliasson, Urs Lüthi, Carsten Nicolai, Isa Genzken, F.C.Flick-Collection, Alte Nationalgalerie Berlin, Biennale Venedig, Documenta Kassel, u.a.). Zahlreiche Gruppen- und Einzelausstellungen, z.B. 2002 Condition, Laing Art Gallery, Newcastle, England; 2004 die Einzelausstellung Someday everything is gonna be different, when I paint my masterpiece in den Staatlichen Museen, Kassel; 2007 Reflex, Kunsthaus Meinblau, Berlin; zahlr. Künstlerbücher und Beiträge in Zeitschriften sowie viele weitere Projekte.



Montag, 5. Juli 2010, 19:30 Uhr, Eintritt 5,-€
Glühende Verse

Matthew Zapruder und Ron Winkler lesen Gedichte und präsentieren die Graphic Novel Der Pyjamaist von Martina Hoffmann


Mit einem freundlichen Augenzwinkern durchstreift der 1967 geborene Matthew Zapruder eine durch die Grausamkeit der Conditio Humana häufig trostlos wirkende Welt. Seine Gedichte sind nie statisch, sie sind auf dem Weg "fortwohin". Ron Winkler, einer der wichtigsten Vermittler US-amerikanischer Gegenwartsdichtung, hat seine Gedichte übersetzt. Die beiden lesen aus dem bei luxbooks erscheinenden Band ausgewählter Gedichte und präsentieren gemeinsam die auf einem Prosagedicht Zapruders basierende Graphic Novel Der Pyjamaist von Martina Hoffmann.

Matthew Zapruder (*1967) hat bisher die beiden Gedichtbände American Linden (2003) und The Pajamaist (2006) veröffentlicht. Er studierte in Amherst und Berkeley und lehrt heute in Amherst. 2007 wurde er für The Pajamaist mit dem William Carlos Williams Award ausgezeichnet. Er ist Mitgründer und Cheflektor des Independent Verlags Wave Books, der sich auf Lyrik spezialisiert hat, und unter anderem James Tate, Arielle Greenberg und Rachel Zucker verlegt.

Ron Winkler lebt und arbeitet als Lyriker, Übersetzer und Herausgeber in Berlin. Er wurde 1973 in Jena geboren und studierte Gemanistik und Geschichte. Mit seinen Gedichtbänden vereinzelt Passanten (kookbooks, 2004), Fragmentierte Gewässer (Berlin Verlag, 2007) und Frenetische Stille (Berlin Verlag, 2010) sowie durch seine zahlreichen Herausgeberschaften (Schwerkraft, Jung und Jung, 2007; Hermetisch offen, Verlagshaus J. Frank, 2008; Neubuch, yedermann, 2008) hat er sich als einer der wichtigsten Vertreter der jüngeren deutschen Lyrik ausgewiesen und ist mit Jan Wagner einer der bedeutendsten Vermittler zeitgenössischer deutscher und amerikanischer Lyrik. Zu seinen Auszeichnungen gehören der Leonce-und-Lena-Preis (2005) und der Mondseer Lyrikpreis (2006).

Martina Hoffmann lebt und arbeitet als freie Graphikerin und Illustratorin in Berlin. Ihre wundervollen Bilderwelten zieren Magazine, Plakate und Platten-Cover. Seit 2005 kreiiert sie Jahr für Jahr den beliebten Mädchenkalender. Ihr Animationsfilm Lotta und der Zauber in der Nacht ist als Buch mit dazugehöriger DVD bei luxbooks 2008 erschienen.



Freitag, 9. Juli 2010, 19:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Das Tagebuch gibt mir Ideen

Lesung/Multimedia-Inter-Aktion von und mit Barbara Rosenthal


Die New Yorker Künstlerin Barbara Rosenthal wird bei ihrem zweiten Auftritt in der Lettrétage an ausgewählten Arbeiten zeigen, wie sich Wort- und Bildmaterial aus dem autobiografischen Schreiben zu fiktivem Erzählen bzw. dem „Kunstwerk“ verdichtet. Dabei werden sowohl Audioschnipsel publizierter Werke (einige davon wurden u.a. in die Tate Library aufgenommen), als auch Projektionen der, einen Zeitraum von über 50 Jahren umfassenden, Tagebuchaufzeichnungen zugänglich gemacht. Barbara Rosenthal lädt, neben ihrer eigenen Lesung, das Publikum ein, Tagebuchaufzeichnungen bzw. Notizen oder auch „nur“ Ideen mitzubringen, um vor Ort gemeinsam daran zu arbeiten.



Die Lesung/Multimedia-Inter-Aktion verschränkt das literarische Schreiben mit der bildenden Kunst, und beide wiederum mit der eigenen Biografie bzw. den selbsterzeugten Abbildern davon. Eine Auseinandersetzung mit Genregrenzen und Produktionsbedingungen – als künstlerischer Prozess, live und in Farbe in der Lettrétage. Wir freuen uns sehr darauf!

Barbara Rosenthal, geboren in der Bronx, New York, Künstlerin und Autorin, lebt in New York. Studierte u.a. an der Brooklyn Museum Art School, der Carnegie-Mellon University und dem Queens College. Neben den Videoarbeiten gibt es von ihr Arbeiten in den Bereichen Fotografie, Performance, Installation, Kollage, Druckgrafik und Künstlerbuch. Als Autorin produzierte und produziert sie u.a. Aphorismen, Slogans, Lyrik, Erzählungen, Romane, textbasierte Kunst, Pamphlete, Kunstkritiken und Essays.



STIMMEN:
The idiosyncratic, personal works of cross-media artist Barbara Rosenthal bring existential content to conceptualism. Bill Creston, Experimental TV Center Video History Bio

Her underlying insistence on simplicity create[s] an intimate and most effective directness. Laura C. Lieberman, Afterimage

...an attempt to come to terms with unbearable realities... John Russell, The NY Times

An authority born of constant introspection characterizes her photographic meditations...and...[she] embraces chaos and uncertainty with a persistent grip upon the messy ephemerality of experience.... Ellen Handy, Photography Quarterly

simple, profound work...pithy, poignant, prophetic... Clare Carswell, Flash Art International



Mittwoch, 14. Juli 2010, 19:30 Uhr, Eintritt 5,- €
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Kristin Vardi und Viktor Gallandi lesen Prosa


Zum Abschluss der vierten Lettrétage-Saison haben wir für Sie junge Prosa zusammengestellt, die zu entdecken sich unbedingt lohnt. Kristin Vardi gelingen immer wieder treffsichere und nicht selten lakonische neue Bilder für ambivalente innere und äußere Prozesse. Viktor Gallandis Kurzgeschichten führen in absurde Welten und schildern ungeheuerliche Begebenheiten, die sich sowohl einer platt metaphorischen als auch einer eskapistisch-phantastischen Lesart entziehen.


Viktor Gallandi, geboren 1989 in Berlin. Von 2006-2008 Schülerstudium der Philosophie an der HU und TU Berlin. Erste Veröffentlichung einer Kurzgeschichte in Macondo Nr. 21. Studiert seit 2009 Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Arbeitet als Mitherausgeber der Landpartie, der Jahresanthologie des Studiengangs Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus, die im Frühling 2011 erscheinen wird.



Lettrétage - Das junge Literaturhaus