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Juli 2009


Mittwoch, 1. Juli 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Klaut, wenn nötig. Lügt immer. (I)
Juan Carlos Onetti zum 100. Geburtstag
Denis Abrahams liest Onetti-Erzählungen


Am 26. November 2008 fand im Rahmen der Lateinamerikareihe der Lettrétage eine Veranstaltung zu dem großen, in Deutschland noch immer nicht ausreichend wahrgenommenen uruguayischen Autor Juan Carlos Onetti statt.

Der eigentümliche Charakter von Onettis Prosa ist schwer zu fassen. Einmal wird durch die quasi fotorealistische Beschreibung einzelner scheinbar nebensächlicher Details Personen, Stimmungen und Handlungselemente treffgenau beschrieben, Anderes bleibt bis an die Grenze der Unfertigkeit im Ungefähren; seine erbarmungslos sperrigen Sätze laden zum genauen Lesen ein und lassen den Leser anschließend nicht mehr los. Onetti arbeitete an einer einzigen, fast alle seine Texte verbindenden düster-albtraumhaften Weltneuschöpfung , die nur durch ein Spiel mit verschiedenen Ebenen der Autorschaft gebrochen wird. Dabei wird das „reale Leben“ bei Onetti keineswegs sublimiert – nicht zuletzt die Lebenshaltigkeit seiner Literatur und die Literaturhaltigkeit seines Lebens machen ihn gerade auch für andere Autoren zu einem Idol, man denke nur an Vargas Llosas euphorische Äußerung, er sei der „eigentliche Meister“ der lateinamerikanischen Literatur.

Die Impulse dieses ersten Onetti-Abends in der Lettrétage fanden ihren Widerhall in dem Schreib- und Publikationsprojekt Covering Onetti: Deutsche Autorinnen und Autoren reagieren auf je eine von vier ausgewählten Onetti-Erzählungen. Am ersten von zwei Abenden, die sich nun erneut mit Juan Carlos Onetti befassen, werden heute, an Onettis 100. Geburtstag, die Originalerzählungen, die dem Schreibprojekt zugrunde liegen, in deutscher Übersetzung zu Gehör gebracht.

Denis Abrahams
geboren 1974 in Wiesbaden, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Bereits während des Studiums spielte er am Staatstheater Mainz. Weitere Stationen waren u.a. das Staatstheater Wiesbaden, die Oper Frankfurt, Stuttgart und das Theater der Stadt Koblenz. Seit Mitte der Neunziger Jahre tritt Denis Abrahams als Rezitator und Vorleser auf und hat sich seither ein breites Repertoire erarbeitet. Seit 2004 lebt und arbeitet Denis Abrahams als freier Sprecher und DJ in Berlin und hat bereits in zahlreichen Hörspielen mitgewirkt.

Juan Carlos Onetti wurde am 1. Juli 1909 in der uruguayischen Hauptstadt Montevideo geboren. Er lebte ab 1939 vom Schreiben: zum einen als Journalist – er war Redakteur der international bedeutenden Zeitschrift für Politik und Kultur Marcha –, zum anderen als Romancier. Sein erster Roman El Pozo (Der Schacht) erschien 1939, es folgten zahlreiche weitere Romane und Erzählungen, u.a. Para esta noche (Für diese Nacht, jüngst verfilmt von Werner Schröter), La vida breve (Das kurze Leben) und El astillero (Die Werft). Nachdem er während der uruguayischen Militärdiktatur eine Gefängnisstrafe absitzen musste, weil er als Jurymitglied daran beteiligt gewesen war, einen regimekritischen Text auszuzeichnen, siedelte er 1975 ins spanische Exil über. Er starb 1994 in Madrid.

Auf Youtube finden Sie ein großes, mehrteiliges Interview mit Onetti in spanischer Sprache:





Samstag, 4. Juli 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Susanne Heinrich: So, jetzt sind wir alle mal glücklich
In Zusammenarbeit mit dem DuMont Verlag


Drei Paare im Niemandsland zwischen Single-Leben und Ehe. Der Abend vor einer Hochzeit, die Freunde feiern Polterabend im Hotel, erschöpft, betrunken und müde. Zwei von ihnen werden sich morgen das Ja-Wort geben. Aber bis dahin ist viel Zeit, und keiner hat vor, noch schlafen zu gehen. Georg und Franziska sind Braut und Bräutigam, auch wenn Franziska andere Fantasien hat. Als Georg sie beleidigt, revanchiert sie sich mit dem Aufdecken bitterer Geheimnisse. Clara hat sich mit Frank arrangiert und hängt doch alten Erinnerungen nach. Max ist mit Charlotte gekommen, die er hübsch nennt, Clara dagegen findet er schön, Franziska aber erotisch.

Auf engstem Raum entsteht ein zum Reißen gespanntes Netz aus Anziehung und Abstoßung, aus Attraktion und Arroganz. Eine orientierungslose Hochzeitsgesellschaft zieht durch die Etagen des Hotelgebäudes, auf der Suche nach dem Glück. Beim Bowling kegelt Frank Georg um. Max droht sich vom Dach zu stürzen. Im Pool wird Clara gerade noch vor dem Ertrinken gerettet.

Susanne Heinrich gelingt auf engstem Raum ein höchst treffendes Sittengemälde unserer Zeit, ebenso tabulos wie moralisch. »Alles ist Sex, und Liebe und Traurigkeit sind nur Ausreden, die niemand hören will.« Es wird eine lange Nacht.

Susanne Heinrich wurde 1985 in Leipzig geboren. Bei DuMont erschien 2005 ihr Erzählband In den Farben der Nacht, 2007 folgte der Roman Die Andere. Susanne Heinrich lebt in Berlin.


FOTO: (C) Fabian Heinrich

So, jetzt sind wir alle mal glücklich ist ein kraftvolles und bezwingendes Erzählwerk über Paare an der Schwelle zur Familienbildung. [...] Ein wenig ist diese garstige Geschichte auch ein Künstlerroman.
FREIE PRESSE

...dieser Roman lehnt sich weit aus dem Fenster, ist so hart und mutig pathetisch - und enthält so kluge, wache, wahre Sätze, dass man sie sich auf den Unterarm tätowieren lassen möchte.
WDR/ 1 LIVE

Man darf natürlich keine anderen, womöglich echte Probleme haben, um sich freiwillig dreihundert Seiten lang mit solchen amourösen Verzwicktheiten zu befassen. Aber selbst dann kann man sich zum Trost immer noch einen von Heinrichs hübschen Sätzen übers Bett hängen. Diesen zum Beispiel: Die Welt könnte sich zusammenfalten und in einer Streichholzschachtel verschwinden, niemand würde es bemerken.
BERLINER ZEITUNG



Mittwoch, 8. Juli 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Klaut, wenn nötig. Lügt immer. (II)
10 deutsche Autorinnen und Autoren covern Juan Carlos Onetti
Es lesen Martina Kieninger (Montevideo, zugeschaltet per Skype), Martin Lechner, Georg Leß und Tom Bresemann


Am 26. November 2008 fand im Rahmen der Lateinamerikareihe der Lettrétage eine Veranstaltung zu dem großen, in Deutschland noch immer nicht ausreichend wahrgenommenen uruguayischen Autor Juan Carlos Onetti statt. Der eigentümliche Charakter von Onettis Prosa ist schwer zu fassen. Einmal wird durch die quasi fotorealistische Beschreibung einzelner scheinbar nebensächlicher Details Personen, Stimmungen und Handlungselemente treffgenau beschrieben, Anderes bleibt bis an die Grenze der Unfertigkeit im Ungefähren; seine erbarmungslos sperrigen Sätze laden zum genauen Lesen ein und lassen den Leser anschließend nicht mehr los. Onetti arbeitete an einer einzigen, fast alle seine Texte verbindenden düster-albtraumhaften Weltneuschöpfung , die nur durch ein Spiel mit verschiedenen Ebenen der Autorschaft gebrochen wird. Dabei wird das „reale Leben“ bei Onetti keineswegs sublimiert – nicht zuletzt die Lebenshaltigkeit seiner Literatur und die Literaturhaltigkeit seines Lebens machen ihn gerade auch für andere Autoren zu einem Idol, man denke nur an Vargas Llosas euphorische Äußerung, er sei der „eigentliche Meister“ der lateinamerikanischen Literatur.

Die Impulse dieses ersten Onetti-Abends in der Lettrétage fanden ihren Widerhall in dem Schreib- und Publikationsprojekt Covering Onetti: Deutsche Autorinnen und Autoren reagieren auf je eine von vier ausgewählten Onetti-Erzählungen. Im Beisein des Botschafters der Republik östlich des Uruguay werden heute Abend erstmalig Ergebnisse dieser Neu-Lektüre öffentlich präsentiert.

Wie sich zeigen wird, geschieht und entsteht hier jedoch durchaus mehr, als dass nur eine Fingerübung, eine „quasi Magath’sche Trainingseinheit“ absolviert wird. Es geht nicht um Epigonentum. Vielmehr wird offen auf etwas verwiesen, was ohnehin jedem reflektierten Leser klar ist: Literatur entsteht auch aus Literatur. Und wer weiß, vielleicht fand ja dennoch die Schweinegrippe Einzug in die neuen Texte? Wie dem auch sei, Onetti selbst riet jungen Autoren, vom Parasitenprinzip in der Literatur Gebrauch zu machen: Klaut, wenn nötig. Lügt immer.

Tom Bresemann, geboren 1978 in Berlin, Studium der Neueren Deutschen Philologie und Alten Geschichte, Mitbegründer der S³ LiteraturWerke. Debütband: Makellos.Gedichte (Verlagshaus Frank, Berlin 2007). Gedichte in Anthologien und Zeitschriften, zuletzt NEUBUCH und Lyrik von Jetzt Zwei.

Martina Kieninger, geboren 1966 in Stuttgart, studierte in Stuttgart Chemie, lebt und arbeitet in Montevideo, Uruguay. 2000 nahm sie am Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt teil, 2005 erschien ihr erster Roman Die Leidensblume von Nattersheim.

Martin Lechner, geboren 1974, lebt in Berlin. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften (Manuskripte, Ostragehege, Idiome, Edit, Bella Triste, Entwürfe, Sprachgebunden, Perspektive, SIC u.a., die letzten beiden in Vorbereitung) sowie 2005 die Erzählung Bilder einer Heimfahrt im Hamburger Textem-Verlag. 2006 erhielt er das Alfred-Döblin-Stipendium und nahm am Open-Mike, 2008 an der Poetik-Konferenz Dichtes Gerede teil.

Georg Leß, geboren 1981 in Neheim, Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, lebt in Berlin.

Juan Carlos Onetti wurde am 1. Juli 1909 in der uruguayischen Hauptstadt Montevideo geboren. Er lebte ab 1939 vom Schreiben: zum einen als Journalist – er war Redakteur der international bedeutenden Zeitschrift für Politik und Kultur Marcha –, zum anderen als Romancier. Sein erster Roman El Pozo (Der Schacht) erschien 1939, es folgten zahlreiche weitere Romane und Erzählungen, u.a. Para esta noche (Für diese Nacht, jüngst verfilmt von Werner Schröter), La vida breve (Das kurze Leben) und El astillero (Die Werft). Nachdem er während der uruguayischen Militärdiktatur eine Gefängnisstrafe absitzen musste, weil er als Jurymitglied daran beteiligt gewesen war, einen regimekritischen Text auszuzeichnen, siedelte er 1975 ins spanische Exil über. Er starb 1994 in Madrid.

Die Publikation von Covering Onetti wird von der uruguayischen Botschaft in Berlin unterstützt.



Samstag, 11. Juli 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Ron Winkler meets Rattawut Lapcharoensap
In Zusammenarbeit mit dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD


Das Berliner Künstlerprogramm des DAAD ist bekanntlich eines der weltweit renommiertesten Stipendienprogramme – vom Nobelpreisträger bis hin zu wenigstens in ihren Heimatländern bereits sehr renommierten jungen Autoren, Bildenden Künstler, Musikern, Filmemachern und Tänzern reicht das Spektrum. Ihnen wird nicht einfach nur das einjährige Aufenthaltsstipendium zur Verfügung gestellt, sondern das Berliner Künstlerprogramm vermittelt auch zahlreiche Kontakte zur deutschen Szene und initiiert so mit einzigartigem Erfolg interkulturelle Kommunikation, gegenseitige Anregungen, gemeinsame Projekte und länderübergreifende Netzwerke. Wenn man die Liste der gewesenen Stipendiaten liest, die im Bereich der Literatur mit Ingeborg Bachmann beginnt und über Per Olov Enquist, György Konrad, Stanislaw Lem, Margaret Atwood und Gao Xingjian bis hin zu Cécile Wajsbrot reicht, staunt man, wer alles einen literarischen Koffer aus Berlin im Lebensgepäck hat.

Die Lettrétage freut sich, nun Ort einer vom BKP initiierten literarischen Wegkreuzung zu werden, die zwischen dem Thai-Amerikaner Rattawut Lapcharoensap, dessen Prosa-Debüt Sightseeing 2006 in deutscher Übersetzung erschienen ist, und dem deutschen Lyriker, Übersetzer und Herausgeber Ron Winkler stattfindet. Auf die öffentliche Lesung in deutscher und englischer Sprache folgt ein moderiertes Gespräch.

Rattawut Lapcharoensap wurde 1979 in Chicago geboren und wuchs in Bangkok auf. Er studierte u. a. an der Cornell University und der Universität von Michigan. Für seine Geschichten, die u. a. in Granta, Glimmer Train, Zoetrope und Best American Voices erschienen sind, hat er bereits mehrere Auszeichnungen erhalten. Zuletzt wurde er für den Guardian First Book Award nominiert. Im Herbst 2005 war er bereits zu einer Lesung im Berliner Haus der Kulturen der Welt geladen. Sein Debüt Sightseeing erscheint in elf Ländern. Zurzeit lebt er als Stipendiat des Berliner Künstlerprogramms in Berlin.

Ron Winkler, geboren 1973 in Jena, lebt in Berlin, studierte Germanistik und Geschichte. Als Lyriker veröffentlichte er bislang drei selbstständige Gedichtbände, zuletzt Fragmentierte Gewässer im Berlin Verlag. Außerdem gibt es zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien. Als Lyrik-Übersetzer widmet er sich vorallem der neuen amerikanischen Lyrik. Zahlreiche Herausgaben, u.a. der Zeitschrift intendenzen sowie der Anthologie Schwerkraft. Junge amerikanische Lyrik.



Samstag, 25. Juli 2009, 20 Uhr, Eintritt frei
Lettrétage-Sommerfest '09


Das große Lettrétage-Sommerfest - fast schon eine Tradition. Eine ereignisreiche, spannende Zeit liegt hinter und hoffentlich auch vor uns, und das ist eigentlich schon Grund zum Feiern genug - aber es ist auch Anlass, allen, die unser Programm gestaltet, begleitet und gefördert haben, noch einmal herzlich zu danken. Und natürlich auch Ihnen, dem Publikum - feiern Sie also mit uns!

Zum krönenden Abschluss unserer dritten Saison bieten wir Ihnen eine Mischung aus Lesungen und Live-Musik sowie die Möglichkeit zu vielen interessanten Begegnungen. Für die musikalische Darbietung sorgen die iranisch-stämmige Jazz-/Soulsängerin Sahrin Rezai, begleitet von dem in Korea geborenen Gitarristen Sungjun Ko. Luise Boege liest den Text, den sie für das Schreibprojekt Covering Onetti geschrieben hat, welches im Oktober im Verlag Lettrétage als Buch erscheinen wird. Der Argentinier Gonzalo Castro wird live per Skype aus Buenos Aires zugeschaltet und wird ein kurzes Prosa-Stück auf spanisch lesen.

Wir freuen uns auf Sie!

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