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Juni 2011


Freitag, 3. Juni 2011, 19:30 Uhr, Eintritt 5,- Euro
Sag es mir

Vanessa F. Fogel liest aus ihrem Romandebüt


Eine junge Jüdin zwischen Tel Aviv, Berlin und New York, zwischen dem Pulsschlag der Metropolen und dem Schatten ihrer Geschichte: Fela begleitet ihren Großvater auf einer Reise in das Land seiner Kindheit, Polen, die Heimat, die ihm die Nazis genommen haben. Fela, Tochter einer Deutschen und eines Zionisten und selbst in Zeiten bewaffneter Konflikte aufgewachsen, spürt zunehmend, wie sehr ihr eigenes Leben mit dem des Großvaters verstrickt ist. Und doch gibt es da noch mehr, gibt es Liebe in Zeiten des Krieges, gibt es Humor, Verständnis – und eine Zukunft.

Vanessa Fogels Romandebüt verschmilzt deutsche, polnische und jüdische Geschichte. Sag es mir ist der Coming-of-age-Roman der "dritten Generation". Vanessa F. Fogel hat Sag es mir auf Englisch geschrieben – mit dem klaren Ziel, dieses Buch zuerst in Deutschland zu publizieren.

Die Menschen werden dieses leichte, ernste Buch lieben!
Maxim Biller

Foto: Meirav Basson

Vanessa F. Fogel, geboren 1981 in Frankfurt am Main, wuchs in Israel auf. 1999 bis 2003 Studium der Komparatistik an der Cornell University, New York. Arbeitete als Chefredakteurin des Graphis-Magazins und im Kunstbereich. Seit 2009 verbringt die Schriftstellerin viel Zeit in Tel Aviv.







Mittwoch, 8. Juni 2011, 19:30 Uhr, Eintritt 5,- Euro
Nennen Sie mich Diener

Milena Oda liest aus ihrem ersten Roman


Zwei gestörte Männer, besessen von ihren Regeln und Systemen: Leonard hält sich für einen gehorsamen Diener und dient sich selbst nach seinen eigenen Dienerregeln. Professor König erkundet die Welt durch Arithmetik. Er engagiert den Diener und glaubt, er könne ihn manipulieren. Beide scheitern jedoch an ihren Ansprüchen. Milena Oda entwirft in ihrem Roman ungewöhnliche Figuren, erzählt aus der männlichen Perspektive und kreiert somit ein defektes Märchen mit einer höchst skurrilen Wendung.

Es freut mich ungemein, daß Milena Odas Roman Nennen Sie mich Diener erscheint, wird mit ihm doch, nach Jahrzehnten des Verstummens der deutschsprachigen Literatur in Prag, eine Tradition erweckt, die deutsche, tschechische, jüdische Kultur verband. Milena Oda, die deutsch schreibt, aber mit Akzent spricht, bringt diesen Akzent in die Literatur zurück. Es ist ein kühner, fremder, belebender Puls, der in ihren Sätzen schlägt. Hier spürt man wieder, dass Schreiben Entdecken heißt und neue Zugänge, neue Abgründe des Wirklichen öffnet. Das Stärkste, was sie uns gibt, sind die menschlichen Schwächen, Defekte, die eigentlich Obsessionen, eigentlich Leidenschaft sind. Sie zeigt den besonderen Menschen, abgesondert in sich, seine abnorme Not, seine komische Lust. Er schämt sich nicht seiner Blöße. Aber so abwegig seine Schmach, sie ist nur die aufgebundene Wunde, die wir gewöhnlich nicht lecken. Wir: die normalen Naturen, die ohne Laster leben und ohne Träume zugrunde gehen.
Volker Braun

Foto: Christian Sanmann

Milena Oda, geboren 1975 in Jicín. Ihre Muttersprache ist Tschechisch, im Selbststudium eignete sie sich die deutsche Sprache an. Milena Oda schreibt Prosa und Poesie auf Deutsch, Tschechisch und Englisch. Sie lebt in Berlin und New York.



Mittwoch, 15. Juni 2011, 19:30 Uhr, Eintritt 5,- Euro
Mathias Traxler: You're welcome
Daniela Seel: ich kann diese stelle nicht wiederfinden

Autorenlesung. Moderation Martin Lechner


Was meinen wir eigentlich, wenn wir Poesie sagen? Und wo findet das statt, wozwischen, woran? Mathias Traxler nennt die Abteilungen seines Debütbandes "Essay", "Stillleben", "Garderobenmarken", "Gedichte", "Arbeitsausschnitte" oder einfach "Anwendungen". Ihre Sprechweisen sind brüchig, hybrid. Sie unterlaufen, was wir uns unter Gedichten vorstellen, von ihnen erwarten. Wir stolpern. Über unkonventionelle Grammatik, verrenkte Bilder oder eine Interpunktion, die keiner Norm folgt, vielmehr eine mögliche Lesebewegung strukturiert. Und beim Stolpern geraten wir in Bewegung, werden als Leser zu Akteuren. Denn so sorgfältig die Texte komponiert sind, verstehen sie Poesie doch als etwas, das sich außerhalb von Texten ereignet, auch wenn es sich an ihnen entzündet. Mathias Traxlers Texte laden ein, sich gründlich umzusehen, umherzuschlendern, zu tollen, sich dabei ruhig mal das Knie anzustoßen, an den Möbeln zu rücken und das eine oder andere Stück mitgehen zu lassen. You’re welcome.

Mathias Traxler, geboren 1973 in Basel, studierte dort und in Fribourg Jura und lebt seit 1999 in Berlin. 2006 war er Teilnehmer des 14. open mike der Literaturwerkstatt Berlin. Im gleichen Jahr wurde im Theaterdiscounter Berlin die szenische Lesung "WALLeinsamkeit" (Regie: Dana Sauerland) mit Gedichten und Texten von ihm aufgeführt. Mathias Traxler hat seither in zahlreichen Leseauftritten und zusammen mit anderen AutorInnen die Möglichkeiten der Improvisation mit eigenen und Texten anderer weiterentwickelt. Seine Arbeiten erschienen in den Zeitschriften Edit, Ostragehege und poet[mag], in der Anthologie Umkreisungen (Poetenladen 2010) sowie im Jahrbuch der Lyrik (S. Fischer 2009). You’re welcome ist Mathias Traxlers erste Buchveröffentlichung.

Das Gedicht als "bewegung im körper des autors, welcher der leser ist": Daniela Seels hellhörige, präzis gesetzte Texte loten die Bedingungen unseres Sprechens dort aus, wo es beginnt – in den Körpern, ihren Verordnungen und Verortungen im Raum. Wie mobile sensorische Einheiten beobachten sie die Kontaktstellen zwischen außen und innen, Dressur und Natur, Mensch und Tier, Sprache und Haut und moderieren zugleich den Austausch, der dort verhandelt wird. Von Zeile zu Zeile, Laut zu Laut spüren sie dem Verlangen nach, der "chirurgie" von Gesten durch Anverwandlung auf die Spur zu kommen: "ich habe mir ihren körper dann einfach / umgebunden wie eine schürze." Doch in dem Versuch zu begreifen, was es heißt, "biene zu sein spinne fledermaus" oder soziales Wesen, gelangen die Texte immer wieder an die Grenzen ihres Sprechens – und erzeugen gerade da eine seltene, dringlich-erregende Präsenz, der man sich schwer entziehen kann. Man will man ohne ihre blitzschnelle Gegenwärtigkeit, ihr reges Zweifeln nicht mehr weiterlesen.

… ein Buch, dessen Texte Sensibilität im Wortsinn vorführen, Sinnlichkeit bis in die feinsten Nuancen erkunden. Daniela Seels Lyrik verfährt kompromisslos auf höchstem ästhetischem Niveau, vermeidet jede falsche Feierlichkeit und spielt das komplizierte poetische Spiel mit der Sprache viel lieber mit ernster Leichtigkeit und aller Lust zum Experiment. Jury zum Friedrich-Hölderlin-Förderpreis

Das Tollste an deutscher Lyrik in diesem Frühjahr ist für mich Daniela Seels 'ich kann diese Stelle nicht wiederfinden'. Die Verlegerin von kookbooks hat diesen Verlag nicht nur binnen weniger Jahre zur feinsten Adresse für deutsche Dichter gemacht, sondern erweist sich nun selbst als grandiose Lyrikerin. Ihre Gedichte sind - in Seels Worten - 'etwas trautes, das schauern macht': strahlend schöne Sprachgebilde, stählern und doch filigran, einsichtsreich, neu, und eben gleichzeitig vertraut. Denis Scheck

Daniela Seel, geboren 1974 in Frankfurt/Main, lebt in Berlin. 2003 gründete sie, mit dem Buchkünstler und Illustrator Andreas Töpfer als festem freien Art Director, kookbooks – Labor für Poesie als Lebensform. Ihre Gedichte erschienen in Zeitschriften, Zeitungen, Anthologien, im Internet und im Radio, darunter Zwischen den Zeilen, Edit, Neue Rundschau, Sprache im technischen Zeitalter, lauter niemand, DLF Lesezeit, FAZ, poetenladen.de, Lyrik von Jetzt (DuMont 2003) und Jahrbuch der Lyrik (S. Fischer 2009). Sie erhielt unter anderem den Kurt-Wolff-Förderpreis 2006, den Horst-Bienek-Förderpreis 2007 und ein Autorenstipendium des Berliner Senats 2008. ich kann diese stelle nicht wiederfinden ist ihr erster Gedichtband.

www.kookbooks.de



Samstag, 18. Juni 2011, 19:30 Uhr, Eintritt frei!
Das geträumte Afrika

Buchpremiere und Vernissage mit Ana Maria Angel und Christoph Dräwe


Johann August Breitenbach - Die verblüffenden Wege der Evolution
Johann August Breitenbach (1873 bis 1926), Autor des Werkes Pliny the Elder and the middle African jungle, war einer der großen Naturhistoriker und Afrikaforscher der Neuzeit. Der Sohn einer geschäftstüchtigen Kaffeehausbesitzerin wuchs in Wien auf, studierte in Berlin und leitete zwei Afrikaexpeditionen. Nach Hause bringt er schließlich die Kunde von überraschenden, einzigartigen Kreaturen, die die Evolution auf den Kopf stellen, wie dem Horrendus Alcis, der allerdings auf der Heimfahrt nach Europa ein Blutbad anrichtet.

simius vulpecula



uruca tigiris











Breitenbachs Reisen nach Afrika werden in Briefen, Tagebucheinträgen und Zeichnungen erlebbar. Ein wissenschaftliches Verwirrspiel vor dem Hintergrund des Afrikas der Zwanziger Jahre.

Ana Maria Angel, geboren 1987 in Cartagena, Kolumbien, studierte zwei Jahre Geschichte an der Universidad Nacional de Colombia. Seit 2008 ist sie Studentin der Kunsthochschule Weißensee im Fach Bühne/Kostümbild. 2010 Illustrationen für 50 format de ver la Ilustracion und für das Magazin Bacanika Nr. 41 (Oktober 2010). 2011 Teilnahme am secundo salon de ilustracion imagenpaladra. 2011 Ausstellung: "Johann August Breitenbach – das geträumte Afrika" im Kunstraum Alice Gryphius Berlin.

Christoph Dräwe, geb. 1981 in Berlin, absolvierte eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. 2006 Mitgründer der Braukunst Galerie in der Aktienbrauerei Landsberger Allee Berlin. 2006-2011 Teilnahme an den Ausstellungen "Braukunst 1" und "Braukunst 2"; "48 h fuc ev"; der Jahresausstellung des Kunstvereins Karlsruhe sowie der Ausstellung "Johann August Breitenbach – das geträumte Afrika" im Kunstraum Alice Gryphius Berlin. Seit 2007 ist er Student der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe.



Samstag, 25. Juni 2011, 19:30 Uhr, Eintritt frei!
Thomas Wolfe: Die Party bei den Jacks

Buchpremiere
Es liest Denis Abrahams


Dieses erstmals ins Deutsche übersetzte Prosajuwel führt uns empor in die höchsten Sphären von Manhattan – mitten hinein in die Glamourwelt der Schönen und Reichen. Alles, was Rang und Namen hat, findet sich im Art-déco-Ambiente von Esther und Frederick Jack ein: sie eine gefeierte Broadway-Künstlerin, er ein aus Koblenz stammender Jude und Selfmade-Millionär. Die Roaring Twenties sind auf ihrem Höhepunkt angelangt, schon wirft die Große Depression ihre Schatten voraus. Doch vom drohenden Ende der Sause will man bei den Jacks noch lange nichts wissen … Mit seiner Innenansicht einer New Yorker Luxusadresse – von der Dachterrasse bis hinab in den Untergrund, von wo die Subway feine Vibrationen durchs Gebäude schickt – zeichnet Wolfe das Panoptikum einer faszinierenden Stadt und einer faszinierenden Epoche.

Thomas Wolfe (1900–1938) wurde als letztes von acht Kindern in Asheville, North Carolina, geboren. Seinen literarischen Durchbruch feierte er 1929 mit Look Homeward, Angel (2009 bei Manesse in Neuübersetzung). Der notorische Vielschreiber verfasste noch vier weitere Romane, von denen zwei erst nach seinem Tod publiziert wurden. Zuletzt ist vom Autor erschienen: Oktoberfest.

Denis Abrahams geboren 1974 in Wiesbaden, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Bereits während des Studiums spielte er am Staatstheater Mainz. Weitere Stationen waren u.a. das Staatstheater Wiesbaden, die Oper Frankfurt, Stuttgart und das Theater der Stadt Koblenz. Seit Mitte der Neunziger Jahre tritt Denis Abrahams als Rezitator und Vorleser auf und hat sich seither ein breites Repertoire erarbeitet. Seit 2004 lebt und arbeitet Denis Abrahams als freier Sprecher und DJ in Berlin und hat bereits in zahlreichen Hörspielen mitgewirkt.










Lettrétage - Das junge Literaturhaus