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Juni 2009


Mittwoch, 10. Juni 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Amara Lakhous: Krach der Kulturen um einen Fahrstuhl an der Piazza Vittorio
Zweisprachige Lesung mit Amara Lakhous (Italien) und Denis Abrahams


Ein Mord geschieht in einem Multi-Kulti-Viertel Roms, an der Piazza Vittorio. Die Ermittlungen führen den Leser an einen Ort, an dem Bewohner aus den verschiedensten Weltgegenden und damit verschiedenste Lebensformen und Weltsichten zusammentreffen. Mit ironischem Witz und Scharfsinn wird das Aufeinanderprallen der Kulturen geschildert. Die Piazza Vittorio erscheint als eine Art Zukunftslabor, als der Prototyp interkulturellen Zusammenlebens. Der zur jungen Generation italienischer Autoren gehörende Amara Lakhous wurde in Algerien geboren. Als sprachliche Heimat hat er das Italienische gewählt. Sein Cross-Culture-Krimi wurde im migrationsbewegten Italien zum großen Publikumserfolg.*

Amara Lakhous, 1970 in Algier geboren, lebt seit 1995 in Rom. Er studierte Philosophie in Algier und Kulturanthropologie in Rom, wo er mit einer Dissertation über die erste muslimische Einwanderergeneration in Italien promoviert wurde. Krach der Kulturen um einen Fahrstuhl an der Piazza Vittorio ist sein erstes Buch in deutscher Übersetzung.



Denis Abrahams, geboren 1974 in Wiesbaden. Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, währenddessen und danach fester Gast am Staatstheater Wiesbaden. Weitere Engagements am Staatstheater Mainz, Theater „Die Rampe“ Stuttgart, Brescia (Italien) und an der Oper Frankfurt. Zahlreiche freie Literaturprojekte. 2002-2005 festes Engagement am Theater der Stadt Koblenz. Dort Begründer der Lesereihe Spätlese. Lebt seit 2005 als freier Schauspieler und Synchronsprecher in Berlin.



Samstag, 13. Juni 2009, 18 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Kombiticket mit
Krauts im Turm: 8,- Euro
Landpartie09
Studierende des Hildesheimer Studiengangs „Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus“ stellen ihre Jahresanthologie vor.


Die Landpartie ist die literarische Anthologie des Hildesheimer Studiengangs Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus. Im Frühjahr 2009 lädt sie bereits zum fünften Mal zu einer literarischen Exkursion auf offenes, unentdecktes Terrain ein und präsentiert 31 Texte junger Autorinnen und Autoren. Herausgegeben wird sie von einem jährlich wechselnden Team, das ebenfalls dem Studiengang entstammt. 2009 erscheint die Landpartie erstmals in der neu gegründeten edition pæchterhaus.
Der Hildesheimer Studiengang gilt als Keimzelle junger deutscher Literatur: Studierende geben nicht nur die Literaturzeitschrift BELLA triste heraus, sondern veranstalten auch das Literaturfestival PROSANOVA, das 2008 zum zweiten Mal in Hildesheim stattgefunden hat. Die verschiedenen Debüts, Preise und Stipendien, mit denen die meisten der Studierenden bereits ausgezeichnet wurden, beweisen, dass eine Schreibschule entgegen aller Vorurteile alles andere als trockene, einförmige Institutsprosa hervorbringt.
Die jährlich erscheinende Landpartie versteht sich als Werkschau, als Rundgang: vielfältig, unkonventionell, heterogen. Die aufwendige Gestaltung wurde erneut in Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim entwickelt – eine Zusammenarbeit, die sich bewährt hat: 2007 erhielt die Anthologie den Preis der Stiftung Buchkunst, die alljährlich die „schönsten Bücher“ auszeichnet.

Clara Ehrenwerth - Lieber Ludwig (Auszug)
Clara Ehrenwerth, geboren 1987, aufgewachsen in Erfurt, seit 2007 in Hildesheim. Einige Preise (zuletzt: Förderpreis des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen, 2008), einige Veröffentlichungen (zuletzt in: /Anno 1900. Eine literarisch-kulinarische Anthologie in 15 Gängen/, Edition Azur, 2008). Mitherausgeberin der /BELLA triste/.

Jan Fischer - Pacific Ocean Blues
Jan Fischer, geboren 1983, aufgewachsen zwischen Bremen und Toulouse. Seit 2003 in Hildesheim. Blogger, Journalist, Essayist, auch Prosa. Zahlreiche Veröffentlichungen, Fiktion und Non-Fiktion in Online, Print und Radio. Zuletzt erschienen: /Als ich noch jung war, gab es nur 150 Pokémon/ (Essay, Autumnus-Verlag, 2009).

Marcel Maas - rüsten zur Jagd (Auszug)
geboren 1987 in Oberhausen, studiert seit 2005 Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Er ist Mitglied der literarischen Boygroup »Text, Drugs and Rock 'n' Roll«, Mitherausgeber der Literaturzeitschrift »BELLA triste« und war Mitglied der künstlerischen Leitung von PROSANOVA 2008. Er ist 1. Preisträger des »dO!PEN- Awards 2007« der dO!PEN- Literaturzeitschrift und des Förderpreises des Lionsclub in Hamburg-Moorweide 2008.

Nadja Wünsche - Gedichte
geboren 1985 in München, studiert Germansitik, Philosophie und Psychichologie in Heidelberg und seit 2008 in Hildesheim Kreatives Schreiben.Unter den Gewinnern des internationalen Lyrik-Wettbewerbs »Castello di Duino« in Triest. Finalistin beim 15. open mike. 2008 Teilnahme an der Autorenwerkstatt des Münchner Lyrik Kabinetts. Veröffentlichungen in verschiedenen Anthologien und als Rezensentin für die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Lutz Woellert - Der Mann und das Schiff.
eboren 1984 in Lübeck. Studiert in Hildesheim seit 2005. Chef des Zweiundvierzig e.V. und überzeugter Handtuchträger.

Auf der Website www.landpartie09.de stehen Leseproben, Hörfeatures und weitere Informationen zur Verfügung.

Im Anschluss an die Lesung schlagen wir den Besuch der Veranstaltung Krauts im Turm vor. (Kombiticket landparite nullneun + Krauts im Turm: 8,- Euro)



Mittwoch, 17. Juni 2009, 20 Uhr, Eintritt 5,- Euro
Volker Harry Altwasser: Letzte Haut
Autorenlesung, in Zusammenarbeit mit dem Verlag Matthes & Seitz


Letzte Haut: Die unwahrscheinliche und doch wahre Geschichte eines SS-Richters, dessen Auftrag es war, die Korruption in den Konzentrationslagern zu bekämpfen. Ein detailliert recherchierter und fesselnder historischer Roman. Drastisch und temporeich erzählt Altwasser vom schuldhaften Kampf gegen das Böse im Bösen.Das Buch ist nominiert für den Alfred-Döblin-Preis 2009.

18 Monate untersucht der SS-Ermittlungsrichter und Polizeibeamte Dr. Schmelz 1943/44 die Verhältnisse im KZ Buchenwald. Ausgerüstet mit einem personen­gebundenen Geleitbrief hat er freie Einsicht in alle Bereiche des Lagers. Noch im Winter 1944 wird der Kommandant des Konzentrationslagers, Karl Koch, in einem Geheimprozess wegen Wehrkraftzersetzung, Unterschlagung und Mord zum Tode verurteilt. Schmelz überführt mit Koch einen Mann, der sich mit Himmler duzt. Dies gelingt dem Juristen mit dem besten Diplom seines Jahrgangs, weil er nach hartem Ringen mit sich selbst zum Mörder an zwei sowjetischen Kriegsgefangenen wird: Er beweist mit dem »Prinzip der Ausschließlichkeit« persönlich motivierte Morde – mit Mord.

Mit diesem atemberaubenden und erschütternden historischen Roman wird der Staffelstab des Erzählens über die Verbrechen des Nationalsozialismus an die Enkel­generation übergeben.

Volker Harry Altwasser, 1969 in Greifswald geboren, absolvierte die Realschule und anschließend eine Lehre zum Elektronikfacharbeiter. Er war u.a. tätig als Heizer in der Reichsbahndirektion, Matrose in der NVA, Gefreiter auf der Fregatte »Bremen«, wo er nicht zum Obergefreiten befördert wurde, weil er auf Las Palmas das Auslaufen des Schiffes »verpasste«. Er war auch Montagearbeiter für die Telekom. 1998-2002 studierte er am Deutschen Literaturinstitut der Uni Leipzig. Er veröffentlichte mehrere Bücher, darunter 2003 den Roman »Wie ich vom Ausschneiden loskam«. An verschiedenen Stipendienorten schrieb Altwasser in den letzten fünf Jahren an diesem Roman und lebt heute in Rostock.

Volker Harry (Altwasser) hat da wirklich etwas zu erzählen, keine nette Plauderei, sprachmächtiges Wühlen im Schmutz, so was brauchen wir (...) das Buch hat Kraft und Psyche gekostet, das spürt man in jeder Zeile. Chapeau.
Clemens Meyer, Frankfurter Allgemeine Zeitung.NET, 13. März 2009

...der rühmenswerte Versuch, die Geschichte nicht mit denen verstummen zu lassen, die sie erlebt haben. (...)
Dass Altwasser sich die Freiheit der Generation nimmt, diese Geschichte nicht aus Sicht von Tätern oder Opfern zu erzählen, sondern aus der eines typischen Opportunisten, dass er einem Gesichtslosen ein Gesicht gibt, darin liegt sein immenser Mut als Physiognom. So viel moralische Differenzierung müsste die Bundesrepublik in ihrem sechzigsten Jahr schon aushalten können.


Christopher Schmidt, Süddeutsche Zeitung, 23./24. Mai 2009



Samstag, 20. Juni 2009, 20 Uhr, Eintritt 5,- Euro
Tina Wamsganz: bipolare Texte – Werkstattschau
Autorinnenlesung


Tina Wamsganz liest Auszüge aus ihrem sich noch in Arbeit befindenden Romandebüt, womit sie 2008/09 am Textwerk-Seminar für Romanautoren des Literaturhauses München teilgenommen hat.

Der Roman: Eine Geschichte über eine 28-jährige Medizinstudentin im Berlin der Gegenwart, deren kompromisslose Suche nach der eigenen Identität und Lebensimmanenz sich immer wieder in der persönlichen familiären Vergangenheit und den subtilen Spuren kulturell-religiöser Konzepte über Körperlichkeit, Sexualität und Geschlechterrollen verfängt – um sie gewaltsam zu demontieren. Eine rhythmisch drängende Komposition zwischen Naivität und Schärfe, Pamphlet und Gedicht.

Eva heißt Eva und was das bedeutet, ist ja wohl bekannt. Sie ist gefallen, aus ihrer Welt, wegen irgendeiner vergangenen Sache, die ihr ziemlich dunkel anhängt. Deshalb braucht es einen radikalen Schnitt. Von den ödipalen Wurzeln nämlich, die sind faul. Und da mit Konrad nun endlich Schluss ist, könnte es jetzt beginnen, das Leben, zum Beispiel mit Lukas; doch wie soll sie lieben, wenn sie sich bloß schuldig fühlt? Etwa mit Gewalt? Eine offene Untersuchung an Körper und Seele und die Frage nach dem, was wirklich ist. Ein Wunder der ganz anderen Art.

Tina Wamsganz ist in Neunkirchen/Saar geboren und hat solange in Saarbrücken Soziologie, Erziehungswissenschaft und Literaturwissenschaft studiert, bis sie entschied, etwas mit Hand und Fuß zu machen: Theater. Film kam dazu. Es folgten Arbeiten im Bereich Regie, Schauspiel, Performance und Installation. Sie ist Initiatorin der Poesie-Aktion StopForPoetry. Neben Prosa-Serien und Lyrik schreibt sie seit 2006 an ihrem Romandebüt. Aktuell setzt sie sich u.a. mit systemischer Strukturaufstellung im Zusammenhang mit künstlerischen Prozessen auseinander. Sie lebt in Berlin.





Mittwoch, 24. Juni 2009, 20 Uhr, Eintritt 5,- Euro
Alonso Cueto: Die blaue Stunde. Roman
Im Rahmen der Reihe Lateinamerikanische Literatur und ihre deutschen Vermittler
Lesung mit Denis Abrahams (Schauspieler) und anschließendes Gespräch mit Ann-Catherine Geuder (Lektorin des Berlin-Verlags), moderiert von Katharina Deloglu


Die Lettrétage lädt zu einer Humboldtschen Entdeckungsreise in die lebendigen Literaturen Lateinamerikas ein. Dabei gilt es, die Entdeckungen ebenso wie ihre deutschsprachigen Entdecker kennenzulernen und auf ihren Spuren literarisches Neuland zu betreten. Dieses Mal stellt Lektorin Ann-Catherine Geuder den peruanischen Autor Alonso Cueto (geboren 1954) vor, der zu den bedeutendsten Autoren der lateinamerikanischen Gegenwartsliteratur zählt.

Alonso Cueto wurde 1954 in Lima geboren. 1983 debütierte er mit dem Erzählband La batalla del pasado, den die Kritik als eines der bedeutendsten Bücher der modernen peruanischen Literatur feierte. Seitdem wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Premio Wiracocha (1985), dem Anna-Seghers-Preis (2000) und einem Stipendium der Guggenheim Foundation (2002). Für Die blaue Stunde erhielt er 2005 den renommierten spanischen Premio Herralde. Der Roman reflektiert die blutigen Auseinandersetzungen zwischen der Terrorgruppe „Leuchtender Pfad“ und den staatlichen Truppen von Peru: Ein junger Mann erfährt auf der Beerdigung seines Vaters, zwanzig Jahre nach Ende des Terrors, daß dieser damals brutal und erbarmungslos eine Militärkaserne geleitet hat. Konfrontiert mit der Vergangenheit, werden ihm seine Heimat und sogar sein eigenes Leben zusehends fremd.

Ein großartiger Roman, der mit Klarheit und Phantasie die Folgen von zehn Jahren Bürgerkrieg und Terror beschreibt.
Mario Vargas Llosa

Rezension des Romans in der FAZ

Rezension des Romans in der „Wochenzeitung“, Zürich

Dr. Ann-Catherine Geuder studierte Lateinamerikanistik und Germanistik an der FU Berlin und promovierte 2003 über die Publikationschancen von US-Autoren mexikanischer Herkunft. Seit 2004 ist sie Lektorin beim Berlin Verlag, wo sie u.a. für lateinamerikanische Literatur zuständig ist.

Unterstützt aus Mitteln der Kulturförderung Friedrichshain-Kreuzberg.
Medienpartner: taz berlin





Samstag, 27. Juni 2009, 20:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Paso Doble – Junge Erzähler aus Spanien. Jóvenes narradores españoles
Zweisprachige Lesung mit den Schauspielerinnen Karen Sünder (deutsch) und Andrea Pani Laura (spanisch).


Seltsame Gespräche mit Nebenbuhlern in Schlafzimmerschränken, ein dänischer Internetfreak, der Kunstwerke aus Kaugummi schafft, ... Spaniens Nachwuchsautoren schaffen ein spannendes Panorama, das absurde, schräge und zugleich melancholische Töne anklingen lässt. Die Erzählungen von Félix J. Palma, Javier Salinas, Augustín Fernández Mallo und Lolita Bosch werden von den Schauspielerinnen Karen Sünder (deutsch) und Andrea Pani Laura (spanisch) gelesen.

Andrea Pani Laura absolvierte ihre Tanzausbildung 1995-96 am Museo del Arte in Lima / Peru und studierte von 2002 bis 2006 Schauspiel bei Carlos Medina an „The Akademie“, Berlin. Ab 2004 spielte sie an verschiedenen Bühnen in Berlin, unter anderem dem Ikaron Theater, der Werkstatt der Kulturen, dem Theaterhaus Mitte, dem Russischen Theater, und außerdem dem Teatro Zaidín in Granada / Spanien. Beim Theaterfestival ,,Perpetuum Mobile“ in Vilnius / Litauen erhielt sie im Jahr 2006 den Peis für die beste schauspielerische Darbietung.

Karen Sünder studierte von 1994-96 Schauspiel und Tanz am Centre de Danse du Marais, Paris, und setzte ihre Schauspielausbildung an der Berliner Actorfactory bei Johannes Hitzblech fort. Darüberhinaus absolvierte sie ein Studium der Theaterwissenschaft und Komparatistik an der Universität Bayreuth und der Freien Universität Berlin. Neben diversen freien Theaterprojekten führten sie verschiedene Rollen unter anderem an die Städtischen Bühnen Münster, das Théâtre de l´Europe, Paris, die Bayreuther Festspiele und das Hebbel am Ufer, Berlin. Außerdem arbeitete sie als Regie- und Ausstattungsassistentin am Wolfgang-Borchert-Theater, Münster.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Romanistik der Humboldt-Universität Berlin. Mit freundlicher Unterstützung des Wagenbach-Verlags.

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*Quelle:
Fakultät für Sprach-, Kultur- und Literaturwissenschaften, TU Dresden, mit freundlicher Genehmigung.