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Februar


Samstag, 5. Februar 2011, 19:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
"Aqualand" - Italien - Pseudo-Italien

Autorenlesung mit Christoph Klimke und Friedrich Kröhnke


Die erste gemeinsame Berliner Lesung von Christoph Klimke und Friedrich Kröhnke, die beide in Kreuzberg leben. Friedrich Kröhnke, bekanntgeworden mit (fast alle bei Ammann in Zürich erschienenen) Romanen und Erzählungen, wird aus der Neuausgabe seines Romans Aqualand (Aachen: Rimbaud Verlag 2010) lesen, einem frechen Kultbuch der 90er Jahre, das ironisch bis sarkastisch von drei seltsamen Deutschland-Flüchtigen in Thailand berichtet.

Klimke, ausgewiesener Kenner Roms und Pasolinis und Moravias und Tondellis und der Liparischen Inseln, liest ältere und neue Gedichte und Prosa über Italien (und Helsinki!).

Kröhnke wiederum war in Asmara (Eritrea), einem verwunschenen Art Déco- und Mussolini-Rom in Ostafrika, und liest (Deutschland-Premiere) verstörende und groteske Eindrücke von dort.

Foto: Thilo Beu

Christoph Klimke, Jahrgang 1959, aus Kleve am Niederrhein, veröffentlicht seit vielen Jahren Erzählungen, Gedichtbände, Essays (nicht zuletzt über García Lorca) und in den letzten Jahren besonders auch Theaterstücke, die an vielen Bühnen in Deutschland und Österreich gezeigt werden. Besonders bekannt seine Zusammenarbeit mit Johann Kresnik (Libretti für das choreographische Theater). Kresnik hat auch mehrere Bücher Christoph Klimkes illustriert.

Foto: Roland Löffler

Friedrich Kröhnke, 1956 in Darmstadt geboren, lebte in Köln, Prag, Hamburg. Hat eine Fülle von gepriesenen und umstrittenen Romanen, Erzählungen, Essays veröffentlicht, darunter P 14, Die Atterseekrankheit, Ciao Vaschek, Wie in schönen Filmen und Ein Geheimnisbuch.







Freitag, 18. Februar 2011, 19:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
amen, amen

Buchpräsentation und Vernissage mit Tagtool-Performance


Lilly Jäckl und Ralf B. Korte lesen aus amen, amen. Im Anschluss gibt Dieter Puntigam eine Tagtool-Performance anlässlich der Eröffnung seiner Bilderausstellung.

amen, amen ist kein gewöhnliches Buch. Ein gewöhnliches Buch wird gelesen und unter gewissen Umständen verbindet der Leser etwas oder sich selbst damit. Bei amen, amen ist das anders: man ist bereits unabdingbar eingebunden in Form und Inhalt der Erzählungen, Gedichte und Texte für die Bühne.Die Sammlung preisgekrönter Texte zeigt, dass wir heute, jetzt und hier, Teil großer Geschichten und Teil großer Pathologien sind. All dies erfährt der Leser jenseits gängiger Sprachmuster. In der Textcollage "Alles im Kanal" zappt man durch Fernsehprogramme mit Protagonisten, die all das sagen, was man nie im Fernsehen hört. Gedichte wie z. B. "Widmung" glänzen durch unerwartete Zärtlichkeit und Intimität und stehen in extremem Kontrast zu verstörend brutalen Szenen wie im Theaterstück "psychopax" oder der Erzählung "58 kg Lebendgewicht", die dem Schicksal dreier Selbstmörder auf den Grund geht. In Lilly Jäckls Texten verbirgt sich die sublimierte Befindlichkeit einer marginalisierten Gegenwart inklusive ihrer ahistorischen Züge.Ironische Sezierungen beiläufiger Alltagsempfindungen wechseln sich ab mit literarischen Perlen und einfachen Kinderreimen, die große Entwicklungsbögen nachzeichnen. Das Experiment, der Mut zu scheitern und der autoditaktische Zugang zur Sprache stehen hier in einem völlig eigenem Rahmen. Mit erstaunlicher Sicherheit in den verschiedenen Sprachformen zeigt die Autorin, dass in einem gedankenlosen Damals ein beachtliches Maß gedankenlosen Heutes steckt, das das Morgen in ein neues Licht rückt.

Es wird kalauert, politisiert, gedichtet und geschimpft. Lilly Jäckl zeigt uns ihre Sprachtodesspiralen und bringt dabei das Weltall, das ein Kettenhund ist, zum Flüstern, nachdem die Seelen von ORF- und RTL-, von ARD- und ARTE-Kameras aufgefressen worden sind. Witzig, ironisch, sarkastisch.(Josef Winkler)

Lilly Jäckl wurde 1978 in Graz geboren und ist eine Künstlerpersönlichkeit aus dem Umfeld des Forum Stadtpark. Sie studierte Buch und Dramaturgie an der Wiener Filmakademie und an der HFF Potsdam. Sie konzipiert Drehbücher, inszeniert Dokumentarfilme, macht Musik, schreibt intensive Prosa und Lyrik und arbeitet als Lektorin für Filmproduktionsfirmen und Verlage. Text- und Filmarbeiten veröffentlicht sie in Literaturzeitschriften, Filmfestivals, im Rundfunk und TV in Österreich und Deutschland. Mit experimentellen, multimedialen Literature-Remixes tritt sie in verschiedenen Formationen live auf. Sie lebt in Berlin, "der Stadt, die ihre Wunden offen vor sich herträgt" und beschäftigt sich mit divergierenden Wirklichkeitsbegriffen, Propagandamaterialien und zeitgenössischer Mythenbildung. Die Literatur-Standorte Graz und Berlin verbindet sie mit zahlreichen Kooperationen innerhalb der jungen Kunst- und Literaturszene und verändert durch ihre Inszenierungen gängige Text-Rezeption.

Ralf B. Korte, geboren 1963 in Ulm, studierte Literatur, Politologie und Philosophie in Konstanz, Boston und Graz. Er war Teil der Literatur- und Performancegruppe "shelter performance group". Seit 1991 ist er Mitherausgeber der Literaturzeitschrift "perspektive - hefte für zeitgenössische literatur". Seit 1993 lebt er in Berlin und Graz. Mit D. Holland-Moritz und Uwe Warnke veranstaltet er seit 2003 "TextTotal", einen kritischen Literatursalon zu aktuellen Entwicklungen in der Lyrik. Er schreibt regelmäßig Essays für die Grazer Wandzeitung "ausreißer". Ralf B. Korte verfasst komplexe Prosa und Essays. Er lebt in Berlin und Graz.


Dieter Puntigam, geb. 1974 in Graz, studierte Kunstgeschichte und Bühnengestaltung in Graz, anschließend Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. U.a. arbeitet der von intensiver Bildsprache und expressivem Ausdruck geprägte Künstler weltweit an der umfassenden CellCity-Konstruktion, in der er eine Stadt aus Bewusstseinsflächen und Formationen kreiiert, dessen Gestalter nicht ausschließlich der Künstler, sondern jeder einzelne Besucher ist.

Einzelausstellungen (Auswahl): Galerie Zeitkunst - Maffini // Schloss Schönau bei Baden // Maui / Hawaii - USA // Galerie Artpark - Linz // Newart Gallery - Graz // XY Studios - Amsterdam // Galerie Artetage - Graz // Art of the Flow - Newalk/ CT.USA

Tagtool Events (Auswahl): New York: Greenwood Cemetery // York: Museum Gardens // Amsterdam: NDSM Werf // Wien: Sound- frame Festival Opening





Samstag, 19. Februar 2011, 19:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Poet 10 Release Berlin


Das Literaturmagazin poet erscheint halbjährlich im poetenladen Verlag. Auf mehr als 200 Seiten gibt der poet Einblick in die junge Literaturszene. Für sein "beispielhaftes Konzept zur Förderung der jungen Literatur" wurde das Magazin 2010 mit dem Calwer Hermann-Hesse-Preis ausgezeichnet. Zum Erscheinen der 10. Ausgabe präsentiert Verleger Andreas Heidtmann zusammen mit Autorinnen und Autoren Texte der aktuellen sowie vergangener Ausgaben.

Andreas Altmann, geboren 1963 in Hainichen (Sachsen), absolvierte ein sozial­pädagogisches Studium und lebt heute in Berlin. Er veröffentlichte sechs Gedichtbände und erhielt unter anderem den Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis, den Christine-Lavant-Lyrikpreis und den Erwin-Strittmatter-Preis. Zuletzt erschien sein Gedichtband Das zweite Meer (2010) im poetenladen.





Foto: Juliana Henrich

Katharina Hartwell wurde 1984 in Köln geboren und studierte Anglistik und Amerikanistik in Frankfurt am Main und interdisziplinäres Zusatzstudium Gender Studies. Zurzeit studiert sie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig (Master). 2009 gewann sie den MDR-Kurzgeschichtenpreis. 2006 war sie Preis­trägerin des Wettbewerbes "Junges Literaturforum Hessen-Thüringen". Im Dezember erschien ihr Erzählband Im Eisluftballon im poetenladen.

Inger-Maria Mahlke, 1977 in Hamburg geboren, ist in Lübeck aufgewachsen. Sie war 2009 Teilnehmerin der Autorenwerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin und Preisträgerin beim 17. Open Mike. 2010 erschien ihr Debütroman Silberfischchen im Aufbau-Verlag, für den sie den Klaus-Michael Kühne Preis erhielt. Sie lebt in Berlin. Inger-Maria Mahlke ist mit einer Erzählung in poet 10 (Februar 2011), dem Magazin des poetenladens vertreten.







Mittwoch, 23. Februar 2011, 19:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
DAS GESAMTWERK VON G.H.H.

Autorenlesung mit G.H.H.


gedichte und prosa aus dem nachlass der letzten dreißig jahre. g.h.h. hat bei HOCHROTH einen band GEDICHTE IN ZWEI SPRACHEN veröffentlicht, von denen manche auch vorgetragen werden, aber auf deutsch. übersetzungen u.a. von william butler yeats und benoît gréan wurden bei früheren lesungen in der lettrétage vorgetragen.

g.h.h. lebt und arbeitet in berlin und paris. wenn in berlin: anzutreffen im S-CAFÉ am s-bahnhof friedenau gegen halb zehn uhr morgens.




Freitag, 25. Februar 2011, 19:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Edit #54

Heftpräsentation mit Stephanie Gleißner und Verena Roßbacher


Die Redakteure der Literaturzeitschrift Edit blättern sich durch ihre umfangreiche Frühjahrsausgabe, die ganz und ausschließlich der Prosa gewidmet ist, und stellen neue Texte vor. Mit Stephanie Gleißner und Verena Roßbacher sind zudem zwei Autorinnen der neuen Ausgabe zu Gast.

Stephanie Gleißner, geboren 1983, aufgewachsen in Mittenwald/Oberbayern, studierte in Tübingen Germanistik und Religionswissenschaft.

Verena Rossbacher, geboren 1979 in Österreich, dort und in der Schweiz aufgewachsen, studierte Philosophie und Theologie in Zürich und danach am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 2009 erschien ihr Debütroman Verlangen nach Drachen bei Kiepenheuer & Witsch.




Samstag, 26. Februar 2011, 19:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Achim Wannicke: Zeitenwäscherin

Autorenlesung


Mit geduldiger Konsequenz legt Achim Wannicke in seiner knapp dreißigjährigen Spracharbeit seinen 4. Lyrikband Zeitenwäscherin vor - mit Bildern von Thomas Klingenstein und einem von Viktor Hoffman vertonten Gedicht. Es wird in dieser neuen und dramaturgisch aufbereiteten Sammlung eine emotional aufgeladene Poetik vorangetrieben, die alle Sinne einschließt und viele Wirklichkeiten offenlässt. Mit unverwechselbarer Sprachmelodie, bis manchmal in den Wagemut singend-sagenden Bewusstseins ­ und gerade dadurch dem heutigen Moment gewachsen ­ scheut Wannicke auch vor dem ins Abseits gedrängten Pathos nicht zurück. Die Gedichte faszinieren dabei durch einen Resonanzraum, der sich einerseits an kulturell alten Techniken tranceinduktiven Sprechens orientiert, zugleich aber von neuester Wissenschaft lernt und somit eine präzise Einbildungskraft jenseits vordergründiger Vernunft einfordert. Vor allem in den eigenwilligen Langpoemen wie "Irminsul" und dem titelgebenden "Zeitenwäscherin", die sich weit hinaus an Wissensgrenzen begeben, arbeitet Achim Wannicke mit der Poesie als Erkenntniswerkzeug wie andere mit Systemtheorie und Neurobiologie. Diese Gedichte sind in der deutschen Lyrik singulär.

Foto: Kretzmer

Achim Wannicke, geb. 1950 in Berlin; Studium der Erziehungswissenschaft in Marburg und Wien. Langjähriger Lehrbeauftragter für Philosophische Anthropologie an der Freien Universität Berlin und Gründer der Kinderakademie Sterntaler. Der Vater von vier Kindern lebt als freier Schriftsteller in Potsdam. 1982 debütierte Wannicke mit seinem Gedichtband Manchmal geborgen bei LUCHTERHAND; danach folgten im APHAIA VERLAG 1988 der Gedichtband Liebesmüh und 2004 das Mitlesebuch 73. Auszeichnungen: Döblin Stipendium (Akademie der Künste Berlin); Literaturpreisträger zur 750-Jahr-Feier Berlins (Stiftung Tagespiegel); Aufenthaltsstipendium im Literarischen Colloquium Berlin (Berliner Kultursenat).

www.wannicke.de Lettrétage - Das junge Literaturhaus