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Februar


Samstag, 13. Februar 2010, 19:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Goldwasser auf den Pflastern Neuköllns (II)

Ein Autoren-Leseabend, zusammengestellt von Lutz Steinbrück
Mit Tobias Roth, Birgit Kreipe, Simone Kornappel, Magdalena Jagelke, Silke Peters und Jinn Pogy


Während der Fluss noch die Traumperspektive probt, sorgt die Blindenschrift der tümpelnden Enten für Gänsehaut. Die Schatten der Bäume: zusammengerollt in der Aussicht – als Kulisse für Erika Mustermann, der Ikone des Personalausweismusters. Inmitten der Altlasten ihres faltigen Heims übt sie sich in deutscher Suppe, bis die Landschaft überfließt und die Innenbrände sich an der Himmelskante spiegeln. Kaurismäki schaut im Pyjama vorbei. Er hat karelische Piroggen im Gepäck. Frau Mustermann denkt scharf nach. Zwei Salmiakschnäpse später schwimmen die Piroggen oben.

Mit dabei:

Magdalena Jagelke (Köln), 1974 in Polen geboren. 1986 Auswanderung nach Norddeutschland. Studierte Anglistik, Bibliotheks- und Informationswissenschaft. Veröffentlichungen in Anthologien und Literaturzeitschriften, u.a. macondo (13/2005), minima (2/2006), außer.dem (16/2009). 2008 Teilnahme an der Autorenwerkstatt der Stiftung Lyrik Kabinett in München. Lesungen bei der Lesebühne Köln.

Silke Peters (Stralsund),die gebürtige Rostockerin (Jahrgang 1967) arbeitet als Lehrerin sowie in Naturschutz- und Kunstprojekten. 2009 wurde sie Zweite beim Feldkircher Lyrikpreis; 2008 lud man sie zum Christine-Lavant-Preis in Wolfsberg/Österreich ein. Sie schreibt seit 1998 literarisch, veröffentlicht und liest seit 2000. Ab 2004 Zusammenarbeit mit bildenden Künstlerinnen. Texte für Künstlerbücher, Kataloge und Ausstellungseröffnungen. 2006 Teilnahme am Künstlerinnenprojekt „Medea“. 2007 Konzeption der Ausstellung „Mutterverrat“ im Literaturzentrum Vorpommern im Koeppenhaus Greifswald mit der Künstlerinnengruppe „Medea“. Porträttexte für die beteiligten Künstlerinnen. Arbeit und Fertigstellung des großflächigen Textildrucks „Parnassias Herzblattstörung“. 2009 Gründung der Autorinnengruppe „Textrabatt“ und Aufbau einer Lesebühne in Stralsund unter gleichem Namen. Mitarbeit und Organisation von verschiedenen Kunstprojekten in Mecklenburg-Vorpommern. Veröffentlichungen: Gedichtbände Wassernüsse vermisst (Wiecker Bote, 2000) und Parnassia (Wiecker Bote, 2008) sowie in den Zeitschriften außer.dem, Wiecker Bote u.a.

Jinn Pogy (Berlin), akademisch, portugiesisch und poesiepädagogisch bewanderte (Wieder-)Berlinerin, die „wahrscheinlich prosaische Lyrik und Prosa“ schreibt. Die erste geheime Teilnahme an einem Gedichtwettbewerb der Zeitschrift "Mädchen" im Jahre 1988 verlief niederschmetternd. So wagt sie sich erst 2007 ins literarische Berlin zurück, nach Jahren des Untertauchens am äußersten Rand von Europa. Seit 2008 Mitglied und Redakteurin der Autoreninitiative/ Berliner Zeitschrift für Lyrik und Prosa lauter niemand. Eigene Lesungen in Berlin und auf der Leipziger Buchmesse 2009 in der Lounge der jungen Magazine. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften wie lauter niemand (09),Ostragehege (52), Blumenfresser sowie online in der textenet-galerie.de. Gerade beendet sie ihr Prosa Debüt Johnny Dubrovnik und sucht einen Verlag dafür.

Birgit Kreipe (Berlin), geboren 1964 in Hildesheim; Ausbildung zur Buchhändlerin, Studium der Psychologie und Germanistik in Marburg, Wien und Göttingen; lebt seit 1994 in Berlin, war und ist Mitglied in verschiedenen Autorengruppen und veröffentlichte Gedichte in diversen Zeitschriften (Ostragehege, lauter niemand u.a.) und Anthologien.

Simone Kornappel (Hamburg), geboren 1978 in Bonn. Mit Philipp Günzel und Myriam Keil gründete sie 2009 die randnummer - ein Hamburger Literaturmagazin für Gegenwartsliteratur. Veröffentlichung eigener Gedichte u.a. im poet nr.5 und in den intendenzen.

Tobias Roth (Berlin), geboren 1985 in München. Studierte Germanistik in Freiburg, lebt heute als freier Autor (Lyrik und Prosa) und Kritiker (Literatur, Musik) in Berlin. 2001-2004 mit der Jazzcombo Sonnendeck auf Münchner Bühnen. Veröffentlichung von Lyrik in Anthologien und Zeitschriften (u.a. Kalliope, Begegnung, Allmende, außer.dem); Auftritte bei Lesebühnen, PoetrySlams und Literaturfestivals. 2. Platz des Paula-Rombach-Preises 2008 (Gemeinschaftsarbeit mit Monika Koncz). Mehrfacher Preisträger des Essay-Wettbewerbs der Goethe-Gesellschaft. Mit Christoph Medicus Organisation der Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe Betakontext, Galerie F-I-T, Berlin/Mitte, August 2009.



Mittwoch, 17. Februar 2010, 19:00 Uhr / Musik ab 18:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Barbara Rosenthal

Die New Yorker Künstlerin zeigt Existential Videos


Die New Yorker Künstlerin und Schriftstellerin Barbara Rosenthal zeigt Existential Videos (conceptual performance shorts 1976-2010). Ihre Arbeiten reflektieren das Individuum und die Beziehung des Individuums zur Welt. Rosenthal: "...all my work is about me, it is also about all of us."

"EXISTENTIAL WORD PLAY": The celebrated NY avant-garde artist and writer BARBARA ROSENTHAL returns to Berlin with many new humorous text, voice, and performance video-projections in easy English and German (and one in Yiddish). Many Berlin premieres, and discussion with this highly original, and philosophical, media poet, introduced by Berlin art historian Nicole Mittenbuhlen.

Barbara Rosenthal, geboren in der Bronx, New York, Künstlerin und Autorin, lebt in New York. Studierte u.a. an der Brooklyn Museum Art School, der Carnegie-Mellon University und dem Queens College. Neben den Videoarbeiten gibt es von ihr Arbeiten in den Bereichen Fotografie, Performance, Installation, Kollage, Druckgrafik und Künstlerbuch. Als Autorin produzierte und produziert sie u.a. Aphorismen, Slogans, Lyrik, Erzählungen, Romane, textbasierte Kunst, Pamphlete, Kunstkritiken und Essays.


Existential Video von Barbara Rosenthal: Dead Heat






Mittwoch, 24. Februar 2010, 19:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Chinageschichten

Die Journalistin Susanne Messmer liest aus ihrem gerade erschienenen Buch
In Zusammenarbeit mit dem Verbrecher Verlag


Chinageschichten porträtiert ein Stück China in der Zeit seiner wohl drastischsten Wandlungsprozesse: In den Gesprächsprotokollen kommen Menschen unterschiedlicher Gesellschaftsschichten zu Wort, die zur klassischen Aufbaugeneration gehören und heute über achtzig Jahre alt sind. Ihre Berichte sind Zeitzeugnisse und bilden die Entwicklungen des Landes im zwanzigsten Jahrhundert auf persönliche Weise ab: Das Ende der letzten Dynastie, die japanische Besatzung, den Bürgerkrieg, die Aufbruchstimmung nach 1953, die Kulturrevolution, Hungersnöte, die Öffnung Chinas in den Achtzigerjahren, den Blick auf die Enkelgeneration. Ein Versuch der Annäherung an ein Land aus der Perspektive des privaten Lebens einer in den Medien wenig wahrgenommenen Generation.

Die Kulturjournalistin und Dokumentarfilmerin Susanne Messmer liest aus ihrem Buch und gibt über ihre Erfahrungen in China Auskunft.

Susanne Messmer, geboren 1971, lebt in Berlin und Peking. Sie studierte neue deutsche Literatur und Philosophie und arbeitet als Kulturjournalistin für Presse und Funk (TAZ, MERIAN, ZEIT, Frankfurter Rundschau, Deutschland Radio Kultur, SWR2 usw.) und gründete 1999 ihr eigenes Plattenlabel. Ihr erster Dokumentarfilm „Beijing Bubbles“ (2007) berichtet über Punk und Rock in Chinas Hauptstadt und lief auf internationalen Filmfestivals. 2008 erschien ihr literarischer Reisebegleiter Peking. Im September 2009 veröffentlichte sie Chinageschichten im Verbrecher Verlag.



Samstag, 27. Februar 2010, 19:30 Uhr, Eintritt frei
Henry James: Benvolio

Buchpremiere
Es liest Denis Abrahams
In Zusammenarbeit mit dem Manesse Verlag


Über hundert Erzählungen verfasste Henry James zu Lebzeiten (1843-1916). Ihre sprachliche wie psychologische Finesse zeichnen ihn als einen der bedeutendsten amerikanischen Autoren an der Wende zur Moderne aus. Erstmals ins Deutsche übersetzt, sind mit Benvolio nun fünf seiner frühen Erzählungen erschienen. Schauspieler Denis Abrahams liest ausgewählte Textpassagen.

Im Anschluss lädt der Manesse Verlag zu einem Glas Wein ein.

James schreibt scheinbar beiläufig und leichthändig, er brilliert in Konversationen, im Briefton und Tagebuchblättern, also in Stillagen einer verfeinerten Gesellschaft ohne gelehrten Ballast. Im Zeitalter der Romanschinken war er ein Skizzist, Plauderer und Pianospieler, der Virtuose von Halbtönen, Halbschatten und verschwiegenen Empfindungen.
Alle fünf Stücke handeln von den Labyrinthen der Liebe, alle bereichern die Spannung mit den Horizonten jener Kulturgegensätze – Amerika und Europa, Moral und Gefühl, Ehe und Liebe, Geld und Aristokratie – die am Ende des neunzehnten Jahrhunderts überall so große, aber selten so scharfsinnige Aufmerksamkeit fanden wie bei diesem Soziopsychologen.


Gustav Seibt, Süddeutsche Zeitung (ganze Rezension hier)

Rezension in der FAZ

Denis Abrahams geboren 1974 in Wiesbaden, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Bereits während des Studiums spielte er am Staatstheater Mainz. Weitere Stationen waren u.a. das Staatstheater Wiesbaden, die Oper Frankfurt, Stuttgart und das Theater der Stadt Koblenz. Seit Mitte der Neunziger Jahre tritt Denis Abrahams als Rezitator und Vorleser auf und hat sich seither ein breites Repertoire erarbeitet. Seit 2004 lebt und arbeitet Denis Abrahams als freier Sprecher und DJ in Berlin und hat bereits in zahlreichen Hörspielen mitgewirkt.

Henry James, geboren 1846 in New York, gestorben 1916 in Chelsea/Großbritannien, zu seinen bekanntesten Werken zählen die Romane Daisy Miller, 1878, Washington Square, 1881, und The Turn of the Screw, 1898.



Lettrétage - Das junge Literaturhaus