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Februar 2009


Mittwoch, 4. Februar 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5 Euro
Norbert Lange liest Bernhard Koller
Gedichte eines zu früh Verstorbenen
Eine Veranstaltung der Lyrikedition 2000


leise endet die laute bestürzung des tages
aus heißer erregung
gestehen wir unsere liebe
der großen welt. berauschten herzens
fallen wir tönend
die leeren winde des südens hinunter


Bernhard Koller wurde 1934 in Rosenheim geboren und studierte in München Literaturwissenschaft. Er begriff sich schon früh als Autor. Er durchstreifte das Münchner Nachtleben der 50er-Jahre und hielt seine Eindrücke in Gedichten fest. Als er der Meinung war, alles gesagt zu haben, nahm er sich 21jährig das Leben.
Carl Amery würdigte Koller 1960 in einem Radiofeature und 1965 in einem Fernsehbeitrag mit dem Titel »Efeu für einen Jüngling« als unerkanntes Talent. Die Texte des früh Verstorbenen vermitteln in einem ganz eigenen Stil die Unmittelbarkeit der Welt sowie eine Suche und Sehnsucht der Jugend in der nächtlichen Stadt.
Er schrieb, um gelesen und entdeckt zu werden, auch wenn ihn das sein Leben kosten würde. Seine Gedichte wurden in dem Band Zusammenhänge, soeben erschienen bei der Lyrikedition 2000, mit letzten Tagebucheintragungen ergänzt.

Als Norbert Lange in Berlin die Antiquariate durchstöberte, machte er eine Entdeckung: Er stieß auf den Gedichtband des jungen unbekannten Autors Bernhard Koller aus dem Jahr 1960.
Norbert Lange wurde 1978 in Gdingen geboren und ist im Rheinland aufgewachsen. 1999-2002 studierte er in Berlin, 2002-2006 in Leipzig am Deutschen Literaturinstitut. Aufenthaltsstipendium in Schloss Wiepersdorf 2006. Er lebt seit 2008 wieder in Berlin.
Sein Gedichtband Rauhfasern ist 2005 bei der Lyrikedition 2000 erschienen. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, zuletzt Gedichte in Zwischen den Zeilen 29, Lyrik von Jetzt 2, Neubuch; Aufsätze in Hermetisch offen, Sprache im technischen Zeitalter, Edit.



Samstag, 7. Februar 2009, 20:00 Uhr, Eintritt: 5 Euro
Benoît Gréan und Dieter M. Gräf
Deutsch-französische Autorenlesung


Zwei Autoren, jeweils in zwei Sprachen. Benoît Gréans Gedichte sind auf Deutsch in Artic und Frau und Hund erschienen. Die deutschen Varianten von Gréans Texten werden von G. H. Holländer, dem Chefredakteur von Frau und Hund, gelesen.
Dieter M. Gräfs aktueller Gedichtband Buch Vier, der am 10.2. in der literaturWERKSTATT Premiere hat, wird zurzeit von Joël Vincent ins Französische übertragen - das Manuskript Livre Quatre soll nun hier vorgestellt werden.

Benoît Gréan, geboren in Strasbourg, lebte neun Jahre lang in New York, danach seit 1994 in Rom. Von ihm sind bislang drei Bücher (Mai, 2001; Monstres tièdes, 2003; corps et riens, 2006) sowie Gedichte in etwa 20 Zeitschriften in Frankreich, Italien, der Schweiz, Griechenland und Deutschland erschienen.

Dieter M. Gräf, geboren 1960 in Ludwigshafen, lebt in Berlin. Lyriker, zuletzt Buch Vier, FVA 2008. Zahlreiche Auszeichnungen, Preise und Stipendien, u.a. Leonce-und-Lena-Preis, Villa Aurora, Villa Massimo.

Es scheint mitunter, als schleudere hier ein lyrischer Wiedergänger von Rolf Dieter Brinkmann seine erkenntniswütigen Lamentationen in die Welt ... In einigen besonders finsteren Gedichten löst sich das Gedicht aus den vertrauten Formen und geht über in ein traumversunkenes Murmeln, ein litaneienhaftes Repetieren von magischen Formeln.
Michael Braun, Frankfurter Rundschau



Mittwoch, 11. Februar 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5 Euro
Ulf Stolterfoht und Georgi Gospodinov
Lesung in Zusammenarbeit mit dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD


Georgi Gospodinov 1968 geboren, ist einer der wichtigsten bulgarischen Autoren seiner Generation, ein begnadeter Erzähler und nicht minder talentierter Lyriker, der sich mit seinem feinen Gespür für Humor gerne auf die Seite der Verlierer, Sonderlinge und Außenseiter stellt. International bekannt wurde Georgi Gospodinov mit seinem „Natürlichen Roman“ (1999, dt. 2007), in dem er auf überaus intelligente, witzige und sehr französische Weise von einem Ehebruch und einer Scheidung erzählt sowie davon, wie es sich anfühlt, wenn eine Fiktion auf das eigene Leben übergreift. Über seine Prosa und Lyrik hinaus feierte Georgi Gospodinov auch als Bühnen- und Drehbuchautor Erfolge. Er ist ein Spezialist für das Jahr 1968 und hat eine Vorliebe für Alltägliches. 2006 gab er zusammen mit Jana Genova das Inventarbuch des Sozialismus – einen Bildband mit Alltagsgegenständen aus Zeiten des sozialistischen Bulgariens – heraus.

Ulf Stolterfoht, 1963 in Stuttgart geboren, lebt in Berlin. Er ist einer der avanciertesten deutschen Sprachkünstler und Peter-Huchel-Preisträger des Jahres 2008. Bekannt wurde der Satz-Dekonstruktivist mit seinen bislang drei bei Urs Engeler Editor erschienenen „fachsprachen“-bänden, in denen er die speziellen Terminologien beispielsweise von Radiotechnikern, Schweinezüchtern oder Linguisten entfunktionalisiert und zu eleganten, rhythmischen Klangräumen neu montiert hat, um die „welt in ihrer gliederung“ zu erfassen. 2007 folgte der Gedichtband holzrauch über heslach, in dem Ulf Stolterfoht einen Rückblick auf die Sprache seiner Herkunft wagt und den speziellen Zungenschlag des Stuttgarter Stadtteils Heslach, unterlegt mit den Tonspuren für ihn wichtiger Jazz- oder Rockalben, einfängt. Entstanden ist so „weit mehr als eine poetische Liebeserklärung an seine Kindheitslandschaft. Es ist die hinreißende Inszenierung einer ästhetischen Utopie – nämlich des trotzigen Glaubens an eine Poetik des Widerstands, die sich im freien, anti-semantischen Sprechen realisiert“. (Michael Braun)



Samstag, 14. Februar 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5 Euro
Nadja Schollenberger und Tobias Herold
Autorenlesung


Nadja Schollenberger, geboren 1980, bisher unveröffentlicht. Eine Entdeckung?

Tobias Herold, geb. 1983, schreibt vor allem Gedichte, auch Prosa. Derzeit arbeitet er an einem Essay über die verschiedenen Muster auf den Sitzbänken in öffentlichen Verkehrsmitteln Berlins. Voraussichtlich im September 2009 erscheint sein erster Gedichtband mit dem Titel Kruste in der Reihe Lyrik der Jahrtausendwende im Elfenbein Verlag.



Mittwoch, 18. Februar 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5 Euro
Ismet Elci
Autorenlesung, gefördert von der Robert-Bosch-Stiftung


Ismet Elci, 1964 in Muş, Ostanatolien, als Kurde geboren, kam im Alter von 15 Jahren mit seinem Vater, einem streng religiös lebenden Moslem, nach Berlin. Arbeit in einer Textilfabrik und Deutschunterricht in der Abendschule. Seine heimliche Liebe zum Film wurde zur Leidenschaft: 1986 drehte er seinen ersten Kurzfilm »Das letzte Rendezvous«, im gleichen Jahr folgte sein erster Spielfilm »Kismet, Kismet«. Der vom ZDF hergestellte dreiteilige Fernsehfilm nach seinem ersten Roman Sinan ohne Land wurde 1989 mit dem Civis-Preis ausgezeichnet. Es folgten 1990 der Kinofilm »Dügün – die Heirat« und 1995 der Film »Cemile oder das Märchen von der Hoffnung«.
Neben seinen Arbeiten als Regisseur und Autor hat Elçi in zahlreichen Filmen als Schauspieler und Berater mitgewirkt, gründete 1997 den Orient Filmverleih, drehte Werbespots und Musikclips. 1993 erhielt er den Adelbert-von-Chamisso Förderpreis und 2002 ein Arbeitsstipendium der Robert Bosch Stiftung.

Aktuelles Buch: Der rosarote Fahrstuhl – Erzählungen
Die Themen, um die es in seinen Romanen und Erzählungen geht – Ausländerproblematik, Flucht aus der Osttürkei, Leben in der Fremde als Asylanwärter, politische Querelen zwischen Türken und Kurden – die Tristesse all dessen ist für ihn nicht einfach nur literarisches Material; vielmehr sieht man, wie die darin enthaltene Dramatik Elci persönlich zusetzt. Dass seine Geschichten alles andere als anklagend oder schwermütig klingen, erklärt er selbst mit seiner Einstellung: »auch in Katastrophensituationen immer positiv zu denken.« Manchmal brechen Elcis Texte aus der Realität aus, streifen das Surreale, ja Utopische.
Volker Kaminski / qantara.de



Samstag, 21. Februar 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5 Euro
Sneak in NEUBUCH
Ein Abend neuer Lyrik mit Norbert Lange und Tom Bresemann
In Zusammenarbeit mit den S³ LiteraturWerken


Im NEUBUCH macht der Lyriker Ron Winkler einen Streifzug durch eine Auswahl von insgesamt 25 Autorinnen und Autoren, die nach 1972 geboren sind. Die versammelte Vielzahl und Unterschiedlichkeit zeigt, wie lebendig und entdeckenswürdig diese neue deutschsprachige Lyrik ist. Hier findet sich ein Querschnitt und eine Bestandsaufnahme, die einen guten Überblick über das aktuelle Lyrikgeschehen bietet.

Aus dem Nachwort Ulrike Draesners: Staunen will ich wohl über Sprach- und Ding-, Innen- und Außenwelten, die sich öffnen. Etwas Besonderes mit der Sprache zu machen ist dabei nur Teil des Unterfangens. Gemacht wird etwas Bestimmtes mit dem Blick, [...]. Mit der Bereitschaft, sich berühren zu lassen. Höhe und Tiefe ausloten, Echos hören. Pathetisch sein, gestisch – und leise. Allmähliche Beugungen der Sprache.

Zwei Autoren, die sich im Geschmacksportfolio Ron Winklers wiederfanden, versuchen sich nun darin umherzuorientieren.

TOM BRESEMANN

S³ LiteraturWerke

Die ursprünglich für diesen Termin angekündigte Lesung "Fühlendes Auge, sprechende Hand" muss aus technischen Gründen verschoben werden - der neue Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben.