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Dezember 2017



Samstag, 2. Dezember 2017, 15.00 Uhr (Eintritt frei)
Für mehr Bibliodiversität
Welche Unterstützung brauchen unabhängige Verlage und Literaturzeitschriften?

Unabhängige Literaturverlage und literarische Magazine sind aus dem literarischen Leben nicht wegzudenken. Mit ihrer Offenheit fürs Neue und Experimentelle, mit ihrer Bereitschaft, bisher nicht etablierten literarischen Stimmen Gehör zu verschaffen, tragen sie maßgeblich zur Pflege und Weiterentwicklung der literarischen Kultur bei. De jure sind diese Verlage Wirtschaftsunternehmen - de facto sind solche Aktivitäten aber in den seltensten Fällen gewinnträchtig. Vielmehr tragen die Verlegerinnen und Verleger, Herausgeberinnen und Herausgeber oftmals mit großem Engagement wie auch finanziellem Einsatz zum literarischen Leben bei und unterstützen damit Autor*innen. Leider fallen Verlage normalerweise durch den Rost des bisherigen Fördersystems, oftmals mit der praxisfernen Begründung, dass das Verlegen und Herausgeben von Büchern und Zeitschriften keine gemeinnützige, sondern eine gewinnorientierte Tätigkeit sei.

Das Netzwerk freie Literaturszene e.V. fordert eine bessere Förderung der Independent-Verlage und Literaturmagazine und lädt in Zusammenarbeit mit der Kurt-Wolff-Stiftung sowie der Berliner Literaturkonferenz alle Interessierten und Betroffenen zu einer Bestandsaufnahme. Was brauchen die Verlage und Magazine? Wie ist ihnen zu helfen? Wie müssten entsprechende Förderinstrumente aussehen und wo können sie angesiedelt sein? Wie lassen sich diese argumentieren und ans bisherige Fördersystem andocken? Wie kann politischer Druck aufgebaut werden und welche Verbündeten haben wir? Dies und mehr ist Gegenstand der Veranstaltung.

Eine Veranstaltung des
Netzwerks freie Literaturszene Berlin e.V. in Zusammenarbeit mit der Berliner Literaturkonferenz.






Montag, 4. Dezember 2017, 20.00 Uhr (Eintritt 5,-/4,-)
Den Berg durchgraben
Szenische Lesung und Publikumsgespräch

Diese Lesung findet in der folgenden Woche ein zweites Mal statt!

Sie sitzen in einem 2,5 Meter mal 3,5 Meter großen Zimmer. Die Decke ist 2 Meter hoch. Eigentlich ein volles Zimmer, das leer wirkt, weil es klein ist. Das Licht ist nur eine kleine Lampe am Tisch, eher kühl, und ein Laptop. Irgendetwas ist passiert. In diesem Zimmer. Sie sitzen nebeneinander, blicken nach vorne. Sie ist Journalistin. Er ist Autor. Sie fragt ihn, wie sich sein Schreiben durch den Krieg verändert hat. Er antwortet: Soll ich noch einen drehen?, und wartet ihre Reaktion nicht ab.

Der Text "Den Berg durchgraben" von Luna Ali ist eine Liebesgeschichte: es geht um zwischenmenschliche Liebe, um Berufung, Identität, Sprache, Theater, Literatur und das Schreiben. Wenn wir schreiben, beschreiben wir nicht nur Realität, sondern schaffen sie zugleich neu. Aus genau dieser Motivation begibt sich eine Journalistin auf den Weg, um über das Schreiben in Konflikten zu schreiben. Sie interviewt einen syrischen Autoren zu den Bedingungen seines Schreibens. Schnell stellen sie fest, dass sich zwischen ihnen mehr abspielt. 40 Kilometer vom Abgrund der Welt entfernt geht es um Erinnerung und ihre Zerstörung, um Identität und ihre Zerstörung, um Übersetzung, Intimität, um Sprache und ihre Unvollkommenheit.

Luna AlisText "Den Berg durchgraben" ist Monolog, Dialog, Erzählung, Dokumentation, Theaterstück und Stream-of-Consciousness zugleich und basiert zu großen Teilen auf autobiographischen Erlebnissen der Autorin.

Text: Luna Ali
Regie: Naomi Boyce
gelesen von: Carolin Kipka, Dürten Thielk, Anna Tilling
Kostüm/Fotografie: Inga Aleknaviciute

Luna Ali - *1993 in Syrien / Derzeit Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig / B.A. Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim / Theatertreffen der Jugend 2009 und 2012 / Seit 2012 Kuratorin beim Fuchsbau Festival / Treffen junger Autoren der Berliner Festspiele 2012 / Dramenwerkstatt InZukunft II 2014 / Berliner Hörspielfestival 2015 / Zusammenarbeit mit andcompany&Co. in Düsseldorf 2017

(c)Inga Aleknaviciute






























Dienstag, 5. Dezember 2017, 20.00 Uhr (EIntritt 5,-/3,-)
Konzept*Feuerpudel
Anonyme Lesebühne. Zu Gast: Stefan Mesch, Journalist, Herausgeber und Übersetzer.

Das Konzept*Feuerpudel ist eine monatliche Lesebühne für Autor*innen in Berlin. Oder sollte es „Vorlesebühne“ heißen? Denn beim Pudel liest einer, namentlich Diether Kabow, Texte vor, deren Urheber*innen sich anonym unters Publikum mischen. Auf diese Weise geben wir schreibenden Menschen die Möglichkeit, ihre Texte unter die Leute zu bringen, ohne dass sie selbst performen. Warum? Weil die Wirkung des Textes dann nicht von der Person der*des Autor*in abhängt. Autor*innen können heimlich im Publikum sitzen, sich gemütlich einen antrinken, unerkannt über ihre Texte sprechen oder einfach nur beobachten, wie ihre Texte – und nicht sie selbst – ankommen.

Konzept*Feuerpudel ist eine Lesebühne für die Neugierigen und Chaot*innen, Austester*innen, Anfänger*innen und alte Hasen. Ihre Texte entwickeln ein Eigenleben und die Autor*innen neue Perspektiven auf das eigene kreative Schaffen und sie erhalten die Möglichkeit, ihre Arbeit kritisch zu reflektieren. Während der Lesung entwirft ein*e IllustratorIn Zeichnungen zu jedem Text. Das Publikum kann die Entstehung der Illustrationen live mitverfolgen. Die GewinnerInnen erhalten ihre Illustration als Preis. Seit 2017 geben auch spannende Gäste aus dem Literaturbetrieb im Gespräch Insidertipps. Zu Gast im Dezember ist Stefan Mesch, Journalist, Herausgeber und Übersetzer.

Die Texte werden vor der Lesung durchgesehen, aber nicht ausgewählt – das Los entscheidet. Jede*r kann einen Text einreichen. Acht Texte werden am Abend verlesen. Drei wählt das Publikum zu Gewinnern. Zur Preisverleihung können die Autor*innen den schützenden Mantel der Anonymität ablegen und sich feiern lassen – wenn sie es möchten. Die kleinen, unerhörten Schreiber*innen, die heimlichen Textverliebten und genialen Angsthasen werden geliebt und gesucht.




Mittwoch, 6. Dezember 2017, 20.00 Uhr (Eintritt 10,-)
„…because the king had no money left.“
Konzert-Premiere von ‚Axe and Pile’

In der Welt der sogenannten vernakularen oder nicht notierten Musik stehen seit der Entwicklung neuer Spieltechniken elektrische Gitarre und Schlagzeug im Vordergrund. Vom Pop bis zur rein improvisierten Musik: In allen Formen und Kontexten haben sich beide Instrumente in den verschiedensten Varianten der populären Musik weltweit durchgesetzt. AXE AND PILE, bestehend aus dem Gitarristen Seth Josel und dem Schlagzeuger Michael Weilacher, hat junge, durch populäre Formen der Musik beeinflusste in Berlin lebende Komponisten den Auftrag gegeben, neue Werke für sie zu schreiben. An diesem Abend werden sie neue Kompositionen von Leah Muir, Thomas Meadowcroft und Amir Shpilman spielen. Das genaue Programm wird jedoch erst am Abend des Konzerts veröffentlicht.
Die Veranstaltung wird gefördert von INM e.V. Berlin.

Der Schlagzeuger Michael Weilacher ist 1969 in Rochester NY geboren. Nach seinem Studium an der Eastman School of Music und am Conservatory of Music in Cincinnati, wo er in verschiedenen Rock-Gruppen und Orchestern aktiv war, zog er nach Rotterdam, um am dortigen Konservatorium sein Master-Diplom abzulegen. In Europa wandte sich Weilacher zunehmend der zeitgenössischen und improvisierten Musik zu und trat mit verschiedenen Performance-
Gruppen und Ensembles auf. Seit einigen Jahren lebt Michael in Berlin, gastiert als Solist und spielt mit Ensembles. Seit 2014 ist er festes Mitglied des Berlin Piano Percussion Ensembles und tritt regelmäßig mit dem Ali Askin Jazz Quintett auf. Michael ist aktiv als Studiomusiker und widmet sich seinen eigenen Kompositionen für Film und Performance. 2014 arbeitete er mit Constanza Macras/ DorkyPark an der Produktion ‚The Past’. Hierfür entwickelte er sowohl eigene Kompositionen, improvisierte zusammen mit der Musikerin Miako Klein und interpretierte Musik des Komponisten Oscar Bianchi. Im Februar 2015 komponierte er die Musik für „Slipping“, ein Tanzstück der amerikanischen Choreografin Sandrine Harris. Michael ist zudem kontinuierlich aktiv als Schlagzeuger und Arrangeur in verschiedenen Bands in Berlin (u.a. bei The Somnambulist, Ray Gibson und dem Schachtner Weilacher Duo). Im April 2015 erschien bei Sony Classics „The Living Loving Maid“, die erste CD der Band Kronthaler, für die er im Studio einspielte und für deren Konzerte er regelmäßig als Gastmusiker auftritt.



Seth Josel wurde 1961 in New York geboren. Er erhielt seine musikalische Ausbildung an der Manhattan School of Music in New York und der Yale University. 1988 Fulbright-Hays Stipendium der amerikanischen Regierung. 1992/93 Stipendium der Akademie Schloß Solitude, Stuttgart. Solokonzerttätigkeit seit 1986 in zahlreichen Ländern West- und Osteuropas sowie in Israel, Japan, Kanada und in den USA. Er ist als Solist bei namhaften Festivals für Neue Musik engagiert worden, darunter Donaueschingen, Eclat, Huddersfield, MaerzMusik, New York Philharmonic Biennale. 1991-2000 war er festes Mitglied der musikFabrik. Er beriet und arbeitete mit zahlreichen Komponisten zusammen, darunter Mauricio Kagel, Helmut Lachenmann, Tristan Murail, Phill Niblock und James Tenney. Zudem engagiert er sich sehr in Kollaborationen mit einigen der führenden jungen Komponisten unserer Zeit wie etwa Peter Ablinger, Richard Barrett, Chaya Czernowin, und Manfred Stahnke, die für ihn und sein Talent Werke geschrieben haben.

Die Veranstaltung wird gefördert von der INM Berlin e.V.




Donnerstag, 07. Dezember 2017, 20:00 Uhr (EIntritt 5,-/4,-)
Permanent Tourist - Nomadin zwischen Berlin und Leuk
Lesung mit Christine Pfammatter

Christine Pfammatter stellt ihr neues Buch "Permanent Tourist - Nomadin zwischen Berlin und Leuk" zum ersten Mal in Berlin vor. In dem autobiographischen, zwischen Essay und Erzählung oszillierenden Werk reflektiert sie über Heimat und Fremde, begibt sich auf die Suche nach der eigen Identität und entwirft ein vielschichtiges Bild des Wallis und seiner Bewohner. Moderiert wird die Veranstaltung von Marc Ottiker.

Was zeichnet das Wallis - neben all den Klischees und Vorurteilen - aus? Und was bedeutet Heimat? Wo findet man Identität? Im Binntal, Chandolin, Venedig oder in den Erzählungen der Menschen, denen man begegnet? In den Büchern, die man liebt? In Kindheitserinnerungen, Kunsterfahrungen, Denkbewegungen und Erzählungen gibt die Autorin Christine Pfammatter Zeugnis ihrer Reise ab. Von Berlin aus geht sie den Widersprüchen und Schönheiten unserer Zeit nach und lässt ein vielschichtiges Bild des Wallis und seiner Bewohner entstehen.

Christine Pfammatter wurde 1969 in Leuk-Stadt geboren und lebt seit einigen Jahren in Berlin. Nach einem Studium der Philosophie, Literatur und Kunstgeschichte in Bern und Fribourg veröffentlichte sie schon in diversen deutschsprachigen Literaturzeitschriften, darunter "Manuskripte", und schreibt zudem regelmässig über zeitgenössische Kunst. Im Leipziger Literaturverlag sind bislang drei Prosabände erschienen ("Zuviel Sonne", "Andere Namen" und "Schnee im März") sowie ein Band mit Übersetzungen aus dem Englischen (James Laughlin: "Dylan schrieb Gedichte").



Diese Veranstaltung wird unterstützt von der Schweizer Kulturstiftung
prohelvetia











Samstag, 09. Dezember 2017, 11:00 Uhr (Für Mitglieder des Freien Deutschen Autorenverbands kostenlos, alle anderen werden um eine kleine Spende gebeten)
Textremisten
Textwerkstatt mit Jordan T.A. Wegberg

Die Textremisten treffen sich einmal monatlich in der Lettrétage, um reihum eigene Texte vorzustellen, die dann von den Teilnehmern ausgiebig besprochen werden. Die maximale Lesezeit beträgt 10 Minuten. Es können alle Prosaformen wie Kurzgeschichten, Romankapitel oder Essays präsentiert werden. Wir geben einander Tipps, Ratschläge, Anregungen, Feedback und Motivation.

Natürlich ist sowohl das Besprechen der Texte als auch die Teilnahme an den öffentlichen Lesungen freiwillig – wer möchte, kann auch nur zum Zuhören zu den
Textremisten kommen!





Montag, 11. Dezember 2017, 20.00 Uhr (Eintritt 5,-/4,-)
Den Berg durchgraben
Szenische Lesung und Publikumsgespräch

Diese Lesung findet zum ersten Mal am 4. Dezember statt:
Siehe Ankündung hier!







Montag und Dienstag, 11. & 12.Dezember 2017, 10:00-17:00 Uhr (Eigenbeitrag 24,-)
Die Autorenlesung – Methoden für den Erfolg im Literaturbetrieb
mit Moritz Malsch und Tina Kemnitz

Lesungen – für die einen sind sie die ungeliebte Pflicht eines Profis der Selbst- und Buchvermarktung. Für diejenigen, die das Potential sehen und schätzen sind sie aber ein willkommener und wichtiger Bestandteil des Jobprofils. Daran vorbei kommt man als erfolgssuchender Autor allerdings sowieso nicht. Wenn Sie sich darauf einlassen – ob Sie nun müssen oder (hoffentlich) wollen - zeigen wir Ihnen, wie man eine Lesung professionell vorbereitet und zum Erfolg werden lässt.

An Tag 1 erfahren Sie, wie Sie im Literaturbetrieb ankommen – von den ersten Schritten in die Literaturszene vor Erscheinen des ersten Buchs bis zur professionellen Selbstvermarktung erfolgreicher Autoren. Welche „handwerklichen“ Fähigkeiten und Methoden sind unerlässlich, damit ich überhaupt zu Lesungen eingeladen werde? Wie kann ich „nachhelfen“, wo gerate ich in eine Sackgasse? Was ist mit dem Bourdieu‘schen Begriff des „Symbolischen Kapitals“ gemeint? Wie kann ich mit selbst ausgerichteten Veranstaltungen und eigenen Veranstaltungsformaten punkten? Wie schaffe ich es, dass diese Aktivitäten mich nicht von anderen Arbeiten abhalten?

An Tag 2 erfahren Sie, wie man eine Lesung konkret gestaltet: Wie moderiert man sich selbst und die Lesestelle an? Wie viel darf verraten werden, was soll erzählt, was vorgelesen werden? Wie erstellt man eine Lese-Strichfassung? Wie funktioniert professionelles Sprechen und Vorlesen? Was kann ich tun, damit meine Lesung spannend ist und die Zuhörer aus Interesse und Begeisterung bleiben. Nicht etwa aus Höflichkeit. Oder gar nicht. Poets welcome!

Anmeldungen bitte bis 22.11.2017 unter weiterbildung@foerderband.org
oder unter 030 28 49 387-0/-27.

Moritz Malsch ist Mitbegründer und –betreiber des Literaturhauses Lettrétage. Als Lektor, Übersetzer und Kleinverleger ist er seit rund zwölf Jahren in der Berliner Literaturszene aktiv. Er studierte Germanistik und Musikwissenschaft an der TU Berlin und arbeitete rund zwei Jahre lang in einem kleinen Literaturverlag. Seit Gründung der Lettrétage 2006 sammelt er Erfahrungen in allen Bereichen des literarischen Veranstaltens – von der inhaltlichen Konzeption von Lesungen und Veranstaltungsprojekten übers Fundraising bis hin zum Management eines Literaturhauses.


Tina Kemnitz ist Diplom-Sprechwissenschaftlerin und Literaturvermittlerin. Sie arbeitete viele Jahre als Dozentin für Sprecherziehung an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ (HfS) Berlin und ist selbst Vorleserin und Sprecherin. In ihrer Buchempfehlungsshow macht sie bundesweit Kinder und Jugendliche auf Bücher neugierig. Erwähnt sein soll auch die – leider viel zu kurze – Zusammenarbeit mit Harry Rowohlt (CD „Stories von Kurt Vonnegut“).
www.sprechart.de / www.tollesbuch.de

Der Workshop ist Teil des Programms „Wort.Kunst.Markt“, welches Förderband e.V. in enger Verbindung mit dem „Netzwerk freie Literaturszene Berlin“ für in Berlin lebende freiberuflich arbeitende Autoren, Lektoren und Übersetzer konzipiert hat. Gefördert wird das Programm aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds im Programm „Qualifizierung Kulturwirtschaft“ (KuWiQ) und des Landes Berlin – Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Für die Kofinanzierung ist ein Eigenbetrag von 2,00€/Stunde und Teilnehmenden nötig.



  © Richard Heidinger








Mittwoch, 13. Dezember 2017, 19:00 Uhr (Eintritt frei)
Moshabak-Nächte
mit Ibrahim Keivo und Alina Amer

Nawras lädt euch zum ersten Abend der „Moshabak Nächte“ ein! Moshabak Nights ist eine Serie kultureller Veranstaltungen, die einmal im Monat syrische Künstler zusammenbringt, um ihre Werke und Talente zu präsentieren. Jeden Monat werden verschiedene syrische Künstler vorgestellt, die mit neuen Kunst- und Kulturformen die Gesellschaft bereichern und so einen Treffpunkt mit regelmäßigen Begegnungen zwischen Syrischen und internationalen Künstlern, Produzenten, und Aktivisten schaffen. In der Lettrétage zu Gast sein werden an diesem Abend der Musiker Ibrahim Keivo und die Künstlerin Alina Amer.

Ibrahim Keivo ist ein syrischer Sänger und Komponist aus der mesopotamischen Stadt Al-Hassakeh. Sein Werk ist durchdrungen von den Wurzeln traditioneller syrischer Musik und er ist einer der wenigen Sänger, welche die arabische, syrische, armenische und kurdische Musik weiterentwickelt und auf diese Weise das musikalische Erbe Nord-Syriens bereichert haben. Zudem ist er bekannt dafür landestypische Instrumente wie Buzug, Saz und Baghlama zu spielen. Keivo ist Preisträger der Goldenen Ornina des Syrischen Song Festivals. In ein Konzert kann man bereits
hier hineinhören!

Alina Amer wurde 1988 in Odessa geboren und lebt und arbeitet zurzeit in Berlin. 2012 schloss sie ihr Studium der Architektur und Städtebauplanung in Damaskus ab. 2013 zog sie wegen des Krieges nach Beirut und versuchte sich fortan durch verschiedene Kunstformen und Medien auszudrücken. Ihr Werk umfasst Mixed Media Malerei, Installationen, Performances, Videokunst und Theater. Amer beschäftigt sich vor allem mit den versteckten Untergrundstrukturen der Stadt, jenem System, welches all die Überreste unseres alltäglichen Lebens aufnimmt und verdaut. Einen Eindruck von ihrer Arbeit kann man hier gewinnen!

Nawras ist eine gemeinnützige Organisation in Berlin, die 2016 gegründet wurde um die Kontinuität der syrischen Kunst und Kultur zu fördern. Nawras öffnet Türen für syrische Künstler in Deutschland und schafft so ein anregendes Umfeld, um die aktive Teilnahme zu ermöglichen und die Möglichkeit für Kollaborationen zu fördern, damit Künstler unabhängig und interaktiv zusammen arbeiten können. Als unabhängige kulturelle Stiftung glaubt Nawras daran, sich den Veränderungen und Herausforderungen der heutigen Zeit an diesem Ort zu stellen, indem sie Kunst und Kultur als grundlegendes Menschenrecht und als ein mächtiges Mittel für den Dialog aufrechterhält. Von diesem Gedanken ausgehend arbeitet Nawras in einer deutschen Umgebung auf verschiedenen Arten und Weisen mit dem Glauben an gemeinsame Gerechtigkeit, Würde und Frieden.




Donnerstag, 21. Dezember 2017, 20:00 Uhr (Eintritt 5,-/ erm. 4,-)
Das innere Brennen
Lesung mit Narlan Matos

Der Wind des Südens weht wieder von irgendwoher aus mir - kraftvoll
So viele sind die Teile
So viele sind ich.


Die Lyrik Narlan Matos‘ brennt wie der Saharawind, aber kühlt auch gleichzeitig wie Wellen an der englischen Küste. Die Landschaft, die der brasilianisch-amerikanische Dichter vor den Augen des Lesenden entfaltet ist eine, die sich überall in der Welt Zuhause fühlt, die aus Gegenteilen und einem blinden Glauben in das gesprochene und geschriebene Wort erwächst. In der deutschen Erstübersetzung seiner Texte, von Britta Mönch-Pingel übertragen, stellt sich Narlan Matos am 21.12. dem Berliner Publikum vor.

Narlan Matos, geb. 1975 in Itaquara, Bahia, gilt als einer der bedeutendsten Nachwuchslyriker Lateinamerikas. Seine Lyrik wurde ins Slowenische, Italienische, Kroatische, Chinesiche, Vietnamesische, Englische, Litauische, Japanische, Hindi, Schwedische und Spanische übersetzt. Er nimmt zudem aktiv an verschiedenen Literaturprogrammen und Festivals in den USA und Europa teil und hat für seine Arbeit schon mehrere Auszeichnungen der Literatur- und Kunstkritik bekommen. Er ist Professor an der George Washington University. Wer mehr über Narlan Matos erfahren möchte, kann gern seine Seite besuchen: Er ist Professor an der George Washington University. Wer mehr über Narlan Matos erfahren möchte, kann gern seine Seite besuchen:
www.narlanmatos.com




Freitag, 22. Dezember 2017, 20:00 Uhr (Eintritt 5,-/ erm. 4,-)
Metapher in der Zeit der Metamoderne
Lesung und Gespräch mit Ilya Kutik und Dmitri Dragilew

„Bis heute gibt es unterschiedliche Auffassungen des russischen Metarealismus in Hinsicht darauf, was diese Schule ausmacht, wie sie entstanden ist, wer zu den „Vätern“ gehörte, sogar wie sie eigentlich heißen sollte,“ – schreibt Dmitri Dragilew in seinem Essay „Geheimtipp Meta-Meta“. Der Schule wurde manchmal eine kalkuliert intellektuelle und dabei rabelaisianisch-ornamentalistische Überladenheit vorgeworfen. Aber selbst wenn gezierter und gezielter „Barock“ sich immer noch zeigt, vor allem sind es Phantasie und Intuition, phonetische Stimmigkeit und energisch-dynamische Metaphorik, die dem nüchternen Minimalismus der Zeitenwende mit seinen mitunter allzu sachlichen und exakten Inhalten trotzen. Dass die Strömung nach wie vor nicht nur existiert, sondern sich aktiv in den literarischen Diskurs einmischt, zeigen neueste Publikationen über Metamodernismus, eine aktuelle Entwicklung und Fortsetzung des metarealistischen Paradigmas im XXI. Jahrhundert: Die verschachtelte und labyrinthische Metametapher, die für Verbindungen zuständig ist, trifft auf die Metamoderne, in der keine Verbindungen widersprüchlich sind. „Die Konstellation wird nur beim Erscheinen der Schüler ihre Fülle finden“, meinte einst Alexej Parstschikow. Zu den Schülern zählt auch Dragilew selbst, der bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten in Deutschland und seit 2005 in Berlin lebt. Der zehn Jahre ältere Ilya Kutik lebt seit 1995 in den USA und gehört zu den Metarealisten der ersten Stunde. Er war allerdings der jüngste der Ur-Generation, ein Kommilitone von Parstschikow am Gorki-Literaturinstitut, und obwohl er beinahe zeitgleich mit ihm debütierte, ist er nach wie vor einer der erfolgreichen Entdeckungsreisenden durch die Metapherwelten. Die Gedichte werden im Original und in der deutschen Übersetzung präsentiert. Moderation und deutsche Nachdichtungen: Sergej Gladkich und Hendrik Jackson.

Ilya Kutik (*1961) ist ein russischer Dichter, Essayist und Übersetzer, Absolvent des Gorki-Literaturinstituts. In Lviv geboren, lebte er in Moskau und Schweden, seit Mitte der 90er Jahre in Chicago, USA. Dr. Phil. der Uni Stockholm, Prof. der Uni von Chicago. Verfasser einer zweisprachigen Online-Anthologie der russischen Poesie: "Von den Zweigen zu den Wurzeln". Kutik ist einer der Gründer der Schule des Metarealismus. Seine Gedichte wurden in 19 Fremdsprachen übersetzt. Literaturkritiker bezeichnen ihn als Virtuosen der Versifikation.









Dmitri Dragilew, (*1971) ist ein russischer Dichter und Essayist, Musiker und Bandleader, Übersetzer und Journalist. Geboren in Riga, lebt er seit Mitte der 90er Jahre in Deutschland. Er ist einer der Initiatoren der Berliner literarischen Gruppe SAPAD NAPERJOD (KdW-Kehrseite des Westens). Bisher sind sechs Gedichtbände, ein Essayband zur Geschichte des russischen Tangos und die Biographie des Jazz-Musikers Eddie Rosner erschienen; darüber hinaus zahlreiche Publikationen in internationalen Literaturzeitschriften und Anthologien.

Dies ist eine Veranstaltung der Vereinigung russischsprachiger Autoren Deutschland e.V.