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Dezember 2012


Samstag, 1. Dezember 2012, 19:30 Uhr, Eintritt 5,-/4,-Euro
Verlagspräsentation: edition AZUR

Es lesen die Autoren Nancy Hünger, Sascha Kokot und Stephan Turowski


Vor knapp acht Jahren ging die edition AZUR mit einem Langgedicht von Jan Volker Röhnert an den Start. Der Anspruch: ein Podium für Autoren zu schaffen, die jenseits von Cliquen und Diskursmoden schreiben. Ein Podium für die Versprengten und Vereinzelten, die nicht „Teil der Bewegung“ sind und sich – wenn es der Text erfordert – auch mal aus der sicheren Deckung ihres Könnens herauswagen. Zwischen damals und heute liegen 25 hingebungsvoll gestaltete Bücher von Autoren wie Nancy Hünger, Julia Schoch, Sudabeh Mohafez oder Stephan Turowski. Viel Lyrik, etwas Kürzestprosa und das vom Feuilleton gern belächelte Genre des Aphorismus stehen im Mittelpunkt des Interesses.

Ein Verlag steht und fällt mit seinen Autoren – und deshalb bestreiten sie auch einen Großteil des AZUR-Abends in der Lettrétage. Nancy Hünger (Erfurt) liest ihrer Erzählung Halt dich fern und nimmt ihre Zuhörer mit auf eine poetische Expedition an den Nullpunkt des Erzählens. Stephan Turowski liest aus dem pechschwarzen Band Glückwunsch zur Wunde –Gedichte, die bei aller echten Trauer das Lächeln über die absurde Komödie durchscheinen lassen, die wir noch im Schmerz mit uns selber spielen – und über die Freude die uns das bereitet. Verleger Helge Pfannenschmidt denkt laut über das Selbstverständnis des Verlags nach und erzählt die Geschichten hinter den Büchern.

Nancy Hünger, geboren 1981, studierte Freie Kunst an der Bauhaus-Universität Weimar und verschrieb sich danach ganz der Literatur. Sie lebt als freie Autorin und Bibliomanin in Erfurt. Im Herbst 2008 erhielt sie ein Hermann-Lenz-Stipendium, 2012 das Dürener Förderstipendium Lyrik. Im Jahre 2011 war sie Jenaer Stadtschreiberin.

Stephan Turowski, 1972 in Bremen geboren, aufgewachsen in der Nähe von Hannover und im Schwarzwald, lebt und arbeitet in Kiel. Nach Studienjahren in Tübingen arbeitete er lange als Musikkritiker für regionale und überregionale Medien und bekam 2005 das Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg zugesprochen.

Der Lyriker Sascha Kokot wurde 1982 in Osterburg geboren und studiert am Deutschen Literaturinstitut, Leipzig, und ist dort u.a. Mitorganisator der Lesereihe "Hausdurchsuchung". Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien, zuletzt das Arbeitsstipendium der Kulturstiftung des Freistaats Sachsen. Nach zahlreichen Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien erscheint sein erster eigener Gedichtband Rodung 2013 in der edition AZUR.



Mittwoch, 5. Dezember 2012, 19:30 Uhr, Eintritt 5,-/4,-Euro
Troubled: A Memoir In Poems And Fragments

Lesung des kanadischen Dichters RM Vaughan


Troubled: A Memoir In Poems And Fragments ist ein ungewöhnlicher Hybride zwischen Gedichtband und autobiografisch-dokumentarischem Text, der sich eindeutigen Zuordnungen entzieht. Bei Erscheinen hat das Konfessionenbuch vor allem aufgrund seiner Thematik, einer skandalösen Missbrauchsgeschichte zwischen Therapeut und Patient, sowie wegen seiner offenen sexuellen Sprache für Diskussionen gesorgt. Leicht geht dabei die literarische Dimension der innovativen Sprache und Form unter, die an diesem Abend im Vordergrund stehen soll.

RM Vaughan, geboren 1965 in Saint John, Kanada, lebt in Toronto und Berlin. Er ist Videokünstler und schreibt Theaterstücke, Prosa und Lyrik. Sein erfolgreiches Buch Troubled: A Memoir in Poems And Fragments, von 2008 sorgte in seiner Heimat für Kontroversen. Derzeit arbeitet er an seinem dritten Roman.












Samstag, 8.Dezember 2012, 19.30Uhr, , Eintritt 5,-/erm. 4,- Euro
Die Beschwörung des Zeitgeistes – Aphorismen und Kurzgeschichten

Mit Sven Bremer und Tolya Glaukos. Musik: Kristian Salewski


Sven Bremer, geboren in Bernau bei Berlin, ist Autor und Illustrator. Er debütierte 2003 mit dem Roman Lächeln, darauf folgten die Romane Ich, Du, Er (2007), Strandgut (2009) und Augenblicke (2010). Als gelernter Grafiker und Mitbegründer der Künstlergruppe "Zerrpeleptic", veröffentlicht er neben Prosa und experimenteller Literatur auch Illustrationen, Grafik-Zyklen und Comics aus eigener und fremder Feder. Im Februar des Jahres 2010 gründete Sven Bremer einen eigenen Verlag (www.svenbremerverlag.de), der sich vor allem jungen, unbekannten Künstlern widmet. - Sven Bremer liest Kurzgeschichten aus Strandgut.
Strandgut ist eine Sammlung aus 19 Kurzgeschichten, überraschend, skurril und so verschieden voneinander wie die Objekte, die das Meer von Zeit zu Zeit an den Strand spült. „Ein Gott namens Heiko, der sich mit seinen Schöpfungen herum plagt, ein surrealer Spaziergang, der immer irgendwie mit dem Energy-drink Eos zu tun hat und ein Kind, das im Supermarkt gekauft und wieder reklamiert werden kann“ - scheinbar unwirkliche Themen mit surrealistischen Anstrich, die aber immer wieder die Brücke zum Hier und Jetzt schlagen.

Tolya Glaukos, war im Jahre 2006 bereits einmal als Gast in der Lettrétage zu sehen. Er veröffentlichte Beiträge in zahllosen Zeitschriften und Anthologien. Neben Die Junggesellenmaschine (2003) und Das heiße Blut der Chillischoten (2006) erschien 2010 der Roman Die Bienen des Unsichtbaren. Mit Erzählungen und Aphorismen wird er seinen Teil zur Beschwörung des Zeitgeistes beitragen.
Musikalisch unterstützt wird die Reise mit experimentellen Klangeffekten von Kristian Salewski.




Mittwoch, 12. Dezember 2012, 19:30 Uhr, Eintritt 5,-/4,-Euro
Ein Abend in Gelb und Blau

David Wagner und Gisela Trahms lesen aus ihren Texten


Gelb strahlen die SuKuLTuR – Schöner-Lesen-Hefte, gerade ist wieder ein neues, von David Wagner herausgegebenes erschienen (In diese Arme paßt viel Licht – Neue finnische Lyrik). Sanftes Blau kleidet die Zeitschrift Am Erker, in der Gisela Trahms’ Erzählung Verschwinden erschien. Aber zu hören gibt es auch Klassisches und Unbekanntes, Andersfarbiges und Glitzerndes.

Gisela Trahms, geboren in Soest / Westfalen, studierte Germanistik und Philosophie, veröffentlichte Kurzprosa und Erzählungen in Zeitschriften und bei SuKuLTuR („Die Schlangen wechseln die Ufer“, „Rauchen“). Sie lebt in Düsseldorf und schreibt für Literaturforen (Der Umblätterer, poetenladen, cultmag).




David Wagner, geboren 1971, wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Walter-Serner-Preis. Er lebt in Berlin. Im Jahr 2000 veröffentlichte er seinen Debütroman Meine nachtblaue Hose. Sein jüngster Roman, Vier Äpfel, stand auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2009.








Samstag, 15. Dezember 2012, 19:30 Uhr, Eintritt frei
„Gegenstimmen von uns / eine Art Telefonie"

Renate von Mangoldt liest Gedichte von Walter Höllerer
Simone Kornappel spricht über Walter Höllerers bisher unveröffentlichte Gedichte aus der aktuellen Ausgabe der randnummer


In den sechziger Jahren galt der Dichter Walter Höllerer als der große Wirbelwind des deutschen Literaturbetriebs. Als passionierter Zeitschriftenmacher und großer LiteraturImpresario versuchte er die Poesie in einem ganz buchstäblichen Sinn in Bewegung zu bringen. Bereits seine erste wegweisende Anthologie, die Gedichtsammlung Transit von 1956, markiert im Titel die Entschlossenheit zum Durchgang durch den "Steinwald des Gewohnten", wie es in einer Randnotiz des Bandes heißt. In Transit propagierte Höllerer vor allem den Ausbruch aus jenen Konventionen und Korsettierungen, die eine formal konservative und ästhetisch immobile Nachkriegsliteratur geschaffen hatte. Die offene Struktur der Anthologie Transit sollte dagegen die ideale Form für moderne Poesie vorführen: nämlich "da zu sein als Mosaik vieler Felder, in dem jeder Teil zu dem anderen in bewegliche, erfinderische Nachbarschaft treten kann". Und diese Form der beweglichen Nachbarschaft poetischer Elemente realisierte Höllerer später in seinen Gedichten des 1969 erschienenen Bandes Systeme, ein Buch, das noch zu entdecken ist in seiner epochalen Bedeutung für die Poesie der Gegenwart.

Gleich zwei Literaturzeitschriften, das sehr experimentierfreudige Literaturheft
randnummer und die dereinst von Höllerer selbst begründete Zeitschrift Sprache im technischen Zeitalter, haben nun bislang unveröffentlichte Gedichte aus dem Nachlass des 2003 verstorbenen Höllerer ausgegraben, die im Umfeld des Bandes Systeme anzusiedeln sind. Der Berliner Dichter und Veranstaltungsmacher Tom Bresemann hat vor einiger Zeit im Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg ein Typoskript mit Höllerer-Gedichten gefunden, die vielleicht auch wegen ihrer formalen Kühnheit nie zur Veröffentlichung gelangt waren.
Michael Braun, Zeitschriftenlese Oktober 2012

Wir freuen uns sehr, dass Renate von Mangoldt eine Auswahl der unveröffentlichten Gedichte Walter Höllerers lesen wird. Im Anschluss spricht die Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift "randnummer" Simone Kornappel über Walter Höllerers bisher unveröffentlichte Gedichte aus der aktuellen Ausgabe.

Renate von Mangoldt (*15.12.1940) ist mit Ihrer fotografischen Arbeit als Chronistin der jüngeren deutschen Literatur seit den 1960er Jahren bekannt geworden. Sie folgte Walter Höllerer in sein neu gegründetes "Literarisches Colloquium" (LCB) nach Berlin und wendete sich fortan der Portrait-Fotografie zu. Ihr besonderes Augenmerk lag nun - stets in Schwarzweiß - auf dem Ablichten von Autorinnen und Autoren. Portraitiert hat sie beispielsweise Ingeborg Bachmann, Paul Celan, Uwe Johnson, Heiner Müller und Günter Grass.



Mittwoch, 19. Dezember 2012, 19:30 Uhr, Eintritt 5,-/4,- Euro
Der Seemann mit den Morgenpferden unter dem Gewand

Deutsch-galicisch-isländische Lesung mit Elías Portela
Lesung der deutschen Übersetzung: Denis Abrahams


Mit einer stilvollen Mischung aus Lesung und Gesang stellt Elías Portela seine isländische und galizische Lyrik vor. Seine Texte sind meist kurz und kurzweilig zugleich, wirken komplex und symbolisch und regen auf zurückhaltende Weise zum Nachdenken an. Portela stellt Geschlechterrollen in Frage, verzerrt unsere alltägliche Wahrnehmung und führt uns in ein Reich der Seefaahrer, wo Humor und Erotik ins Netz gehen.

Elías Portela wurde 1981 im galizischen Cangas do Morrazo in Spanien geboren. Neben den galizischen Gedichtbänden Imaxes na Pel(2009) und Cos Peitos Desenchufados (2010) veröffentlichte er zuletzt unter dem Pseudonym Elías Knörr in isländischer Sprache den Band Sjóarinn með Morgunhestana undir Kjólnum. Die englische Poetry Society ernannte den Inkognito-Galizier daraufhin zu einem der drei wichtigsten aktuellen isländischen Dichter. Unter anderem übersetzte er zudem Texte der preisgekrönten isländischen Autoren Auður Ava Ólafsdóttir, Sjón und Einar Már Gudmundsson ins Spanische bzw. Galizische und experimentiert mit einer selbst entwickelten Kunstsprache namens Lwyma. 2010 wurde er mit dem Literaturpreis "Xohán de Cangas" ausgezeichnet.

Denis Abrahams, geboren 1974 in Wiesbaden, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Bereits während des Studiums spielte er am Staatstheater Mainz. Weitere Stationen waren u.a. das Staatstheater Wiesbaden, die Oper Frankfurt, Stuttgart und das Theater der Stadt Koblenz. Seit Mitte der Neunziger Jahre tritt Denis Abrahams als Rezitator und Vorleser auf und hat sich seither ein breites Repertoire erarbeitet. Seit 2004 lebt und arbeitet Denis Abrahams als freier Sprecher und DJ in Berlin und hat bereits in zahlreichen Hörspielen mitgewirkt.