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Dezember


Mittwoch, 1. Dezember 2010, 19:30 Uhr, Eintritt frei
Luces in the sky[pe] – Junge Autoren aus Spanien (VII)
Pablo Gutiérrez: Relikte von Flügeln

Mit Pablo Gutiérrez und Denis Abrahams


‚Luces in the sky[pe]‘ holt Glanzlichter der jungen spanischen Literatur auf das Parkett der Lettrétage. Acht handverlesene Autoren der Jahrgänge 1970-78 können mit ihren Prosatexten erstmals auf deutsch entdeckt werden: Eine Autorenlesung via Videoübertragung, eine Schauspielerlesung der eigens dafür angefertigten Übersetzungen und ein Autorengespräch mit Dolmetscher via Skype gestalten den Abend. (Für die Veranstaltungen sind keine spanischen Sprachkenntnisse erforderlich.)

"Der Roman ‘Rosas, restos de alas’ ist eine der großartigsten Überraschungen, die die junge Literatur dieses Landes hervorgebracht hat", schreibt der spanische Literaturkritiker David Pareja. "Der mit spitzer Feder und einem, für einen Debütroman außergewöhnlichen Sprachbewusstsein verfasste Roman von Pablo Gutiérrez erforscht die Abgründe, die sich auftun, wenn ein Dreißigjähriger sich zum ersten Mal in seinem Leben mit der Einsamkeit und einer scheiternden Ehe konfrontiert sieht. Mit dem Meer und mit dem Südwind, der es bewegt, und der symbolhaft für die dem Leben eigene Bewegung steht, gelingt Pablo Gutiérrez komplexer und poetischer, beinahe experimenteller Roman, ohne deshalb dem Leser Schwierigkeiten in den Weg zu legen; der Roman lässt sich in einem Zug durchlesen. Der Autor begibt sich, auf der Suche nach seiner gebrochenen, verletzten Identität auf eine Wanderung durch die Erlebnisse seiner Kindheit und Jugend. Aber die Gebrochenheit wird nicht in einer vollkommen apokalyptischen Darstellung, sondern mit einer glänzenden Sprache und zahlreichen wunderschönen Bildern dargestellt. Dank der sprachlichen Schönheit des Romans gelingt es dem Autor, zu zeigen, dass es möglich ist, mithilfe der Literatur die Wirklichkeit zu überschreiten." (Clone Magazine Mai/Juni 2008)

Pablo Gutiérrez, 1978 in Huelva geboren, hat Journalistik an der Universität Sevilla studiert. Er ist Gymnasiallehrer für spanische Sprache und Literatur. Werk: Carne de cerdo (Drama, 2001), Rosas, restos de alas (Roman, 2008), Nada es crucial (2010). Auszeichnungen: Finalist in der Endrunde des Dramatikerpreises „Premio Miguel Romero Esteo de dramaturgia“ 2001. Für seinen Debütroman Rosas, restos de alas erhielt er den „Premio Tormenta“ 2009 der spanischen Literaturkritiker für den besten jungen Autor spanischer Sprache. Nachdem vor wenigen Wochen sein neuster Roman Nada es crucial erschienen ist, wurde er außerdem von der renommierten englischen Literaturzeitschrift Granta als einer der 22 besten jungen Erzähler spanischer Sprache ausgewählt.



Denis Abrahams geboren 1974 in Wiesbaden, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Bereits während des Studiums spielte er am Staatstheater Mainz. Weitere Stationen waren u.a. das Staatstheater Wiesbaden, die Oper Frankfurt, Stuttgart und das Theater der Stadt Koblenz. Seit Mitte der Neunziger Jahre tritt Denis Abrahams als Rezitator und Vorleser auf und hat sich seither ein breites Repertoire erarbeitet. Seit 2004 lebt und arbeitet Denis Abrahams als freier Sprecher und DJ in Berlin und hat bereits in zahlreichen Hörspielen mitgewirkt.

Die Reihe wird unterstützt vom spanischen Kulturministerium, der spanischen Botschaft in Berlin, Pro Spanien und der Arbeitsgemeinschaft literarischer Gesellschaften (ALG).







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Samstag, 4. Dezember 2010, 19:30 Uhr, Eintritt 5,- €
Cornelia Travnicek: Fütter mich

Autorenlesung


Die junge österreichische Autorin stellt ihren aktuellen Erzählband vor. Das autistische Kind mit der Vorliebe, bunte Gegenstände zu verspeisen, die Frau, die sich bis zur Bewegungsunfähigkeit mästen lässt, der Junge, der in seinem verzweifelten Verlangen nach Zuneigung entgleist – Cornelia Travnicek erzählt von Menschen, denen der Hunger im Nacken sitzt: der Hunger nach Anerkennung, Schönheit und Liebe. Sie alle kennen das brennende Gefühl in der Magengegend nur zu gut, in das sich nicht selten die Wut mischt … Travnicek weiß mit den Mitteln der Sprache geschickt zu operieren. Der Patient: eine Realität, die sie dem Leser gefährlich nahe an den Leib schreibt. Aus wechselnden Perspektiven schildert sie intensive Szenen, die stets ihrem höchsten Ziel verpflichtet bleiben: Geschichten zu erzählen, die ihre angestammten Grenzen überschreiten und die Lektüre zur Begegnung mit dem Leben anwachsen lassen.

Foto: Herrmann Rauschmayr

Cornelia Travnicek ist 1987 in St.Pölten, Niederösterreich, geboren und lebt in Traismauer, Wien und auf der Zugstrecke dazwischen. Sie hat die HTL St.Pölten in der Abteilung für Elektronik besucht, dann studierte sie an der Universität Wien Sinologie und Informatik. Cornelia Travnicek wird von der Literarischen Agentur Simon vertreten. Sie wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit der Autorenprämie des BMUKK und dem Hans Weigel-Literaturstipendium.

Letzte Publikationen:
Fütter mich, Prosa, Skarabaeus 2009 How I fucked Jamal, Anthologie, (Herausgeberin, gemeinsam mit Mieze Medusa), Milena 2010

www.corneliatravnicek.com



Dienstag, 7. Dezember 2010, 19:30 Uhr, Eintritt 5,- €
Closed Maik - Losers on Fire

Von und mit Philip Maroldt, Jan Skudlarek und Stephan Reich


Der open mike ist vergangen, und wieder hat er Opfer gefordert. Wir sammeln die ausgemusterten Dichter von der Straße ein, bewahren sie vor dem Sperrmüll (wenn auch nicht zwangsläufig vor Hartz IV) und werfen sie dem Streichelzoo des Berliner Literaturpublikums erneut zum Fraß vor. Stephan Reich, der heiße Debütant und die unbestreitbare Nummer 1 des 18. open mike. Jan Skudlarek, der Anakin Skywalker der Lyrikszene. Philip Maroldt, der wahre Meister der Kälte voller Nachhall poetischer Wärme – gemeinsam feiern sie ihre Niederlage gegen Österreich und die Schweiz. Garantiert garniert mit englischen Satzfetzen, homeboy. word!

Jeder, der sich als (ehemaliger) Verlierer oder eine von denen outet, die gar nicht eingeladen wurden, bekommt ein Überraschungsei. Trostpreise für die Autoren sind willkommen. Füttern verboten.



Mittwoch, 8. Dezember 2010, 19:30 Uhr, Eintritt frei
Luces in the sky[pe] – Junge Autoren aus Spanien (VIII)
Pilar Adón: Der grausamste Monat

Mit Pilar Adón und Karen Sünder


‚Luces in the sky[pe]‘ holt Glanzlichter der jungen spanischen Literatur auf das Parkett der Lettrétage. Acht handverlesene Autoren der Jahrgänge 1970-78 können mit ihren Prosatexten erstmals auf deutsch entdeckt werden: Eine Autorenlesung via Videoübertragung, eine Schauspielerlesung der eigens dafür angefertigten Übersetzungen und ein Autorengespräch mit Dolmetscher via Skype gestalten den Abend. (Für die Veranstaltungen sind keine spanischen Sprachkenntnisse erforderlich.)

Wer Pilar Adón liest, darf sich auf nichts verlassen. Nichts ist so, wie es scheint: die Idylle eines Waldspaziergangs offenbart sich als Horrorszenario, freundschaftliche Sorge als Machtgebaren, Zärtlichkeit als Grausamkeit, Sensibilität als subtile Manipulation. In ihrem neuen Erzählband „Der grausamste Monat“ (in Spanien im April 2010 erschienen) versammelt Pilar Adón eine Palette haarfeiner psychologischer Beobachtungen, die sie mit handwerklicher Perfektion minutiös ausarbeitet. Oft sind es langjährige, fast schicksalshafte Beziehungen, wie das sichere Ersticken in der elterlichen Fürsorge eines kleinen Jungen, der vor einer vermeintlich bösen Außenwelt beschützt werden muß. Der Rückzug in abgeschlossene Räume oder abgelegene Häuser, in Natur ohne menschliche Zivilisation, bildet die Kehrseite. Doch bietet auch dies keine Sicherheit, denn die tiefsten Abgründe liegen in der menschlichen Seele, in Erfahrungen, in der eigenen Vergangenheit. So läßt Pilar Adón, die unter anderem auch Henry James übersetzt hat, immer wieder das Rätselhafte und Geheimnisvolle in ihre Geschichten einziehen: leise, subtile Töne des Abgründigen und Unheimlichen, die ihre Leser in den Bann ziehen und so schnell nicht wieder loslassen.

Pilar Adón, 1971 in Madrid geboren, hat Rechtswissenschaften an der Universität Complutense von Madrid studiert. Sie scheibt regelmäßig Kolumnen für die Tageszeitung La Razón und ist Mitarbeiterin des Verlags Impedimenta. Neben zahlreichen Romanen und Erzählungen, veröffentlicht sie ebenfalls Lyrik. Für ihren Debütroman „El hombre de espadas“ erhielt sie den Literaturpreis „Ópera Prima de Nuevos Narradores“ (1999). Ihr Erzählband Viajes Inocentes (2005) wurde vom spanischen Rundfunk mit dem renommierten „Premio Ojo Crítico“ ausgezeichnet. Zuletzt erschien El mes más cruel (2010). Sie übersetzt aus dem Englischen, u.a. Edith Wharton, Henry James.

Karen Sünder Lebt als freie Schauspielerin und Sprecherin in Berlin. Nach einer klassischen Ballettausbildung und einem Studium der Theaterwissenschaft absolvierte sie ihre Schauspielausbildung in Paris und Berlin, u.a. bei Jacqueline Duc und Johannes Hitzblech. Theaterengagements führten sie u.a. an das Théâtre de l´Europe in Paris, die Bayreuther Festspiele, die Städtischen Bühnen Münster oder das Berliner Hebbel am Ufer. Karen Sünder ist ausgebildete Studiosprecherin und nicht nur bei regelmäßigen Livelesungen zu hören, sondern auch in diversen Hörbuchproduktionen, sowie im Voiceover- und Synchronbereich.

www.karen-suender.de

Die Reihe wird unterstützt vom spanischen Kulturministerium, der spanischen Botschaft in Berlin, Pro Spanien und der Arbeitsgemeinschaft literarischer Gesellschaften (ALG).







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Sonntag, 12. Dezember 2010, 17:00 Uhr, Eintritt frei
IM HEILIGKEITSGEDRÄNGE
Neue Weihnachtsgedichte

Buchpremiere mit Glühwein und Gebäck


Kein Zweifel: Weihnachten lebt! Gibt es ein besseres Geschenk zu Weihnachten als Handgemachtes mit Gedichten drin? Ja klar, außer Geld. Eben. Der Verlag Lettrétage lädt zur Präsentation der Anthologie Im Heiligkeitsgedränge. Neue Weihnachtsgedichte. Herausgeber Tom Bresemann hat Gedichte von aktuellen LyrikerInnen versammelt, u.a. Nora Bossong, Daniela Seel, Jan Wagner, Hendrik Jackson, Simone Kornappel, Björn Kuhligk, Andreas Altmann, Kurt Drawert, Philip Maroldt, Andre Rudolph, Birgit Kreipe. Zum Nachmittagskaffee werden ausgesuchte Exemplare vor Ort handgebunden, sowohl von einigen der beteiligten AutorInnen als auch vom Publikum, also Ihnen, so Sie Lust dazu haben. Eine wunderbare Möglichkeit, neben dem Handwerk des Buchbindens auch das Team der Lettrétage und einige der in der Anthologie versammelten LyrikerInnen aus der Nähe und persönlich zu erleben.

Zum Abend hin geben die versammelten AutorInnen dann in einer kleinen Lesung einige der Weihnachtsgedichte zum Besten. So ist der geplante Abend mehr als nur ein nettes Beisammensein in besinnlicher Zeit. Er ist eine Einladung zur Gegenwart.

Selbstverständlich wird Im Heiligkeitsgedränge. Neue Weihnachtsgedichte (8,-€, ISBN 978-3-9812062-4-1) vor Ort zu erwerben sein.



Montag, 13. Dezember 2010, 19:30 Uhr, Eintritt 5,- €
Barto Smith: Eine Frau griechischer Herkunft u.a.

Autorenlesung mit Barto Smith und Rainer G. Schmidt


Foto: Eric Brissaud

Barto Smith, weltbekannt auch als Pianist unter dem Namen Tzimon Barto, wurde 1963 in Eustis (Florida) geboren und erhielt bereits mit fünf Jahren seinen ersten Klavierunterricht. Nach seinem Studium an der berühmten New Yorker Juilliard School feierte er zahlreiche riesige Erfolge als Konzertpianist und Dirigent. Insbesondere in den letzten Jahren betätigt sich Barto Smith, der beeindruckende acht Sprachen beherrscht (neben Latein, Altgriechisch und Hebräisch unter anderem auch Deutsch), auch intensiv als Autor von Prosa und Lyrik, insbesondere im Rahmen seines Projekts The Stelae, das nach Fertigstellung aus 3367 Gedichten und Prosa-Stücken bestehen soll - der Zahl der Bibelstellen, an denen der Name Gottes genannt wird. Der erste, bereits fertig gestellte Teil des Zyklus erschien auf Deutsch unter dem Titel Eine Frau griechischer Herkunft. Bei seinem Gastspiel in der Lettrétage werden Smith sowie der Übersetzer einiger seiner Werke Rainer G. Schmidt dieses Werk ebenso vorstellen wie den Roman Harold Flanders (Auszüge der Übersetzung erschienen im Schreibheft 70) und die Novelle DOT. Eine lyrische Szene (erschienen auf Deutsch 2009 in der Achilla-Presse).

Offizielle Internetseite von Tzimon Barto. Am 12.12.2010 gastiert Tzimon Barto in der Berliner Philharmonie.

Foto: © Renate von Mangoldt

Rainer G. Schmidt wurde 1950 im Saarland geboren, studierte Kunstgeschichte, Philosophie, Germanistik und Soziologie, 1976 Umzug nach Berlin (West). 1978 begann er (zusammen mit Hans Therre) mit der Übersetzung des Gesamtwerkes von Arthur Rimbaud. In den weiteren Jahren beschäftigte er sich intensiv mit den Werken von Henri Michaux, Victor Segalen und Herman Melville. Ab 1993 entstanden wieder vermehrt Gedichte. 111 davon wurden in den 2000 erschienenen Band Der Fall Schnee aufgenommen. 1998 erhielt er den Paul-Celan-Übersetzerpreis.





Donnerstag, 16. Dezember 2010, 19:30 Uhr, Eintritt 5,- €
Markus Feldenkirchen: Was zusammengehört

Autorenlesung


Foto: Maurice Weiss / Ostkreuz

Ein Brief legt in Sekunden frei, was Benjamin jahrelang zu verdrängen versucht hat. Beim bloßen Anblick des Absenders kehrt er ins Jahr 1989 zurück, als die Mauer fiel und er bei einem Schüleraustausch in Irland sein Herz an die geheimnisvolle Victoria verlor. Genau so, mit derselben Adresse und ohne Namen, waren damals ihre heiß ersehnten Liebesbriefe eingetroffen. Inzwischen lebt Benjamin ein anderes Leben. Der Banker verdient hervorragend, hat eine Freundin, eine Geliebte und eine teure Wohnung, für deren Einrichtung er aber keine Zeit findet. Nun plötzlich, mit dem Brief in der Hand, kommt ihm nicht nur sein Zuhause leer vor. Benjamin steckt den Brief ungeöffnet in die Tasche und bricht zu einer Geschäftsreise nach Irland auf – lange kann er sich seiner Kraft jedoch nicht entziehen.

Das soll ein Erstling sein? Bitte nachmachen!
Sten Nadolny

Foto: Maurice Weiss / Ostkreuz

Markus Feldenkirchen, 1975 in Bergisch Gladbach geboren, studierte Politikwissenschaften, Geschichte und Literaturwissenschaften in Bonn und New York und absolvierte die Deutsche Journalistenschule in München. Seither arbeitet er als Redakteur und Reporter in Berlin, zunächst beim Tagesspiegel, seit 2004 beim Spiegel. Er gewann den "Axel-Springer-Preis" für Nachwuchsjournalisten, den Journalistenpreis der Körber-Stiftung sowie den deutsch-amerikanischen "Arthur-F.-Burns-Journalistenpreis".

www.markusfeldenkirchen.de



Samstag, 18. Dezember 2010, 19:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Datenschreiber: Ämter und Würden

Mit Nora Bossong und Matthias Scherwenikas
Die Reihe "Datenschreiber" wurde konzipiert von Philip Maroldt und Moritz Malsch
Verwirklicht mithilfe von Projektmitteln des Berliner Senats


Acht Daten, elf Autoren, rund sechzig Jahre Geschichte. Um den Nukleus eines mehr oder minder zufällig „Gegebenen“ (lat. datum) herum – sei es tragisch oder trivial, esoterisch oder paranoid – sammelt sich der Sternenstaub der Historie zu einem „schmutzigen Schneeball“.

Aber schreiben wir uns nicht alle von solchen Daten her? Und welchen Daten schreiben wir uns zu? (Paul Celan)

Verdrängung, fröhliches Nach-vorne-Schauen, gleichzeitig unbefangene Nutzung der Kontakte und Beziehungen "von damals" fürs eigene Vorankommen – diese Mechanismen prägten in den 1950er Jahren viele Bereiche der bundesrepublikanischen Gesellschaft. Nicht nur Wolfgang Koeppen und Rolf Hochhuth verzweifelten an der kollektiven Amnesie.

Ähnlich lagen die Dinge auch im diplomatischen Dienst. Vielleicht lädt der Berufsstand des Diplomaten ganz besonders zur Anpassung an die jeweils gegebenen Verhältnisse ein. Karrierediplomaten der Nazizeit hatten nach dem Krieg schon bald wieder Sektkelche in der Hand und parlierten mit Exzellenzen aus aller Welt. Die Wenigen innerhalb des diplomatischen Corps, die sich wie Fritz Kolbe klar und eindeutig gegen das Regime gestellt hatten, hatten keine Chance, ihre Laufbahn wieder aufzunehmen: Zu mächtig waren die alten Freundesbündnisse.

Jüngst wurde der Bericht der von Joschka Fischer eingesetzten Historikerkommission Das Amt und die Vergangenheit veröffentlicht. Bereits zuvor hatte sich Nora Bossong in ihrem hoch gelobten Roman Webers Protokoll (FVA, 2009) mit diesem Komplex beschäftigt, in dem der Karrierediplomat und Nazi-Mitläufer Weber um seine Wiedereinstellung kämpft und von den Schatten der Vergangenheit eingeholt wird. Zum Glück für ihn nur vorübergehend.

Bei der Veranstaltung erwartet Sie eine Collage aus historischen und literarischen Texten, vorgetragen von Nora Bossong und einem Schauspieler, begleitet von musikalischen Dokumenten, die die Geisteshaltung der Zeit widerspiegeln.

Nora Bossong, geboren 1982 in Bremen, lebt in Berlin. Studium am Deutschen Literaturinstitut, Leipzig, zahlreiche Stipendien und Preise. Von ihr sind bislang die Romane Gegend (2006) und Webers Protokoll (2009) sowie der Gedichtband Reglose Jagd (2007) erschienen. Ihr nächster Gedichtband Sommer vor den Mauern erscheint 2011 im Hanser Verlag.

Matthias Scherwenikas, geboren 1971 in Ost-Berlin, studierte Schauspiel am Max-Reinhardt-Seminar in Wien, Regie am GITIS in Moskau und am Michael-Tschechov-Institut in New York. (Er erhielt dafür jeweils Stipendien vom DAAD.) Er spielte und inszenierte unter anderem in Berlin, Hamburg, Wien, Salzburg, Moskau und New York. Er wirkte bei zahlreichen Lesungen, Rundfunk- und Hörbuchproduktionen mit und arbeitet regelmäßig als Schauspieler für Theater und Film/TV. Matthias Scherwenikas lebt als freischaffender Schauspieler und Sprecher in Berlin.

www.datenschreiber.net

Wir bedanken uns beim Berliner Senat für die finanzielle Unterstützung sowie bei den Medienpartnern Zitty und Radio Eins.







Lettrétage - Das junge Literaturhaus