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November 2012


Samstag, 3. November 2012, 19:30 Uhr, Eintritt frei
Visby

Barbara Slawig liest aus ihrem Roman
Buchpremiere in Zusammenarbeit mit Bloomsbury Berlin


Dhanavati war fünf, als ihre Mutter bei Visby von den Klippen sprang. Danach brach alles auseinander. Die spirituelle Kommune, in der sie gelebt hatten, löste sich auf, Eglund, der Kopf der Gruppe, wurde wegen Drogenhandels verhaftet. Sogar Adrian, der sich stets liebevoll um Dhanavati gekümmert hatte, ließ sie allein. Jetzt, über zwanzig Jahre später, will die junge Mathematikerin endlich Klarheit. Warum hat ihre Mutter Selbstmord begangen? Und wer ist ihr Vater? Adrian, der inzwischen mit Annika zusammenlebt? Oder der charismatische Guru Bengt Eglund?

Eine Spurensuche beginnt – und nimmt schnell eine bedrohliche Wendung, als sich herausstellt, dass Eglund inzwischen im internationalen Waffengeschäft tätig ist. Zwei Unbekannte heften sich an Dhanavatis Fersen, sie wird beschuldigt, Forschungsgeheimnisse ihres Instituts verraten zu haben. Plötzlich ist niemand mehr auf Dhanavatis Seite, und ihre Suche gerät zur Flucht.

Visby ist ein Roman darüber, dass jeder Mensch einen Anker braucht, eine innere Gewissheit, in diese Welt hineinzugehören – und darüber, wie verletzlich und manipulierbar uns diese Sehnsucht macht.

Barbara Slawig wurde 1956 in Braunschweig geboren, wuchs im Sauerland auf und lebt heute in Berlin. Sie studierte Biologie und schrieb eine Doktorarbeit über Meningitis-Epidemien, bevor sie der Wissenschaft den Rücken kehrte. Seit 1990 übersetzt sie englischsprachige Belletristik. Sie schreibt Erzählungen und Romane, häufig mit fantastischem Einschlag. Unter dem Pseudonym Carla Rot veröffentlichte sie 2009 und 2010 Kriminalromane. Für ihr literarisches Schaffen erhielt sie das Arbeitsstipendium des Berliner Senats.



Mittwoch , 7. November 2012, 19:30 Uhr, Eintritt 3,- Euro
Zeitschriftenpräsentation "alba – lateinamerika lesen" mit Marina Mariasch

Marina Mariasch liest aus ihrem Roman "El matrimonio. Lesung und Gespräch (sp./dt.).
Lesung der deutschen Übersetzung: Karen Sünder

Druckfrisch liegt die zweite Ausgabe von alba - lateinamerika lesen vor. Das Redaktionsteam von alba präsentiert die neue Ausgabe und mit ihr die argentinische Autorin Marina Mariasch, die in alba Nr. 1 einen Auszug aus ihrem Roman El matrimonio veröffentlicht hat. Im Anschluss an die zweisprachige Lesung (sp./dt.) führen die Redakteure der Zeitschrift ein Gespräch mit Marina Mariasch (spanisch mit deutschem Dolmetscher).

„In Paarbeziehungen liegt das Wesentliche im Verborgenen und sollte es im Sinne der Hauptbeteiligten auch bleiben“ – so beginnt El matrimonio, der verdichtete Roman von Marina Mariasch, der sich im Folgenden dann genau dem Gegenteil dieser Behauptung widmet. Mit scharfem literarischem Skalpell untersucht Mariasch das Eheleben eines Paares und legt dabei Schicht um Schicht einer vorgeblich vertrauten Situation frei, die auf dem poetischen Seziertisch der Argentinierin eine erstaunliche Transformation erfährt. Die Vermessung der Ehe, die jenseits der Hauptschlagadern von Mann und Frau auch die Verästelungen des Zusammenlebens in Gestalt von Themen wie Mutterschaft, Verführung und Einsamkeit unters Mikroskop legt, schafft eine ganz eigene Serie von Fragmenten einer Sprache der Liebe in Zeiten der Krise. Von der Schmutzwäsche bis zum Frühstückstisch reicht das Kaleidoskop des Ehealltags, das Mariasch in einem Text entwirft, der elegant auf dem Drahtseil der Gattungen zwischen Novelle, Gedicht und Essay balanciert und in dessen Mosaiken unaufhörlich die poetische Gewandheit der argentinischen Lyrikerin aufscheint, die mit El matrimonio ihren ersten und in der Presse ihres Heimatlandes hochgelobten Roman vorgelegt hat.

Marina Mariasch (Buenos Aires, Argentinien, 1973) studierte Literatur- und Kulturwissenschaft und wurde in Argentinien vor allem als Lyrikerin bekannt. Sie veröffentlichte die Gedichtbände coming attractions (1997), XXX (2001) und tigre y león (2005) im Lyrikverlag Siesta, den sie selbst gründete und stellvertretend leitete. 2009 veröffentlichte der Verlag Vox ihr Buch El zig zag de las instituciones. Ihre Erzählungen und Gedichte sind Bestandteil verschiedener Anthologien, einige Gedichte wurden auf Deutsch auf lyrikline.org und in der Anthologie Neue Argentinische Dichtung (luxbooks, Wiesbaden, 2010) veröffentlicht. El Matrimonio (2011) ist ihr erster Roman.

Karen Sünder studierte nach einer klassischen Ballettausbildung bei der Royal Academy of Dance Schauspiel in Paris und Berlin und absolvierte darüberhinaus ein Studium der Theaterwissenschaft und Komparatistik. Neben diversen freien Theaterprojekten führten sie Gastengagements unter anderem an die Städtischen Bühnen Münster, das Théâtre de l´Europe in Paris, die Bayreuther Festspiele und das Berliner Hebbel am Ufer. Seit 1999 lebt sie als freie Schauspielerin und Sprecherin in Berlin. Karen Sünder ist ausgebildete Studiosprecherin und nicht nur bei regelmäßigen Livelesungen zu hören, sondern auch in diversen Hörbuchproduktionen, sowie im Voiceover- und Synchronbereich.



Samstag, 10. November 2012, 19:30 Uhr, Eintritt 5,-/Erm. 4,- Euro
Schreibende Paare

Mit Judith Sombray + Herbert Hindringer// Christine Hoba + Christian Kreis
Moderation: André Schinkel


Über 40 Jahre ist es her, dass ein Dichterpaar (Sarah und Rainer Kirsch, 1965) einen ernst zu nehmenden gemeinsamen Band veröffentlich haben. Fixpoetry hat diese Schreib-Konstellation aufgegriffen und legt mit Nähekurs (Judith Sombray/Herbert Hindringer) und Dummer August und Kolumbine (Christine Hoba/Christian Kreis) gleich zwei Bände schreibender Paare vor. Ein Wagnis, intimes Terrain zu betreten, mutig und angreifbar.

Judith Sombray, geboren 1979, Diplom-Designerin, lebt und arbeitet als Illustratorin in Hamburg. http://milchkleid.de

Herbert Hindringer, geboren 1974, zuletzt erschienen: Distanzschule, Gedichte, yedermann 2007, lebt in Hamburg.








Christine Hoba, geboren 1961, Bibliothekarin, zuletzt erschienen: Die Waldgängerinnen, Roman, Mitteldeutscher Verlag 2010. Lebt in Halle/Saale.







Christian Kreis, geboren 1977, freier Autor. Zuletzt erschienen: In den Augen der Magersüchtigen, Fixpoetry Leseheft-Reihe 2009. Die Kolumne eingekreist erscheint monatlich auf Fixpoetry. Lebt in Halle/Saale.




Foto: © Nils-Christian Engel
André Schinkel, geboren 1972, lebt in Halle/Saale. Zuletzt erschienen: Parlando, Prosa, Essay, Quartus Verlag 2012.










Sonntag , 11. November 2012, 19:30 Uhr, Eintritt 5,-/erm. 4,-
panik · blüten

Buchpremiere mit Christian Schloyer

Schloyer stellt mit panik · blüten seinen zweiten Lyrikband vor, der im April im poetenladen Verlag erschienen ist. Nach dem vielgelobten KOOKbooks-Debüt spiel · ur · meere darf man sich auf neue Gedichte des „postmodernistischen Romantikers“ freuen – auf einen ungewohnten Unterton und teils deutliche Akzentverschiebungen. Wer Schloyer kennt, weiß eines gewiss: Das wird eine ungewöhnliche, verstrahlte Lesung.

„Morgen wirst du sagen, dass du gelebt hast, morgen wird alles gestern sein: Wenn sie erst jäh ist, diese Erkenntnis über das Jäh… wenn dieses Jäh jeden einzelnen Augenblick kontaminiert: mit Leben – wie kannst du bleiben (von ruhig ganz zu schweigen)? Wie nicht leben – verfallen – in lebendigste Panik?

Weil sich Angst (nicht mehr zu sein – schon jetzt nicht mehr zu sein: wie gerade eben) nicht besiegen lässt, wuchert sie, schlägt aus: treibt Blüten: Dich. Du bist! Wie unwahrscheinlich ist das: Du…

… lebst! Wohin? Wo Wurzeln schlagen, angesichts des doppelt Bodenlosen: des Nichtmehrseins – und des Seins? Wenn schon der Dichter darauf keine Antwort geben kann… soll er sich abspeichern, auslöschen, lebenslänglich, Wort für Wort. Soll er ins Wort fallen. Sei Abzählreim: du lebst dich, du lebst dich nicht… Quid pro quo. Alles verblüht.“


Christian Schloyer wurde 1976 in Erlangen geboren, wo er auch Philosophie studierte. Er lebt heute in Nürnberg und ist Mitbegründer von Wortwerk Erlangen, BLUMENFRESSER und LiteraturDing e.V.. Er gewann 2004 den open mike und erhielt u.a. den Leonce-und-Lena-Preis. Nach spiel • ur • meere (kookbooks, 2007) ist panik • blüten (poetenladen Verlag, 2012) sein zweiter Gedichtband. Derzeit Arbeit an einem Kinderbuch.








Dienstag, 27. November 2012, 19:30 Uhr, Eintritt frei
Soirée française I:
Meisterwerke der französischen Literatur neu übersetzt – Alexandre Dumas und Joris-Karl Huysmans

Es lesen die Schauspieler Karen Sünder und Denis Abrahams. Moderation: Matthias Müller-Lentrodt

Im Rahmen von Stadt, Land Buch 2012 und in Kooperation mit der Buchhandlung Am Mariendorfer Damm


Ob Madame Bovary, mit der Flaubert zu weltliterarischem Ruhm gelangte, oder die meisterhaften Erzählungen Maupassants, ob Dumas‘ skandalreiche Kameliendame oder die bislang unübersetzte Erzählung „Monsieur Bougran in Pension“ von Huysmans – der Bücherherbst 2012 lässt die französische Literatur des 19. Jahrhunderts mit einer stattlichen Anzahl von Neu- und Erstübersetzungen aufleben. Die Schauspieler Karen Sünder und Denis Abrahams tragen ausgewählte Textpassagen vor, die Moderation übernimmt der promovierte Romanist und Autor Matthias Müller-Lentrodt.

Paris im 19. Jahrhundert, rauschende Feste und Champagner: Marie Duplessis ist die Königin der Pariser Demi-Monde, die einzigen Blumen, die sie entgegennimmt, sind Kamelien – als Marguerite Gautier in Alexandre Dumas' Die Kameliendame wurde sie unsterblich. Bei seinem Erscheinen 1848 löste dieser Roman voller Tragik und Leidenschaft einen großen Skandal aus und wurde zum Bestseller. Verdis Vertonung La Traviata ist bis heute eine der meistgespielten Opern; Sarah Bernhardt und Greta Garbo feierten ihre größten Erfolge in der Rolle der hochherzigen Kokotte, die aus Liebe entsagt. Mit feinem Gespür für den Originaltext und seine Assoziationen und Stimmungen gelingt es der Übersetzerin Andrea Spingler, eine ausdrucksvolle und frische Sprache zu finden, die den Roman in seiner ganzen Modernität präsentiert.

Leseprobe aus Die Kameliendame
Übersetzt von Andrea Spingler, © 2012 Insel Verlag Berlin

Monsieur Bougran ist ein Ministerialbeamter, der mit seiner vorzeitigen Pensionierung nicht zu Recht kommt. Er bekämpft sein Unbehagen, indem er in seiner Wohnung das frühere Büro nachstellt und vorgibt, er wäre noch immer Beamter. Er heuert Herrn Huriot als Hilfskraft an, schreibt Briefe an sich selbst und bearbeitet fiktive Akten. – Joris-Karl Huysmans kannte das Bürokratenmilieu gut, er war selbst knapp vierzig Jahre lang Beamter, die Situation der Angestellten, die Dienstvorschriften und die unerträgliche Routine waren ihm vertraut. Aus intimer Kenntnis der Bürokratie entwirft er in Monsieur Bougran in Pension ein köstliches Porträt des Alltagslebens in den Ministerien. Gernot Krämer hat diese auch in Frankreich spät entdeckte Erzählung erstmals ins Deutsche übertragen.

Weitere Informationen zu Autor und Buch im Verlagsprogramm der Friedenauer Presse.

Karen Sünder studierte nach einer klassischen Ballettausbildung bei der Royal Academy of Dance Schauspiel in Paris und Berlin und absolvierte darüberhinaus ein Studium der Theaterwissenschaft und Komparatistik. Neben diversen freien Theaterprojekten führten sie Gastengagements unter anderem an die Städtischen Bühnen Münster, das Théâtre de l´Europe in Paris, die Bayreuther Festspiele und das Berliner Hebbel am Ufer. Seit 1999 lebt sie als freie Schauspielerin und Sprecherin in Berlin. Karen Sünder ist ausgebildete Studiosprecherin und nicht nur bei regelmäßigen Livelesungen zu hören, sondern auch in diversen Hörbuchproduktionen, sowie im Voiceover- und Synchronbereich.

Denis Abrahams, geboren 1974 in Wiesbaden, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Bereits während des Studiums spielte er am Staatstheater Mainz. Weitere Stationen waren u.a. das Staatstheater Wiesbaden, die Oper Frankfurt, Stuttgart und das Theater der Stadt Koblenz. Seit Mitte der Neunziger Jahre tritt Denis Abrahams als Rezitator und Vorleser auf und hat sich seither ein breites Repertoire erarbeitet. Seit 2004 lebt und arbeitet Denis Abrahams als freier Sprecher und DJ in Berlin und hat bereits in zahlreichen Hörspielen mitgewirkt.




Matthias Müller-Lentrodt, 1964 in Remscheid geboren, studierte an den Universitäten Heidelberg, München, Wien und Berlin Theologie, Philosophie, Germanistik, Theater- und Filmwissenschaft und Kunstgeschichte und promovierte 1996 an der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit über die Poetik des elsässischen Dichters Yvan Goll (Poetik für eine brennende Welt. Zonen der Poetik Yvan Golls im Kontext der europäischen Avantgarde, Bern u.a. 1997). Er lehrte an der Berliner Freien Universität und von 1996 bis 1998 an der Pariser Sorbonne deutsche Literaturgeschichte und Sprache. Matthias Müller-Lentrodt publizierte Gedichte und Aufsätze in verschiedenen Literatur- und Kunstzeitschriften.

Mit freundlicher Unterstützung von



Freitag, 30. November 2012, 19:30 Uhr, Eintritt frei
Soirée française II:
Meisterwerke der französischen Literatur neu übersetzt – Gustave Flaubert und Guy de Maupassant

Es lesen die Schauspieler Karen Sünder und Denis Abrahams. Moderation: Matthias Müller-Lentrodt

Im Rahmen von Stadt, Land Buch 2012 und in Kooperation mit der Buchhandlung Wilde


Ob Madame Bovary, mit der Flaubert zu weltliterarischem Ruhm gelangte, oder die meisterhaften Erzählungen Maupassants, ob Dumas‘ skandalreiche Kameliendame oder die bislang unübersetzte Erzählung „Monsieur Bougran in Pension“ von Huysmans – der Bücherherbst 2012 lässt die französische Literatur des 19. Jahrhunderts mit einer stattlichen Anzahl von Neu- und Erstübersetzungen aufleben. Die Schauspieler Karen Sünder und Denis Abrahams tragen ausgewählte Textpassagen vor, die Moderation übernimmt der promovierte Romanist und Autor Matthias Müller Lentrodt.

Madame Bovary ist eine der faszinierendsten Frauen der Weltliteratur. Sie lebt in der Provinz und träumt von großer Leidenschaft, großer Liebe und großem Leben. Gelangweilt von ihrer Ehe mit dem Landarzt Charles, sucht sie die ersehnten Erregungen bald im Ehebruch, doch sie scheitert an ihrem Verlangen und ihrer Umwelt. Als das Buch 1857 in Frankreich erschien, wurde Flaubert wegen „Unmoral“ der Prozess gemacht. Zugleich begann „Madame Bovarys“ Ruhm als der vollkommenste Roman der Geschichte und Gründungsroman der literarischen Moderne. Elisabeth Edl hat eine Neuübersetzung geschaffen, die zeigt, worin Flauberts unvergleichliche Modernität liegt.

Leseprobe aus Madame Bovary
Herausgegeben und übersetzt von Elisabeth Edl, © 2012 Carl Hanser Verlag München

Gustave Flaubert lobte Maupassants Erzählungen als "Meisterwerke der Komposition, der Komik und der Beobachtung." Sie spielen in Dörfern der Normandie, auf Bahnhöfen oder in Zügen, die am Meer zwischen Nizza und Marseille verkehren. Aus flüchtigen Begegnungen an diesen Orten entstehen schicksalhafte Wendungen. Mit Es geht schnell, das Leben! hat Karl-Heinz Ott eine Auswahl der interessantesten Geschichten Guy de Maupassants neu übersetzt.

Leseprobe aus Es geht schnell, das Leben!
Herausgegeben und übersetzt von Karl-Heinz Ott, © 2012 Hoffmann und Campe Verlag Hamburg

Mit freundlicher Unterstützung von