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November


Mittwoch, 3. November 2010, 19:30 Uhr, Eintritt: frei
Luces in the sky[pe] – Junge Autoren aus Spanien (V)

Óscar Esquivias. Kreidezeichen

Mit Óscar Esquivias und Denis Abrahams

‚Luces in the sky[pe]‘ holt Glanzlichter der jungen spanischen Literatur auf das Parkett der Lettrétage. Acht handverlesene Autoren der Jahrgänge 1970-78 können mit ihren Prosatexten erstmals auf deutsch entdeckt werden: Eine Autorenlesung via Videoübertragung, eine Schauspielerlesung der eigens dafür angefertigten Übersetzungen und ein Autorengespräch mit Dolmetscher via Skype gestalten den Abend. (Für die Veranstaltungen sind keine spanischen Sprachkenntnisse erforderlich.)

Schräg, surrealistisch, märchenhaft-magisch oder einfach völlig absurd sind die Erzählungen von Óscar Esquivias: Eine Mutter kocht ebenso leidenschaftlich wie manisch Püree und wird von ihrer Familie auf heroisch-komische Weise ertragen. Die russische Migrantin Dascha Paskualova Susinos sagt das Leben von Neugeborenen in ihrer Kleinstadt bis ins Detail voraus – und veröffentlicht diese Lebensläufe in der lokalen Tageszeitung neben den Todesanzeigen. Die Dimensionen schrumpfen schließlich auf ein Liliput-Land, wenn ein Ärzteteam auf der Suche nach einem seltenen Bazillus sich in den Rachen eines Patienten abseilt – oder ist es doch eine onirische Sequenz? Óscar Esquivias gelingt es, mit seiner prallen Fabulierkunst vor allem zu irritieren und infrage zu stellen. Mit der Gestaltung von ebenso alltäglich-realistischen wie bizarr-abseitigen Welten beschwört er die Macht der Fiktion. In völlig verschiedenen Stimmlagen, mal fragmentarisch, mal ausgefeilt, entwickelt Esquivias in seinen Erzählungen einen Sog, um den Leser gen Ende schließlich klug und behutsam in die Nachdenklichkeit zu entlassen.



Oscar Esquivias: 1972 in Burgos geboren. Er studierte an der dortigen Universität Philosophie und Literaturwissenschaften und widmet sich seither ausschließlich der Schriftstellerei. Er war Mit-Herausgeber der Literaturzeitschrift El Mono de la Tinta (1994-1998), gründete und leitete die Kulturzeitschrift Calamar (1999-2002). Er schreibt neben Romanen, Erzählungen und Essays auch Kinder- und Jugendbücher. Sein Roman Inquietud en el Paraíso erhielt 2006 den Premio de la Crítica de Castilla y León und wurde kürzlich von der Theaterschule in Cartagena szenisch umgesetzt. Derzeit arbeitet er an einem Roman über Berlioz.



Denis Abrahams, geboren 1974 in Wiesbaden, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Bereits während des Studiums spielte er am Staatstheater Mainz. Weitere Stationen waren u.a. das Staatstheater Wiesbaden, die Oper Frankfurt, Stuttgart und das Theater der Stadt Koblenz. Seit Mitte der Neunziger Jahre tritt Denis Abrahams als Rezitator und Vorleser auf und hat sich seither ein breites Repertoire erarbeitet. Seit 2004 lebt und arbeitet Denis Abrahams als freier Sprecher und DJ in Berlin und hat bereits in zahlreichen Hörspielen mitgewirkt.

Die Reihe wird unterstützt vom spanischen Kulturministerium, der spanischen Botschaft in Berlin, Pro Spanien und der Arbeitsgemeinschaft literarischer Gesellschaften (ALG).







Medienpartner:






Mittwoch, 10. November 2010, 19:30 Uhr, Eintritt frei
Luces in the sky[pe] – Junge Autoren aus Spanien (VI)

Óscar Sipán. Anzeichen von Niederlagen
Mit Óscar Sipán und Martin Heesch

‚Luces in the sky[pe]‘ holt Glanzlichter der jungen spanischen Literatur auf das Parkett der Lettrétage. Acht handverlesene Autoren der Jahrgänge 1970-78 können mit ihren Prosatexten erstmals auf deutsch entdeckt werden: Eine Autorenlesung via Videoübertragung, eine Schauspielerlesung der eigens dafür angefertigten Übersetzungen und ein Autorengespräch mit Dolmetscher via Skype gestalten den Abend. (Für die Veranstaltungen sind keine spanischen Sprachkenntnisse erforderlich.)

Als „Anzeichen von Niederlage(n)“, so der Titel des Erzählbandes, lassen sich die Geschichten von Óscar Sipán lesen, betrachtet man die gescheiterten Paarbeziehungen, die egozentrischen Trips sich selbst überschätztender Künstler, den grauen Alltag vorgezeichneter Lebensläufe in einem hemdsärmelig-machohaften Texas – aber auch als Glanzstücke sprachlicher Vielfalt und experimenteller Lust. Sipán ist ein Virtuose der Stimmlagen, kombiniert Ton und Inhalt, Erzählweise und Bild, mit einem cineastisch genauen Blick, der für jede Atmosphäre und Situation nach der idealen Kameraeinstellung sucht. Da kombiniert er historische Versatzstücke mit Tagebucheinträgen zu einer heimlichen Hommage an Onetti, dessen desolate Landschaften und einsame Figuren zweifelsohne für manche dieser skurril-fragmentarischen und unheimlichen Erzählungen Pate gestanden haben. Dann wieder läßt Sipán sein Aufnahmegerät mitlaufen, sammelt Stimmen, Atmosphären und vor allem Sprachmaterial ein, wenn in einem Radiointerview eine sensationslüsterne und indiskrete Journalistin den verzweifelten Hinterbliebenen zu einem Todesfall ausfragt. Und schließlich wird er ironisch und humorvoll, um aus der dichten und bedrängenden Stimmenvielfalt herauszuzoomen und Distanz zu schaffen, bis zur nächsten fokussierten Kameraeinstellung.



Óscar Sipán: 1974 in Huesca geboren. Autodidakt. Nach seine m Debütroman Rompiendo corazones con los dientes (1998) veröffentlichte er mehrere Romane und Erzählbände, unter anderem Leyendario Monstruos de agua (2004), Escupir sobre Paris (2005), Leyendario. Criaturas de agua (2007) und zuletzt den Erzählband Avisos de derrota (2008). Seine zahlreichen Auszeichnungen bei Literaturwettbewerben umfassen unter anderem den Literaturpreise Luis de Val (2010) und den Premio Nacional de Cuentos José Calderon Escalada (2005 und 2009). Seine Erzählung Il mondo mio, verfilmt von José Manuel Fandós und Javier Estella, wurde ebenfalls ausgezeichnet und wird im Oktober 2010 auf dem Internationalen Festival des fantastischen Films von Montevideo/Uruguay gezeigt. Óscar Sipán leitet den kaufmännischen Bereich des Verlags Tropo Editores.

Martin Heesch wurde 1964 geboren in Herrsching am Ammersee. Ausbildung an der Theaterakademie „Spielstatt Ulm“, seit 1989 freischaffend spielend auf Reisen (u.a. Theater Erlangen, Ulmer Theater, Theater Brett Wien, Admiralspalast Berlin,), ebenso im Kino und Fernsehen (u.a. Schlafes Bruder, Komissar Rex, Tatort, balko), zahlreiche Hörspiele, Lesungen und Theaterprojekte mit Kindern.

Die Reihe wird unterstützt vom spanischen Kulturministerium, der spanischen Botschaft in Berlin, Pro Spanien und der Arbeitsgemeinschaft literarischer Gesellschaften (ALG).







Medienpartner:






Donnerstag, 11. November 2010, 19:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Datenschreiber: Peeka Peeka

Von und mit Simone Kornappel und Andre Rudolph
Die Reihe "Datenschreiber" wurde konzipiert von Philip Maroldt und Moritz Malsch
Verwirklicht mithilfe von Projektmitteln des Berliner Senats


Acht Daten, elf Autoren, rund sechzig Jahre Geschichte. Um den Nukleus eines mehr oder minder zufällig „Gegebenen“ (lat. datum) herum – sei es tragisch oder trivial, esoterisch oder paranoid – sammelt sich der Sternenstaub der Historie zu einem „schmutzigen Schneeball“.

Aber schreiben wir uns nicht alle von solchen Daten her? Und welchen Daten schreiben wir uns zu? (Paul Celan)

peeka // 11.11.1951, salt lake city, "... and this year it’s thursday“ // kim peek lieferte die inspiration für den film "rain man". ein autist, wie ihn dustin hoff mann letztlich verkörperte, war er aber nicht. peek gilt als einer der bekanntesten menschen mit savant-syndrom, einer inselbegabung, die bei ihm so enorme fähigkeiten mit sich brachte, dass sein vater ihm den kosenamen "kimputer" gab [...] warum kims word für bastard aber beethoven lautet, we'll see // peeka


Simone Kornappel, geboren 1978 in bonn, mitherausgerberin der randnummer literaturhefte, hamburg, veröffentlichungen: ja.

Foto: Peter Löffelholz

Andre Rudolph, geboren 1975 in Warschau/Polen. Viele Veröffentlichungen, u.a. in Sinn und Form, Edit, BELLA triste, Intendenzen; Sprache im technischen Zeitalter, Lyrik von JETZT zwei. Finalist beim 15. open mike 2007, Prosanova-Lyrikpreis 2008. Seit 2006 auch Übersetzungen von zeitgenössischer polnischer Lyrik. Gedichtband Fluglärm über den Palästen unsrer Restinnerlichkeit (2009).

www.datenschreiber.net

Wir bedanken uns beim Berliner Senat für die finanzielle Unterstützung sowie bei den Medienpartnern Zitty und Radio Eins.







Samstag, 13. November 2010, 19:30 Uhr, Eintritt frei
Klaus J. Thies: Ibach antwortet nicht

Autorenlesung

Thies liest Prosa, kurz oder lang, oder beides,
der Übersicht halber immer nur eine Computer-Seite lang
stets „In Zusammenarbeit mit Dritten“ – so der Titel seines letzten Buches:
Mit Matisse, Beckenbauer und der Wetterkarte von Westberlin
Der Stimme der Ansagerin - direkt aus Beromünster
Führt Selbstgespräche mit dem Küchenfenster
In einem jugoslawischen Badezimmer
Erklärt, wie man am schnellsten Japanerin wird
Fliegt morgen mit Isolde nach Mallorca
Singt Lieder für alleinstehende Gebüsche, Gummibäume und Fernsehgeräte
Und fährt nur mit einem Sicherheitsgurt durch Oldenburg
Das alles im Jugendstil geschrieben
Und ohne ein Bild in Reserve.
Manchmal wünscht er sich, ein Baby zu sein, das noch nicht weiß, wie es aussieht, aber wenn es sich zum ersten Mal im Spiegel erkennt, fängt es bestimmt an zu schreien.

Klaus Johannes Thies, aufgewachsen in Bielefeld und in und um Würzburg seit 1975 in Bremen lebend, seit 2000 auch in Berlin, arbeitet als Schriftsteller, Redakteur für den Rundfunk. Zahlreiche Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften, u.a. Manuskripte, Neue Rundschau, Akzente, die horen und Hörspiele. Zuletzt erschienen Uranda Urundi, Kurzprosa 2007 und Zusammenarbeit mit Dritten, Kurzprosa 2009.



Samstag, 20. November 2010, 19:00 Uhr, Eintritt frei
NEUES VOM FLUSS

Junge Literatur aus Argentinien, Uruguay und Paraguay
Das zweite Buch aus dem Verlag Lettrétage feiert Premiere
Mit María Cecilia Barbetta (Moderation), Félix Bruzzone, Denis Abrahams, Timo Berger sowie per Skype Fernanda Trías und Douglas Diegues


Es ist geschafft: Das zweite Buch des Verlags Lettrétage goes public. Timo Berger hat eine Expedition die Ufer und Zuflüsse des Río de la Plata hinauf unternommen und ist auf reiche Literaturvorkommen gestoßen. Die Texte, die er mitbrachte, sind zum großen Teil noch nicht einmal auf Spanisch erschienen, es handelt sich also um die seltene Gelegenheit, eine fremdsprachige Literatur in Echtzeit kennen zu lernen. Die meist kürzeren Erzählungen wurden von Germersheimer Studierenden der Translationswissenschaften fachkundig übersetzt und vom Verlag Lettrétage zwischen Buchdeckel gebunden. Das fertige Produkt, das seit einigen Wochen vorliegt, möchten wir Ihnen nun erstmals auch offiziell präsentieren. Darin enthalten ist die ganze Bandbreite der jungen Literatur aus Uruguay, Paraguay und Argentinien: von schriller Popliteratur und wilden Sex-Drugs&Rock’n’Roll-Stories über postmoderne, offene Erzählformen bis hin zu leisen Tönen der Vergangenheitsbewältigung.

Im Anschluss an die Lesung reicht die Botschaft von Paraguay einen Imbiss.

Félix Bruzzone, geboren 1976 in Buenos Aires. Bruzzone ist Sohn von „Verschwundenen“. Er studierte Literaturwissenschaft und hat sich als Grundschullehrer betätigt, ist Mitherausgeber des unabhängigen Verlags Tamarisco, in dem sein erster Band mit Kurzgeschichten 1976 erschien. Außerdem veröffentlichte er in Anthologien wie „Buenos Aires/Escala 1:1“. 2009 erschien sein vielbesprochenes Romandebüt Los topos. Auf Deutsch erschienen, neben der Erzählung "Das Gewicht des Hasses" in Neues vom Fluss, im Frühjahr 2010 die Erzählung „Unimog“ in einer Anthologie argentinischer Erzählungen (Berlin, Wagenbach) und im Herbst 2010 der Erzählband 1976 (Berlin, Berenberg Verlag). Jüngst erhielt er den diesjährigen Anna Seghers-Preis, anlässlich von dessen Verleihung er in diesen Tagen Berlin besucht.

María Cecilia Barbetta wurde 1972 in Buenos Aires, Argentinien, geboren, wo sie Deutsch als Fremdsprache studierte. Mit einem DAAD-Stipendium kam sie 1996 nach Berlin und blieb. Seit 2005 ist sie freie Autorin, 2007 bekam sie das Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste und nahm an der renommierten Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin teil. Änderungsschneiderei Los Milagros, ihr erster, bei Fischer erschienener Roman, machte sie sofort berühmt. María Cecilia Barbetta schreibt auf Deutsch.



Denis Abrahams, geboren 1974 in Wiesbaden, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Bereits während des Studiums spielte er am Staatstheater Mainz. Weitere Stationen waren u.a. das Staatstheater Wiesbaden, die Oper Frankfurt, Stuttgart und das Theater der Stadt Koblenz. Seit Mitte der Neunziger Jahre tritt Denis Abrahams als Rezitator und Vorleser auf und hat sich seither ein breites Repertoire erarbeitet. Seit 2004 lebt und arbeitet Denis Abrahams als freier Sprecher und DJ in Berlin und hat bereits in zahlreichen Hörspielen mitgewirkt.









Montag, 22.11.2010, 19:30 Uhr, Eintritt frei
André Gide zum 141. Geburtstag aus: Die Falschmünzer

Schauspielerlesung mit Denis Abrahams


Paris zu Beginn des Jahrhunderts. Eine Gruppe junger Gymnasiasten will der großbürgerlichen Scheinwelt der Elternhäuser entfliehen, erwachsen werden auf dem Gebiet der Moral, der Kunst, der Erotik. Die zynische Eleganz der literarischen Welt erweist sich als verführerische Droge. So beginnt das Spiel mit dem Leser. Aus Briefen, Dialogprotokollen, Berichten entsteht ein spannendes Rätsel, das den Spürsinn herausfordert wie ein Detektivroman. Schließlich geht es nicht nur um intellektuelle Falschmünzerei, sondern um wirkliches Falschgeld und um einen mysteriösen Selbstmord. Die Falschmünzer ist sein wichtigstes Werk, mit dem er den psychologischen Roman experimentell erneuerte.



Gesetz und puritanische Strenge spielten für André Gide, geboren 1869 in Paris, seit frühester Kindheit eine große Rolle. Bereits früh jedoch distanzierte sich der junge Literat von moralischen Vorschriften und erkannte bereits seit einer Reise nach Algerien und Marokko 1893-94 seine Homosexualität. Dennoch heiratete er 1895 seine Kusine und reiste mit ihr durch Europa und Afrika. Später war Gide vorrübergehend Kommunist, kehrte 1936 von einer Rußlandreise allerdings enttäuscht zurück. 1947 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur gewürdigt. 1951 starb er in Paris.



Denis Abrahams, geboren 1974 in Wiesbaden, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Bereits während des Studiums spielte er am Staatstheater Mainz. Weitere Stationen waren u.a. das Staatstheater Wiesbaden, die Oper Frankfurt, Stuttgart und das Theater der Stadt Koblenz. Seit Mitte der Neunziger Jahre tritt Denis Abrahams als Rezitator und Vorleser auf und hat sich seither ein breites Repertoire erarbeitet. Seit 2004 lebt und arbeitet Denis Abrahams als freier Sprecher und DJ in Berlin und hat bereits in zahlreichen Hörspielen mitgewirkt.





Mittwoch, 24.11.2010, 19:30 Uhr, Eintritt 5.-Euro
Ach, wie gût schmeckt mir Berlin! Französische Passanten im Berlin der zwanziger Jahre und frühen dreißiger Jahre

Buchpräsentation und musikalische Begleitung mit der Herausgeberin Margarete Zimmermann, Gilda Rodeck, der Schauspielerin Gloria Iberl und Annika Krump (Akkordeon)


Die Anthologie Ach, wie gût schmeckt mir Berlin! zeichnet ein faszinierenden Berlin-Portrait der Jahre 1923-36 und erinnert an bedeutende Mittlerfiguren wie René Crevel, Jean-Richard Bloch oder Pierre Mac Orlan sowie an ihre deutschen Freunde: George Grosz, Walter Benjamin oder Renée Sintenis.

Viele Dichter und Journalisten zeigten sich beeindruckt und frönten zumindest der Augenlust, wenn sie nicht gar, wie André Gide, René Crevel, Pierre Drieu la Rochelle noch handfesteren Vergnügungen oblagen, zusammen mit Vertretern des anderen, doch gerne auch des eigenen Geschlechts. Ein hübsches Kompendium, liebevoll gestaltet und wunderbar nostalgisch. (Welt)

Hier ist eine rundum überzeugende Veröffentlichung gelungen, weit weniger kulinarisch und harmlos, als der Titel vermuten lässt, und eine wahre Bereicherung für den Buchmarkt. (literaturkritik.de)

In Zusammenarbeit mit der Stiftung Rosenbaum.







Freitag, 26.11.2010, 19:30 Uhr, Eintritt 5.-Euro
Rainer G. Schmidt: Philippe Claudel und Henri Michaux

Der Übersetzer liest aus neuen und alten Übersetzungen


Das Geräusch der Schlüssel: In Momentaufnahmen erinnert sich der französische Schriftsteller Philippe Claudel an seine 11jährige Lehrertätigkeit im Untersuchungsgefängnis von Nancy in Lothringen. Text um Text dringt man tiefer ein in die „Parallelwelt“ Gefängnis, die aber doch auf bizarren Kanälen mit der Wirklichkeit „draußen“ kommuniziert. Das Gefängnis wird zum Zerrbild der Gesellschaft, bildet eine irreale Realität. In scharfen Beobachtungen bildet er die mentalen Scheidewände ab, die sich letztlich in Gefängnismauern konkretisieren. Zugleich unterstreicht er Gesten der Menschlichkeit bei Gefangenen wie bei Wärtern. Lakonische Protokolle einer Fremdheit mitten in unserer Gesellschaft.

Im Lande der Zauberei & Hier Poddema: Michaux betreibt eine Art fiktive Ethnografie, der unüberhörbare satirische Elemente eigen sind … eine Schreckensvision, ein Reflex der Anthropologie des gerade untergegangenen NS-Regimes, eine Fantasie, die weit voraus weist in das Zeitalter der Genmanipulationen. Was Michaux ins Zentrum der literarischen Moderne Frankreichs stellte, war der trockene, brüchige und nicht selten grausame Humor dieses Buster Keaton des Surrealismus. (FAZ)

Sein einzigartiges Werk kreist auch hauptsächlich um die Entdeckung neuer Welten (z. T. mit Hilfe halluzinogener Drogen), um imaginäre Welten, Bestandsaufnahmen von Träumen.

Foto: © Renate von Mangoldt

Rainer G. Schmidt wurde 1950 im Saarland geboren, studierte Kunstgeschichte, Philosophie, Germanistik und Soziologie, 1976 Umzug nach Berlin (West). 1978 begann er (zusammen mit Hans Therre) mit der Übersetzung des Gesamtwerkes von Arthur Rimbaud. In den weiteren Jahren beschäftigte er sich intensiv mit den Werken von Henri Michaux, Victor Segalen und Herman Melville. Ab 1993 entstanden wieder vermehrt Gedichte. 111 davon wurden in den 2000 erschienenen Band Der Fall Schnee aufgenommen. 1998 erhielt er den Paul-Celan-Übersetzerpreis.



Samstag, 27.11.2010, 19:30 Uhr, Eintritt 5.- Euro
Grit Kalies: Lamort

Buchpremiere und Autorenlesung


Der Hugenotte und Physiker Lamort nimmt sich sehr wichtig. Zu wichtig, findet sein Nachbar, Kritiker und Ich-Erzähler, der sich seit Jahren von ihm vereinnahmt und in seiner Ruhe gestört sieht. Als Lamort auch noch mit dem Anliegen an ihn herantritt, er solle seine Biografie für ihn schreiben, ist das Maß des Erträglichen übervoll. Doch der Ich-Erzähler sieht es sportlich. Er nimmt die erneute Herausforderung an, bietet sie ihm doch die Gelegenheit, sich als Autor zu beweisen und nicht zuletzt ein für alle Mal mit dem blutleeren Pedanten und Nervtöter Lamort abzurechnen.
Lamort ist ein verschlagenes Vexierspiel von Fiktion und Autofiktion, Fakten und Pseudofakten, Urheber- und Autorschaft – das einer von beiden mit dem Leben bezahlt.

Und es wäre auch nicht dieses doppelbödige Buch, wenn es sich nicht auch poetologisch lesen ließe: als die Geschichte von Autor und Figur und vom Tod des Autors durch die eigene Figur und Schreibverweigerung. Physik und Poesie haben hier also nicht nur die Anfangsbuchstaben gemeinsam. Für poetologisch Interessierte ein Muss. (Poetenladen)



Grit Kalies, geboren 1968 in Altentreptow, Mecklenburg-Vorpommern, lebt und arbeitet als Physikochemikerin in Leipzig. Sie studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und habilitierte sich im Fach Physikalische Chemie. Bisher erschienen sind von ihr 2008 Auf Zeit. Gedichte und 2010 der Roman Lamort, beide im Mitteldeutschen Verlag. 2009 erhielt sie u.a. das Stipendium des Deutschen Literaturfonds Darmstadt.



Dienstag, 30.11.2010, 19:30 Uhr, Eintritt 5.-Euro
Vier FixpoetInnen

Julietta Fix, Birgit Kreipe, Marianne Rieter und Johann Reißer lesen aus den Fixpoetry-Leseheften und unveröffentlichten Texten.


Auf mittlerweile 24 Ausgaben kommt die 2008 begründete Lesehefte-Reihe, die, in der Aufmachung einem Oktavheft nachempfunden, nicht nur ein bibliophiles Kleinod darstellt. Es erscheinen jeweils drei Hefte im Quartal, welches das Geschehen in der modernen Lyrik abbilden hilft. Zahlreiche namhafte Lyrikerinnen und Lyriker haben in den Leseheften oder im begleitenden Poetryletter bereits publiziert. Wir freuen uns, gleich vier von Ihnen im Haus präsentieren zu können.

Julietta Fix, 1957 in Würzburg geboren, lebt heute in Hamburg. Nach einer kaufmännischen Ausbildung war sie hauptsächlich im Produktmanagement und im Online-Bereich tätig. Heute ist sie die Herausgeberin des Online Literaturportals FIXPOETRY.



Birgit Kreipe, geboren und aufgewachsen bei Hildesheim, studierte in Marburg, Wien und Göttingen und arbeitet als Autorin und Psychotherapeutin in Berlin. Ihre Gedichte wurden in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht, zuletzt in Die Schönheit ein deutliches Rauschen. Sie ist Mitglied im Forum der 13.



Marianne Rieter, geboren 1959, lebt in Winterthur. Nach der Ausbildung zur Kauffrau war sie in den unterschiedlichsten Bereichen tätig. Sie arbeitet heute im Head Office eines Großkonzerns in Zürich. Ihre Gedichte wurden hauptsächlich im Internet veröffentlicht.



Johann Reißer, geboren 1979 in Regensburg, lebt in Berlin. Derzeit Kollegiat am Graduiertenkolleg "Lebensformen und Lebenswissen" mit Promotionsprojekt. Finalist beim open mike 2008. Projektleiter des Poets’ Corner 2010. Veröffentlichung von Lyrik, Prosa und Essayistik in Anthologien, Online-Projekten und Zeitschriften.



www.fixpoetry.com