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November 2009


Mittwoch, 4. November 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Junge Lyriker aus Lateinamerika:
Maria Medrano (Argentinien), Hernan Bravo (Mexiko) und Raúl Hernández (Chile)

Zweisprachige Lesung (spanisch/deutsch)
In Zusammenarbeit mit dem lateinamerikanischen Poesiefestival Latinale


Auch in diesem Jahr lädt die Lettrétage im Rahmen der Latinale wieder drei Dichter in ihren Salon ein: Maria Medrano (Argentinien), Hernan Bravo (Mexiko) und Raúl Hernández (Chile) werden eigene und fremde Texte lesen und über ihre Arbeit sprechen. Die deutschen Übersetzungen liest der Schauspieler Denis Abrahams. Die Moderation übernimmt Katharina Deloglu.

María Medrano, 1971 in Buenos Aires geboren, ist Lyrikerin, Herausgeberin, Verlegerin und kulturelle Aktivistin. Sie veröffentlichte die Bände Despeinada (1997) und U.3 (1998) und gab eine Anthologie von Lyrik inhaftierter Frauen unter dem Titel Yo no fui heraus (2005). Sie leitet den unabhängigen Verlag Voy a salir y si me hiere un rayo, der in Multimedia- und Audioformaten Stimmen und Texte lateinamerikanischer Dichter versammelt: www.simehiereunrayo.com.ar. Medrano ist Leiterin der Organisation YO NO FUI (www.proyectoyonofui.blogspot.com), die künstlerische Projekte in den Frauengefängnissen von Buenos Aires durchführt.

Hernán Bravo Varela, 1979 in Mexiko-Stadt geboren, ist Lyriker, Essayist und Übersetzer. Er übersetzte Oscar Wildes La balada de la cárcel de Reading (2000) und gemeinsam mit Marco Antonio Campos das Werk El hombre redidivo des Quebecer Dichters Gaston Miron (2001). Hernán Bravo Varela veröffentlichte die Gedichtbände Oficios de ciega pertenencia (1999) und Comunión (2002) sowie den Essay-Band Los orillados (2008) und gab zusammen mit Ernesto Lumbreras die kommentierte Gedichtsammlung El manantial latente. Poesía mexicana desde el ahora (2002) heraus. Sein dritter Gedichtband Sobrenaturaleza erscheint demnächst bei Pre-Textos (Spanien). Einige seiner Gedichte sind ins Englische, Französische und Deutsche übersetzt. Hernán Bravo Varela ist außerdem Textschreiber des Soundtracks zum Oscar gekrönten Film Frida (2002).
Auszeichnungen: Mexikanischer Nationalpreis für Junge Poesie, Stipendium Jóvenes Creadores del Fondo National para la Cultura y las Artes (2004-2005, 2008-2009), Stipendium der Fundación para las Letras Mexicanas (2005-2007).

Raúl Hernández, 1980 in Santiago de Chile geboren, ist Lyriker und gelernter Bibliothekar. Er veröffentlichte Poemas Cesantes (2005) und Paraderos Iniciales (2009) im Verlag La Calabaza del Diablo. Ein Großteil seines dichterischen Werkes ist in diversen Anthologien und im Internet erschienen. Im Jahr 2005 wurde er zum lateinamerikanischen Poesiefestival „Salida al Mar“ (Buenos Aires, Argentinien) eingeladen. Als gelernter Bibliothekar hat er für die spanische Stiftung Germán Sánchez Ruipérez in Salamanca gearbeitet und ist derzeit für die Bibliothek von Santiago de Chile tätig.
Auszeichnungen: Preis Biblioteca Nacional / Fundación Mustakis (2003) und erster Preis im 2. Nationalwettbewerb für Poesie „Chilectra“ (2004); Stipendien der Stiftung Neruda (2002) und des Nationalen Lese- und Bücherrates (2004 und 2007).



Freitag, 6. November 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Lautréamont: Die Gesänge des Maldoror
Schauspielerlesung mit Denis Abrahams
In Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Ludwig Wilde
Im Rahmen der Berlin-Brandenburgischen Buchwochen


Die Gesänge des Maldoror (Les Chants de Maldoror) sind das einzige Werk des französischen Dichters Lautréamont (Pseudonym für Isidore Lucien Ducasse), das auf die Literatur der Moderne und namentlich auf den Surrealismus großen Einfluss ausübte. Es erschien 1874 und gilt als eines der radikalsten Werke der abendländischen Literatur. André Breton bezeichnete das Werk 1940 als „Apokalypse“: „Alles noch so Kühne, das man in den kommenden Jahrhunderten denken und unternehmen wird, es ist hier in seinem magischen Gesetz im voraus formuliert worden.“ und André Gide sah in Ducasse den „Schleusenmeister der Literatur von morgen“.

Maldoror, Held und Ich-Figur, ist die Inkarnation des Bösen schlechthin. Er ist „ein schwarzer, zerschmetterter Erzengel von unsagbarer Schönheit“, wie Maurice Maeterlinck geschrieben hat, eine „Sonne des Bösen“ (Aurore du Mal = Maldoror) und findet sich auf unserem Planeten wieder, gestrandet unter der ihm verhassten Menschheit, der er ihre eigene Schlechtigkeit vor Augen führen will.

Bei seinem Namen erzittern die himmlischen Heerscharen; und mehr als einer erzählt, dass Satan selbst, Satan die Inkarnation des Bösen, nicht so schrecklich sei.
(6. Gesang, 8. Strophe)

Maldoror führt in verschiedenen Masken und Metamorphosen eine Schlacht gegen die menschliche Kreatur und Gott, seinen Erzfeind. Sein erklärtes Ziel ist es, Gott und die Menschen in ihrer Schlechtigkeit zu übertreffen. Seine Mittel hierzu lauten: Ängste, Wirrnisse, Entwürdigungen, Grimasse, Herrschaft der Ausnahme und des Absonderlichen, Dunkelheit, wühlende Phantasie, das Finstere und Düstere, Zerreißen in äußerste Gegensätze, Hang zum Nichts, infernalische Grausamkeit. Er hat das Gelübde abgelegt, den Schöpfer zu überwinden, Böses zu tun, um das Böse zu vernichten, Verbrechen zu begehen, um das Verbrechen aufzuheben.

Meine Poesie wird aus einem einzigen Angriff bestehen, geführt mit allen Mitteln gegen den Menschen, diese reißende Bestie, wie auch gegen den Schöpfer, der solch ein Ungeziefer niemals hätte erschaffen dürfen. Bände auf Bände werden sich türmen bis ans Ende meines Lebens, und doch wird man darin immer nur diesen einzigen meinem Bewusstsein dauernd gegenwärtigen Gedanken finden.
(2. Gesang, 4. Strophe)

(Entnommen aus: Wikipedia)

Denis Abrahams geboren 1974 in Wiesbaden, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Bereits während des Studiums spielte er am Staatstheater Mainz. Weitere Stationen waren u.a. das Staatstheater Wiesbaden, die Oper Frankfurt, Stuttgart und das Theater der Stadt Koblenz. Seit Mitte der Neunziger Jahre tritt Denis Abrahams als Rezitator und Vorleser auf und hat sich seither ein breites Repertoire erarbeitet. Seit 2004 lebt und arbeitet Denis Abrahams als freier Sprecher und DJ in Berlin und hat bereits in zahlreichen Hörspielen mitgewirkt.

Der Comte de Lautréamont, eigentlich Isidore Lucien Ducasse, wurde 1846 in Montevideo (Uruguay) geboren. Über sein Leben ist fast nichts bekannt – erst 1977 wurde eine Fotografie von ihm aufgefunden. Seine Eltern verstarben früh, und als Kind erlebte er wohl die Grausamkeiten der Belagerung Montevideos im Argentinisch-Uruguayischen Krieg mit. Das Fehlen biographischer Details ist möglicherweise seiner poetischen Selbstinszenierung geschuldet. In seinen Poésies schreibt er: „Ich werde keine biographischen Erinnerungen hinterlassen.“ Lautréamont erlebte das Erscheinen seines einzigen Werkes, der Chants de Maldoror, nicht mehr – er starb erst 24jährig im November 1870 in Paris.



Samstag, 7. November 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Der Poetenladen
Verlagspräsentation mit den Autorinnen Katharina Bendixen, Johanna Hemkentokrax, Sandra Trojan
Gespräch mit Verleger Andreas Heidtmann
In Zusammenarbeit mit der Lichtenrader Bücherstube
Im Rahmen der Berlin-Brandenburgischen Buchwochen


Sandra Trojan (Lyrik)
Ein unbeschriebenes Blatt ist Sandra Trojan in der Lyrik schon lange nicht mehr. Die 1980 im westfälischen Winterberg geborene Dichterin studierte Amerikanistik und Journalistik in Leipzig und später am Deutschen Literaturinstitut. Ihre Gedichte erschienen in Zeitschriften und Anthologien, u.a. in der Bella Triste und dem Jahrbuch der Lyrik. 2009 erschien ihr viel beachtetes Lyrikdebüt „Um uns arm zu machen“ im Leipziger Verlag Poetenladen. Sandra Trojan lebt und arbeitet in als Autorin und Übersetzerin in Leipzig.

Katharina Bendixen (Prosa)
Es ist die Umtriebigkeit, die Katharina Bendixen (Jahrgang 1981) auszeichnet. Seit Jahren ist die Leipzigerin, die ein Studium der Buchwissenschaft und Hispanistik absolviert hat, im Literaturbetrieb als Autorin, Kritikerin, Journalistin und Herausgeberin u.a. für den Poetenladen und das Stadtmagazin Kreuzer tätig. Für ihre Erzählungen, die in verschiedenen Anthologien und Zeitschriften erschienen, wurde sie mit mehreren Preisen und Stipendien, z.B. von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und dem Würth-Preis ausgezeichnet. 2009 erschien ihr Prosadebüt Der Whiskeyflaschenbaum im Poetenladen.

Johanna Hemkentokrax (Prosa)
Von Johanna Hemkentokrax gibt es noch kein Debüt – sie arbeitet aber daran. 1982 in Bielefeld geboren, studierte sie bis 2008 am Deutschen Literaturinstitut die Fächer Prosa und Dramatik/ Neue Medien. Ihre Erzählungen wurden in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. 2006 wurde sie mit dem Limburger Förderpreis für literarische Prosa ausgezeichnet. Neben ihrer Arbeit als Autorin ist sie als Journalistin und Allround-Talent für diverse Leipziger Programmkinos tätig.

Der Poetenladen
Den "derzeit umtriebigsten und innovativsten Lyrik-Verlag Deutschlands" nannte der Literaturkritiker Michael Braun den Poetenladen in der Wochenzeitung DER FREITAG. Das hört sich gut an, trifft aber nur bedingt zu, denn das Programm des jungen Leipziger Literaturlabels umfasst neben Lyrik auch die Sparten Prosa, Essay und Kritik. Gegründet vom Herausgeber Andreas Heidtmann als Online- Plattform für junge Poeten hat sich der Poetenladen mit der halbjährig erscheinenden Zeitschrift Poetmag und den erfrischend sorgfältig herausgegebenen Büchern mittlerweile auch über Leipzigs Grenzen hinaus in der Verlagslandschaft etabliert.



Montag, 9. November 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Verlagsabend des Proviant-Buch Verlags
Es lesen die Autoren Georg Pruscha, Ivo Sachs und Thomas Mader
Im Rahmen der Berlin-Brandenburgischen Buchwochen


Georg Pruscha: Der Aufstieg - ein Diktat
Aus einem sinnlos stillstehenden Leben zieht ein Mann sich in die Einöde zurück und bestimmt seinen Neubeginn. Ausgerüstet mit dem Mindesten, wie einem Handbuch für Selbstversorger, kehrt er der Gesellschaft und allen anderen Unmöglichkeiten selbstherrlich den Rücken. Doch in der Abgeschiedenheit, dem selbsternannten Aufstieg, in der er sich die verhasste Kruste seiner Prägung mühsam abkratzt, trifft seine unbeirrbare Arroganz auf die vielfältige Gewalt banaler Einsamkeit, der er zunehmend haltlos ausgeliefert ist. Mit jedem Tag kriechen seine Unzulänglichkeiten näher an ihn heran; die Gedanken nehmen ihn an die Hand, nehmen überhand, nehmen ihn ein und führen ihn erst zärtlich, dann rasend durch die Poesie seines unaufhaltsamen Wahnsinns. Als er es erkennt, unternimmt er einen letzten Versuch, sich von seinem manifestierten Schicksal loszureißen.

Georg Pruscha, in Santiago de Chile geboren, studierte Vergleichende Literaturwissenschaften. Er lebt in Wien, wo er unter anderem Drehbücher für das österreichische Fernsehen schreibt und erste Stipendien für seine literarischen Arbeiten erhält.

Ivo Sachs: Schimpansen am Abgrund – Berichte vom schleichenden Niedergang
Berlin ist eine Freakshow, Arvid ist Stammgast. Das Leben – im metaphysischen Sinne – eine Sache seiner Tagesform. Yuppies und Pussies im Nacken, trägt er mit aufrechter Pose seine Verachtung vor sich her und seziert alle kaputten Modelle einer paralysierten Gesellschaft. Mit bissigem Humor erzählt Autor Ivo Sachs über das uns wohldosiert verabreichte Scheitern unseres Großstadtlebens und verschont dabei am allerwenigsten die Hauptfigur seiner mitreißenden "Berichte vom schleichenden Niedergang".

Ivo Sachs, 1974 in Rüdersdorf / Berlin geboren, ist ausgebildeter Bühnenbauer und Schauspieler. Er lebt in Berlin, wo er als Schauspieler und freischaffender Autor von Lyrik und Prosa unter anderem für verschiedene Verlage arbeitet.

Thomas Mader: ausgewählte Texte
Thomas Mader wurde 1984 in Süddeutschland geboren. Er lebt in Berlin, wo er Literaturwissenschaft studiert und als Korrespondent für das New Yorker Kunst- und Literaturmagazin Dossier Journal arbeitet.



Mittwoch, 11. November 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Paulo César Fonteles de Lima: Wenn der Tod sich nähert, nur ein Atemzug
Lesung mit Denis Abrahams (Schauspieler) und anschließendes Gespräch mit Andreas Rötzer (Verleger), moderiert von Katharina Deloglu


Wenn der Tod sich nähert, nur ein Atemzug ist ein ebenso bewegender wie literarisch beeindruckender Gedichtzyklus über Fonteles‘ Erfahrungen als Folteropfer der brasilianischen Militärdiktatur (1964-1985). Erstmals in der Geschichte Brasiliens legt Fonteles mit diesen Gedichten ein lyrisches Zeugnis dieser Vorgänge ab. Sie sind nicht nur eine bittere Anklage gegen die Ungerechtigkeit der brasilianischen Militärdiktatur, sondern ein universales lyrisches Manifest gegen Folter und Gewalt. In Brasilien bisher unveröffentlicht, erfuhr der Gedichtband im Jahr 2006 seine erste Veröffentlichung weltweit in Deutschland.

Denis Abrahams geboren 1974 in Wiesbaden, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Bereits während des Studiums spielte er am Staatstheater Mainz. Weitere Stationen waren u.a. das Staatstheater Wiesbaden, die Oper Frankfurt, Stuttgart und das Theater der Stadt Koblenz. Seit Mitte der Neunziger Jahre tritt Denis Abrahams als Rezitator und Vorleser auf und hat sich seither ein breites Repertoire erarbeitet. Seit 2004 lebt und arbeitet Denis Abrahams als freier Sprecher und DJ in Berlin und hat bereits in zahlreichen Hörspielen mitgewirkt.

Andreas Rötzer, geboren 1971 in München, Studium der Kulturwirtschaft und Philosophie in Passau, Paris und München, Promotion in Philosophie 2003. Arbeitete seit 1999 bei Matthes & Seitz, gründete den Verlag im Jahr 2004 in Berlin neu unter dem Namen Matthes & Seitz Berlin.

Paulo César Fonteles de Lima, geboren 1949 in Belém do Pará, war ein wichtiges Mitglied der Ação Popular (Volksaktion), die während der schlimmsten Jahre der Diktatur (1969-1979) im Untergrund agitierte und, wie alle anderen linken Organisationen, erbarmungslos verfolgt wurde. Bereits Anfang der 70er Jahre waren er und seine schwangere Frau von den Militärs gefoltert worden. Nach Ende der Diktatur (1985) wurde er schnell zur Leitfigur der „Bewegung für mehr Gerechtigkeit“. Paulo César Fonteles de Lima wurde am 11. Juni 1987 auf offener Straße ermordet. Seine Mörder wurden nie ermittelt.

Diese Stille nach zwanzig Jahren weltweit erstmals gebrochen zu haben und so über die deutsche Sprache dem Autor wieder den Weg in seine brasilianische Heimat zu ebnen ist ein Verdienst, das [dem Übersetzer] Steven Uhly und dem Verlag Matthes Seitz kaum hoch genug angerechnet werden kann. Florian Borchmeyer, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. Oktober 2007

Rezension des Gedichtbands in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Rezension des Gedichtbands in der Süddeutschen Zeitung

Unterstützt aus Mitteln der Kulturförderung Friedrichshain-Kreuzberg.

Medienpartner: taz berlin





Mittwoch, 18. November 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
NEUES VOM JETZT (IV)
Eine Versuchsanordnung junger deutschsprachiger Gegenwartslyrik an fünf Abenden
Zur Terminübersicht
Teil 4: Carl-Christian Elze und Nancy Hünger
Gastgeber: Ron Winkler und Jan Wagner


Im Jahr 2008 sind zwei Anthologien erschienen, die man zu Recht als Bestandsaufnahmen aktueller deutscher Lyrik der jüngeren Generation bezeichnen kann: Lyrik von JETZT zwei, herausgegeben von Björn Kuhligk und Jan Wagner (Berlin Verlag, 2008), sowie Neubuch, herausgegeben von Ron Winkler (yedermann Verlag, 2008). Die Autorinnen- und Autoren-Auswahl der beiden Bücher überschneidet sich, jedes setzt jedoch auch eigene markante Akzente.

Vor diesem Hintergrund ist in der Lettrétage die Idee einer kompakten Gesamtschau der aktuellen deutschsprachigen Lyrik jüngerer Autorinnen und Autoren an fünf Abenden entstanden, einer einmaligen Inventur, die sich aus den Quellen der genannten Anthologien speist, wobei Seitenarme, Gegenströmungen, Stromschnellen und Untiefen billigend in Kauf genommen werden. Jeweils zwei der genannten Anthologie-Herausgeber laden pro Abend zwei Lyriker/innen ein, um Neuestes aus ihrer Feder zu hören sowie um mit ihnen über Lyrik zu sprechen, poetologische Positionen zu diskutieren und auf jeweils einen besonderen Aspekt zu sprechen zu kommen.

Nancy Hünger, geboren 1981 in Weimar, debütierte im Jahr 2006 mit dem Gedichtband Aus blassen Fasern Wirklichkeit (2006). Zahlreiche Stipendien, u.a. des Thüringer Kultusministeriums 2008; Hermann-Lenz-Stipendium 2008. Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften. Viele Gedichtbände, zuletzt Deshalb die Vögel (2009).





Carl-Christian Elze, geboren 1974 in Berlin. Mitherausgeber und Redakteur der Leipziger Literaturzeitschrift plumbum. 2005 erhielt er den Debütpreis des Poetenladens, Endrundenteilnehmer beim open mike 2005, 2006 den Irseer Pega-sus sowie 2009 Stipendium des Künstlerhauses Ahrenshoop. Gedichtbände stadt/ land/ stopp (2006), Gänge (2009).




NEUES VOM JETZT wird gefördert von der Stiftung Preußische Seehandlung, vom Verein Berliner Kaufleute und Industrieller e.V., vom Berlin Verlag sowie vom österreichischen Kulturforum in Berlin. Für die Unterstützung bedanken wir uns sehr herzlich!











Medienpartner: Zitty





Freitag, 20. November 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Argentinische Autorinnen der Gegenwart
Eine Lesung in deutscher und spanischer Sprache mit Karen Sünder und Andrea Pani Laura
Im Rahmen der Berlin-Brandenburgischen Buchwochen, in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Anakoluth


Als kleines Vorspiel zum Argentinien-Schwerpunkt auf der Frankfurter Buchmesse 2010 wollen wir an diesem Abend die Texte einiger junger argentinischer Autorinnen vorstellen. Gelesen werden Erzählungen, die in spanischer Sprache bereits veröffentlicht sind und im kommenden Jahr im Rahmen einer von Marion Dick herausgegebenen Anthologie auch auf Deutsch erscheinen sollen.

Der Band, der insgesamt 13 Erzählungen umfasst, trägt dem enormen literarischen Schaffen im Argentinien der letzten Jahre gerade von Seiten der Frauen Rechnung. Die Texte der zwischen 1930 und 1980 geborenen Autorinnen (darunter Angelica Gorodischer, Ángela Pradelli, Alejandra Laurencich, Pola Oloixarac, Samanta Schweblin) spiegeln die Sprache, die Themen und die Gefühlswelten der im Großraum Buenos Aires lebenden Frauen jenseits von Schönheitsklischees und fernab wohlgemeinter Frauenliteratur wider – dieser steht inzwischen eine ganze Bandbreite ambitionierter belletristischer Texte entgegen. Was die Geschichten verbindet, ist ein geschärfter Blick auf die gesellschaftliche Situation Argentiniens. Dieser Blick entfaltet sein eigenes Erzählpotenzial und verliert zugleich den Machismus (den hinter den Fasssaden sowie den zwischen Buchdeckeln) nie aus dem Auge.

Andrea Pani Laura absolvierte ihre Tanzausbildung 1995-96 am Museo del Arte in Lima / Peru und studierte von 2002 bis 2006 Schauspiel bei Carlos Medina an „The Akademie“, Berlin. Ab 2004 spielte sie an verschiedenen Bühnen in Berlin, unter anderem dem Ikaron Theater, der Werkstatt der Kulturen, dem Theaterhaus Mitte, dem Russischen Theater, und außerdem dem Teatro Zaidín in Granada / Spanien. Beim Theaterfestival ,,Perpetuum Mobile“ in Vilnius / Litauen erhielt sie im Jahr 2006 den Peis für die beste schauspielerische Darbietung.

Karen Sünder studierte von 1994-96 Schauspiel und Tanz am Centre de Danse du Marais, Paris, und setzte ihre Schauspielausbildung an der Berliner Actorfactory bei Johannes Hitzblech fort. Darüberhinaus absolvierte sie ein Studium der Theaterwissenschaft und Komparatistik an der Universität Bayreuth und der Freien Universität Berlin. Neben diversen freien Theaterprojekten führten sie verschiedene Rollen unter anderem an die Städtischen Bühnen Münster, das Théâtre de l´Europe, Paris, die Bayreuther Festspiele und das Hebbel am Ufer, Berlin. Außerdem arbeitete sie als Regie- und Ausstattungsassistentin am Wolfgang-Borchert-Theater, Münster.



Samstag, 21. November 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Stadt ohne Meer
Karen Sünder liest Erzählungen von Esther Tusquets
Im Rahmen der Berlin-Brandenburgischen Buchwochen
In Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Leseglück


Die mehrfach ausgezeichnete Autorin und ehemalige Verlegerin Esther Tusquets, 1936 in Barcelona geboren, zählt in Spanien zu den angesehensten Schriftstellerinnen der zeitgenössischen Literatur. Ihre Romane, Erzählungen, fiktiven Briefe und Essays zeichnen ein genaues Bild der katalonischen Großbourgeosie in den Jahren des Frankismus‘. Wo Standesdünkel und ein allgegenwärtiger, galant verkleideter Machismus Regeln und Hierarchien aufstellen, wo der Muff einer katholisch-prüden Diktatur jeden Raum für Körperlichkeit und Sinnlichkeit nimmt, beginnt Tusquets mit den Stimmen ihrer Protagonistinnen Gegen-Erzählungen zu entwickeln.

Hinter dieser radikalen Umwertung der vorgegebenen Werteskala steht eine ästhetisch höchst verdichtete und anspruchsvolle Literatur, die in Sprache und Stil in der spanischen Gegenwartsliteratur ohne Vergleich ist. Das soll an diesem Abend greif- und hörbar werden: mit Erzählungen Esther Tusquets‘, die von Schauspielerin Karen Sünder in deutscher Übersetzung gelesen werden.

Unverwechselbar bleibt Esther Tusquets […] immer durch ihren eigenen Stil: Suggestive Bilder steigern sich zu überbordender Sinnlichkeit und Sätze winden sich über viele Zeilen und Seiten wie durch ein Labyrinth, ohne dabei je den Faden zu verlieren. Grenzen verschwimmen, Hierarchien lösen sich auf, Zeit ist ein Kontinuum. Immer wieder kehrt dabei das Dunkle, Nonverbale und Irrationale hervor – als eine spezifisch weibliche Art zu leben und zu schreiben.
Buchkultur, Heft 93, 2004

Esther Tusquets, geboren 1936, wuchs im großbürgerlichen Umfeld von Barcelona auf. Nach dem Studium der Philosophie, Geschichte und Literatur in Barcelona und Madrid übernahm sie mit 24 Jahren von ihrem Vater die Leitung des Verlags Lumen, dem mit Umberto Ecos Roman Der Name der Rose der Durchbruch gelang. Bei Lumen erschienen vor allem moderne Klassiker wie Rainer Maria Rilke, Walt Whitman, Emily Dickinson, Joyce Carol Oates und A. L. Kennedy. Nach dem Tod des Vaters verkaufte Esther Tusquets Lumen an den Bertelsmann-Konzern. – In deutscher Übersetzung erschienen von Esther Tusquets bisher ihr Debütroman Aller Sommer Meer, die Romane Die Liebe ein einsames Spiel und Abschied von Don Juan sowie der Erzählband Sieben Mädchenblicke auf dieselbe Landschaft.



Samstag, 28. November 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Bitterstoffe
Florian Voß präsentiert seinen Romanerstling


Als Felix mit pubertärem Knacks in der Provinz schmachtete,war die Großstadt Verheißung – und entpuppte sich doch als seelenloser Trubel. Inzwischen hat er gemerkt, dass er das uneingeschränkte Ausleben seiner individuellen Freiheit mit grenzenloser Unverbindlichkeit bezahlt hat. Jetzt, mit Mitte Dreißig, ist seine Identitätskrise schließlich zum einzigen Lebensinhalt geworden. Er muss sich eingestehen, dass die Fragen und Ängste, die ihn als Heranwachsenden gequält hatten, weder beantwortet noch überwunden werden konnten, und dass viele seiner ursprünglichen Erwartungen ans Leben sich wohl gar nicht mehr erfüllen werden.

Da führt ihn ein unerwarteter Todesfall zurück in die süddeutsche Provinz, in seine eigene Vergangenheit, an den Ausgangspunkt. Als er dort frühere Bekannte und auch seine erste große Liebe Julia wiedertrifft, merkt er schnell, dass es keineswegs ihm alleine so geht. Hinter der coolen Fassade der Freunde von damals entdeckt er jede Menge unerfüllte Sehnsüchte.

Vor dem Soundtrack der sägenden Musik von Joy Division oder Bauhaus erzählt Florian Voß mit großem Einfühlungsvermögen und subtilem Humor eine Geschichte über die innere Zerrissenheit junger Großstadt-Menschen.

Bitterstoffe ist im Rotbuch Verlag erschienen.

Florian Voß, geboren 1970 in Lüneburg, lebt seit 1991 in Berlin. Er publizierte bislang die Lyrikbände Das Rauschen am Ende des Farbfilms und Schattenbildwerfer sowie Gedichte in zahlreichen Anthologien und Zeitschriften. Zudem arbeitete er als Redakteur und Kurator für das Literaturhaus Berlin, die Literaturwerkstatt und das Poesiefestival Berlin. Bitterstoffe ist sein erster Roman.



Lettrétage - Das junge Literaturhaus