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Oktober 2012


Samstag, 6. und Sonntag, 7. Oktober 2012, 19.30 Uhr, Eintritt frei
Fernsprechende

Diskussionen, Spaziergänge, Publikumsgespräche und Lesungen auf der Suche nach der Literatur als Muttersprache
Mit: Artur Becker, María Cecilia Barbetta, Konstantin Ames, Jan Faktor, Yulia Marfutova, Claudia Basrawi, Martin Lechner, Dana Ranga und Daniela Seel

Warum schreiben wir und für wen? Ist eine Verständigung anhand von Texten über sprachliche und kulturelle Grenzen hinaus möglich und wenn ja, wie? Welche Fragen stellen wir uns eigentlich gegenseitig? Welche Rolle spielt es, in welcher Sprache wir schreiben, lesen und leben?

Gefördert vom Berliner Senat.

Näheres auch unter www.fernsprechende.wordpress.com.



Mittwoch, 10. Oktober 2012 19:30 Uhr, Eintritt 5,-/ 4,- Euro
ubern ruckn des atlantiks/den rand des nachmittags

Lesung mit Susanne Eules, Musik: Korinna Feierabend, Sylvia Hinz

Mit ubern ruckn des atlantiks/den rand des nachmittags präsentiert Susanne Eules ihre Gedichte in ihrer Muttersprache, komponiert aus englischen und anderen Fremdsprachen. Ihre Lyrik ist beeinflusst von fremden Kultur- und Naturräumen, aufgezeichnet in ungewöhnlicher Notation und semantisch fragmentiert durch Eigenlogik. Inhaltlich setzen sich die Texte mit entfremdeter Natur, verfremdender Kultur und Gesellschaft, mit Frauen, insbesondere AutorInnen und KünstlerInnen dies- und jenseits des Atlantiks auseinander.

Mit ihrem Spiel an Klanglust trifft Susanne Eules’ Lyrik erstmals auf die Improvisationen der Berliner Blockflötistin Sylvia Hinz und Korinna Feierabend, die sich für das Buch ubern ruckn des atlantiks/den rand des nachmittags auf Struktursuche in die Natur begeben und aus Susanne Eules Worten Bilder geformt hat.

Selten hat das Sezieren der Sprache solches Vergnügen bereitet.
Jürgen Brôcan

Susanne Eules, geboren 1960, Lyrikerin, Autorin und Übersetzerin, lebt und arbeitet in DeLand, Florida, USA. Zuletzt wurde sie mit dem Selma Meerbaum-Eisinger-Literaturpreises 2011 ausgezeichnet. Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften. www.susanneeules.net



Sylvia Hinz, geboren 1968, studierte Blockflöte, experimentelle Musik und Kammermusik an der UdK Berlin sowie Ensemble-Leitung/Dirigieren an der BAK Trossingen. Sie lebt und arbeitet in Berlin als freischaffende Musikerin, Dirigentin und Instrumentallehrerin. http://soundcloud.com/sylvia-hinz





Korinna Feierabend, geboren 1978, freiberufliche Grafikdesignern, arbeitet seit 1999 beim NDR in der Tagesschaugrafik und ist maßgeblich an der Gestaltung der Webseite Fixpoetry.com beteiligt.







Mittwoch, 17. Oktober 2012 19:30 Uhr, Eintritt 5,-/ 4,- Euro
Drachen und Uhren

Brigitte Struzyk und Ulrich Koch stellen ihre aktuellen Bücher vor
Moderation: Rolf Hosfeld, Musik: Janni Struzyk

Nach langer Publikationspause wurde Brigitte Struzyks Gedichtband alles offen, der 2011 bei Fixpoetry erschien, vom Lettrétage-Publikum begeistert aufgesogen. Umso mehr freuen wir uns, dass Fixpoetry nun auch ihren Roman Drachen über der Leninallee herausgebracht hat und wir diesen ebenfalls in der Lettrétage vorstellen können. Dieser erzählt die Geschichte der Geigerin Ulla Wasser, die im Trubeljubel des Mauerfalls von Blumen im Winter träumt. Die ein Leben auf, neben und hinter der Klippe geführt hat. Und unter ihren Füßen knirscht ein gerüttelt Maß an Schutt: die Trümmer des Zweiten Weltkriegs und der Abrissschutt vom Alexanderplatz der sechziger Jahre, den ihre Eltern verantwortet und dirigiert haben. Eine vom Verrat abgetriebene Liebe strandet in der Hohenschönhausener Sonntagsgesellschaft der Eltern, beide einstmals verdiente Bauarbeiter des Volkes. Hier braut sich was zusammen, zudem auch noch der flüchtige Vater von Ullas Sohn auftaucht, von Billy, dem Sprayer, der seine eigenen Striche durch die Rechnung macht. Der Drachen, der einstmals am kleinen Finger von Ulla Wasser über der Leninallee schwebte, zappelt nun wild.

Der 1966 geborene Lyriker Ulrich Koch, der zweite Autor des Abends, lebt in der Nähe von Lüneburg. Sein siebter Gedichtband Uhren zogen mich auf erschien soeben erst im Poetenladen Verlag. Ein Werk, das ein Spiel mit verblüffenden Perspektiven zeigt, verlockend, irritierend, gleichermaßen surreal wie alltagsinspiriert, zuweilen abgründig bei großer Gelassenheit im Duktus.

Ulrich Koch ist der Sänger der entvölkerten Vorstadt, der menschenleeren Provinz, die ihre Würde durch sein Gedicht erhält.
Die Zeit

Brigitte Struzyk, geboren 1946 in Steinbach-Hallenberg, studierte Theaterwissenschaften in Leipzig. Sie arbeitete als Lektorin im Aufbau-Verlag in Weimar und Ostberlin. Für ihre Werke erhält sie zahlreiche Auszeichnungen (u.a. den Lion-Feuchtwanger-Preis). 2011 erschien ihr Gedichtband alles offen. Heute lebt und arbeitet Struzyk als freie Schriftstellerin in Berlin.



Ulrich Koch, geboren 1966 in Winsen an der Luhe, ist Angestellter einer Personalagentur in Hamburg. Er veröffentlichte zahlreiche seiner Texte in Anthologien und Zeitschriften, ebenso wie in eigenen Gedichtbänden (Lang ist ein kurzes Wort, Der Tag verging wie eine Nacht ohne Schlaf). 2011 erhielt er für seine Lyrik den Hugo-Ball-Förderpreis.



Janni Struzyk hat Tuba in Berlin und Weimar studiert, nachdem sie Blockflöte, Posaune und Klavier gelernt hatte und lange Chorsängerin war. Sie spielt in großen Orchestern und in kleinen und klitzekleinen Kammermusikbesetzungen, sowohl in Jazzorchestern als auch tiefernst, am liebsten mit dem Schlagwerker Friedemann Werzlau als Duo "pinx.it" die eigenen Stücke. Immer wieder als Solistin mit verschiedenen Orchestern tätig.





Mittwoch, 24. Oktober 2012 19:30 Uhr, Eintritt frei
Buchpremiere: Schlüsselmädchen

Lindita Arapi liest aus ihrem Debütroman
In Zusammenarbeit mit dem Dittrich Verlag

Nach dem Ende des Kommunismus in Albanien und der Selbstisolierung des Landes hat die junge Lodja Lemani ihre Heimatstadt, eine kommunistische Mustergemeinde, verlassen, um frei und unabhängig in Westeuropa zu leben.Um ihrer Vergangenheit und einem dunklen Familiengeheimnis nachzuspüren, reist sie zurück nach Albanien, wo sie nicht nur mit Ablehnung, sondern auch mit den archaischen Strukturen des Kommunismus, die auf dem Land fortbestehen zu kämpfen hat, bevor sie es schließlich schafft, das Schweigen ihrer Mutter zu brechen.

In ihrem Debütroman Schlüsselmädchen thematisiert Lindita Arapi die albanische Vergangenheit, die ungleichzeitige Entwicklung in den Ländern Europas und die Bedeutung der eigenen Wurzeln für eine freie und selbstbestimmte Zukunft.

Schlüsselmädchen wurde in der editionBalkan des Berliner Dittrich Verlags veröffentlicht. Seit Herbst 2010 erscheinen in der Buchreihe Romane, die die politischen, sozialen und ökonomischen Turbulenzen auf dem Balkan reflektieren.

Lindita Arapi, geboren 1972 in Albanien, gilt als eine der herausragenden zeitgenössischen Autorinnen Albaniens. Die Autorin gehört zum Kreis der sogenannten albanischen literarischen Avantgarde, die sich in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts herausbildete. Im Jahr 2008 wurde ihr in Albanien der "Internationale Nositi" Preis für die besondere Rolle in der Vermittlung albanischer Literatur und Kultur in Europa verliehen. Im Jahr 2011 wurde Schlüsselmädchen von der Kult Academy in Albanien als Buch des Jahres ausgewählt.





Freitag, 26. Oktober 2012 19:30 Uhr, Eintritt 5,-/ 4,- Euro
Boys / Kalte Pfoten

Buchpremiere der deutschen Ausgabe des Romans von Anna Ringberg
Es lesen Anna Ringberg und Gloria Iberl
In Zusammenarbeit mit dem Rowohlt Verlag

Lasse hat seinen Sohn Matti seit Jahren nicht gesehen. Sein Praktikumsplatz wird auch nicht verlängert: Zu alt, sagt die Sozialarbeiterin. Wenigstens weiß er, dass Alkohol schlecht für ihn ist. Und er hat Boys, seinen besten Kumpel und heißgeliebten Whippetrüden, der treu zu ihm hält.

Jetzt wird Lasse 65. Das muss gefeiert werden. Dafür hat er extra Porzellan ausgeliehen und das Haus aufgeräumt. Sogar Matti hat zugesagt. Soll der Junge verdammt noch mal sehen, wie gut Lasse zurechtkommt.

Doch dann geschieht etwas Furchtbares: Boys ist plötzlich verschwunden. Obwohl Lasse gar nicht mehr in der Stimmung ist, trudeln die ersten Gäste ein. Schließlich kommt auch Matti, mit einem Hundebiss an der Hand, den der Vater nicht sehen darf …

Anna Ringberg erzeugt so große Sympathie für ihre Figuren, dass man den Roman nicht aus der Hand legen kann.
svenska dagbladet

(c) Kristian Brangenfeldt
Anna Ringberg wurde 1980 in Stockholm geboren. Sie hat nach dem Studium der Nordischen Sprachen als Lektorin, Journalistin und Herausgeberin gearbeitet und Schwedisch als Fremdsprache unterrichtet. Außerdem gibt sie einmal jährlich einen Kurs in kreativem Schreiben an der Södertörn Universität in Stockholm Der 2010 erschienene Roman Boys ist ihr Debüt. Zurzeit lebt sie in Berlin und schreibt an ihrem nächsten Roman.

Gloria Iberl ist seit 2004 als Schauspielerin tätig und hatte verschiedene Theaterengagements u.a. in München, Stuttgart und Berlin. Außerdem arbeitet sie als Synchron- und Hörspielsprecherin u.a. für den SWR. Derzeit ist sie als Gast an der Landesbühne Sachsen-Anhalt zu sehen und macht Theaterarbeit mit Kreuzberger Grundschülern.








Samstag, 27. Oktober 2012 19:30 Uhr, Eintritt 5,-/ 4,- Euro
Salon Lettrétage: Metaphern, Magie und Mysterium

Das surrealistische Gedicht
Mit Stephan Pape und Matthias Müller-Lentrodt
In Gedenken an Richard Anders

Am dritten Abend unserer Salonreihe mit Matthias Müller-Lentrodt und wechselnden Gästen geht es um surrealistische Tendenzen in der deutschen Lyrik der Nachkriegszeit und darum, was den Autoren surrealistische Poetik heute bedeutet.

Ursprünglich war der im Sommer verstorbene Autor Richard Anders als Gesprächsgast des dritten Salon Lettrétage vorgesehen. Nunmehr wird der Germanist Stephan Pape seinen Part übernehmen, der selbst den Literatursalon "Zum literarischer Stier" in Friedenau betreibt und ein Kenner des Werks von Richard Anders ist. Richard Anders wird in Form eines von ihm eingesprochenen Tonbandes selbst zu Wort kommen. Sein Werk, das vorallem Surrealismuskennern vertraut ist, soll im Zentrum dieses Abends stehen.

Ist das wahre Paradies das des Geistes? Der Salon ist ein Ort des zwanglosen Austausch über Kunst, Kultur und Weltgeschehen, und er missachtet dabei jede Art von Grenze. Der Salon Lettrétage greift diese Tradition der Muße und Zelebration des Schönen auf. Salonnier Matthias Müller-Lentrodt lädt Gesprächspartner aus verschiedenen Milieus zu thematischen Abenden ein und spannt mit Leseproben und Musikbeispielen einen Bogen von verschiedenen Epochen der Literatur über Kunst bis in die Gegenwart. Dabei entwickelt sich im Idealfall durch überraschende Interventionen und pointierte Dialoge das geistige Fluidum, aus dem anregende Fragen und Gedanken über Kunst und Leben wachsen. Der Salon ist auch offen für Gedanken und Ideen des Publikums, das eingeladen ist, den Diskurs aktiv mitzugestalten.

Matthias Müller-Lentrodt, 1964 in Remscheid geboren, studierte an den Universitäten Heidelberg, München, Wien und Berlin Theologie, Philosophie, Germanistik, Theater- und Filmwissenschaft und Kunstgeschichte und promovierte 1996 an der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit über die Poetik des elsässischen Dichters Yvan Goll (Poetik für eine brennende Welt. Zonen der Poetik Yvan Golls im Kontext der europäischen Avantgarde, Bern u.a. 1997). Er lehrte an der Berliner Freien Universität und von 1996 bis 1998 an der Pariser Sorbonne deutsche Literaturgeschichte und Sprache. Matthias Müller-Lentrodt publizierte Gedichte und Aufsätze in verschiedenen Literatur- und Kunstzeitschriften.



Mittwoch, 31. Oktober 2012, 19:30 Uhr, Eintritt 5,-/ 4,- Euro
Erinnerungen an Kupfercreme

Mit Johannes CS Frank, Max Czollek, Ricardo Domeneck und Maya Kuperman

Johannes CS Frank liest gemeinsam mit den drei festen Ensemble-Mitgliedern des Zeitkunstfestivals Max Czollek, Ricardo Domeneck und Maya Kuperman aus ihren jeweiligen aktuellen Pulblikationen sowie ihre Texte zum Zeitkunst-Programm "A Tourist Attitude – Hommage á John Cage". Die Lesung findet in deutscher, englischer, portugiesischer und hebräischer Sprache statt.

Erinnerungen an Kupfercreme ist ein Lyrik, Prosa und Bild amalgamierendes, zwischen Englisch, Deutsch und Hebräisch changierendes Buch von mehr als einer Erinnerung an Kupfercreme, die es leitmotivisch / dingsymbolisch durchwirkt, in dem Sprache und Bild in kreativer Korrespondenz die Akzente setzen.

Foto: © Hans Praefke
Max Czollek wurde 1987 in Berlin geboren. Er studierte bis 2012 Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Max Czollek war mehrmaliger Teilnehmer der Schreibwerkstatt Open Poems unter der Leitung von Björn Kuhligk und Ulf Stolterfoth sowie der Werkstatt Lyrik der Gegenwart von Uwe Kolbe. Er ist Gründungsmitglied des Berliner Autorenkollektivs G13. Nach Einladungen zum Internationalen Poesiefestival in Berlin und dem Zeitkunst Festival 2011 erschien sein Lyrikdebüt, Druckkammern, 2012 im Verlagshaus J. Frank| Berlin.


Foto: © Hans Praefke
Ricardo Domeneck, geboren 1977 in Bebedouro (São Paulo), lebt heute als Schriftsteller, Übersetzer und DJ in Berlin, wo er das Magazin HILDA herausgibt und in verschiedenen Clubs auflegt. Erveröffentlichte die Gedichtbände iCartaaosanfíbios/i> (2005), when they spoke I / confused cortex / for context (2006), a cadelasem Logos (2007) und Sons: Arranjo: Garganta (2009). Außerdem ist er Mitherausgeber der literarischen Zeitschrift Modo de usar& Co. Er war mehrmals beim Poesiefestival Berlin zu Gast, sowie bei Festivals in Buenos Aires, Barcelona, Brüssel, Córdoba, Dubai, Lublijana, Madrid, Medana und Sevilla.

Foto: © Hans Praefke
Johannes CS Frank ist in Southend-on-Sea, Kiel und Heidelberg aufgewachsen. Er studierte Anglistik, Amerikanistik und Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie Holocaust Communication am Touro College Berlin. Er lebt als bilingualer Autor, Verleger und freier Übersetzer in Berlin. Seit 2005 führt Johannes CS Frank das Verlagshaus J. Frank | Berlin. Er ist Mitherausgeber der Belletristik. Zeitschrift für Literatur und Illustration sowie der Buchreihen "Bibliothek Belletristik", "Edition Belletristik", "Edition Polyphon" und der "Edition Panopticon". Gemeinsam mit dem Illustrator Felix Scheinberger ist Johannes CS Frank Initiator des deutsch-israelischen Austausches "Alltag". 2009 erschien Märchenland. Die Gebrüder Grimm in Israel (mit Felix Scheinberger), 2011 die Sammlung Zeitkunst (gemeinsam mit Aurélie Maurin).2012 erschien sein bilingualer Lyrik- und Prosaband Remembrances of Copper Cream bei FIXPOETRY.

Foto: © Tamir Lahav-Radlmesser
Maya Kuperman ist eine vielfach ausgezeichnete israelische Dichterin und Journalistin. Sie ist eine der wichtigsten Vertreterinnen israelischer Gegenwartslyrik. Aufgewachsen in Haifa, veröffentlichte sie ihre ersten Gedichte im Alter von 16 Jahren. Ihr Buch Mother Tongue erschien 2007. Maya Kuperman lebt und arbeitet seit 2011 in Berlin.