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Januar 2011


Mittwoch, 5. Januar 2011, 19:30 Uhr, Eintritt: frei
Zwei Jahre Hochroth

Verlagsabend mit Tini Anlauff, Ivo Sachs und Maik Lippert


Das Modellprojekt zur alternativen Verlagsszene feiert sein Bestehen u.a. mit Autorenlesungen und den Buchvorstellungen des Jahres sowie dem Jahresabschlussbericht und mit dem Ausblick der zukünftigen Entwicklung des Konzeptes und der Verlagsarbeit.

Christine (Tini) Anlauff, geboren 1971, Buchhandelslehre in Leipzig und Potsdam, jobbte u.a. als Stadtführerin, Theatergarderobiere und Ausgrabungshelferin, studierte u.a. Geschichte und Literaturwissenschaft, 2005 erschien ihr Debütroman Good morning, Lehnitz. Im Herbst 2010 erschien im hochroth Verlag ihr Gedichtband Einen Zungenschlag richtig. Mutter von vier Kindern, lebt sie heute als freischaffende Autorin in Potsdam.




Maik Lippert, 1966 in Erfurt geboren. 1986-1991 Ökonomiestudium in Moskau. 1994-2003 kaufmännisch tätig in Frankfurt/Main unter Ausbeutung erworbener Russischkenntnisse. Jetzt Ausbilder/Lehrkraft in Berlin. Zahlreiche Publikationen. Im hochroth Verlag erschien 2010 der Gedichtband Sehnsucht Provinz.

Ivo Sachs, 1974 in Rüdersdorf bei Berlin geboren, widmet sich nach Ausbildung und Tätigkeit im Bühnenbildbereich sowie als Schauspieler seit Jahren dem Schreiben. Er lebt und arbeitet in Berlin. Oktober 2008 erschien sein Prosadebüt: Schimpansen am Abgrund/ Proviantbuch, desweiteren Lyrikveröffentlichungen, u.a. 2010 in hochroth Nr.1 und 2 / hochroth.










Samstag, 8. Januar 2011, 19:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Max Höfler: Texas als Texttitel. Ein Rabiatkomödienroman

Autorenlesung


In Max Höflers Buchdebüt wimmelt es von historischen Persönlichkeiten, deren verbürgte Biographien mitunter recht frei ergänzt werden. So wird beispielsweise George A. Atzerodt, einem Beteiligten an der Verschwörung zum Lincoln-Attentat 1865, dem wegen Volltrunkenheit ein Anschlag auf den Vizepräsidenten misslang und der nach seiner baldigen Verhaftung und Verurteilung hingerichtet wurde, eine gelungene Flucht angedichtet, die über Vera Cruz und Acapulco bis auf die Philippinen führt. Diese Geschichte verquickt Höfler mit Erzählungen um den philippinischen Revolutionär und Nationalhelden José Protasio Rizal zu einem vielstimmigen, durch mehrere Ebenen der Kommentierung gebrochenen Pastiche. Im Gegensatz zum unverbindlichen narrativen Exotismus der Postmoderne geht es dem Autor von texas als texttitel vor allem um das Vorführen der Konstruiertheit jeglicher Erzählung: Mittels der Montage von Fakt und Fiktion, Dokument und Comic sowie mittels einer raschen Abfolge unterschiedlicher Codes – von barockem Manierismus und zeitgenössischer Wissenschaftssprache über Lautpoesie bis hin zum gegenwärtigen Jugendjargon – stellt Max Höfler eine turbulente, mit skurrilen erotischen und brachialen Handlungen vollgestopfte Textwelt her, die den tendenziell chauvinistischen Geschichts- und Identitätsbegriff gängiger Erzählungen über das Fremde aufs Korn nimmt.

Mit "Texas als Texttitel" ist dem Autor und Künstler Max Höfler ein erstaunlich heiteres Stück experimenteller Literatur geglückt. ... Max Höfler will irritieren und positioniert sich im Widerspruch zu einer l'art pour l'art-Ästhetik. So bleibt von der Lektüre zuerst Verwirrung zurück, Eindruck eines fröhlich destruktiven, schillernden Werkes. Zu sagen, daß sich der lustvollen Erzählung eines selbstbewußten Autors am Ende auch ein wenig Erkenntnis von Wirklichkeit, ja Wahrheit, verdankt, ist nicht zu hoch hinaus gewollt. In den Applaus, den Max Höfler sich im Buch selbst zu zollen pflegt, könnte in Zukunft mancher einstimmen.
Der Falter, Wien

Max Höfler, geboren 1978 in der Oststeiermark, lebt in Graz. Toningenieurstudium sowie Studium der Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte; Dissertation über eine postwittgensteinsche Ästhetik; Veröffentlichungen in diversen Anthologien und Literaturzeitschriften; Gründer der halbvirtuellen Eigenheimgalerie GG44; Mitgründer der Aktions-, Theorie- und Terrorgruppe R.A.P1.2 (= Rotes Armee Partizip 1 hoch 2); derzeit Literaturbeauftragter des FORUM STADTPARK GRAZ.



Freitag, 14. Januar 2011, 19:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
randnummer #3

Präsentation der 3. Ausgabe der Hamburger Literaturzeitschrift mit Hendrik Jackson, Manuel Stallbaumer, Richard Duraj und Nicolai Kobus


Die Hamburger Literaturzeitschrift ist ein weiteres Mal gern gesehener Gast in der Lettrétage und bringt auch dieses Mal wieder ein Heft randvoll mit lesenswerten Texten mit. Die Herausgeber und Autoren werden die nunmehr dritte Ausgabe präsentieren und ausgewählte Texte lesen.

www.randnummer.org



Samstag, 15. Januar 2011, 19:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Ohne Tiere

Autorenlesung mit Roman Israel, Tom Bresemann, Sonja vom Brocke


Roman Israel ist bekannt für seine bissige Lyrik und Prosa. Sein unverwechselbarer Vortragsstil verleiht jedem Text eine Schärfe, die beim Hören ordentlich zwiebelt. Zu seinen literarischen Besonderheiten zählen Beschreibungen skurriler Charaktere und Situationen. Dabei geht es um Schacher und Beschiss, schrottgepresste Mercedes Benz Cabriolets, Angst vor Veränderung und andere Urseuchen des Deutschen.

Tom Bresemanns Gedichtband Makellos wurde von der Kritik als das Debüt eines "zornigen jungen Mannes" bezeichnet. Mittlerweile ist er über 30 und schreibt mitunter Erzählungen. Eine davon wird er vorlesen. Zur Sprache kommen funkelnde Zaubermäntelchen,gelangweilter Würgesex und Drogenkonsum jenseits der Grenzen, die ein Erzähler überwinden muss, um in das Land der Literatur zu gelangen.

Sonja vom Brocke (geb. 1980 in Hagen/Westfalen, lebt in Berlin) schreibt Gedichte, Prosa und monologische bis vielstimmige Texte. Sie veröffentlichte bislang in Zeitschriften und 2010 die Einzelpublikation Ohne Tiere im Verlag Heckler und Koch, Berlin. Hin und wieder arbeitet sie mit bildenden Künstlern zusammen und rückt dabei ihre Texte in räumliche Verhältnisse auch abseits des Blattes.

Roman Israel (geb. 1979 in Löbau) lebt als freier Autor in Dresden und Leipzig. Seine Texte kombiniert er mit Fotos, Grafik, Film, Musik. Zu seinen literarischen Besonderheiten zählen Beschreibungen skurriler Charaktere und Situationen mit gesellschaftskritischen, nicht selten politischen Untertönen. Seit 2005 ist er Mitglied der Lesebühne Sax Royal, die monatlich im Kulturzentrum Scheune in der Dresdner Neustadt ihre neuesten Geschichten, Gedichte, Songs und Hörspiele präsentiert.

Tom Bresemann (geb. 1978 in Berlin) ist bisher hauptsächlich als Lyriker in Erscheinung getreten. Nach Abschluss der Arbeiten an seinem 2011 erscheinenden Gedichtband widmet er sich hauptsächlich dem Schreiben von Erzählungen und wird aus seinem entstehenden Prosamanuskript lesen. Die Publikation Covering Onetti (Verlag Lettrétage) bildet hierbei einen Referenzpunkt, von dem es sich fortzuschreiben gilt.



Mittwoch, 19. Januar 2011, 19:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Tagebuch von nem schlimmen Schlingel

Ni Gudix liest ihre Übersetzung des amerikanischen Kinderbuchklassikers



A Bad Boy’s Diary ist mehr als nur ein 1880 in New York anonym erschienenes Kinderbuch – es ist ein bemerkenswertes literarisches Ereignis, das bislang nicht in seiner eigentlichen Form in der deutscher Sprache stattgefunden hat. Inhaltlich haben sich viele an dem "Ur-Lausbuben der Weltliteratur" angelehnt (so ist der neben Pinocchio jedem italienischen Kind durch seine Tagebücher bestens bekannte Gian Burasca – Hans Wirbelwind - im Prinzip nur ein Plagiat des Georgie Hackett), das Besondere des Originals konnte keiner leisten: es ist – revolutionär für seine Zeit - im Slang geschrieben.




Ni Gudix, die deutsche und englische Literatur in Konstanz und Dublin studiert hat und heute in Berlin lebt, hat nun erstmals eine deutsche Übersetzung erarbeitet, die dem Original wirklich gerecht wird. Und erschienen ist das Buch in Michael Schönauers killroy media Verlag in Asperg.

Georgie Hackett (Facebook)



Freitag, 21. Januar 2011, 19:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Tzveta Sofronieva: Diese Stadt kann auch weiß sein

Buchpremiere


Diese Stadt ist wieder weiß, und mit dem Winter kommt der Band mit Erzählungen und Geschichten der deutsch-bulgarischen Autorin Tzveta Sofronieva gerade recht. Dessen Titelerzählung ist ein Plädoyer für die Einsamkeit und gleichzeitig eine Ermutigung, diese zu durchbrechen.

Die Adelbert-von-Chamisso-Preisträgerin Tzveta Sofronieva, die in verschiedenen Kulturen ganz selbstverständlich unterwegs ist, umreißt mit einer klaren poetischen Sprache ein Panorama von gesellschaftlichen Spannungen und Wirrnissen der ihr eigenen, selbst erfahrenen Lebenswelt. Im Eis des Übungshügels zum Führerscheinerwerb spiegeln sich (alp)traumhaft viele alltägliche Unterschiede der Kulturen. In der Suche eines kleinen Jungen nach Trost im tiefen Schnee des Balkangebirges verbirgt sich die Geschichte eines Jahrhunderts. Auf der trüben Kulisse einer Metropole im Winter entfaltet sich das Bild einer Wissenschaftlerin, die gern selbst bei kalter Witterung Weizenbier trinkt – und sich dabei Gedanken über die Netzwerke der Welt macht. Und eine Blumenverkäuferin lässt ihren Atem nicht einfrieren, auch wenn sie ihren Fahrradhändler verlässt.

Die kurzen Geschichten geben Anlass zum Nachdenken, sind aber auch unterhaltsam und witzig, nicht nur an langen, dunklen Winterabenden.

Foto: Gerd Zurow

Tzveta Sofronieva, geboren in Sofia, schreibt auf Deutsch, Bulgarisch und Englisch. Ihre Gedichte, Essays, Theatertexte und Erzählungen wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Sie denkt über verbotene Worte in der Mehrsprachigkeit nach und meldet sich im intermedialen supernovapoetry Netzwerk. Tzveta Sofronieva, die meist in Berlin lebt, ist Trägerin des Adelbert-von-Chamisso-Förderpreises 2009.



Samstag, 22. Januar 2011, 19:30 Uhr, Eintritt: frei
Katherine Anne Porter: Das Narrenschiff

Buchpremiere. Es liest Gloria Iberl


Im Sommer 1931 tummelt sich im Hafen von Veracruz eine bunt zusammengewürfelte Reisegesellschaft, um sich nach Bremerhaven einzuschiffen. Kaum ist der Anker gelichtet, wird die Vera zu einem Sudkessel menschlichen Narrentums: Ein US-Amerikaner macht sich als alternder Playboy lächerlich, ein deutscher Verleger rühmt sich lauthals seiner Rasse, eine drogenabhängige Señorita betört den herzkranken Schiffsarzt. Die Tollheiten münden in ein groteskes Maskenfest, derweil auf dem Zwischendeck spanische Arbeiter in Schmutz und Elend dahinvegetieren. Weltweit gefeiert, wurde Porters Satire hierzulande "antideutscher Ressentiments" verdächtigt – zu Unrecht, stellt ihr illusionsloser Blick doch die Menschheit insgesamt als Pandämonium der Charakterlosigkeit bloß.

Katherine Anne Porter (1890–1980) begann ihre Karriere als Journalistin in Chicago und schrieb ihre ersten Erzählungen in Mexiko. Längst eine renommierte Autorin, begann sie 1941 mit der Niederschrift von Ship of Fools. Als der sehnlich erwartete Roman 1961 erschien, begründete er den Weltruhm der Amerikanerin. 1966 erhielt sie den Pulitzer-Preis.

Gloria Iberl ist seit 2004 als Schauspielerin tätig und hatte verschiedene Theaterengagements u.a. in München, Stuttgart und Berlin. Außerdem arbeitet sie als Synchron- und Hörspielsprecherin u.a. für den SWR. Derzeit ist sie als Gast an der Landesbühne Sachsen-Anhalt zu sehen und macht Theaterarbeit mit Kreuzberger Grundschülern.




In Zusammenarbeit mit dem Manesse Verlag.



Mittwoch, 26. Januar 2011, 19:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Ulf Geyersbach: Machandels Gabe

Autorenlesung


Zur Vigilfeier des Jahres 1769 erblickt in einer Schäferhütte in der Niederlausitz ein Kind namens Ignatz Machandel das Licht einer Welt, die vor Dreck nur so starrt und durchweht ist von üblen Gerüchen. Sobald Machandel krabbeln kann, probiert er, was ihm in die Finger kommt: Er belutscht Grauplinge, kaut Spinnenbeine und Nachtfalterflügel, leckt an Lederriemen und Eisenpfannen, schmeckt Stroh, Ruß, Rinde und Erde. So gehen sieben Jahre ins Land, sieben Jahre, in denen sich Machandel Abertausende von Aromen einprägt.

Dann hört er auf zu wachsen und beginnt zu kochen. Und schon bald ist von Cottbus bis Lübben, von der Elbe bis zum Rhein die Rede von dem sonderbaren Winzling, der es wie kein anderer versteht, die erstaunlichsten Speisen zuzubereiten.

Als ein harscher Winter eine Hungersnot bringt und Machandels Mutter ins Siechenhaus verbracht wird, kommt der Knabe in ein Kloster. Dort erfährt er von dem berühmten Pariser Koch Baffour, der Gesellen sucht. Machandel macht sich auf die Reise, um an der Seine die Aromen der Liebe, des Ruhms und des Verrats zu schmecken– und um ein bahnbrechendes Buch zu verfassen, von dem noch heute ein Exemplar in der Berliner Staatsbibliothek steht.

Foto: Christoph Seeberger

Ulf Geyersbach, geboren 1969 in Erfurt, 1976 Umzug nach Mainz. Aufenthalte in Freiburg (Breisgau), Lyon und Berlin. Nach dem Studium hospitierte er in Verlagen und Literaturagenturen in New York, Berlin und München. Seit 2000 arbeitet er als freier Lektor. Er ist Autor mehrerer Sachbücher, zuletzt erschien 2008 seine Rowohlt-Monografie über Louis-Ferdinand Céline. Im August 2010 erschien Machandels Gabe, sein erster Roman (Arche Verlag, Hamburg).



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