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Januar 2009


Mittwoch, 14. Januar 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5 Euro
Noemi Kiss: Trans
In Zusammenarbeit mit dem Verlag Matthes und Seitz


Trans handelt von Sexualität in jeder Form, von der Kompliziertheit der Beziehungen zwischen den Geschlechtern und von der Unmöglichkeit der Nähe und wirklichen gegenseitigen Verstehens. Kiss spiegelt in ihren scharfen Beobachtungen und mit ihrer präzisen Sprache die Einsamkeit und Gefühlskälte ihrer Generation wider. Sie ist damit die Stimme einer neuen, Grenzen überschreitenden literarischen Generation: existentialistischer in der Haltung, obszöner im Ton, schärfer in der Analyse, härter in den Konsequenzen.

Noémi Kiss, geboren 1974 im ungarischen Gödölló, studierte Hungarologie, Komparatistik und Soziologie u.a. in Konstanz. Sie veröffentlichte zahlreiche Gedichte, Essays, Erzählungen und Kritiken in deutscher und ungarischer Sprache. Kiss ist seit 2000 Dozentin für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Miskolc.

Kiss liebt das Riskante, das Provokative, die Gratwanderung; wo sie es für richtig hält, scheut sie weder Krudheit noch Obszönität. Und auch nicht die Reflexion über ebendiese Krudheit. Hier liegt das intellektuelle Raffinement der Noémi Kiss, die alles andere als eine realistische Autorin ist und sein will. Zwar hat das Erzählte eine starke Suggestivwirkung, doch die Erzählerin mischt sich allenthalben reflektierend, kommentierend ein, indem sie beispielsweise das Wort Grenze in seine Buchstaben zerlegt und so gleichsam entmystifiziert.
(Ilma Rakusa)



Samstag, 17. Januar 2009, 20:00 Uhr, Eintritt: 5 Euro
Angst. Geschichten von der Liebe
Denis Abrahams liest Anton Chechov


Welche Facetten und Spielformen kann die in der Literatur so vielbeschworene Liebe annehmen? Die Vertrautheit der Geschwisterliebe, das Bangen der untertänigen Verehrung, das flüchtige Begehren im Augenblick, aber auch die loyale Verbundenheit einer jahrzehntelangen Freundschaft verleihen ihr in den Erzählungen Chechovs ein je unterschiedliches Antlitz. Es ist ein Spiel mit wechselnden Masken, die Angst, Qual und Kalkül als Kehrseite des Mysteriums Liebe offenbaren.

Ich beschreibe Ihnen das Leben wahrhaftig, das heißt künstlerisch, und Sie sehen darin das, was Sie früher weder gesehen noch bemerkt haben: seine Abweichungen von der Norm, seine Widersprüche...

Anton Chechov

Denis Abrahams, geboren 1974 in Wiesbaden. Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, währenddessen und danach fester Gast am Staatstheater Wiesbaden. Weitere Engagements am Staatstheater Mainz, Theater „Die Rampe“ Stuttgart, Brescia (Italien) und an der Oper Frankfurt. Zahlreiche freie Literaturprojekte. 2002-2005 festes Engagement am Theater der Stadt Koblenz. Dort Begründer der Lesereihe Spätlese. Lebt seit 2005 als freier Schauspieler und Synchronsprecher in Berlin.

Die ursprünglich zu diesem Termin geplante Veranstaltung aus der Reihe Paris was a woman. Die Frauen von der Left Bank musste wegen Krankheit auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.



Mittwoch, 21. Januar 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5 Euro
Wie lebt der entfremdete Mensch
Gastveranstaltung von Sören Witzel und Freunden


Berlin Berlin,
Hier ist nun ein neuer Autorenkreis entsprungen, jung und frisch, deine abgestandenen Alltagsgeschichten abzulösen und dir zu geben, wonach du sehnst, bedrohliche Tiefe, Dichte: Leben. Acht Autoren, u. A. Sören Witzel (gebt mir mehr), Maximilian Thieme (Momentane Vergangenheit), Robert H. Billermann (Zeichen der Stadt) versprechen einen echten literarischen Abend mit musikalischer Begleitung von Maxim Ralfovytsch Suckow.



Mittwoch, 28. Januar 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5 Euro
Roberto Bolaño: Exil im Niemandsland
Im Rahmen der Reihe Lateinamerikanische Literatur und ihre deutschen Vermittler – Lesung & Gespräch (VI).
Es lesen und sprechen Denis Abrahams (Schauspieler), Heinrich von Berenberg (Übersetzer und Verleger) und Katharina Deloglu (Konzeption und Moderation).


Die Lettrétage lädt zu einer Humboldtschen Entdeckungsreise in die lebendigen Literaturen Lateinamerikas ein. Dabei gilt es, die Entdeckungen ebenso wie ihre deutschsprachigen Entdecker kennenzulernen und auf ihren Spuren literarisches Neuland zu betreten. Dieses Mal wird mit dem Romancier Roberto Bolaño ein Grenzgänger des spanischen Sprachraums vorgestellt: In Chile geboren, in Mexiko aufgewachsen, in Spanien zu literarischem Weltruhm gelangt und früh gestorben, ist Roberto Bolaño so etwas wie der Fliegende Holländer Lateinamerikas. Wie wenige hat er das Exil kennengelernt und sich dazu unsentimentale Gedanken gemacht. Sie bilden den roten Faden von Exil im Niemandsland, seiner Artikel, Essays und Reisebilder, die nachzeichnen, wie er auf krummen Wegen zum Herold der lateinamerikanischen Gegenwartsliteratur wurde.

Heinrich von Berenberg, der mehrere Romane von Bolaño übersetzte und zwanzig Jahre lang im Wagenbach-Verlag als Lektor arbeitete, gründete im Jahr 2004 den Berenberg Verlag. Dort veröffentlichte er im Jahr 2008 Bolaños Exil im Niemandsland. Im Gespräch mit Katharina Deloglu wird er aus den unterschiedlichen Perspektiven des Übersetzers und Verlegers über Bolaños Texte und seine Arbeit als dessen Vermittler erzählen. Zuvor liest der Schauspieler Denis Abrahams Textpassagen aus den autobiographischen Fragmenten, um so die Entdeckungsreise in die lateinamerikanische Literatur zu starten.