Donnerstag, 24. Januar, 19:30 Uhr
Unkostenbeitrag 5 Euro
Schneider+ - Drei kurze Beiträge zum Thema Endzeit
Ein Kabarettabend von und mit Nikolaus Schneider
Das heutige Thema bei Schneider+ könnte brisanter kaum sein, geht es doch um die Endzeit, in der wir alle leben und der wir uns daher, ob wir wollen oder nicht, auch alle stellen müssen. Entscheidend dabei ist die diffizile Beantwortung der Frage, wie man sich optimal auf dieses Ende vorbereitet oder zumindest wie man am besten damit umgeht. Die drei Gastredner Schneiders haben auf ihre je eigene Weise Antworten auf diese Frage gegeben:
Der Kunsthistoriker und Ausstellungsmacher Beat Maria Brandenberger kann der Endzeit am Beispiel von Arnold Böcklins Bild Die Toteninsel durchaus auch positive Seiten abgewinnen. Er schildert die Vorzüge seines ästhetischen Ansatzes, für den kulinarische Genüsse und künstlerisch anspruchsvolle Folterszenen kein Widerspruch sind.
Die Lebensleistung Hanns Henny Heidenreichs, des Nestors der geisteswissenschaftlichen Rationalisierungs- und Abkürzungswissenschaften, besteht im beherzten Kampf gegen unnötige neue Publikationen. Mit seinen elaborierten Computerprogrammen zur Vermeidung überflüssiger Romane, Gedichte und Bekenntnisbände hat Heidenreich sich zwar nicht nur Freunde gemacht, aber vielen von uns viel Lebenszeit geschenkt.
Der europäische Unternehmer des Jahres, der Österreicher Franticek Prokop schließlich hat das Bestattungswesen nicht zuletzt durch eine erhebliche Erweiterung der Produktpalette um funerale Parfüms, Mode, Möbel und Immobilien revolutioniert. Bei Schneider+ plaudert Prokop aus seinem Leben und hält neben diesem und jenem Bonmot auch manche Anregungen für unerschrockene Jungunternehmer bereit.
Mittwoch, 30. Januar 2008, 19:30 Uhr
Unkostenbeitrag 5 Euro
Guy de Maupassant: Stark wie der Tod
Schauspielerlesung von und mit Denis Abrahams
Selten ist eine glückliche Liebe in der französischen Literatur des Fin de Siècle so zart beschrieben worden wie in Guy de Maupassants (1850-1893) Stark wie der Tod. Das Altersschicksal eines begehrten Portraitmalers der Pariser Oberschicht liest sich als psychologische Studie ebenso ergreifend wie als Meditation über die Vergänglichkeit von Jugend, Schönheit und Sinnlichkeit.
Olivier Bertin findet in der Verbindung mit der bildschönen Madame de Guilleroy jenen animierenden Eros, den er für sein kreatives Schaffen benötigt, jene Geborgenheit, nach der er sich als alternder Junggeselle mehr und mehr sehnt, und er findet darin die wohltuende Anerkennung seines künstlerischen Ranges.
Da soll eines Tages die Tochter seiner Freundin in die Gesellschaft eingeführt werden. Annette ist so bezaubernd schön, wie ihre Muter es einst war. Weit mehr noch aber gleicht sie dem Bild, das er einst von ihrer Mutter gemalt hat. Dieses Déjà-vu sinnlichen Begehrens führt dem Maler seine eigene Vergänglichkeit vor Augen. Den quälenden Schmerz endlicher Liebe empfindend, scheint für Bertin mit einem Mal alles bedeutungslos zu werden, was er im Leben und in der Kunst erreicht hat.
Fern von Moral und Pathos und psychologisch hoch versiert erzählt Maupassant diese Liebesgeschichte abwechselnd aus der Position des Malers und der der Gräfin. Die Schrecken des Alterns und die ausweglose Sehnsucht nach Dauerhaftigkeit hat wohl nur Oscar Wilde in seinem Roman Das Bildnis des Dorian Gray ähnlich eindringlich beschrieben. 1889 veröffentlicht, erscheinen in Stark wie der Tod die Widersprüche und Abhängigkeiten zwischen Kunst und Leben vollkommen zeitlos. Hervorzuheben ist auch die Genauigkeit der Übersetzung von Caroline Vollmann, die durch ihre unaufdringlich moderne Sprache diese Geschichte und ihre Figuren erscheinen läßt, als seien sie von heute.
Alle Lettrétage-Veranstaltungen sind nicht-öffentliche Abende für Vereinsmitglieder und Freunde.