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Juli 2016



Montag, 11.Juli, 20:00 Uhr. Eintritt 5.-/erm- 4.- Euro
Der halbfertige Himmel - musikalische Lesung von Gedichten Tomas Tranströmers
Sebastian Fuchs und Sebastian Flaig


Tomas Tranströmers Gedichte sind Luftspiegelungen, realer als physische Gegebenheiten.  Sie sind Türen zum Hinterzimmer eines scheinbar unscheinbaren Moments. Auf engstem Raum werden aus Kleinigkeiten Ungetüme, aus flüchtigen Beobachtungen Visionen. Sebastian Flaig (Perkussion) und Sebastian Fuchs (Stimme) verleihen den Sprachbildern Tranströmers einen momenthaften Klangkörper. 
Stimme und Perkussion stützen, kontrastieren, umspielen sich, deuten sich gegenseitig aus. Fuchs und Flaig nähern sich Tomas Tranströmer, versuchen ihn zu fassen, sie greifen sein Sehen, Scheinen, Spüren auf und finden klanglich zu einem eigenen Puls, zu atmender Lebendigkeit.



Sebastian Fuchs ist Sprecher und Vokalartist ohne Pseudonym. 2004-2008 Studium der Sprecherziehung an der staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. 2007-2008 Mitarbeit im Sprecherteam des Südwestrundfunks. 2008-heute Dozent für Sprecherziehung an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin. 2011-2012 zusätzlich Gastprofessor an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Seit 2013 Freier Sprecher für Doku, Hörbuch, Werbung, Vokalkunst.

Sebastian Flaig aus Freiburg studierte ethnische Perkussion und Jazzdrumset an der Hochschule für Musik in Leipzig.   Von der orientalischen Musik zum Jazz und experimenteller Musik bis hin zur Alten Musik reicht sein stilistisches Spektrum  in verschiedenen Ensembles wie dem Taner Akyol Trio, Pain Perdu, KalhorFlaig Duo, Susan Weinert, u.a. Sebastian war Mitglied des Bundesjazzorchester und spielte in verschiedenen Tanz- und Theaterproduktionen u.a an der Komischen Oper, am Stadttheater Freiburg, Bauhaus Dessau. Er komponierte die Musik zu Dokumentarfilmen und Theaterstücken und tourte im Iran, Libanon, Syrien und der Türkei.

Hörbeispiel



Dienstag, 12.Juli, 20:00 Uhr. Eintritt 5,- / erm. 4,- Euro
Berliner Fenster
Lesung aktueller LCB-StipendiatInnen
Mit Manuel Niedermeier, Friederike Gösweiner, Jan Snela und Irmi Fuchs


Die Stipendienprogramme des Literarischen Colloquiums locken regelmäßig die interessantesten aktuellen deutschsprachigen und internationalen Autorinnen und Autoren nach Berlin. Die Lettrétage stellt in unregelmäßiger Folge einige von ihnen vor.
In Kooperation mit dem Literarischen Colloquium Berlin


Irmgard Fuchs, geboren 1984 in Salzburg, lebt in Wien. Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft sowie Sprachkunst. Stipendiatin der Drehbuchwerkstatt München/Steiermark/Zürich. Diverse Auszeichnungen und Stipendien, zuletzt: Aufenthaltsstipendium im Literarischen Colloquium Berlin 2016, Gewinnerin beim Ö1-Literaturwettbewerb „Geld und Gier“ 2015, Hauptpreis des Drehbuchentwicklungspreises der Stadt Salzburg 2015, Nominierung zum Leonce-und-Lena-Lyrikpreis 2015.

Zuletzt erschienen: Wir zerschneiden die Schwerkraft. Erzählungen, Kremayr & Scheriau, Wien, 2015.






Jan Snela, 1980 in München geboren, studierte Komparatistik, Slavistik und Rhetorik. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien. Gewinner beim 18. „Open Mike“ der Literaturwerkstatt Berlin. Teilnahme an den 40. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt 2016. Sein erstes Buch, der Erzählungsband Milchgesicht, erschien im Februar 2016 im Verlag Klett-Cotta. Jan Snela lebt in Tübingen und Stuttgart.






Manuel Niedermeier, geboren 1984 in Regensburg, hat Germanistik und Allgemeine und Vergleichenden Sprachwissenschaften in Regensburg studiert; später Komparatistik in Wien. Im Frühjahr 2014 erschien sein Debütroman „Durch frühen Morgennebel” im Verlag C.H. Beck. Er erhielt verschiedene Preise und Stipendien.








Friederike Gösweiner, geboren 1980 in Rum, lebt in Tirol. Sie studierte Germanistik und Politikwissenschaft und lebt als freie Lektorin und Journalistin in Tirol. Der Roman Traurige Freiheit, im Februar 2016 im Literaturverlag Droschl erschienen, ist ihre erste literarische Veröffentlichung.







Mittwoch und Donnerstag, 13.Juli- 14.Juli, 10:00 - 17:00 Uhr.
Wort.Kunst.Markt - Wege in die Veröffentlichung
WORKSHOP mit Dr. Patrick Baumgärtel


Das Buch, das Werk ist fertig. Nun soll es „nur noch“ den Weg in die Öffentlichkeit finden. Auf diesem Weg tun sich viele Fragen auf. In diesem Workshop werden wir versuchen, die meisten davon zu beantworten bzw. uns die Antworten auf Ihre Fragen gemeinsam zu erarbeiten.

Mehr Informationen unter:
foerderband.org .
Anmeldung unter: weiterbildung@foerderband.org oder 030 28 49 387-0/-27

Das Event auf Facebook





Freitag, 15.Juli, 20:00 Uhr. Eintritt frei
Der Salat kam nach Moskau - Lesung und literarisches Gespräch mit Dmitri Dragilew und Vasyl Lozynskyj
Mit Ron Winkler


Im hochroth Verlag erschienen mit Dmitri Dragilews „Städtische Ligaturen“ und Vasyl Lozynskyjs „Das Fest nach dem Untergang“ jüngst zwei Gedichtbände, an deren Übertragung ins Deutsche eine Reihe von Autoren und Übersetzern mitgewirkt haben (um genau zu sein: zehn). Auch in ihrer Funktion als Kurator, Kulturmanager, Übersetzer und Redakteur agieren Dragilew und Lozynskyj als Multiplikatoren, die mit dem Vorurteil des Lesens von Lyrik im „stillen Kämmerlein“ gehörig aufräumen. Da der eine in Lettland geboren und in der russischen Diaspora in Berlin aktiv ist, der andere aus der Ukraine stammt, reizt es umso mehr, auch über die literarische Vielfalt im postsowjetischen Raum und die Wechselbeziehungen – vermeintlicher? – Peripherien zu sprechen.



Dmitri Dragilew (*1971 in Riga) lebt seit 1994 in Deutschland. Er ist einer der Mitinitiatoren der Berliner literarischen Gruppe SAPAD NAPERJOD (KdW – Kehrseite des Westens). Auf Russisch sind bisher drei Gedichtbände, ein Essayband zur Geschichte des russischen Tangos und die Biographie des Jazz-Musikers Eddie Rosner erschienen. Seine Texte wurden ins Deutsche, Ukrainische und Sorbische übersetzt. Er ist Mitglied des Exil-P.E.N. und Vorsitzender der Vereinigung russischsprachiger Autoren in Deutschland.

D. Dragilew, „Städtische Ligaturen“, russisch/deutsch, aus dem Russischen von Hendrik Jackson, Olga Kouvchinnikova, Ingolf Hoppmmann, Elena Blokhina und Sergei Gladkich. Mit Zeichnungen von Petrus Akkordeon und einem Nachwort von Monika Rinck, hochroth Berlin 2016.



Vasyl Lozynskyj (*1982 in Lwiw) studierte Deutsch und Literatur in Lwiw und Berlin. Seine Gedichte wurden ins Englische, Deutsche, Schwedische, Italienische, Polnische und Russische übersetzt. Seit 2008 ist er Mitglied der Redaktion der Kulturzeitschrift „Prostory“ sowie der Kuratorenvereinigung „Kunstrat“. Lozynskyj lebt und arbeitet in Kiew.

V. Lozynskyj, „Das Fest nach dem Untergang“, ukrainisch/deutsch, aus dem Ukrainischen von Jakob Mischke, Anna Kauk und Beatrix Kersten unter Mitwirkung von Ron Winkler und Uljana Wolf, hochroth Wiesenburg 2016.





Sonntag, 17.Juli, 20:00 Uhr. Eintritt 5.-/erm- 4.- Euro
Paul Ernst zum 150. Geburtstag - Polymeter
Lesung mit Denis Abrahams und Ralf Gnosa



Bild: Gertrud Simmel (um 1900)

Paul Ernsts Gedichtsammlung "Polymeter" stehen in ihrem Erscheinungsjahr 1898 scheinbar isoliert in der zeitgenössischen Lyriklandschaft. Zwar gibt es mehr Querbezüge, als man im ersten Moment annimmt, aber sie stießen in der Kritik auf Unverständnis, Ablehnung, ja, sogar Hohn, soweit sie überhaupt wahrgenommen wurden - einzig Georg Simmel fand lobende Worte. Heute wirken sie zeitgenössischer als manches Andere um 1900.
Zum 150. Geburtstag Ernsts 2016 hat nun der Verlag Reinecke & Voß eine schön gestaltete Neuausgabe der "Polymeter" erstellt, aus der Denis Abrahams, ausgewiesener Lyrikkenner und -Rezitator lesen wird. Die Moderation übernimmt Ralf Gnosa.


Details zu Autor und Text

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Internationalen Paul-Ernst-Symposiums in Berlin statt - Gäste sind herzlich willkommen:

weitere Informationen



Dienstag, 19.Juli, 20.00 Uhr. Eintritt 3.- Euro
Ibn-Rushd-Lecture
Vortrag von Mohamad Adel Mtimet
Professor für Philosophie und Geistesgeschichte
Universität Gabès – Tunesien















Gibt es in der arabischen Kultur die Voraussetzungen für ein Dasein als Individuum, oder sind politische sowie moralische Individualität und arabische Kultur Widersprüche in sich? Diese Frage, so aktuell wie heikel, umkreist der tunesische Philosoph Mohamad Adel Mtimet in seinem Beitrag zu den Ibn Rushd Lectures. Seine These ist, dass diese Frage bis heute nicht mit ausreichender Tiefe und Sorgfalt von den arabischen Denkern und Autoren behandelt wurde. Er findet es seltsam, Demokratie und Modernität anzustreben, aber diese imminent wichtige Frage außer Acht zu lassen, und vermutet, dass vielleicht arabische Denker und Autoren das 'Individuum' gar als Selbstverständlichkeit betrachten, nur weil sie selbst innerlich frei sind, und so schreiben und kreativ sein können. Die Forderung nach Individualismus sollte sich aber nicht auf das literarische oder geistige Bewusstsein der Autoren und Experten, also einer Elite, beschränken, sondern im Gegenteil die gesamte Gesellschaft und die Kultur im Allgemeinen einschließen. Auch gilt es, das Augenmerk auf die zentrale Frage zu richten: ohne Autonomie und Individualismus sind keine der angestrebten politischen Modernisierungen und also keine wirkliche Demokratie möglich?
Denn das Descart'sche ICH oder der Individualismus nach Hobbes sind keine bloßen Slogans, die eine Elite von Gelehrten hochhält; sie reflektieren einen umfassenden gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Umbruch. Es geht um die Aufrichtigkeit beim Reden von Moderne, Demokratie, Säkularismus und Laizismus. Ist der kantische Begriff des autonomen Individualismus, der die Unmündigkeit überwunden hat und in die Mündigkeit eingeht, und somit die Voraussetzungen der Zugehörigkeit zum offenen Raum begreift, nicht eine unentbehrliche Bedingung für Demokratie, modernes Denken und Laizismus? Ist dies alles nicht wiederum eine alternativlose Voraussetzung zum Aufbau von ideologisch und moralisch stabilen und ausgewogenen Gesellschaften? Im Hinblick auf die arabischen Gesellschaften soll die hier angerissene Problematik unter folgenden Gesichtspunkten betrachtet und diskutiert werden:

- Was ist Individualismus?
- Das Individuum im Rahmen des moralischen und politischen Experiments des Westens (in Relation zur Reformwegen, Laizismus und Demokratisierung).
- Die Schwäche des realen Individuums in der gegenwärtigen moralischen und politischen Diskussion.
- Was ist zu tun?

Vortrag in arabischer Sprache. Die deutsche Übersetzung des Textes wird in gedruckter Form ausliegen.





Donnerstag, 21. Juli, 20:00 Uhr. Eintritt 6,- Euro, erm. 4,- Euro
inter_poems 4
Erín Moure (CA) und Uljana Wolf (DE)



Der vierte Abend der Reihe inter_poems führt uns in "Translantisches", wie Uljana Wolf sagen würde. Nicht nach dies- oder jenseits des Atlantik, sondern ins Dazwischen, in den dritten Raum der Übersetzung, zwischen den Sprachen, zwischen den Literaturen. Erín Moure aus Kanada und Uljana Wolf (D/US) sind als Autorinnen gleichermaßen Über-Setzer zwischen Nordamerika und Old Europe. Erín Moures mehrsprachige Lyrik durchzieht das kanadische Englisch mit einer Tonspur aus Portugiesisch und dessen historischem Vorläufer, dem Galizischen – eine Lyrik, die Uljana Wolf u.a. auf Mittelhochdeutsch re-inszeniert. Beide sprechen mit Daniel Graf über Muttersprachen im Plural, das Übersetzen als Erkundungsraum von "Eigenem" und "Fremdem" und über Interferenzen zwischen Schreiben und Übersetzen.

Bild: Mélodie Inouie

Erín Moure, 1955 in Calgary geboren, ist Lyrikerin und Übersetzerin aus dem Französischen, Spanischen, Galicischen und Portugiesischen. Seit 1979 sind bereits 16 Lyrikbände von ihr in Kanada erschienen. Ihre Übersetzungen wie ihre eigene Lyrik wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. den Pat Lowther Prize und den Governor General's Award. Sie experimentiert mit mehrsprachiger Lyrik ebenso wie mit algorithmengestützten Schreibverfahren. Zuletzt erschienen die Bände „The Unmemntioable“ (sic) und „Kapusta“, die sich beide mit Entwurzelung, Vertreibung und der narbenvollen sprachpolitischen Geschichte der westlichen Ukraine auseinandersetzen (von wo ihre Familie stammt). Erín Moure lebt in Montréal.

Bild: Timm Koelln

Uljana Wolf, 1979 in Berlin geboren, Lyrikerin und Übersetzerin, lebt in New York und Berlin. Sie veröffentlichte drei Gedichtbände, zuletzt „meine schönste lengevitch“ (kookbooks 2013). Wolf übersetzt aus dem Englischen (John Ashbery, Yoko Ono, Matthea Harvey, Cole Swensen u.a.) und aus dem Polnischen. Für ihr lyrisches und übersetzerisches Werk erhielt sie zahlreiche Preise, u.a. den Peter Huchel Preis sowie zuletzt den Adalbert-von-Chamisso-Preis. Wolf unterrichtet Deutsch, Poesie und Literarische Übersetzung an der New York University, dem Pratt Institute und dem Institut für Sprachkunst in Wien.

Die Moderation übernimmmt Daniel Graf.

Lesungen auf Englisch und Deutsch, Gespräch auf Englisch

Anmeldungen, weitere Infos und Fotomaterial auch unter: mail@inter-poems.de Website: www.inter-poems.de

Die Veranstaltung wird großzügig unterstützt durch den Conseil des arts et des lettres du Québec. inter_poems 4 benefits from the financial support of the Conseil des arts et des lettres du Québec, the principal public partner.

Inter_poems wird unterstützt durch den Hauptstadtkulturfonds